Einzelbild herunterladen
 

iesdaüener Tandlatt.

K». 365. Morgen-Attsgalre.

Samstag, den 8. August»

61. Jahrgang. 1803.

Das laßt uns einsehen, daß eine Gottheit unsere Zwecke formt, wie wir sie auch entwerfen.

Shakespeare.

* *

*WWW*WWWWWW¥TW*W*WW¥WWWW¥¥¥9W¥9*

(11. Fortsetzung.)

Freiheit!

Roman von Walter Schmidt-Häßler.

Durch all das hatte Röminger sich im Laufe der Jahre daran gewöhnt, nichts ohne Beratung mit seiner Gatsin zu tun, durchaus nicht etwa, weil er sich unter ihrem Einfluß fühlte, sondern lediglich, weil er wußte, daß ihr Rat stäs der klügste und zweckmäßigste war.

Und so hatte er ihr auch eines abends den Brief von her Freundin seiner Nichte, von der er noch niemals ge­hört hatte, auf den Tisch gelegt und sie in dieser aller­dings sehr verwickelten Sache um ihren Rat gefragt.

Da war denn sie es gewesen, die nach kurzer Über­legung dafür gessimmt hatte, Ella kommen zu lassen und zwar so schnell als möglich, den armen gefangenen Vogel z» befreien.

Ihre durch und durch selbständige Natur empfand eilt tiefes und ehrliches Mitleid mit dem jungen Mädchen, dessen Selbständigkeit hier systematisch unterdrückt wurde, und ganz im Ssillen lvar es auch ein leises, echt weib­liches Gefühl, das ihr zu dieser Entscheidung riet.

Sie liebte ihren Mann schwärmerisch, und empfand deshalb eine inssinksive Bitterkeit gegen seinen Bruder, der ihm stets feindselig und gehässig gewesen war, der sich in blödem> spießbürgerlichem Unverstände einst los­gesagt hatte von dem genialen Künstler, statt ihm zu helfen, wo er es doch gekonnt hätte. Noch unsympathischer aber war ihr die herzlose und kokette Frau Schwägerin, die aus ihrem an und für sich schon so unbedeutenden Manne einen wirklichen Pantoffelhelden gemacht und jedenfalls mit boshafter Berechnung alles brüderliche Empfinden nach und nach in ihm erstickt hatte, wenn es sich ab und zu geregt haben sollte.

Und nun gab es im Hause dieses Mannes auch eine junge Seele, die nach Freiheit schrie von dem unerträg­lichen Zwange engherziger Kleinstädterei, und daß diese Retsimgsuchende gerade zu ihnen sich flüchten solüe, er­schien ihr wie eine Art Genugtuung, die der Hinnnel ihr für alles zu geben gedachte, was dieses HauS an ihrem Gatten verschuldet.

Diesem jungen Wesen die ersehnte Freiheit zu geben, ihr, der seelisch Einsamen, die Lied« eines wirklichen Elternhauses zu schenken, ihrem inneren Leben das

der Brief geschrieben, der Ella eine Zuflucht und eine neue Heimat anbot.

Und Ella kam. Der alte Röminger holte sie vom Bahnhofe ab.

Unter Tausenden hätte sie ihn herauserkannt mit dem seinen Künstlerkopfe, den die stark ergrauten Haare umrahmten, und aus dem ein Paar unendlich gutmittige und kluge Augen leuchteten. Auch er erkannte sie sofort.

So hatte seine schöne Mutter in ihrer Jugend ausgesehen, so schlank und hoch, und dabei so voll mädchenhafter An­mut. Als sie an seinem Halse lag, weinte sie bitterlich, zum ersten Male seit ihrer Flucht aus dem Elternhause.

Dann fuhren sie heim in das ssille Haus, das von nun an chre Heimat werden sollte.

Auch Frau Anna schloß sich sofort mit warmer Zärt- lichkeit an die junge Nichte an, die ihr ganz außerordent­lich vom ersten Augenblick an gefiel. Sie war weder überspannt, noch irgendwie exzentrisch, was sie anfänglich wohl ein wenig gefürchtet hatte, sondern alles an chr war klar und verständig. Die kluge Frau fand in dem jungen Mädchen ein Stück ihres eigenen Selbst wieder, und das zog sie unwiderstehlich an. Die beiden Kinder des Hauses kamen dem neuen Gaste gleichfalls mit warmer, echt geschwisterlicher Liebenswürdigkett entgegen, so daß sich Ella schon nach den ersten Stunden völlig zu Hause fühlte. Hier berührte sie alles lieb und wohltuend, der herzliche Hauch, der das ganze Hauswesen durchwehte, ging auch auf sie über und legte sich mit einschmeichelnder Innigkeit als festes Band um ihr wundes Gemüt.

Schneller, als es sonst ihrer Eigenart entsprach, ge­wann sie zu diesen Menschen das vollste Vertrauen, öffnete jedem mtt kindlicher BereitwMgkett ihr Herz, so daß alle schon nach kurzer Zeit genau wußten, welch ein prächtiger Mensch in diesem jungen Mädchen steckte, und wie wohl getan es war, ihr aus den Sflavenketten einer erdrückenden Umgebung zu Helsen.

Sie blieb nun auch nicht müßig auf dem einmal be­tretenen Wege stehen, sondern erklärte schon am zweiten Tage ihrem Onkel mtt aller Fessigkeit, daß es ihr unum­stößlicher Wille sei, sich so schnell als möglich eine selbst­ständige Stellung in der Welt zu schaffen.

„Zum Heiraten habe ich kein Talent!", sagte sie mit einem bitteren Zucken um die Mundwinkel, „so muß ich denn versuchen, meinen Berus, der großen Allgemeinheit zu nützen, auf andere Weise zu erfüllen!"

Und anschließend an dies große Wort ging man nun daran, Pläne zu entwerfen.

Ellas sehnlichster Wunsch wäre ja gewesen, zur Bühne zu gehen, all die Jdealgestalten dichterischer Fantasie selbst zu verkörpern.

Aber dazu schüttelten Herr und Frau Röminger in verblüffender Übereinstimmung die Köpfe.

„Wenn ich zehn Jungens hätte", sagte der Onkel,

„und sie hätten Talent fürs Theater, ich ließe sie bedenken­los hinausziehen in die große, geheimnisvoll« Welt der Kunst — alle zehn! — Mögen sie sich den Sturm, der dort immer weht, um die Ohren brausen lassen, mögen sie sich ihre Enttäuschungen holen, ihre Kämpfe aussechten und mühsam hinaufklettern zu den ersten Lorbeeren. Es sind Männer — und die können einen Puff vertragen. Aber ein Mädchen würde ich nun und nimmermehr da hinauflassm, in dieses Reich von blendendem Licht, Mtter und Truggold. Ein Weib ist doch nun mal anders ge­artet, als ein Mann, und was dem einen gut ist, wäre für den andern eine Kette unabsehbaren Leids, wenig- stens in diesem Berufe. Ich Hab ja mehr als mein halbes Leben da unten gesessen zwischen den Notenpulten, und so unendlich vieles erlebt, was mir genügt, ein so ahnungs­loses junges Ding, wie du bist, vor diesem Entschlüsse ehrlich und mit voller Überzeugung zu warnen!"

Und Ella war klug genug, zu verzichten, ihre bunten Träume vor dem nüchternen Lichte, mit dem der er­fahrene Mann sie beleuchtete, zerrinnen zu lassen, wie Seifenblasen.

Ruhig suchte man also weiter.

Nach einigen Tagen erschien in der „Bossischen Ztg. und im „Berliner Tageblatt" die Annonce:

„Junge Dame aus guter Familie sucht in vornehmem Hause dauernde Posision als Gesellschafterin. Englisch, Französisch, Italienisch perfekt. . Beste Referenzen. Ge- fällige Offerten bei der Expeditton."

Wer es meldete sich niemand.

„Nur den Mut nicht sinken lassen!" sagte Frau Anna tröstend. „Dann wird eben in 14 Tagen erne neu«

Annonce gemacht!" . „

Inzwischen half Ella ihrer Tante tm Haushalt soviel sie konnte, und abends, wenn sie in ihrem Zimmer mtt einem guten Buche gesessen hatte, durste sie sich ohne Zwang, ohne Furcht vor den Strafpvedrgten der Eltenr oder dem Hohn der oberflächlichen Schwestern ihrer Lwb- lingsbeschäfsigung überlassen, zu schreiben, rhren Ge­danken Form, ihren Fantasien Worte zu geben. Sie hatte ihre kleinen Ersllinge hervorgeholt, daran herum­gemodelt und verbessert, und hatte angefangen, llwues zu schreiben. Das Schreiben machte ihr Freude, imrklrchs tiefe Freude, ja noch mehr, es war ihr geradezu Bedürf­nis, ihre Gedanken niederzulegen, das auszusprechen, was sie empfand. „ r ,,

Eines abends wagte sie es, nachdem sie lange nnt sich zu Rate gegangen war, ihren Verwandten, zu denen sie nun einmal wirkliches Vertrauen hatte, ihr Geheimnis

zu beichten. . ,

„Was der Tausend?!" lächelte Papa Rommger, und nahm ganz verwundert die große Pfeife aus dem Munde, „man schreibt also richttge Novellen und solch gute Sachen? Fa, das wäre ja vielleicht wirklich ein Weg zu der ersehnten Nützlichkeit! Zuttauen kann mandirs schon, denn wenn die Feder so plaudert, wie der Mund es versteht, so glatt und flüssig, dann muß es ja ganz nett sein, was da abends in dem kleinen Stübchen zu- sammengebraut wird!" , ^

„Kann man da nicht mal emen bescheidenen Einblick bekommen?" fragte die Tante. „Nicht aus bloßer Neu- gier, beste Ella, das wirst du mir glauben, aber wenn wir dir ehrlich und gewissenhaft raten sollen, dann müssen wir vor allen Dingen doch erst ein Urtell darüber haben? - Dagegen war, wie gegen Frau Annas Logik immer, nichts einzuwenden. .

Lächelnd erhob sich Ella und sagte: ,,^ch wkll s Euch holen! Aber, wenn Ihr glaubt, mich zu kränken, wenn Ihr mir sagt, es ist nichts damit, wenigstens isichts, wo- rauf man fiir die Zukunft Hoffnungen setzen konnte —* so irrt Ihr Euch! — Ich bin nicht eitel, wahrhaftig Mt, so weit werdet Ihr mich schon kennen, nicht wahr? Offen sollt Ihr mir sagen, was Ihr denkt, genau so ehrsich, wie neulich, als sichs um meine Bühnentraume handelt«, Wollt Ihr?"

Beide ssimmten zu, und Ella holte ein kleines Manu» skript, eine Novelle, die sie in dm letzten Wochen zu Haust geschrieben und hier überarbeitet und vollendet hatte.

(Fortsetzung folgt.)

Badbans znin Kranz,

l-anggaiiae 50, Kclie lirnnzplntz.

Thermal-Bäder ä 60 Pf.,

eam neu einj-ericlitet. 1860

_ Möblirte Zimmer 1. Etage.

1 Fahrrad, 1 Nähmaschine

umsonst

tarn Jeder bei ans erstehen. Man verlange Prospekt gratis und franko. Pneumatlcs u. Fahrradxube-

hör konkurrenzlos bill g. Eitter- Fahrrad-Industrie, Berlin S. 42.

Beeil, kein Bons-Systeml F152

C. Heister, Vergolder,

Gneisenaustraße 15,

kmpsiehlt sich zum Neuvcrgoldcn von Spiegeln und Bilderrahmen, sowie Einnahmen von Bildern jeder Art bei febr billiger Berechnung. _

M darf nur w ]^clbaCl)’ s

pöraX-SdßnputwrWon.

JL *-3 p

S ? 7* ®

B •• =5" ^

I 2- ?

CO

C"*~

-1 Bf

ca

P

co

CO

CD

2

strührosa. gelbe, gelbstetschtge, liefert cei »eile frei Ha„» biüiast

Hto tlnkelbneli. Schwalbachcrstr. ffartaffclbanblunfl. Telefon 2734.

1840

Otto tluketbacli. Schwülbü Kanoffelhandlung, Telefon

«ntner-

Nachlaß-Versteigerung.

Heute Samstag, de« 8. August, Vormittags 97» Uhr anfangend, versteigere ich im Aufträge des Fräulein M- »enker im Versteigerungslokal

Bleichstratze 5

folgender Nachlaß, als:

8 Betten, 2 Waschkommoden, 2 Nachttische, 1 Nußb.'-Verticow (fast neu), 2 Kleider-

K Bilder, Spiegel. Gallerte«. Wetkznig. al«r Tisch.. Bett- mHaudtttchtt Vettvezuge, eaux, Gardinen. «la», Porzellan. Küchengeschirr nnd noch viele hier nichtdenannte

Gegenstände „ . , . _ „ ,

öffentlich meistbietend gegen Baarzablung. Besichtigung 2 Stunden vor Beginn der Versteigerung.

Iiiidwig Hess, Auctionator und Taxator,

Sckwalbacherstratze 11» 1.

Forderungen an den Nachlaß der verstorbenen

Mise Karrnann, Metzgergasse 30,

sind bei mir bis znm »I. August er. anzumelden.

Rechtsanwalt Dr. Fritz Bickel,

Adelheidstratze 23.

Meder’»

Mechanische Tepplch-Klopf- u. Schüttelwerke

Wiesbaden, Köln, Bonn, Frankfurt a. M.

Philipp Heyligenstaedt,

Besitzer:

Atelier

für Smyrna- und Perser-Teppioh-Beparaturen.

mölten-

■Vernichtung unter Garantie.

obere Dotzheimerstrasse u. Yorkstrasse 19, 2.

Clieml»clie

Reinigungs-Anstalt für Teppiche und Polster- Möbel etc.

Conaervirung; gegen Motten.

Telefon Ir. 2939.

Bcstcr Kohlcnanzitndcr.

verbesserter „Vulkan" direct Kohlenfeuer.

ohne Holz. Spane?c.

(F. 41944) F142

C. Meint», Oberursel i. T.

Prinia seldstgekclterte» Apselwetu u. glasweise im Ausschank Metzgcrgasse S,

alchen.

ehren«.

Weinfässer

in gutem Zustande, als Mumachfäster geeignet, billig zu verkanien.

I-eopoia Vogel« Adelheids«. 14 (Hof).

25%

>(£tf

billiger sind Fehls. »Eigarren.

let ’8 Itprrcn-

Lagerel, Kleine Langgasse 7, neben Langgasse 15.

weinrvirtschast- Erossnung.

Meinen Freunden und Bekannten, sowie meiner werten Nachbarschaft zeige ich hierdurch ergebenst an. dast i» mit dem heutigen Tage in meinem Hause Ricdstrastc 1, an der Waldstrabe, unter dem Namen

„3«m Pfälzer Zacob"

eine „Weiuwirthschaft" eröffnet habe nnd bitte

um geneigten Zuspruch.

Jacob Reichert.

Restaurant Schön,

Seerobenstratze.

Sedanplatz. Heute Samstag:

Morgens:

Ouellfleisch.Schwcinepfeffer, Bratwurst mit Kraut, sowie sonst, reichhalt. Speisenkartc. Es ladet frcundlichst hierzu ein

Heinrich Krekel.

Der bette Äauiiätswein ist Apotheker Hofer’«

„roth-goldener"

Malaga-Tranben-Wein,

chemisch untersucht und von ärztlichen Autoritäten als beiter Stärkungsmittel fiir Kinder. Frauen» Recouvaleöeente», alte Leute rc. empfohlen»

l»r. I/Iitle’« Hof-Apotheke

F525

Modell 1902, tadellose»

Functtontrcn garantirt, statt 8000 Mk. für 1890 Mk. I»r. Probeck, Mrotz-Sachse« a/d. Bergstraße.

AulamM Ken;.