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fjfo» 8, LerlagS-Fernfprecher No. 29».
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Abend-Ausgabe.
Der neue Papst.
Wenn die Abstimmungen im Konklave zu einem positiven Resultat geführt haben und die ersehnte Zweidrittelmehrheit sich aus einen Kandidaten vereinigt hat, dann wird das Resultat der Wahl von dem ältesten Kardinaldiakon der auf dem Petersplatz harrenden Menge mit der feststehenden Formel verkündet: „Ich verkündige euch eine große Freude. Wir haben einen Papst. Ter
hochwürdigste Herr Kardinal.ist zum Papste
gewählt worden und hat sich den Namen.ge
wählt!" Ter Gewählte wird alsdann mit den päpstlichen Gewändern bekleidet, mit einer weißen Sutane, der roten Mosetta, der Stola, roten Pantoffeln mit daraus eingesticktem goldenem Kreuze und einem roten Gürtel; darüber trägt der Papst den roten Mantel und eine reich verzierte Mitra. Alsdann empfängt der Papst vor dem Altäre die Huldigung der Kardinale, die ihm Fuß, Hand und Mund küssen und ihn umarmen. Ter neue Papst begibt sich nun nach einer zweiten Huldigung in der Sixtinischen Kapelle nach St. Peter, wo er einige Zeit im Gebet verweilt. Sodann intoniert der Kardinaldekan das Tedeum und während desselben erfolgt eine dritte öffentliche Huldigung, an der außer den Kardinälen auch Prälaten und Adelige tüilnehmen. Zum Schluß erteilt der Papst von der Loggia aus dem versammÄten Volke den apostolischen Segen. Ten endgültigen Abschluß erhält jedoch die Papstwahl erst durch den feierlichen Krönungsakt, der gewöhnlich an dem der Wahl folgenden Sonntag vollzogen wird.
Mer auch wenn dieser letzte Akt der Papstwahl sich abgespielt hat, wird die Welt noch immer nicht genau darüber informiert sein, wer der neue Herrscher im Vatikan ist. Denn auch dann wird man von dem neuen Papst noch nicht mehr wissen, als seinen Namen und wes Geistes Kind er gewesen ist, bevor er Papst wurde. Das ist aber herzlich wenig. Das alte Wort, daß der Kronprinz ein anderer ist als der König, d. h., daß die Könige sich meist in ganz anderer Weise entwickeln, als ihr Verhalten als Kronprinz es in Aussicht zu stellen schien, trifft auch auf den Papst zu. Ja, es trifft hier noch weit mehr zu. Denn einmal verändert der neue Jnteressenkreis wenn nicht den Charakter, so doch die Taktik, und zweitens ist ganz besonders der Fall ein häufiger, daß diejenigen Kardinäle, welche nach der Tiara streben, mit ihren innersten Anschauungen weise zurückhalten und- sich zwecks Beeinflussung ihrer Wahlchancen ganz anders geben, als sie es in Wahrheit sind.
Ebenso häufig wie die Überraschung, daß statt der vielgenannten Papäbili, auf deren Aussichten sogar Wetten abgeschlossen werden, eine völlig unbekannte Größe, ein ,/Outsider", aus der Wahl hervorging, ist der andere Fall gewesen, daß der neue Papst sich völlig
Dienstag, de« 4. August.
anders entwickelte, als es prophezei: worden war und als man es aus seiner bisherigen Laufbahn und aus seinem Charakter schließen mußte. So ist Joachim Pecci ein begeisterter Italiener, ein italienischer Patriot ge- Wesen, aber als Leo XIII. hat er sich der italienischen Regierung und der Neuordnung der Dinge in Italien nicht minder ablehnend gegenübergestellt, wenn er auch in der Form minder schroff war als Pius IX.
Ter Grund hierfür liegt darin, daß auch der Papst, wie anscheinend unumschränkt er auch im Vatikan die Herrschaft führt, doch- keineswegs so kann, wie er will, und an die Stimmungen und Wünsche des mitregierenden Klerus gebunden ist. Es wird voraussichtlich niemals mit Sicherheit festgestellt werden können, wie ineit während Leos XIII. Regime dieser selbst, wie weit der Kar- dinalstaatssekrctär, insbesondere Rampolla, und wie weit die Strömungen und llnterströmungen im Vatikan dm Ausschlag für die Handlungen und Unterlassungen des Vatikans gegeben haben. Die Kardinäle wissen, wen sie wählen. Bei der Wahl ist nicht in erster Reche ausschlaggebend der Charakter und die Bedeutung des Kandidaten, sondern die PrüsiiN!g der Papabili auf Herz lmfr Nieren, ob sie als Träger der Tiara den Autokraten spielen oder auf die Wünsche des hohen Klerus die hinreichmde Rücksicht nehmen wollen. Jene Prüfling auf Herz und Nieren kann wohl zweifelhaft sein, was aber nicht zweifelhaft ist, das ist die Möglichkeit für den Klerus, ihren Wünschen unter Umständm auch gegm den Willen des Papstes Geltung zu verschaffen.
Wie die Dinge zur Zeit liegen, ist es nicht anzunehmen, daß der neue Papst mit einem neuen Programm den päpstlichen Stuhl besteigen wird. Wenn die einm von der zu erwartenden Reform der katholischen Kirche, die anderen von der Aussöhnung des Papstes mit Italien sprechen, so sind das alles Vermutungen, die keinerlei Wahrscheinlichkeit für sich haben. 'Insbesondere hat der feierliche Protest des „Heiligen Kollegiums" gegm die Annektion des Kirchenstaates aufs neue dokumentiert, daß man im Vasikan auch in Zukunft an dem Satz 76 des Syllabus festhält, dem zufolge das Papsttum auf seinem Anspruch auf die weltliche Herrschaft beharrt. Es ist richtig, daß dieser Einspruch gegen den Bestand der Tinge eine recht fruchtlose Betätigung und völlig belang- los ist. Aber die Politiker des Vatikans glauben, auf die agitatorische Wirkung der Fiktion vom „Gefangenen im Vatikan'Tauch in Zukunft nicht verzichten zu können, obwohl gerade die Vorgänge der letzten Wochen und die Berichte über dm Prunk und die fürstliche Prachtentfaltung in der „Hofhaltung" des Vatikans jene Fiksion vom „Gefangenen im Vasikan" hinreichmd all absurdum geführt haben.
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hd. Rom, 4. August. Nach einer aus dem Vasikan stammenden Meldung dürfte der heutige Tag die Entscheid u n g i n der Pap st mahl bringen. Derselben Quelle zufolge sind alle bisherigen Meldungen über den Verlauf des Konklave unbegründet.
RedaktionS-Fernsprecher No. 52. 1903»
25* Deutscher Hausliesrhertag.
S. & H. Dresden, 3. August.
Der Zentralverband der städtischen Haus- und Grundbesitzer-Vereine Deutschlands, dem gegenwärttg 214 Haus- und Grundbesitzer-Organisationen mit insgesamt 108 000 Mitgliedern angeschlossen sind, ist heute hier unter dem Vorsitz seines Präsidenten, des früheren Reichstagsabgeordneten Baumeisters und Staütrats Hartwig-Dresden, zu seinem fünfunözwanzigsten Vereinstage zusammengetreten. Die Beteiligung der angeschlossenen Vereine an dieser Jubiläumstagung ist eine außerordentlich zahlreiche. Auch die Reichs- und sächsischen Staatsbehörden haben Vertreter dazu abgeordnet. Dem vom Verbandsvorsitzenden erstatteten Jahresbericht ist zu entnehmen, daß der Vorstand auch im verflossenen Geschäftsjahr bemüht gewesen ist, von dem deutschen Haus- besitzcrstande eine weitere Belastung durch neue Steuern und Lasten abzuwehren.
„Die Gesamtlage des städtischen Hausbesitzers," so führt der Berichterstatter aus, „ist im großen und ganzen dieselbe wie im Vorjahre. Die Verhältnisse sind zum größten Teil noch gedrückte, überall ist eine überfülle von Wohnungen vorhanden, die mehr oder minder zu Ermäßigungen des Mietpreises, an vielen Stellen aber auch zum vollständigen Zusammenbruch vieler Hausbesitzer geführt und Subhastationen in Menge hervorgerufen hat. Dabei ist aber zu erwähnen, daß die Unterschiede in diesen Verhältnissen doch auch ganz außerordentlich groß sind und das Überangebot von Wohnungen durchaus kein gleichmäßiges ist. Einzelne Städte, darunter vor allem Dresden, haben einen ungeheuren Überfluß an Wohnungen anfzuweisen, bei anderen wieder ist er etwas geringer, überall aber ist er vorhanden. Das Geld für Hypotheken ist außerordentlich billig und willig, so daß die Bauunternehmer zur unnötigen Herstellung von Wohnungen noch immer stark angeregt sind. Dabei ist zu bemerken, daß der Aufwand immer größer wird, die Wohnungen immer eleganter, bequemer und wohnlicher hergestellt werden, und trotz des teuren Preises, der daraus resultiert, doch auch vielfältig Abnehmer finden. Die öffentlichen Gewalten stehen vielfach noch in der „bekannten Schwärmerei für den Wohnungsbau der Baugenossenschaften", aber es sind auch unter letzteren Rückschläge zu verzeichnen und vor allem wird man inne, daß die Wohnungen dieser Genossenschaften durchaus nicht in allen Fällen erheblich billiger sind als die, welche die private Bautätigkeit beschafft.
Bei den Männern der Wissenschaft, insbesondere solchen, die nicht hinreichend beschäftigt sind und die gern ein Kampffeld betreten möchten, auf dem sie sich sehen lassen können, begegnet man noch oft dem unlöblichen Beginnen, daß sie über die Wohnungsfrage in einem großen Aufwand von Worten sich verbreiten, ohne von den Dingen nur im geringsten Kenntnis zu haben. Einer redet dem anderen nach, was er gesagt hat, tut aus seiner Phantasie noch etwas dazu, und malt so mit Vorliebe ein grauenerregendes Bild von der entsetzlichen Wohnungsnot unserer Tage. Möchten doch die Herren,
Ditterwühller Grund.
Roman von Anton Freiherr« von Perfall.
(9. Fortsetzung.)
Ambros beneidete seine Schwester, die verführerischen Erzählungen Perlmanns, seine Reiseerlebnisse, das himmlische Leben der Künstler reizten seine Phantasie — und er sollte versauern? Seine schönsten Fahre verarbeiten oben am Biehl mit der Franzl? Mit der konnte er keinen so lustigen Abend mehr mitmachen, die paßte nicht in solche Gesellschaft. Er wurde plötzlich düster gestimmt, legte die Guitarre weg imb starrte unwillkürlich ans Leinemann, der, jetzt bessere Laune, sich auch an der Gesellschaft beteiligte und neben seinem Kollegen saß. Der könnte ihm vielleicht an: Ende davon helfen 7- nur auf den Brief morgen aufpassen! Er drückte sich aus Furcht, am Ende zu verschlafen, und wankte bedenklich den Weg nach Hause, hinter ihm klangen noch frohe Laute von der frisch'n Höh herauf. Er blieb oft liehen und lauschte ihnen kopfschüttelnd — dann blickte er die Höhe hinauf — da lag der Hintermooserhof, schwarz, düster, still wie ein Grab.
„Die Post kam jeden Tag gegen acht Uhr. Ambros drängte zum Aufbruch nach Griesbach zum Notar. Ter Vater rumorte schon vor Tagesanbruch im Hause umher. Er hatte immer noch etwas zu tun, bald im Stall, bald -uf der Tenne, eine nervöse Unruhe hatte ihn ergriffen, nur schwer konnte es Ambros gelingen, ihn fortzudringen.
Theresa, die ihn fragte, wohin sie fuhren, antwortete dr nur kurz: „Mein Tod verbrief'n lassen!" Und als sie duf seine nähere Erklärung, was er für einen Gang habe, ihre unverhohlene Verwunderung über einen solchen Schritt äußerte, in solchen rüstigen Jahren, wo ^r doch so hänge an seinem Heim, das fiele ja einem in dar Stadt gar nicht ein, sich so förmlich aufzuopfern; da horte er ihr aufmerksam zu.
„Bei uns Bauersleut' is halt amal jo", sagte er dann, „die alten Barn müssen den jungen Platz machen, wenn's auch oft no mehr Kraft und a g'sünder's Leben haben als der verkrüppelte Nachwuchs — 's is halt amal so."
Noch unter der Haustüre blieb er stehen und blickte lange um sich, zum letztenmal als Besitzer.
Ambros stand auf Kohlen, jeden Augenblick konnte der Briefträger kommen mit dem Schreiben vom Bergwerk, dann wurde am Ende aus der ganzen Geschichte nichts oder wenigstens war alles hinausgeschoben.
Tie Mutter hielt sie auch noch unnütz auf mit chrem ^rtaat, sie war nichts weniger als bedrückt, was lag ihr an dem Hof auf dem Biehl! Sie hatte sich nie dort heimisch gefühlt und die frische Höh blieb ihr ja und de^ Nonei.
Auf dem Weg in das Dorf begegnete ihnen richtig der Briefträger, er schwenkte von weitem schon seinen Stock.
Ambros ging, innerlich bebend, voraus.
„Hab'n 's was?" rief er ihm von iveitem schon zu.
„Ja, für den Vater, einen Eingeschriebenen", war die Antwort.
Das war etwas Ungewöhnliches. Gottfried wurde auch aufmerksam,
„Wir verspäten uns", mahnte Ambros, „er soll es am Abend bringen, was soll es denn wichtiges sein?"
Der Bote gab dem Alten einen gesiegelten Brief: „Bergwerk Griesbach" stand gedruckt auf dem Couvert.
Gottfried drehte ihn nach allen Seiten.
„Was wollen denn die von mir?"
Es fehlte ein Bleistift, den Schein zu unterschreiben, das gab Ambros Gelegenheit, nochmals zu mahnen.
Ter Vater gab wirklich nach.
„Bring ihn heut abend, die warten gut auf eine Antwort."
Der Bote ging, Ambros atmete auf.
„Wegn 's mich selber um a Holz angeh'n. dann
krieg'n 's er a g'hörige Antwort", räsonnierte der Vater, der Brief ging ihm nicht aus dem Kopf.
Die Verhandlung mit dem Notar ging würdevoll, ohne alle Störung vor sich, wie Gottfried es gewünscht. Seine Hand zitterte nur leise bei der Unterschrift.
Ambros empfand jetzt ein Hochgefühl, das er gar nicht erwartet. Nach einem Mittagsmahl, bei welchem jeder Teil vermied, die neue Veränderung zu berühren, machte man sich wieder auf den Heimweg.
Der Weg rührte am Werke vorbei. Gottfried betrachtete mit Mißbehagen die geschwärzten Gebäude rings umher, die Schuttlager, die schwarzen Grieshügel, wie Riesengräber anzuschauen, die geschwärzten Arbeiter, die diese Arbeit da unten, ohne Licht und Lust, der Arbeit im Wald und Feld vorzogen; er fühlte ein Unbehagen bei dem metallischen Rauschen der Kohlen vom Sortierhause her, dem sonderbaren, alle Nerven erregenden Brummen des großen Schwungrades oben im Schachthause.
„Wer das alles hören, sehen, einatmen muß, liebev sterben", dachte er.
Das Ganze schien ihm ein riesiges schwarzes Ungeheuer, aus höllischen Tiefen emporgestiegen, das die herrliche Gottesnatur rings schändete: der riesige national- ökonomische Nutzen eines solckmr Werkes war ihn: nicht begreiflich, er sah nur den Schaden, den es stiftete. Am meisten entsetzte ihn ein großes Haus, rings von Kohlen- schutt umgeben, es war offenbar ein altes Bauernhaus; die reich geschnitzten Altanen, die verwetterte, unkenntliche Malerei der Fronte zeigten sogar, daß es einmal einem wohlhabenden Bauern gehörte; jetzt war es verwahrlost, der lange Stadel halb zerfallen, die Mauern abgebröckelt, an allen Ecken und Enden hingen zerflickte Arbeiterkleider, schmutzige Betten, unzählige Kinder jagten auf der baufälligen Altane umher.
Gottfried blieb lange davor stehen, er kannte das Haus wohl, es war noch vor zehn Jahren einer der schmucksten Bauernhöfe, dem Auerbauern gehörte es --
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