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Mp. 381. verlagS-Fernfprecher 32». 29SS.
Dienstag, den 18. Anglist.
Redaktions-Fernsprecher No. 52.
1908.
Morgen-Ausgabe.
pic tzndjiimsm der dmWii KriWMe.
Von Jahr zu Jahr haben die mit planmäßiger Überlegung vorbereiteten und zielbewußt ausgeführten großen Herbjtmanöver der deutschen Kriegsflotte an Bedeutung
standlick) die vielfältige, schwierige maritime Spezial- Ausbildung und taktischen Einzelübungen nicht vernachlässigt, sondern auf eine hohe L-tufe der Vollendung gebracht werden. Hierfür liegen Praktische Beweise und vielfältige Ilnerkennung des Wertes des deutschen Flottenmaterials, sowohl was die Schiffe als auch die Besatzung anbetrifft, vor.
^ Gegenwärtig vollziehen sich die Herbstübungen der Flotte nach folgendem Programm:
MANÖVE 1903 .
.15.Augu9t — 15.Septembt
gewonnen und an Umfang und Güte des Schiffmaterials, entsprechend dem Ausbau der deutschen Kriegsflotte, zugenommen. Was sie vor allem auszeichnet, ist die Tatsache, daß sie nach einer einheitlichen strategischen Idee geleitet werden, und keineswegs, wie wohl bei anderen Seemächten, in Einzelübungen sich erschöpfen. Es wird mrt einheitlichen taktischen Verbänden, wie dies bei den großen Herbfrmanövern der Armee ja längst der Fall ist, auf strategischer Grundlage operiert, wobei selbswer-
Fruilleton.
Dick Thompson.
Novellette von Harry Wood.
,, Dick Thompson arbeitete im Schweiße seines Ange- Uchts in der glühendsten Sonnenhitze. Er schwang das vrette Messer, und die dicken Zuckerrohrstauden fielen hin- grmäht von den wuchtigen Schnitten seiner Klinge. Das -Wasser lief ihm nur so in Strömen am Körper herunter, aus deffen nackte Haut die Sonne glühend brannte.
Und er schnitt unermüdlich und unablässig. Er hätte e “ ja auch nicht wagen dürfen, einmal anzuhalten und auszuruhen. Ein Aufseher mit einem Revolver im Gür- einer fürchterlichen Peitsche in der Hand und einem Bluthund an der Seite hielt Wache.
Aber wenn er auch ohne Aufhören arbeitete, die Gedanken kreuzten sich doch in wildem Wirbel durch sein Hirn.
Wi« konnte es nur sein, daß er, ein coloured gent- ternan, ein freier Bürger der Union, arbeiten mußte, wie sein Großvater vor 40 Jahren kaum hatte arbeiten wüsten, der doch nur ein armer Niggersklave gewesen "nar? Lebte denn der gute Papa Roosevelt in Washington nicht mehr, der doch gesagt hatte, daß auch die coloured gentlemen gleichberechtigte Bürger der Union Und er stand hier, seiner Kleider beraubt, ohne Strümpfe und Schuhe, nur mit einem Sack um die Hüf- "n und schnitt Zuckerrohr auf der Plantage eines Men- lchen, den er garntcht kannte, wurde gemißhandelt von Einem Manne, dem er nie was zu Leide getan hatte — Er, der selber eine kleine Kaffeeplantage besaß und sich ^rMEcht und recht ernährte als ein freier Bürger. Ein Eib hatte er und sechs Kinder und sie wußten nicht, wo- mn er gekommen war. Was würden sie nach ihm
larnmern!
Nach den: Zusammentritt der Flotte am 15.August in Wilhelmshaven unter dem Befehl des Generalinspek- teurs der Marine Admirals Köster erfolgt eine Fahrt nach den Gewässern von H e l g o l a n d, dem sich mehrere Besichtigungskage der einzelnen Flottenverbände anschließen. Die Übungsflotte wird aus etwa 50 Schiffen und Fahrzeugen bestehen ; Admiral von Köster wird seine Flagge auf „Kaiser Wilhelm II." setzen. Vom 19. bis 21. August sind taktische Manöver vorgesehen.
Wer hätte das gedacht, als er vor acht Tagen wohl und munter nach New Orleans abreiste, um dort den Verkauf seiner Kaffeernte abzuschlietzen. Als sparsamer Hausvater hatte er außer dem Fahrgelde nur noch zwei Dollar eingesteckt —- die mußten reichen. Und der Zug brach bei der Einfahrt in Albertsville eine Achse, die Passagiere mußten heraus und warten. Er ging, sich die Stadt besehen — plötzlich klopfte ihm ein Policeman auf die Schulter und erklärte ihn für arretiert. Er fragte nach dem Grunde, und da gab man ihm die verblüffende Antwort, er habe gebettelt! „Seid Ihr verrückt! Ich habe nicht gebettelt!" Und er versuchte den Arm des Beamten abzuschütteln. Aber es hatte sich um ihn eine Menge gebildet, die Verwünschungen gegen ihn ausstictz und eine drohende Haltung annahm, so folgte er. Der Beamte faßte ihn hinten in den Kragen seines Rockes, und unter Faustschlägen, Püffen und Fußtritten der Menge ging es dem Ortsgefängnis zu. Das war ein schrecklicher Raum, ohne Luft, — fast ohne Licht — eingesperrt zusammen mit einer zuchtlosen Bande von Halunken, bei fauligem Wasser und hartem Brode, das kein Mensch beißen konnte.
Glücklicher Weise stellte man ihn schon am nächsten Tage vor seinen Richter. Die Anklage wurde verlesen, sie lautete auf Betteln und Landstreichen, auf Beleidigung des Policeman und Widersetzlichkeit gegen seine Verhaftung. Er mochte seine Unschuld so sehr beteuern, wie er nur wollte — man glaubte ihm einfach nichts. Es traten zwei Individuen auf, die beschworen, daß er gebettelt habe — und die übrigen Straftaten beschworen der Policeman und mindestens ein halbes Dutzend Zeugen.
Nachdem sich der „Gerichtshof" beraten, wandte sich der Richter an ihn und sagte ihm, er sei seiner Straftaten überführt und zu 5 Dollar (21 M. 25 Pf.) verurteilt, die er sogleich zu hinterlegen habe.
Dick Thompson trat eine große Träne ins Auge und er legte zwei Dollar auf den Tisch deS Hauses.
„Mehr Hab' ich nicht, Sir", sagte er, „nehmt das, und
Während am 22. und 23. August die Schiffe der Flotts Ruhetage haben, _ die zu Jnftandfetzungsarbeiten benutzt werden, sollen die beiden Torpedobootsdivisionen auf hoher See aus gemieteten Dampfern eine Kohlenbunkerübung ausführen. Für den 24. und 26. August sind Ausklärungs- und Blockademanöver für alle Teile der Flotte angesetzt, denen bis zum 28. erneute taktische Übungen folgen werden. —
In den Tagen vom 28. bis 30. August findet eine kriegsmäßige Kohleneinnahme in Wilhelmshaven statt, nach der dm Besatzungen eine Ruhe gegönnt wird.
Von Ende August bis zum 6. September sind größere strategische Manöver in der Nordsee angesetzt, die mit einer kriegsmäßigen Fahrt nach Kiel mdigen. Nach erfolgter Verbunkerung der Schiffe finden dann bis zum 11. September die taktischen Manöver in der Ostsee statt, die am 12. September mit einem großen Angriff auf dm Kieler Hafen ihr Ende erreichm. Tie durch Einberufung der Reservisten auf Kriegsstärke gebrachte Marine-Infanterie und die erste Matrosm-Artillerie-Abteilung besetzen hierbei sämtliche Forts des Kriegshafens (Friedrichsort, Falkenstein, Röpstorf, Stosch, Karügm, Laboe). Die HMachtflotte sucht mit Unterstützung der Torpedoboots- flottille die Einfahrt in den Hafen zu erzwingen. Nach diesem Schlußmanöver wird die Herbst-Übungsslotte dann am 15. September auf der Ostsee abgelöst, und die einzelnen Verbände haben die Rückreisen nach ihren Standortm Wilhelmshaven und Danzig anzutreten.
Unsere beistehende Karte giebt eine anschauliche Darstellung des interessanten Programms der diesjährigm Flottmmanöver.
Deutsches Deich.
Nochmals Herr Banderbill.
Die in Milwaukee, einem Hauptzentrum de« nordamerikanischen Deutschtums, erscheinende „Germania" läßt sich über den Vanderbilt-Emp- f a n g in einem Artikel „Sein Freund Vander- brlt" wie folgt vernehmen: „Die Kabelmeldungen über die besonderen Ehren, welche der deutsche Kaiser dem amerikanischen Krösus Banderbilt erwiesen habe, bestätigen sich leider in vollem Umfange. Auf Befehl des Kaisers mußten der Regierungspräsident von Westpreußen, sowie der Hafenkommandant den Amerikaner in Empfang nehmen und sich ihm völlig zur Verfügung stellen. Banderbilt zu Ehren legte der Hafen von Danzig glänzenden Festschmuck an, der General von Mackensen, welcher die Leibhusaren-Brigade tn Danzig kommandiert, war angewiesen worden, ihm im Offiziers- Kasino ein Galadiner zu geben, und für alle Fahrten, welche Banderbilt machte, standen ihm kaiserliche Hofequipagen zur Vernrgung. Kurzum, es wurden ihm auf besonderen Befehl des Kaisers Ehren erwiesen, wie sie sonst nur fürstlichen Gästen zuteil werden. Hätte der Kaiser diese Auszeichnungen einem Amerikaner erwiesen, welcher in irgend einer Beziehung als ein Re-
wenn ich zu Hause sein werde, so werde ich Euch das übrige schicken."
„Darauf können wir uns nicht einlassen! Wenn Ihr kein Geld habt, drei Dollar noch zu zahlen, oder keine Wertsachen, so müßt Ihr sie abarbeiten. — Durchsucht ihn, was er bei sich hat", wandte er sich dann an den Gerichtsdiener, der sich das nicht zweimal sagen ließ, sondern sogleich energisch zugriff. Aber was fand sich da? — eine alte Uhr von Tombach — 50 Cents — ein Messer, ein Schlüssel, Feuerzeug, zusammen 25 Cents.
„Na, nun seht wohl, das nutzt garnichts. Selbst wenn wir die Lappalien da und Euer Billet noch verkaufen wollten, cs käme nicht heraus, und das Billet ist nicht übertragbar. Also nehmen wir das alles in Verwahrung und Ihr arbeitet die 5 Dollar ab."
Es half kein Widerstreben, er wurde abgeführt und kam wieder in das entsetzliche Gefängnis. — Zwei lange Tage und Nächte, und dann war der Tag gekommen, der entsetzlichste seines Lebens. Man hatte ihn ausgestellt und ausgeboten wie ein Stück Vieh. Von weither schienen die Pflanzer gekommen zu sein, um auf das schwarze Menschenflcisch zu bieten. Welche Gesichter — hart, steinern — ja, roh! Dem armen Nigger war das so nicht zum Bewußtsein gekommen, nur ein instinktiver Schauder hatte ihn erfaßt vor all diesen Menschen, die mit hartem, kundigen Blick seinen kräftigen Wuchs betrachteten.
Und wie boten sie, überboten sie sich! Zehn Dollar — fünfzehn! Kaum war das Gebot heraus, so bot einer zwanzig — fünfundzwanzig — dreißig. —
„Ja, aber gentleman —" rief er voll Verzweiflung, „meine Strafe ist doch bloß 5 Dollar?"
Er redete nicht weiter, denn er erhielt einen Puff, daß er schmerzlich anfzuckte — und die Bieterei ging weiter. Bis zu 50 Dollar — da wollte niemand mehr, und Mr. Gibson erhielt den Zuschlag. Dick hörte nachher, wie einer der Herren „Beamten" zum anderen sagte: „Fünfundvierzig Dollar für uns — ein feines GMäft!"
