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U0. 375. Verlags-Fernfprecher No. 2958._ Feeilttg, de« 14. August.
RedaktionS-Ferniprecher No. Sk.
1903.
Morgen«fliasgabe»
DolKshyziene und Samaritertum.
Unser jährlicher Bevölkerungszuwachs von etwa 800 000 Seelen ist nicht nur ein Zeugnis urwüchsiger Loikskraft, sondern ebenso unserer Kulturkraft, denn weniger ist es die Höhe der Geburtenziffer als die Verminderung der Sterblichkeitsziffer, welche ein erfreu» liches Anschivellen unserer Bevölkerung hervorruft. Der Überführung der wissenschaftlichen Erkenntnisse auf hygie- nZchem Gebiet in die Praxis des Lebens durch Staats- und Gemeindemaßnahmen ist zum guten Teil die Hebung der öffentlichen Gesundheit zu danken, ebenso haben die gesetzlich vorgeschriebenen Schutzvorrichtungen in den Fabriken und Bergwerken eine Überhandnahme der Unfälle, zu denen die moderne Technik Veranlassung gibt, hintanzuhalten gewußt. Da aber im heutigen Leben der Bürger zur tätigen Anteilnahme an der Lösung aller Aufgaben berufen ist und nicht nur Stimmabgabe, sondern Mitarbeit verlangt wird, haben sich zur Förderung der Gesundheitspflege schon seit Jcchren mannigfache Vereine gebildet; einer der jüngsten und hoffnungsfreudigstm ist der Deutsche Verein für Volkshygiene, der, vor etwa zwei Jahren gegründet, bereits in verschiedenen Ortsgruppen organisiert etwa 4000 Mitglieder besitzt und für dieselben „Blätter für Volksgesundheitspflege" herausgibt, die durch ihre gediegenen Aufsätze und den volkstümlichen Ton drum und dran sind, ein echtes Familienblatt zu werden. Hat es sich dieser Verein nun zur Aufgabe gestellt, dem einzelnen eine vernunftgemäße Lebensweise anzuerzieben, indem er ihm die ihn umgebenden Gefahren in richtigem Lichte zeigt und gleichzeitig ihm die Schutzmittel gegen dieselben an die Hand gibt, suchen andere Vereine den von Krankheit oder' Unfall Ereilten die erste Hülfe zu bringen. In Befolgung des bewährten Grundsatzes: „Wer schnell hilft, hilft doppelt!" haben sich hülfsbereite Männer zusammengetan, um sich von Fachleuten, in erster Linie von Ärzten, in der zweckmäßigsten Art dieses Beistandes unterweisen zu lassen, den man Verletzten, sei's in der Werkstatt, sei's auf der Straße oder draußen im Gebirge, sei's Verwundeten, Ersückten, Ertrunkenen oder Abgestürzten, zu leisten vermag. Ebenso gehört es in den Bereich dieser Nothelfer, plötz- uch Erkrankten, etwa Ohnmächtigen, von Blutsturz Befallenen hülfreich zur Seite zu stehen. Die meisten dieser Vereine haben sich als „Deutscher Samariter-Bund" zusammengeschlossen. Beide Gruppen, die Volkshygieniker und die Samariter, hielten nun im Anschluß an die Städte-Ausstellung, man kann wohl sagen gerneinsam, wre Jahrestage in Dresden ab. Wenngleich die Verhandlungen des einen Tages ausschließlich dem Verein für Volkshygiene, die des anderen dem Samariterbund
Feuilleton.
Klar Schiff ;mn Gefecht! I
Marine-Skizze von Paul Waldt.
Mit von dem Passatwinde geschwellten Segeln steuerte ein deutsches Kriegsschiff älterer Konstruktion durch
Ozean. Der teleskopisch gebaute Schornstein war in sich zusammen gesunken, damit die Nntersegel ihn nicht wit Wegnahmen. Schon einige Tage lag das Schiff unter Segel. Die Heizer hatten deshalb faule Tage. Es war wnen auch zu gönnen. In der tropischen Hitze vor den Feuern zu stehen, gehört wirklich nicht zu den Annehm- uchkeiten dieser Welt. Putzend und reinigend, jeder ein Stück Putzbaumwolle tn der Hand, lagen, lungerten sie ver der Maschine und im Heizraum herum. Selbst die sie beaufsichtigenden Unteroffiziere waren zu bequem, et- toas anzufassen. Sie gönnten ihren Untergebenen bie doar ruhigen Stunden. Die übrige Mannschaft stand am Aeck, in Manöverdivisionen angetreten. Eben hatten sie die Schraube, welche auf diesen Schiffen zum Heben eingerichtet ist, aus dem Wasser geholt. Das Schiff machte nunmehr Fahrt, denn die Schraube ist sonst ein großes Hemmnis, und jetzt hing sie unter dem Heck des Schiffes rm Schraubentunnel. Die zum Heben benutzten „Gins" sollten nur noch geborgen werden und dann heißt es: «weg getreten".
«Herr Kapitänleutnant!" rief der auf der Brücke stehende Kapitän den eben des Weges daherkommenden Offizier an.
«Herr Kapitän befehlen?" fragte dieser kurz und Elitärisch, indem er die rechte Hand salutierend an die 'Nütze führte.
«Einen Augenblick, bitte!" und gewandt lief der noch J&ttflc Offizier zu seinem Vorgesetzten. Das Auge des Gestrengen ruhte musternd auf seinem 1. Offizier, der, 'chon Unheil ahnend, in respektvoller Entfernung stehen gebfieben war. Er mußte, alles konnte der „Alte" leiden, Dir nicht Schlappheit im Dienste.
Das Unwetter ließ auch nicht lanae auf sich warten.
gehörten, so war doch das Publikum fast das gleiche und die Festlichkeiten galten beiden in gleichem Maße. Ae Anerkennung, die der Verein für Volkshygiene sich bereits erworhen, bewiesen die zahlreichen Abordnungen von feiten der Regierungen, der Magistrate und großer Organisationen, z. B. die Zentralausschüsse für Lungen- heilstäften, zur Förderung der Jugendspiele, des Roten Kreuzes, der Berliner Guttempler usw. Unter dem Vorsitz des bekannten Berliner Hygienikers Geheimen Medizinalrat Professor Rubner, der in seiner Eröffnungsansprache betonte, wie wichtig es sei, der Wohnungsfrage volle Aufmerksamkeit zu schenken, hielt der Münchener Hygieniker Hofrat Professor Grubner einen Vortrag über die Frage „Führt die Hygiene zur Entartung der Rasse", indem sie die natürliche Auslese durch den Schutz und die Erhaltung der Schwachen hintanhält? Me Anhänger Metzsches, gestützt auf gewisse darwinistische Lehren, bejahen diese Frage, und bei dem Umsichgreifen der blinden Bewunderung Nietzsches, die besonders in den Kreisen der Halbbildung gefährlich wird, schiene die Behandlung der Frage geboten. Wie vorauszusehen, verneinte der Vortragende mit Hülfe reichen statisüschen Materials die Frage. Das Zuwenig, nicht das Zuviel der hygienischen Einrichtungen und Gewohnheiten führt zur Degeneration. Einige immer läsfiger werdende Quellen für unser Wohlbefinden behandelte der Nervenarzt vr. mell. Dornblüth aus Frankfurt a. M. in seinem Vortrag über „Nervenhygiene in der Großstadt". Auge und Ohr werden in arge Mitleidenschaft gezogen. Besonders die mit dem Gehirn aufs engste verbundenen Gehörnerven, die fast wehrlos allem Lärm sich öffnen, gilt's zu schonen! Eine Schilderung des von Kommerzienrat Lingner auf der Städte-Ausstellung errichteten Pavillons zur Bekämpfung der Volkskrankheiten schloß die debattelos verlaufene Vortragsreihe.
Ter 6. Samaritertag hatte als ersten Punkt auf seine Tagesordnung „Der Samariterunterricht an höheren Schulen" gesetzt. Gymnasialdirektor Thümen-Posen und Dr. med. Kowalzig-Kiel als Vertreter des Geheimen Rates Professor Esmarch traten lebhaft für den Gedanken ein, für die Schüler der Unterprima fakultafive Samariter-Kurse durch Ärzte abhalten zu lassen. Günstige Erfolge in Posen, Würzburg, Wurzen usw. sprechen für die erfolgreiche Ausführbarkeit. In der Askussion wurde darauf hingewiesen, unter Anführung der Dresdener Fachschule der Fleischerinnung, wie nützlich der Samariter-Unterricht in der Ausbildung bei solchen Gewerben verwertet werden könne, deren Ausübung wie im Schlosser-, Schmiede-, Mechaniker- und Fleischerberuf, auch bei den Baugewerken mit steter Verletzungsgefahr verbunden ist. Über den heutigen Stand des „Rettungsdienstes bei Unglücksfällen im Gebirge" hielt Dr. med. Kormann-Leipzig einen durch zahlreiche Abbildungen und Vorführungen unterstützten Vortrag. Eine eingehende Darlegung der Leistungen und Veranstaltungen des
„Herr Kapitänleutnant, war das heute ein Manöver? — Wissen Sie Herr, ein Haufen Werftmenschen würde sich nicht so phlegmatisch benehmen wie diese Kaiserl. Matrosen, die hier vor mir an Deck stehen!" — schnauzte er den Angeredeten mit einem bösen Blicke streifend, auf die angetretene Mannschaft weisend, an. „Wenn das nicht bald anders wird, dann passiert etwas. Heute wollen w-ir die Leute aber zur Strafe noch etwas hoch nehmen. Schwitzen sollen die Kerle."
Das Weitere des Gespräches war nicht mehr zu verstehen, denn es wurde nur gczischelt. Bald sollten aber die Matrosen merken, was die Glocke geschlagen hatte. Der Kapitänleutnant begab sich, nachdem er von seinem Kommandanten entlassen war, in die unteren Schiffsräume, suchte sich die Spielleute zusammen und instruierte sie leise, aber eingehend. Bald hatten sich diese auch mit ihren Instrumenten im Schiffe verteilt. Ein Hornist folgte dem Herrn Kapitänleutnant und blies auf die Zeichen des Vorgesetzten den Generalmarsch. Die anderen Spielleutc nahmen das Signal auf und „Gerftral- marsch" blies das Horn und schlug die Trommel.
„Klar Schiff zum Gefecht!"-
Nun kam aber Leben in die Mannschaft. Im Nu war alles vom Oberdeck verschwunden. Jeder Mann eilte nach seinen Handwaffen, schnallte um und brachte seinen „Kuhfuß" auf die Gefechtsstation und hängte das Gewehr in die dazu angebrachten „Strippen". Bramstange und Raaen wurden an Deck genommen, die Brassen losgeworfen und die Marsen verkleidet und in jedes der drei wurde ein Maschinengewehr transportiert. Die Jollen für die Fahrstühle zur Beförderung in den Masten Verwundeter wurden geschoren, die Bootsdavids angeholt und Material zum Ausbessern der beim Gefecht entstandenen Schäden in der Takelage an Deck gebracht. Dieses alles war die Arbeit der Toppstakler. Die anderen Mannschaften hatten unterdessen Munition an Deck geschafft und die Kanonen losgemacht und geladen und warteten auf das Kommando Aufsatz, Zielrichtung und „Feuer!"
Auch die Heizer waren in Bewegung gekommen. Die Twistlappen flogen nur so an die Seite.
Österreichischen Alpenvereins wies auf eines d« praktischsten Mittel „zur Hebung des Fremdenverkehrs" hin, denn unbestreitbar ist es dem Verein durch seinen Berg- steigerschutz gelungen, den Zug der Kraxler von der Schweiz mehr und mehr nach Tirol zu lenken. Vom „Samariter- und Rettungswesen auf dem Lande" ließ sich nicht viel sagen, doch gab I)r. med. Streffer-Leipzig manche beherzigenswerte Anregung betreffs Anglied,e- rung des ländlichen Rettungswesens an die dörflichen freiwilligen Feuerwehren und- empfahl Einrichtung von Entleih stellen, von Krankenpflege- und Rettungsvo rkehrungen in Gastwirtschaften, die ja jederzeit offen und jedermann bekannt sind. Ae Vorteile, welche die Berufsgenossenschaften aus dem Samariterunterricht zu ziehen imstande sind, beleuchtete Dr. med. Joseph- Berlin. Eine sehr geschickt arrangierte Vorführung bil- bete am Montagmorgen das große Rettungs-Manöver der Dresdener Berufsfeuerwehr, der Wohlfahrtspolizei, der Samariterkolonnen und Krankenträger vom Roten Kreuz. Es ward angenommen, eine große Volksschiüe sei in Brand geraten und es gelte nun die Schüler, Lehrer und das Gebäude zu retten und die mannigfachen Verletzten, ohnmächtig Gewordenen und dem Erstickungs- tod nahe Gekommenen Hülfe zu leisten. Bei Gelegenheit der Festfahrt nach der sächsischen Schweiz wurden dann unter Beteiligung von Pionieren Rettungsversuche auf Binnengewässern mit Kapitän Le Moults Schwimmstuhl gemacht.
Als vor etwa 20 Jahren Professor Esmarch in Kiel durch eine Zeitungsanzeige bekannt machte, daß er bereit sei, in der ersten Hülfeleistung an Verunglückten Unter- Weisung unentgeltlich zu erteilen, glaubte wohl niemand, daß sich diese Anregung als so fruchtbar erweisen würde, daß schon nach wenigen Jahren der Bund Tausende jüngerer und auch älterer Leute als ausgebildete Samariter hinausschicken konnte. Der Bund selbst hat es bis heute neben den 8 großen Ärztevereinen, die ihm angehören, auf über 13 000 akttve Mitglieder gebracht. Als passive Mitglieder gehören ihm auch schon 17 Berufs- genossenschaften an.
Die Zusammenkünfte zeigen aufs klarste, was für zahlrerche und zielbewußte Kräfte freiwillig an der Hebung und Erhaltung unserer Dolksgesundheit arbeiten! v »
Deutsche« Deich.
Die Bedrohung der Schwurgerichte.
Man hört so gut wie nichts von der Kommission, der das Reichsjusfizamt die schwierige Aufgabe übertragen hat, Gutachten zur Revision des Strafprozesses abzugeben. Doch weiß man aus den seinerzeit nutze- teilten prägen, die den Beratungen der Kommission zu- gründe liegen, daß es sich um Probleme handelt, deren
Langsam stieg bald der Schornstein tn die Höhe und eine dicke Rauchwolke entquoll dem jetzt ziemlich hohen Schlote. Dem Koch hatte man das Feuer ausgemacht, denn sobald scharfe Munition an Deck kam, durfte kein Feuer in der Kombüse brennen. Der Koch ging zu den Munitionsnummern über und mußte jetzt, anstatt den Kochlöffel zu hantieren, sich mit den schweren 16-Zenti- meter-Granaten rumbalgen. Ein saures Gesicht schnitt der des prakttschen Dienstes Ungewohnte ob dieser schweren Arbeit. — Was htlft's aber, bei dieser Rolle ist kein Mann entbehrlich. Bald ertönte von der Brücke das Kommando feuern, denn schon lange hatte der Navigationsoffizier das gedachte Ziel genommen und angegeben und es den Geschützkommandeuren zugerufen, die dann den Geschützführern den Aufsatz zugerufen hatten. „Ge- schützwcrse feuern", rief der Batterieoffizier, und nach eigenem Ermessen wurde geschossen. Es mutzte den Leuten offenbar Spatz machen, mit scharfer Munition schießen zu dürfen, denn alles war munter und fidel. Doch nun ging's erst richtig los.
Eine Weile hatte man gefeuert, als das Kommando „Feuer im Großmars" ertönte. Wie der Wind sausten die an den Geschützen überzähligen Nummern davon, schlugen die Pumpen runter, schraubten die Schläuche an und in ein paar Sekunden war der Schlauch an Deck gemannt. „Pumpen!" und ein dicker Wasserstrahl entquoll dem metallenen Mundstücke in der Richtung der im Großtopp gedachten Brandstelle zu. Bald ward auch dieses als gelöscht betrachtet und wieder „An die Geschütze" hieß es nun. Der Schlauch wurde hingeworfen und die beim Löschen beschäftigt gewesenen und am Geschütz so lange ausgefallenen Nummern meldeten sich wieder an letzterem zur Stelle. Noch hatten sie sich nicht erholt, als auch schon wieder der Ruf „Feuer im Achterschiff!" ertönte und der Schlauch vier hingebracht werden mußte Das wollten sie aber auch jetzt dem Kommandanten merken lassen. Mit dem größten Gleichmute setzten sie die Kajüte unter Wasser, so daß Teppiche und Vorleger in buntem Durcheinander umher schwabberten. Auch dieses Feuer wurde bald als gelöscht betrachtet und wieder flog dev Schlauch an die Seite, als mit einemmal der Ruf
