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Verlag: Langgaffe 27.
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AgriKulturelle SchneLdigkeil.
Während die Großindustrie Amerikas nur etwas über zchn Millionen Personen beschäftigt, leben 40 Millionen, d. h. etwa die Hälfte der gesamten Bevölkerung, auf landwirtschaftlichen Niederlassungen. Da die Hauptquelle des amerikanischen Reichtums dem segensreichen Schoße Mutter Gäas entsprießt, ist es kein Wunder, wenn das fchneidige Landwirtschaftsministerium eine der wich tlgsten Rollen im Staatshaushalt spielt. Seine Tätig- keit ist -eine außerordentlich vielseitige und umfassende Zu seinen Obliegenheiten gehört u. a. die Einbürgerung von Sämereien, Baum- und Straucharten, Haus- und Nutztieren aus fremden Ländern; die Bekämpfung aller »Kinde des Pflanzen- und Tierlebens; die systematische Erforschung des Bodens behufs Umwandlung unfruchtbaren Landes in fruchtbares; die Errichtung von land- wirtschastlichen Versuchsstationen und die Verbreitung wichtiger Unterweisungen unter den Millionen landwirtschaftlicher Interessenten. Die Einführung verschiedener Pflanzenarten in bislang noch nicht ausgenutzte Regionen macht gute Fortschritte, !vie z. B. in den sumpfigen Niederungen des Südens, auf dm felsigen Abhängen der Gebirge, in den dürren Ebenen und auf den Alkalifeldern des Westens und Südwestens.
Momentan ist das Ministerium damit beschäftigt, iw Sudwesten die Dattelpalme in großem Stil zu akklimatisieren. Wenn dieser Versuch so gut gelingt wie bisher mehrere andere, werden die ungeheuren, unfruchtbaren dürren Ebenen Neu-Mexikos, Arizonas und des südöstlichen Kaliforniens durch die Anpflanzung dieser köstlichen Frucht sehr rmtzbar gemacht werden und dem Lande neue große Einnahmequellen sichern. Gleichzeitig werden auch Versuche unternommen mit dem- turkeftanischen Alfalfa und gewissen Baumwollarten, in den bisher als völlig unfruchtbar betrachteten Alkali-Regionen des Südwestens Das Ministerium ist durch die ungeheuren Erfolge, die es mit Reis- und Makkaroniweizen-Anpflanzungen in bis dahin ebenfalls für unfruchtbar gehaltenen Gebieten erzielte, zu weiteren Versuchen ermutigt worden. Die Amerikaner sind eben nicht kleinlich und finden, daß sich das alte Sprichwort „Probieren geht über Studieren" bewahrheitet. Tie bereits glänzend geglückten Experimente des letzten Jahrzehnts haben dazu geführt, daß der Rationalreichtum sich nicht nur um viele Millionen Dollar jährlich vermehrt, sondern daß auch eine große Anzahl Menschen Arbeit gesunden hat.
Vor 18—19 Jahren begannen in Louisiana einige unternehmende Landwirte sich mit der Hebung der Reis-
kultur zu beschäftigen. Sie führten allerlei verbesserte Vlluge und arbeitsparende Maschinen ein, um die Pro- "Ewnskosten zu vermindern. Me Erfolge waren aber Tnu)t§ tüemqet al& befriedigend, denn der Prozentsatz der gebrochenen Körner war ein so großer, daß die Ernte ergebmsse nur als zweitklassiger Reis auf den Markt ge- bracht werden konnten. Nun kam das landwirtschaftliche Ministerrum den Neisbauern zu Hülfe. Es entsendete Fachleute nach Japan, um dort eine Reisgattung ausfindig zu machen, welche weniger empfindlich ist. Und es gelang tatsächlich in dem Kiuschureis eine Sorte zu finden, dre allen Anforderungen entspricht.
- war der glückliche Erfolg des Reisexperiments
rm Publikum bekannt, als auch sofort eine Bewegung ins Leben trat, die es sich zur Aufgabe stellte, die unge- hmrren, Malaria verbreitenden Sümpfe von Louisiana, Ost-wexas und den anderen Golfstaaten in Reisplantagen zu verwandeln. Man investierte nicht weniger als 20 Millionen Dollar in dieselben und schon im Jahre 1900 wurden um acht Millionen Pfund- Reis mehr geerntet als rm Vorfahre, während 1901 die Ernte um 66 Millionen Pfund Reis mehr betrug als 1900. Me Ber- Wandlung der unfruchtbaren Sümpfe in Reisplantagen hatte schon nach drei Fahren zur Folge, daß die Einstchr dieses so viel begehren Lebensmittels von 154 auf 73 Millionen Pfund sank. Me Zeit dürste nach Ansicht von Fachleuten nicht fern sein, daß die Vereinigten Staaten nicht nur keinen Reis mehr importieren, sondern ein großes Reisexport-Gebiet fein werden. I. k.
Deutsches Reich.
Ein Handelsangcüot des Zentrums.
Das Zentrum möchte sich offenbar wieder einmal als regierende Partei aufspielen. Verschiedene Zentrums- leute scheinen unter einem heftigen Kopfzerbrechen darüber gelitten zu haben und noch zu leiden, wie das Problem der Äanalvorlage am zweckmäßigsten gelöst werden tonnte, und da alle Möglichkeiten gleicherweise erwogen werden muffen, so haben sich diese nachdenklichen Männer gefragt, ob es denn wirklich angehe, das Kanalgesetz im Falle ferner Wiederkehr abermals unter den Tisch fallen zu Idffett. Sic Animart ntufj toofjl ein Stein cretoefen fein Jedenfalls kann man es als ein Echo solcher tiefgründig diplomatischen Erwägungen betrachten, wenn die „Kölnische Volkszeitung" verschämt, aber dabei zugleich mrt derbster Deuüichkeit durchblicken läßt, wie sich das Zentrum den weiteren Verlauf denkt. Nämlich so denkt die Partei sich ihn daß die Regierung ein Schulunter- haltungogesetz vorlegt, das Konservative rind Zentrum so umzugestalten hätten, daß beide Parteien ihre Wünsche
Urtternmhlter Grund.
Roman von Anton Freiherr« vom Persall.
(23. Fortsetzung.)
^. Während der großen Pause kam Nonei an seinen Disch; die Herren waren entzückt über dieseir Vorzug und iahen triumphierend im Saal herum, wo diese Ungeniert- yeit allgemein getadelt wurde. Während der Vorstellung as entschieden unpassend, störte den Eindruck; nach oer Vorstellung erwartete man es ja nicht anders; erst als me Kellner das Verhältnis des jungen Mannes zu Nonei, »eben dem sie saß, kolportierten, gewann die Sache neues Interesse.
Ein Herr überreichte ihr ein Veilchenbukett, sie verchte ihm die Hand wie einem alten Bekannten, er setzte N an den Tisch auf die andere Seite Noneis. „Gras «^berg", stellte er sich vor. Die Manschetten wurden noch weiter vorgezogen, daß die goldmen Knöpfe blitzten, aie Diamvntnadel zurecht gesteckt, dem Grafen ein Glas «champagner eingeschenkt.
Nonei beschäftigte sich bald mir mit ihm allein, sie wrgch im Flüsterton, sein Arm lag auf der Lehne ihres Stuhles; man zwinkerte sich zu, machte, ärgerlich, oaruber, ergötzliche Witze.
Ambros fand nicht das geringste dabei, er stieß auflallend mit dein Grafen an, der, mit Nonei beschäftigt, Zerstreut oberflächlichen Bescheid gab.
Plötzlich flog dunkle Röte über das Antlitz des »wochens, sie rückte etwas weg von ihrem Nachbar, als «ernere sie der Arni — ein Tisch hatte sich entleert, man ,atte freiere Aussicht — „die Theresa" flüsterte sie ckmbros zu.
s Graf zwängte das Monocle ins Auge und folgte fr 1 Blick Noneis. Theresa Giorgi, die jetzt am Hof- Jeater der Hauptstadt als Primadonna engagiert war, M dort in Gesellschaft von Herren und Damen, sie blickte ihr Lorgnon unverwandt auf die Gruppe.
, »Theresa Giorgi!" schnarrte geringschätzig ihr Ver- „Na, wegen der brauchen Sie nicht scheu zu wer- 2^. liebes Kind! Eine Schwester in der Kunst, nur daß
die jüngere sind."
Er lachte über den gelungenen Witz; alles lachte mit und wandte sich um nach der Sängerin, die schleunigst ihre Beobachtungen aufgab.
Im ersten Augmblick durchzuckte Nonei wider ihren Willen ein Gefühl der Scham, als sie Theresa erblickte, dann verwandelte es sich in das des Ärgers, ja, des 1 fte wnr ja doch nur gekommen, um sie
zu kritisieren, von ihrer unnahbaren Kunsthöhe aus, sie zu betrachten — die Volkssängerin!
^ Da tat ihr, die Schmeichelei des Grafen unendlich wohl, er hatte m ihren Augen sehr gewonnen.
Ambrob wollte sich die Gelegenheit nicht entgehen laisen, vor aller Welt seine Bekanntschaft mit der Sängerin kund zu tun Sofort eilte er an ihren Tisch, in ge- wandter Weise sie begrüßend.
»Lhre erste Frage war nach Franzl. Ambros er- Fvanzl klang hier so schlecht, sie hätte ja einfach nach seiner Frau fragen köimen
s fe s" nen sie ja, meine Gnädige, sie ist so Menschen- rieues 1 S’tar“ t1 ’ W faim td) redE,t gewöhnen an unser
„Das verdenke ich ihr nicht", entgegnete Tbereia „von ihrem herrlichen Anwesen da herein in die Stadt > -per Umerschied ist zu groß! Geht mir schon so nach bleibeN^ Wollen Sie denn ganz hier
"Meine Geschäfte halten mich in der Stadt."
„Blas haben, Sie denn für ein Geschäft?"
, r , ganz einträgliches, meine Gnädige", entaeanete selbstbewußt Ambros. „Ich besitze ein Haus in L Dorotheenstraße und werde bald mehr besitzen —" sagten*"" Hauserspekulant, Privatier — wie Sie einst
. rldlttg, mit dem Sie nicht sprechen wollen als
StJ“ können Sie sich 'noch erinnern - da- mal» im schiffe — wenn ich Sie störe —"
Sidjw dm ^ESung, als wolle er sich zurück-
haüfiMr m Ufetc bas gewandte Benehmen bewundern, ba bch d« Baliernbursche in einem Jahre angeeignet
rtereiS 15 3k * er? " fragte fic ' f«« Bemerkung igno-
nach einem konfessionellen Volksschulgesetz im wesentlichen befriedigt sehen würden. Ist dies große Werk vollendet, dann konnte, so meint die „Köln. Volkszeitung", auch die Kanalvorlage zur Entscheidung kommen. Wenn aber die Regierung von einem Schillunterhaltungsgesetz uiid namentlich von einer Erweiterung dieser Vorlage im Sinne der Parteien der Rechten nichts wissen will, dann tann sie sich (immer ist es die „Köln. Volksztg." die das sagt) die Muhe einer umfassenden Kanalvorlage sparen. Nun weiß man freflich nicht, wer hinter dem überklugen Pf°ue steht, den das rheinische Zentrumsblatt soeben mitteilt, aber da der Vorschlag ganz im Sinne der mswktlk ist, so laßt sich erwarten, daß er aus der Mitte dieser Partei nicht bekämpft werden wird. Mn- bestens die stille Zustimmung der Mehrheit im klerikalen Lager mag ihm gesichert sein. Das Zentrum als aber- maliger Retter der Regierung in schweren Nöten, das Ware m keine so neue und überraschende Erscheinung Allerdings hat man nicht den Eindruck, daß Graf Bülow oegerstert von dem ibm angetragenen Handels-Ge- schast sein werde, und damit würde der verwünscht gescheite Gedanke der „Köln. Volksztg." in Wahrheit herzlich dumm werden. Tenn was nützt die schönste Illusion, wenn ste aus dem papiernen Dasein nicht heraustreteu kann! immerhin, die Phantasien der „Kölnischen Volks- zeitung wollen verzeichnet sein, weil es sich um eine und einflußreiche Partei handelt, die hinter dem Blatte steht Vor allem werden sich die liberalen Wähler zu merken haben, welche liebenswürdigen, zeitfeindlichen Wunsche m bezug auf die Schule gerade jetzt, vor den Landtagswahlen, offen ausgesprochen werden.
Waffenbrüderschaft" zwischen Deutschland und Rußland.
Das vielberufene Telegramm der „Nowoje Wremja" aus Wladiwostok, das die dort stattgehabte „Verbrüde- rung" von deutschen uiid russischen Matrosen in den höch. sten Tonen feierte, konnte selbstverständlich niemals als private Leistung aufgefaßt werden. Ms deutschfeindliche „Nowoje Wremja" druckte als Tele- gramm" nur ab, was vorher im Ministerium des Aus- wartlgen niedergeschrieben worden war. Damit aber dis öffentliche Meinung, Europas genauer erfahre, was sich All getragen hat, nimmt jetzt auch, die ,> Peters burctet! Zeitung das Wort und spricht ganz offen und unge- schminkt von einer Fortsetzung der Politik, die nach dem Frieden von Schimonoseki begonnen habe. Das russisch, deutsch-französische Einvernehmen, mit dem damals dem Vordringen Japans Halt geboten wurde, beweise von! neuM seine Kraft, und dann fährt das Blatt mit nach, drucklicher Betonung fort: „Wurde damals eine diplo- matifche Freundschaft geschlossen, so handelt es sich jetzt um die Waffenbrüderschaft." Solche Worte in einem Organ, das nicht wagen würde, sich ohne Ermächtigung
^ Ambros wurde verlegen. Ae Augen aller am waren auf ihn gerichtet, gerade nicht mit freund. Iichem Ausdruck, Th>eresa hatte wohl von ihm erzählt
„Er lebt auf dem Hofe."
„Mit der Mutter?"
Ambros zögerte.
„Nein, die Mutter ist jetzt bei Nonei "
„Allem also im Hofe, der alte Vater?" rnr ß// Stimme klang vorwurfsvoll, er konnte ihren Blick kaum aushalten, er wünschte sich zurück an seinen- wisch — doch wtzt mußte er Rede stehen, unvorsichtig jetzt viele Leute dort!" erwiderte ex
„Viele Leute? Welche Leute denn?" gehör?~~ b ° 1TC S8er0toerfe “ dem das Haus jetzt
„Grubenarbeiter wohl mit ihren Familien und mstten darunter m einer Kammer Ihr Vater, nicht wahr? Das wu-d chm aber, schwer ankommen, dem alteir Vater. Glauben Sie nicht auch, Herr Hintermooser?"
Sie ruckte nervös den Sessel und fixierte ihn
„Nicht meiiie Schuld, Fräiilein, er kann jeden Tag zu uns, ziehen — Platz genug — aber er will nicht, alte Leute fmd halt elgeminnig."
P QV ^nst ein kleiner König auf seinem Hof, und Konche können sich schwer m ein Miethaus gewöhnen in ocr Dorotheenftraße, das müssen Sie bedenken."
„>;n,ein Miethaus in der Dorotheenstraße!? Hören S^ mein Fraulem — kennen Sie denn die Dorotheen-
„Gewiß kenne ich, sie, eine schöne Straße und schöne Hauser, aber wlche Könige haben eigene Ansichten. Sie gchoren nicht zu der Rasse Sie verstehen das nicht. FN't sich .Ihre Schwester glücklich in ihren neuen Ben^ . - sprang sie über. '
sie ja selbst am besten beurteilen,
Onaorge^ Fraulem, selbst eine arasic Künstlerin_"
Tw Herren rmd Damen lächelten sich u
Empfa'ng ia vorhin gehört - den
'f.™ H^i.tzNveh?" fragte die Sängerin weiter.
„^.lber, Fräulein, nach was denn? Bei dem Erfolg!*
