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Wiesbadner TMA

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Echaüer-Halle geiffntt Bon 8 llftt morgens bi» 7 Uhr abends.

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Bon 8 Uhr morgens bis 8 Uhr abends, anher Sonntags.

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Bei wiederholtnAnfnahme nnverönderter Anzeigen in lnrzen Zwischenräumen entiprechendeiMchlaß.

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Montag, 6. September 1915.

Die Freiheit öer Meere.

Die von Sir Edward G r e y ausgesprochene Bereit- Willigkeit, an der Herbeiführung der „Freiheit der Meer e" mitzulwirken, muh uns mchr denn je mit Arg­wohn als mit Genugtuung erfüllen. Wenn die ver­schlagene, mit Men Salben eingeölte, mit allen Wassern gewaschene englische Politik zu einer Selbstbindung bei­tragen will, dann kann man von vornherein sicher sein, daß bösartige Hintergedanken dabei im Spiele sind. Wir verstehen die Freiheit der Meere als endgültige Vernichtung der britischen Vorherrschaft zur See, als radikaleDerhinderung der brutalen Vergewaltigung, mit der England jeder­zeit seine Machtmittel dazu mißbraucht hat, sich über Völkerrecht und Verträge hinwegzusetzen, so oft und wo immer es ihm so gefiel. Was kann selbst die Abschafi sung des Seebeuterechts nützen, wenn die pfiffigen Auslegungskünsteleien der Londoner Machthaber Hin­tertüren genug finden würden, um trotzdem im Kriegs­fälle das nackte JnteresseGroßbritanniens zum ausschlag­gebenden Faktor über alle noch so sorgfältig abgefatz- ten internationalen Verelv.barungen zu machen? Dieser Krieg hat ja gezeigt, wie wenig Verlaß auf die Achtung Englands vor dem Völkerrecht ist.

Tie Freiheit der Meere ist keine Frage der papiere­nen Abkommen, sondern eine der Mackt. Kein Staat wird vor England sicher sein, der nicht imstand ist, sich aus eigener Kraft zu behaupten und so schon im Frieden dem Inselreiche die Lust zum Angriff oder zu Ülber- grifien zu benehmen. Darum müssen wir Macht gegen Macht setzen, um ein Ziel zu erreichen, das nicht bloß uns Mein, sondern allen Staaten und Völkern zugute konimen soll. Je schneller England auf den Boden der deutschen Forderung tritt, desto mißtrauischer haben wir zu sein. Denn Sir Grey meint es natürlich ganz anders als Herr v. Bethmann-Hollweg. Wir sollen — um es grob auszudrücken — eingewickelt wer­den, wir sollen uns fesseln lassen, damit England um so freier schalten kann. In London scheint man sich un­sere Absichten so zurcchtgelegt zu haben, daß wir die Wahl stellen zwischen der Freiheit der Meere und der Ausdehnung unseres Machtbereichs bis an die westliche Küste .der Nordsee. Aber diese Formulierung können . wir Deutschen nur darin zugeben, wenn uns anderweit die Möglichkeit geboten würde, die Freiheit der Meere ebenso gut zu sichern, wie es durch jene Verbesserung unseres Grenzschutzes nach Westen allerdings darum der Fall wäre, weil wir der Basis der feindlichen See­macht gefährlich nahe kämen. Diese anderweite Möglichkeit müßte uns England erst zeigen.

Wir bezweifeln aber auch, daß es das vermag. Es gibt da keinen gleichwertigen Ausgleich. Wir müssen an der Überzeugung sesthalien, daß der Reichskanzler, als er die Freiheit der Meere eines unserer Hauptziele nannte, nicht an einen neuen Dölkerrechtsvertrag allein gedacht hat, sondern zugleich an die „realen" Mittel, die dem Vertrage eine seste Grundlage geben sollen. Was aber Sir ©tu) jetzt anzubieten scheint, das ist eine Form und kein Inhalt. Er würde sich mit der Ankündigung seiner Geneigtheit nicht beeilen, wenn er nicht die Ge­legenheit für England witterte, den Kops aus der Schlinge zu ziehen. Uns dürfen triefende Redensarten vom Nachlassen der Spannung „.zwecks hochpolitischer Absichten" nicht aus den Leim locken. Was soll es heißen: „Spannung?" Wir sind mit England im Kriege um Sein oder Nichtsein und nicht in einem diplomati­schen Spannungszm'tande. Wir wollen und müssen brechen, was sich nicht biegen lassen will (auch das ist ein Wort b<'* Reichskanzlers). Es wäre verhängnisvoll bis zumUirausdenkbaren. wenn wir mitten imSiegeslauf stiNtäNden. Wir hoben allein unsere Interessen zu Rate zu ziehen und uns nicht um die mchr oder weniger berhüllten englischen Friedenswünsche zu kümmern. Unser Interesse aber gebietet es, eine Kriegslage zu er­zwingen, in der England dazu gebracht wird, sehr viel mehr z u z u g e st e h e n, als es heute zu ge­währen bereit scheint. Es ist nicht statthaft, zu ver- Mrlten. daß die verantwortliche Reichsleitung einen an­deren Standpunkt einnimmt, uird wir halten es des­halb für unerfreulich, wenn gelegentlich Zweifel in dieser Richtung angodeutet werden. Die Reichsleitung hat es nicht nötig, an jedem Tag von neuem zu sagen, wo und wie sie zu dieser Kernfrage unserer Politik steht; sie hat zu handeln, und wir schen nirgends einen An­laß zu der Besorgnis, daß von dieser obersten Pflicht auch nur um Haaresbreite abgewichen werden könnte.

Unser Handelskrieg gegen Großbritannien wird trotz aller anderen Vereinbarungen keine Abschwächung er­leiden. Im übrigen handelt es sich bei dem englischen Gerede einstweilen auch nur um Sondierungen. Wenn sie mißlingen, was denn freilich sicher ist, wird man in London bald genug die gespielte Sanftmütigkeit mit Trotz und Zorn vertauschen; ja, das geschieht bereits.

klbend-Ausgabe.

wie man aus der Erklärung der englischen Minister ent­nehmen kann, daß an Frieden nicht zu denk.en sei, so­lang? noch ein deutscher Soldat aus französischem oder belgischem Boden siche. Wir schließen aus diesen Bra- marbasworten nur, daß England weiß, wie schlimm es um seine Sache stcht.

Oer dritte große englische Paffagierdampfer torpediert.

Me Passagiere gerettet.

8. Amsterdam, 6. Sept. (Erg. Meldung. Zens. Bin.) Eine Lloydmeldung besagt: Ter englische Passagrer-

dampscr „Hesprria" (18 920 t) wurde bei Festnet an der Südweftspitze von Irland torpediert. An Bord be­fanden sich 6- bis 700 Passagiere. Der Kapitän und 20 Mann der Besatzung blieben an Bord. Die Pasiagicre und der Nest der Mannschaft landeten in Queens­town. Hilssdampfer sind von Queenstown unter­wegs und man hofft, das Schiff in den Hasen schleppen zu können. Der amerikanische Konsul in Queenstown gibt bekannt, das? kein Amerikaner das Leben verloren hat.

8. Amsterdam, 6. Sept. (Eigene Meflmng. Zeus. Bln.) Die Allonlinie, der der torpedierte Damp­fer gehört, gibt bekannt, daß alle auf dem Schiff befind­lichen Passagiere gerettet seien.

Dies« Torpedierung scheint — wenn auch nähere Einzelmeldungen noch nicht vorliegen — bereits aus Grund der zwischen Deutschland und 'den Vereinigten Staaten stattgefundenen Verständ.igung erfolgt zu sein. Kein Passagier ist ums Leben gekammen. so kann selbst die Schiffsäesellschafl melden, und vor allem auch kein Amerikaner. Die Passagiere hatten alle genügend Zeit, um von Bord zu gehen. Andererseits aber zeigt dieser sobald eingetretene Vorfall, daß wir uns trotz des er­wähnten Übereinkommens nicht des Unterseebootkrieges enthalten, vor allem auch die Pasjagierbanipser nicht verschonen werden.

Oie schwierigste Aufgabe der englischen Zinanzgeschichte.

W. T.-B. London, 6. Sept. (Nichtamtlich.) Der Heraus­geber der „Daily News", Gardiner, erörtert das kommende Budget Mac Kennas und sagt, Mac Kenn« sei vor die schwierigste Aufgabe der ganzen englischen Finanz­geschichte gestellt. Das auszustellende Budget sei am ersten mit dem Budget Turgots vor der französischen Revolution zu vergleichen. Mac Kenn« befinde sich aber in glücklicherer Lage als Turgot.

Neue englische pretzliigen.

Eine spanische Antwort.

Berlin, 5. Sept. (Jens. Bln.) Mit welchen Mitteln unsere Gegner immer wieder versuchen, Nachrichten über angebliche deutsche Greueltaten durch die neu­trale Presse in die Welt zu setzen, beweist ein der „Nordd. Allg. Ztg." kürzlich zugegangener Artikel des „CorreoEspanol", in dem die Redaktion dieser Zeitung eine englische Zumutung, gegen Bezahlung derartige Lügen zu verbreiten, ener­gisch von sich abweist. In ihrer Ausgabe vom 12. Juni dieses Jahres bringt sie folgende Mitteilung: „Mit einem amtlichen Siegel der englischen Regierung schickt man uns aus London einen Protest einiger schwedischen Professoren gegen die deutsche Barbarei und ersucht uns, ihn in unserer nächsten Ausgabe zu veröffentlichen. Gleichzeisig erbietet man sich, uns den Betrag, den wir für das Inserat festsetzten, postwendend zu vergüten. Der Brief fügt noch hinzu: „Es handelt sich um eine Mitteilung, die uns sehr in­teressiert, well sie in dcn neutralen Ländern großen Eindruck Hervorrufen wird." Jene Engländer haben sich in der Tür geirrt. Der „Correo Cspaüol" veröffentlicht keine Lügen, wenn sie auch noch so gut bezahlt werden sollen. Aber es freut uns, daß sie sich an uns gewandt haben, weil wir infolgedessen jetzt wissen, daß alle Zeitungen Madrids und in den Provinzen, die die Abschrift des angeblichen schwedi­schen Protests veröffentlichen, soundsoviel für die Zeile be­zahlt erhalten." __________

von den östlichen Kriegsschauplätzen»

Fortwährende Mißerfolge der russischen Truppen östlich Brest-Litowsir.

Die Schwierigkeiten im Sumpfgebiet.

Ofenpest, 6. Sept. (Zeus. Bln.) Der Kriegsbericht­erstatter von „Az Eft" meldet aus Jahlon» daß die ruffischen Kräfte, welche ö st lich Brest-Litowsk daö Vordringen der deutschen Truppen aufzuhalten suchen, fortwährend Mißerfolge erleiden. Den zurückweichenden Ruffen wird keine Ruhe gelaffen. Nachdem die vordringenden Deutschen am Ausgang des Sumpfgebictes sich befinden, hat sich ihre Lage bedeutend günstiger gestaltet. Im Sumps- gebiet waren große Schwierigkeiten zu überwinden. Destilliertes Waffcr mußte meilenweit mitgchührt werden. Trotz aller Schwierigkeiten schreitet die Offensive fort, und eS wurde« Hunderte vo» Gefangenen gemacht.

Nr. 414» » 63. Jahrgang.

Die russische Maschine ohne «rast.

Der wirkliche Kamps zwischen der deutschen und englische« Industrie.

W. T.-B. London, 6. Sept. (Nichtamtlich.) Der Heraus­geber der „Daily News", Gardiner, schreibt in einem Leitartikel: Der wirkliche Kampf wird zwischen der deutschen und der englischen Industrie geführt. Wir sind die beiden großen europäischen Häuser. Weshalb treibt Deutschland die russische Armee vor sich her? Nicht, weil Rußland nicht Myriaden tapferer Männer und viele fähige Generale hätte, sondern weil die Maschine keine Kraft hat. Rußland hängt von uns ab, um kämpfen zu können. Es kann nur durch England seine Industrie wieder beleben und nur durch England Vorräte vom Ausland beziehen, da es keinen p jyn,«T Handel hat, um die Rechnung zu bezahlen.

Die Russen im Zustand der Erschöpfung.

Genf, 6. Sept. (Zens. Bln.) Der Petersburger Mit­arbeiter des „Giornale d'Jtalia" gesteht jetzt ein, daß sich die russischen Truppen im Zustand der &r*. schöpfung befinden. Eine Entlastung durch die Verbün­deten im Westen und cm den Dardanellen sei dringend not­wendig.

Einberufung des russischen Landsturms 2. Aufgebots.

ap. Stockholm, 6. Sept. (Eig. Drahtberrcht. Zens. Bln.)' Aus Petersburg wird gemeldet, daß die Duma tu ge-, heimer Sitzung dem von der Regierung vorgelegten Gesetz- entwurf, betreffend die Einberufung des Sauiüp sturms zweiten Aufgebots, gegen die Stimmen der Sozialdemokraten und bei Stimmenthaltung der Arbeiter­partei zugestimmt habe. Nun, aber fehlen für die Batterien! die Geschütze, für die Kavallerie die Pferde. Kavallerie und Artillerie kommen auch wegen der Länge der Ausbildungs­zeit kaum in Betracht. Es bleibt die Möglichkeit, gegen ein« halbe Million Infanterie einzuberufen, was gegenüber den riesigen russischen Verlusten kaum ins Gewicht fällt.

Das Ende des russischen Rückzuges?

Br. Kopenhagen, 6. Sept. (Eig. Drahtbericht. Zens. Mn.) Der Londoner Mitarbeiter der „Berlingske Tidende" berichtet von Petersburg Nachrichten, die das Ende des russi­schen Rückzugs unkundigen. In Petersburger General,