erläge Mm Wiesbadener Tagblatt.
No. 383. Morgen-Ausgabe.
Wie viel ist »ns in de» Kindertagen unbekannt und wie herrlich ist diese Unwissenheit!
M. Gorki.
H _____ä»
(20. Fortsetzung.)
Freiheit!
Noman von Walter Schmidt-Häßler.
„Vor Ihnen, Fräulein Ella, empfand ich zum ersten Male rm Leben das Gefühl, das ein junger Mann vor Ihrem Geschlechts stets empfinden sollte, eine unbe- grenzte Hochachtung, eine Bewunderung vor Ihrer ganzen ; Art und Weise, die sich von Tag zu Tag steigerte. Aus j- Ihrem Wesen wehte mich etwas so neues, so eigenartiges an, daß ich mich fast vor Ihnen fürchtete. Deshalb wich A Ihnen anfänglich aus, fühlte mich eingeschüchtert in ^hrer Nähe und wußte nicht, was und worirber ich mit Ihnen reden sollte. Sie kamen mir in allem so viel besser, so viel größer und klüger vor, als ich, daß ich in Ihrer Gegenwart etwas Beengendes nicht los werden konnte. Ich fing an, Sie zu beobachten. Sie förmlich zu studieren. Der wunderbare Einfluß, den Sie aus meine Mutter gewannen, dir mir nach und nach wieder mit der alten Liebe, dem alten Vertrauen entgegenkam, was ich Ihnen zuschrieb, Ihre vornehme Art, dieses große Haus- wesen zu dirigieren, die Verehrung, die jeder im Hause für Sw empfand, alles das gab mir den Beweis, daß Sie wirklich und wahrhaftig höher standen, als alle die jungen Damm aus unserer großen Bekanntschaft, die mir bisher begegnet waren. Und da, anfänglich mir selbst unbewußt, fing ,ch an. Sie zu lieben!"
In jähem Erschrecken sprang sie auf, streckte ihm, wie zur Abwehr von irgend etwas Entsetzlichem, beide Hände entgegen, und flüsterte in höchster Erregung: „Kein
~.ort weiter, Herr Gras, ich bitte Sie: denn ich darf keine Silbe mehr hören! Hätte ich von all dem eine Ahnung gehabt, me hätte ich darein gewilligt, hinter dem Rücken meiner Gonnerin Sie anzuhören!"
„Und dennoch müssen Sie mich hören bis zu Ende" fuhr er fort, indem er ihr den Ausgang aus dem kleinen Erker vertrat, „denn was Sie bis jetzt gehört haben, kann Dw ia nur tödlich beleidigen, indem Sie es als eine un- verschämte Erklärung eines Leichtsinnigen mrsfassen, der ^ie ahnungslos überfällt, wie jener gewissenlose Bursche «re einst auf Ihrem Zimmer überfiel. Damals sagte ich ^hnen, als ich Ihren Dank verweigerte, heben Sie ihn nur auf; denn es kommt vielleicht die Stunde, wo ich mir mein Eigentum erbitte. Nun, gut denn, zum Dank für Men Dienst in einer bangen Minute, bitte ich Sie — Horen Sie mich jetzt zu Ende!"
fan l ®- IIa in den Sessel zurück und stützte oen gluh«mden Kops in die Hand. Ihre Kniee zitterten, wr Herz schlug zum Zerspringen vor Angst, Beschämung
Mittwoch, den IS. August.
und Qual; aber sie fühlte, sie mußte bleiben; denn hier sprach etwas anderes mächtig und überzeugend zu ihr, als die erregte Laune eines leichtsinnigen Verführers.
„Ja, Ella!" fiihr er leise, mit zitternder Sfimme fort, „ich fing an. Sie zu lieben, von ganzem Herzen, und mit jeder Faser meines Empfindens. Ich betete Sie an mit einer wahren Verzückung, schaute zu Ihnen empor, wie ?u meiner Mensch gewordenen Glückseligkeit. Aber ich wäre eher gestorben, als daß ein Wort, ein Blick Ihnen das Geheimnis verraten und Ihnen Ihre glückliche Unbefangenheit gestört hätte. Ich sagte mir alles, was ein Mensch sich nur^ sagen kann, um sich selbst zur Vernunft zu bringen, daß Sie mir nicht glauben würden, wenn ich zu Ihnen von meiner Liebe redete, daß Sie viel zu ernst, viel zu kühl wären, um nicht über das Feuer zu lächeln, das mich verzehrte. Aber alles half mir nichts, und so entschloß ich mich zu meiner Reise, um vielleicht in der Fremde Herr zu werden über mein Empfinden und geheilt zurückzukommen. Aber ich Tor kannte ja nicht die Liebe, wußte nicht, daß Trennung nur die Flammen noch mächtiger schürt, ahnte nicht, daß Ihr Bild in immer gleicher Schöne mich überall begleiten würde auf Schritt und Tritt! Und wo ich auch war. Sie waren mit mir überall. Da ward es mir klar, was ich zu tun hatte, da sah ich den einzig richfigen Weg, den ich gehen mußte, wenn ich Ruhe finden wollte. Ich schrieb meiner Mutter von Paris aus, daß ihr sehnlichster Wunsch in Erfüllung gegangen sei, und daß ich ein Mädchen gefunden, das ich liebte, nicht mit jenem süßlichen Augenblicksrausch, der nur zu bald verfliegt, sondern mit der großen, wahren Neigung, die fürs ganze Leben Garantieen bietet. Und als sie mir antwortete, wie sehr sie sich freute, da packte ich jubelnd meine sieben Sachen — und kam zurück."
„Um Gottes willen, Herr Graf!" stotterte Ella in grenzenloser Verwirrung, „was haben Sie da getan? Wre war es möglich, daß Ihr Herz für ein Mädchen emp. finden konnte, die, bei Gott im Himmel, niemals das Leiseste getan, um ein solches Gefühl zu erwecken?!"
„Vielleicht eben deshalb! Was weiß ich? Glauben Sie, daß ein Mensch, der zum ersten Male liebt, wie ich, sich Rechenschaft gibt über das „wieso" und „woher" dieses für ihn so berauschenden Gefühls, daß er seine Empfindungen mit der kritischen Sonde untersucht? Ich liebe Sie, und das ist mir genug! Das allein besfimmt mem ferneres Handeln! Als ich gestern meine Mutter Prach, und sie meinen Kopf in die lieben Hände nahm, wie in der Zeit, wo ich noch ein Knabe war, da hörte ich nur das eine: „Wer es auch sei, mein Junge, sobald sie nur untadelhaft und deiner würdig ist, so bringe sie mir!" Ich hätte sie anbeten können, wie eine Gottheit für dies erlösende Wort!"
„So weiß die Gräfin bereits?" flüsterte Ella er- bleichend, und sah ihn mit starren Augen an.
„Wen ich liebe, weiß sie noch nicht, denn erst mußte rch Sie ftagen, Ella, wollen Sie mein Weib werden? Wollen Sie?"
61. Jahrgang. 1903.
Die^ letzten Worte klangen leise, fast flüsternd aus, die großen schönen Augen waren voll und fest auf ihr totenblasses Gesicht geheftet, und dann ward es so füll in dem großen Raume, daß sie fast das Klopfen seines Herzens hören konnte. Es war ihr, als preßte eine rohe Hand ihr die Kehle zusammen.
Sie hätte laut aufschreien niögen, wenn sie gekonnt hätte.
Und wieder fiel ihr Blick aus das schöne junge Gesicht, das so hon Hoffnungsfreudigkeit, so von Liebe und Seligkeit glühte, wie leuchtender junger Tag. Und da war es ihr plötzlich, als wenn tief in ihrem innersten eine Saite mit hellem, schrillem Ton entzwei risse und im Springen in ihrer Seele eine blutige Wunde schlüge.
Sie preßte die Hände vors Gesicht und brach in wildes konvulsivisches Schluchzen aus, das ihren schlanken Körper schüttelte, wie ein brausender Lenzsturm die jungen Bäume.
Ein grenzenloses Weh flutete über sie her, riß wie mit Zangen an ihrem Gefühl —- während Egon stumm und bleich zurücktrat, tief ins Zimmer bis an den großen Eichentisch, an den er sich lehnte und mit verschränkten Armen und fest zusammengepreßten Lippen auf die Weinende schaute, die den Siegesjubel seiner Seele mit Tränen des Schmerzes erwiderte.
Lange blieb es totenstill um die Beiden her. Nur gleichmäßige Pendelschläge der großen Uhr unterbrachen die Stille und zählten die Sekunden, die zu qualvollen Ewigkeiten wurden. Endlich sagte Egon, und seine Stimme klang so unendlich traurig, daß es Ella im tiefsten Innern durchschauerte: „Ist das alles, was Sie mir zu sagen haben? Alles?"
Ta erhob sie müde das tränenüberströmte Gesicht, stand langsam auf und ging auf Egon zu.
Er rührte sich nicht. — Er sah sie nur an. Dicht vor ihm blieb sie stehen und legte beide Hände auf seine Schultern.
„Lassen Sie mich auch gegen Sie offen sein", sagte sie leise mit schmerzbewegender Stimme, „nnd hören auch Sw mich ruhig an bis zu Ende! Wollen Sie?"
Er nickte stumm, und Ella fuhr fort:
, „Es gibt auf der Welt nichts wunderlicheres — und Uschis beklagenswerteres, als so ein Menschenherz. Wenn Sre mich soeben weinen sahen, wie ich wohl noch nie ittt 1 Leben geweint habe, so war es — um Sie! Ja, um Sie, den ich heute schätzen und achten gelernt habe, wie selten einen Menschen. Und ich möchte mit der Zärtlichkeft einer Schwester beide Arme um Sie schlingen und Ihnen Trost zusprechen, daß Sie, gerade Sie, all dieses reich« Gefühl, diese Welt von schöner Liebe verschenken wollten an ein Wesen, das dieses große, königliche Geschenk in ferner ganzen Schönheit schätzen — aber nicht annehmen darf!
„Sie — dürfen nicht?" fragte er nrft zuckenden Lippen, ohne sich zu rühren. „Und darf ich wissen, warum?"
(Fortsetzung folgt.)
in Ä r btn JI 2Inf ™ 3 unb Schlüsse jedes Monats sich stark drängenden Verkehr bei lirfiO Sparkasse behufs Anlaae und Rücknahme von Spareinlagen thun-
„2, t,ert i’ ct[en : w'rd unsere hiesige Hanptkasse — Abtheilung für Anlage und Rück- Ä — bis auf Weiteres in jedem Monat vom 1. bis einschl. 5. und
v!n r?s^^°^Eiluß - die Sonn- und Feiertage ausgenommen - auch Nachmittags fur beu vorbezeichneten Geschäftsverkehr geöffnet sein. F288
Wiesbaden, den 22. September 1902.
Direktion der Nassauischen Landesbank. _ Kessler.
Gänzlicher Ausverkauf
Kinderwagen
mit 1© bis 5© % Rabatt.
Kaufhaus Führer.
__ 9PQ7
Garlen-UlMWi WMm,
eso« Kloster Clarenthal,
##«it ölchtam Walde, 25 Min. v. d. Stadt, durch die Lah,»strafte, auch von
«atu»»./"«n des Waldes zu erreichen. Vorzügliche Biere der Germania-Brauerei, «ast-. selbstgezogene Weine und Apfelwein, stets frische Milch nnd Dickmilch,
W,' **"■ 6«°""""'"«» J. Ostermeyer.
Schloss Burg-ßeld-Comrie
6634 Geldgewinne baar ohn e Ab zug zah lbar im Betrage von
!©© Elfe.
Die fiauptgcwinne
60000 . 30000.20000 10000 #
Orlglnnlloose tk 3 Mark (Porto und Liste 30 Pf. extra)
Oscar Brauer & Co. Nacht, Gjae, Ä n .
Berlin W.. Friedrlch-Htrwwae 181 Ziehung: eohon a. und 3 . September.
etc.
F197
Wahlverein der Freisinnigen Volkspartei
zu Wiesbaden.
« W Nächsten Mittwoch, den IS. d. M., Abends l/s» Uhr, findet ,m Restaurant Schützenhans, Unter den Eichen (Inhaber John)
unser diesjähriger
Geselliger zamilien -Abend
fa"- Wir laden unsere Mitglieder und Parteifreunde nebst deren Angehörigen zu recht zahlreicher Betheiligung hierdurch ergebenst ein. F469
Der Vorstand. I>r. Alhertl.
Blechbüchse!!
s"m Einfachen nnd Conserdircn aller Obst- und Gemüscarte», innen verniet, rosten nicht. Conserven nehmen feinen Blechgeschmack an. Absolnte Haltbarkeit derselben garantirt. Bequemes Oeffnen. Besser und billiger als zngelöthete Blechbüchsen. Alljährlich ist nur der Deckel mit anslicgendem Gummiring zu crucnern, das Stück 2 Ps-
Büchsen vorräthig in:
1- 2j_
25 30
3-Pfd.-Doscn 35 Pf.
„ . »ör die Reise praktisch. -
i,h, n , bS mÜ n ‘'L" Varentkoffcr an« »rima Rind- leder, mit und ohne Toiletle-Einrichtunn. Schiffs- Hut- und Bügelkoffer in Rohr u. Pappel Plaid- httllkii, Plaidriemen, Rucksacke. Porten,oimaies Schulranzen u.s. w., welche im Elfer aus Paper F°rbe etwas gelitten haben, jedoch in Qualität prima sind, werden billigst nbacaeben früher Grabenstraüe. seht «T» N-ugajs« 22.
per Stück
Conservciigliiscr K Geleegläser von 5 Pf. an. Slciiltöpsc 11 Ständer
Zild-Aausham,
Morihstrahe 15. _
4 * Heister, Vergolder,
Gneisrnaustrasie 15,
«np eblt sich zum Renvergolden von Spiegeln nnd Bilderrahmen, sowie Eiiirahmc» von Bildern jeder Art bei sehr billiger Bercchnnng. uu ' ÖU0Cnl l CDtr
la rolhe MWWeim,
„ »iah Cinioi- mb jotilWnt.
Tattinis-Dampf-Ziegclwerke, (Skj. nt. b. H., Hahn (Taunus). ^_
Mm „«dm New".
Langgasse öl.
Thermal - Bäder L 50 Pf.,
int Abonnement billiger. 1861
