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Dienstag, 7. September 1913.

5lbend-Kusgabe.

Nr. 416. ♦ 63. Jahrgang.

Der Krieg.

Lin erfolgreicher Minenangriff bei vixmuiden.

— Zliegerkämpfe. — weiteres Vordringen der Heeresgruppen von ^indenburg und Prinz Leopold gegen den erneut sich stellenden Gegner -viepqra- und Kotra-Abschnitte überschritten.

— Die Russen aus den Stellungen in Lhomsk und vrohiczyn geworfen. — Fortdauer des

Kampfes am Serethabschnitt.

Der Tagesbericht vom 7. Septembsr.

XV. T.-B. Großes Hauptquartier, 7. Sept. (Amtlich.)

westlicher Kriegsschauplatz.

Bei einem erfolgreichen Minenangriff gegen eine feindliche Sappe, nördlich von Dixmuiden, wurden einige Belgier gefangen genommen und 1 Maschinengewehr er­beutet.

Nördlich von S o u ch e z wurde ein schwacher feindlicher Handgranatenangriff abgewiesen.

Ein französischer Vorstoß bei Sondernach in de« Bo- grsen scheiterte. ,

Heftige Feuerkämpfe entwickelten sich in der Cham­pagne, sowie zwischen Maas und Mosel. Bei einem feind­lichen Fliegerangriff auf Lichtervelde, nördlich von BoNlerS in Westflandern, wurden 7 belgische Einwohner getütet, 2 schwer verletzt.

Deutsche Kampfflieger brachten ein englisches Flug­zeug über Cappel, südöstlich von St. Avold, zum Absturz. Dir Insassen sind tot.

westlicher Kriegsschauplatz.

Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls von Hindenburg.

Die gestern auf Daudsewas (südöstlich von Fried­rich st a d t> verstoßende Kavallerie brachte 790 russische Ge­fangene und 5 Maschinengewehre ein.

Östlich und südöstlich von Grodno hat der Feind von westlich Skidel bis Wolkowysk Front gemacht. I» hart­näckige» Kämpfen sind unsere Truppen im Vordringen über die Abschnitte der P y r a und K - t r a. Zwischen dem A i e m e n und Wolkowysk gewann die Armee des Generals v, G a l l w i tz an einzelnen Stellen durch nächtliche Überfälle das Ostufer des R o z a n a - Abschnittes. Es sind über 1000 Gefangene gemacht.

Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls

Prinz Leopold von Bayern.

Auch südlich von Wolkowysk bis zum Waldgebiet süd­lich von Orotana <40 Kilometer südwestlich von Slonim) nimmt der Feind erneut den Kampf an. Der Angriff der Heeresgruppe ist im F o r t s ch r e i t e n.

Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls von Mackensen.

Der Gegner ist aus seinen Stellungen in C h o m s k und Drohiczyn geworfen.

Südöstlicher Kriegsschauplatz.

Der Kampf um den Serethabschnitt dauert an.

Oberste Heeresleitung.

von den östlichen Kriegsschauplätzen,

heftige Kämpfe in der vnjestrfront.

XV. T.-B. Wien, 6. Sept. (Nichtamtlich.) Die „Neue Freie Presse" meldet aus Tschernowitz: Seit dem 2. Sept. entwickeln sich an der D n j e st r f r o n t heftige Kämpfe. Die russische Front ist vielfach durchrissen; namentlich im Raume von Okna sind mehrere feindliche Positionen erstürmt worden.

Neugruppierung der russischen West-Armee in drei Sektionen.

XV. T.-B. London, 7. Sept. (Nichtamtlich. Drahtbericht.) Die „Times" meldet aus Petersburg amtlich: General Alexis Ebert wurde zum Nachfolger Alexejews als Höchstkom- mandierender der Westfront ernannt. Die ganze russische Front ist jetzt in drei Sektionen, eine nördliche, westliche und südliche, eingeteilt unter den Generalen Rußki, Evert und Iwanow.

Die Beute von Brest-Litowsk.

Wie«, 7. Sept. (Zeni. Bin.) Über die Beute von Brest-Litowsk meldet der Berichterstatter von „Az Est" aus tzablon: Die militärischen Gebäude sind fast alle unversehrt, besonders die aus Rohziegeln erbauten Kasernen. Vollständig intakt ist die Feldbahn, die die einzelnen Forts untereinander verbindet, und unange» tastet steht auch die mächtige Ballonhülle da. die den Zeppelinhallen ähnelt. Auch die großen Lager sind zum Teil unbeschädigt geblieben. Es liegen große Mengen hon Fleischkonserven, Reis, Mehl und Sago darin aufgestapelt. Ferner wurden große Mengen zer­legbarer Öfen zum Heizen der Schützengräben er­beutet. Offenbar konnten die Russen nicht alles plan­mäßig vernichten, da sie anscheinend nicht mit einem so raschen Fall der Festung rechneten.

Kennzeichnende Zahlen über Warschaus Verwaltung unter russischer Herrschaft.

XV. T.-B. Berlin, 6. Sept. (Nichtamtlich.) So lange Warschau durch ruffische Beamte verwaltet wurde, verausgabte es fünf Prozent des Gesamtbudgets für Zwecke des öffentlichen Unterrichts, während Berlin 19, Köln 17 und Wien 15 Prozent verausgaben. Davon enffallen auf einen Einwohner in Berlin 6 Rubel 74 Kopeken usw., in Warschau 0,70 Kopeken. Für den öffentlichen Sicherheits­dienst nimmt dagegen Warschau 12, Berlin 4 und Köln 2 Prozent in Anspruch. (Entnommen aus dem Werke von Dziewalekt und Radziszewski in Warschau.)

In die warschauer Zivilverrvaltung berufen.

XV. T.-B. Berlin, 7. Sept. (Nichtamtlich.) Die „Nordd. Allg. Ztg." meldet: Graf Franz Kw ilecki aus Dobrojewo ist in die Z i v i l v e r w a l t u n g bei dem Generalgouvernement Warschau berufen worden.

Die deutsche Sprache im Verkchr mit dem deutschen Generalgouvernement in Warschau. — Versorgung Pragas mit Trinkwasser.

Br. Warschau, 7. Sept. (Eig. Drahtbericht. Jens. Bin.) Das deuffche Gouvernement in Warschau hat der Stadtver­waltung bekanntgegeben, daß Eingaben an das Gouverne­ment künftig in deutscher Sprache abgesaßt sein muffen. Eingaben, die den Namen oder die Firma des Einsenders nur in polnischer Sprache führen, finden keine Berück­sichtigung.

Auf Befehl der deutschen Behörden wird die sofortige Versorgung Pragas mit Trinkwasser in Angriff ge­nommen. Aus der Stadtkass« wurde zu diesem Zweck ein Betrag von 10 000 Rubel bereitgestellt.

Der Zusammenbruch des allen russischen Systems.

Ein schwedischer Redakteur über seine Eindrücke in Rußland.

Br. Stockholm, 7. Sept. (Eig. Drahtbericht. Zens. Bln.) In der ruffenffeundlichen Zeitung „Dagens Nyheter" setzt Redakteur Karl G r e n die Veröffentlichung seiner Eindrücke aus Rußland fort. In seinem Bericht gibt er die Anschau­ungen der breiten russischen Mittelklasse wie­der. Der Krieg war nach Ansicht dieser Kreise bis jetzt der des alten Rußland, des veralteten Systems, des untauglichen ver­rosteten bureaukratischen Regimes. Darin liegt die Erklärung für die Schäden, die Rußland betroffen haben, jetzt, wie 1905. Aber das alte System steht jetzt vor seiner Kapitulation. Seine Fäulnis, Untauglichkeit und hoff­nungsloses Unvermögen sind niemals in klarerem Licht erschienen, als gegenwärtig. Jetzt nimmt das ruffische Volk selbst die Leitung des Krieges in die Hand. Es beginnt jetzt mit der Ausrottung des Systems und mit der Reinigungsarbeit anzufangen. Die Bureaukratir hat während der 10 Jahre seit dem japanischen Kriege nur gelernt, die Macht zum eigenen Vorteil, bis zum äußersten Vorteil, zu mißbrauchen. Aber sie beachtet nicht, daß sie später die Rech­nung zu bezahlen haben wird, und die Zeit ist ge­kommen. Niemals in der Geschichte eines Landes ist ein so unverhüllter Handel mit Plünderung, Diebstahl, Fälschun­gen, Veruntreuungen und Bestechungen getrieben worden, als während der vergangenen Jahre. So haben z. B. Mili­tärärzte phantastische Vermögen damit verdient, daß sie Kriegstauglichen Krankheitsscheine gaben. Karl Gren erzählt ferner, wie die Duma entdeckte, daß für die 36 Millionen Rubel, die für Automobillieferungen aus Amerika ausbezahlt wurden, der Staat nur für 18 Millionen.Rubel Auiomobile erhielt, und wie der damalige Kriegs-Minister Suchomlinow auf eine Anfrage antwortete: „Sie glauben doch wohl nicht, daß ich die 18 Millionen selbst eingesteckt habe." Der Ruf nach der Regierung der nationalen Verteidigung.

Rotterdam, 7. Sept. (Zenf. Bln.) Dem „Temps" meldet sein Berichterstatter in Petersburg: Die tiefgehende

Bewegung, die sich bei den Städtevertretern von Moskau und Petersburg kundgeaeben habe, breite sich auch auf andere Städte aus. Die Gemeindeverwaltungen von Nischm-Now- gorod und Twer hätten einstimmig beschlossen, sich den von den Vertretern Moskaus ausgesprochenen Wünschen nach Veränderung in der Regierung anzuschlietzen. In Petersburg werde der Gemeinderat eine Adresse desselben Inhalts abfaffen, um von dem Zaren eine Audienz zu er­bitten und sie ihm persönlich zu überreichen. Die Adresse werde die Bitte um Einsetzung einer „Regierung der nationalen Verteidigung" enthalten. Clemenceau fährt fort, die Lage der Dinge in Rußland mit der vor der großen Revolution in Frankreich zu vergleichen. Er phrasiert heute darüber: „Der russische Gesichtspunkt ist von dem unsrigen nicht verschieden. Vor allem in dem Augenblick, wo die Ähnlichkeit mit der großen Freiheitsbewegung Frank­reichs am Ende des 18. Jahrhunderts sich offenbart, zugleich mit der Aufwallung zur Beffeiung für den Sieg, die in dieser Stunde herrlich über das Schicksal Rußlands entscheidet."

Zehn neue russische Minister ohne Portefeuille!

Kopenhagen, 6. Sept. (Zens. Bln.) Nach einer Meldung der „Politiken" aus Petersburg hat der Ministerrat be- schloffcn, das Ministerium durch zehn angesehene Politiker, die Minister ohne Portefeuille sein würden, zu er­gänzen. Von ihnen sollen je fünf dem Reichsrat und der Reichsduma angehöven.

Der wachsende Einfluß des „schwarzen Blocks" in Rußland.

Kopenhagen, 7. Sept. (Zens. Bln.) Nach dem „Rjetsch" beginnt der von der äußersten Rechten des Reichsrats und der Reichsduma gebildete sogenannte „schwarze Block" bereits seinen Einfluß geltend zu machen. Der Reichsrat lehrte mit großer Mehrheit den im Einverständnis mit der Regierung unterbreite­ten Vorschlag der Duma ab. Ein gemischter Ausschuß aus Mitgliedern des Reichsrats und der Reichsduma werde nach Beendigung der Tagungen der Volksvertte- tungskörperschasten der Regierung beratend zur Serie stehen. Aus Privatunterredungrn mit Reichsvatsmit- gliedern schien hervorzugehen/ daß die Annahme des Ausschusses gesichert sei. Der plötzliche Stimmiungs- wechsel ist dem Einfluß des „schwarzen Blocks" zuzu­schreiben.

Rutzland verweigert die Freigabe der feindlichen Geiseln.

Br. Hamburg, 7. Sept. (Eig. Drahtbericht. Zens. Bln.) Das „Fremdenblatt" meldet über Kopenhagen: Aus Peters­burg wird gemeldet, daß die russische Regierung die Freigabe feindlicher Geiseln abgelehnt habe.

Eine österreichische Vergeltung.

XV. T.-B. Wien, 6. Sept. (Nichtamtlich.) Der öster­reichisch-ungarische Vizeadmiral des Ruhestandes Joseph Ritter v. Mäuler und Gattin wurden vom Ausbruch fc>eä Krieges in K i ew, wo sie sich vorübergehend aufhielten, über­rascht. Die Heimkehr wurde ihnen von den russffcheu Be­hörden verwehrt. Nach längeren Verhandlungen stimmte die ruffffche Regierung dem Austausch von Mäuler und Frau gegen den in Teplitz festgehaltenen ruffischen General a. D. Almasoff und Gattin zu. Der Austausch kam jedoch nicht zur Durchführung, weil die russische Regierung bekanntgab, daß Vizocchmiral Ritter v. Mäuler aus militärischen Gründen nicht abreffen dürfe. Wie später in Erfahrung gebracht wor­den ist, fft das Ehepaar Mäuler unter dem Vorwand, es hätte sich strafbarer Handlungen schuldig gemacht, in Kiew verhaftet worden. Während der Vizeadmiral noch immer im Kerker schmachtet, ist die Frau mit ihrem Kind« nach Berichten russischer Zeitungen nach Sibirien verschickt worden. Das Ministerium des Äußern ließ wiederholt auf die Freilaffung der Familie Mäuler bei der russischen Regierung dringen und ihr zuletzt mitteilen, daß General Almasoff andernfalls verhaftet werden würde, wenn nicht bis zum 30. August die Nachricht von der Enthaftung des Vizeadmirals eingekaugt wäre. Da die Antwort bis zum genannten Tage nicht ein- traf, erging am 3. September der Befehl. General Alma- soff und Gemahlin in Teplitz sogleich zu verhaften und nach K a r l st e i n zu bringen. Dort wurde der Generäl in strengsten Gewahrsam genommen und seine Gattin intern niert.

Belgische Genietruppen nach Rußland?

Zürich, 7. Sept. (Zens Bln.) Die „Neue Zürcher Zeitung" meldet aus Mailand die Bestätigung von der Entsendung belgischer Genie­truppen nach Rußland. Danach sind bereits namhafte Abteilungen mit Kriegsmaterial wohl ausge­rüstet. abgegangen. Die belgische Hilfe soll sich haupt­sächlich auf die Tätigkeit in den Waffen- und Muni-» tionsfabrike n beschränken.

Der Krieg gegen England.

Lin englischer Kreuzer versenkt.

Das deutsche Boot U 27 verloren.

Neue Beschießung eines U-Bootes durch einen Passagierdampfer.

XV. T.-B. Berlin, 6. Sept. (Amtlich.) Laut Meldung! eines unserer Unterseeboote, das mit „II 27" auf See zu­sammen getroffen ist, hat letzteres Boot etwa am 10. Anglist einen älteren englischen kleinen Kreuzer westlich der Hebriden versenkt.

„II 27" selbst ist nicht zurückgekrhrt; da es seit längerer Zeit in See ist, muß mit seinem B e r l u st ge­rechnet werden.

Am 18. August, 7 Uhr nachmittags, ist wiederum ei« deutsches Unterseeboot von einem englischen Passagirr- dampfer mit Geschützen beschossen worden. Das Unter­seeboot hatte versucht, den im Bristol-Kanal angetroffene« Dampfer durch einen Warnungsschnß zum Anhalte« zu bringen. Der Chef des Admiralstabes der Marine.

Unsere N-voote an der Arbeit.

Wieder ein englischer Dampfer vernichtet.

XV. T.-B. London, 7. Sept. (Nichtamtlich. Drahtbericht.) Der britische Dampfer „M i m o s a" (3466 Tonnen) ist v e r « senkt worden. Die Besatzung wurde gerettet.

Amerika und die Torpedierung der „Hesperian".

Wilson und Lansing lehnen es ab, sich zu äußern.

Rr. Amsterdam, 7. Sept. (Eig. Drahtbericht. Zens, Bln.) „Reuter" meldet aus Washington: Wilson

und Lansing lehnten es ab, sich über den Untergang