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Wiesbadener Tagblstt.

Bl. totrUor PrtMftftAffe 27. «n,eigen°Prei»r

m. Jahrgang.

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All. 386 . LerlagS-Ferusprecher N».

Montag» den 3. August.

RedaktionS-FernspreLcr No. SS.

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Der Verlag des Wiesbadener Tagblätts.

Neues von der KieueuzW im Reg.-Se;.W!estill-en.

BÄ der letzten amtlichen Feststellung auf dem- Ge­biete der Bienenzucht im Deutschen Reiche wurden. ins­gesamt 2 605 850 Bienenstöcke ermittelt. Der bis höchste Ziffernstand auf diesem Gebiete, der sich im Jahre 1873 bietet und 2 333 481 Bienenstöcke ergab, ist damit um 271 866 Stöcke übertroffen oder um 11,7 %. Nach dem Rückgänge der Jahre von 1873 bis 1883, der sich auf 121 687 Stück belief, ist dies Wiederaufsteigen doppelt erfreulich. Dabei hat die Zahl, der Bienenstöcke mit beweglichen Waben von Zählung zu Zählung beträchtlich zugenommen. Sie war im Jahre 1900 um 511 081 oder

80.6 % höher als 1892, um 857 918 Stück oder 292 % höher als 1873 und stellte sich vor 2 Jahren auf 1 151 771 Strick oder 41,2 % der überhaupt vor- handenen Stücke.

Auf je 100 Einwohner kommen im Deutschen Reiche

1.6 Bienenstöcke, in unserer Provinz Hessen-Nassau aber 3,2. Die Provinzen, einschließlich Hohenzollern und Mit Zurechnung der Stadt Berlin zu der Provinz Brandenburg, schließen sich in dieser Beziehung wie folgt aneinander an, und zwar: Hohenzollern (11,8), Hannover (8,4), Schleswig-Holstein (8,1), Pommern (8,1), Ostpreußen (7,9), Westpreuhen (7,0), Posen (6,2), Brandenburg (1,0), Schlesien (3,5), Sachsen (3,3), Hessen-Nassau (3,2), Westfalen, (3,2) und Rhein­land (2,6) Bienenstöcke auf je 100 Einwohner. Unsere Provinz steht in dieser Beziehung also mit der Provinz Westfalen an vorletzter Stelle.

Was unfern Regierungsbezirk Wiesbaden an­belangt, so zählte derselbe in absoluten Ziffern 22 871 Bienenstöcke, wovon 8495 ohne bewegliche Waben und

14 376 mit solchen. Die Fortschritte, welche die Bienen­zucht in den neunziger Jahren gemacht hat, lassen sich am besten an der Vermehrung der Bienenstöcke mit beweglichen Waben erkennen. Daß die letzteren in unserm Regierungsbezirke Wiesbaden in so verhältnis­mäßig hoher Ziffer vorhanden sind, stellt dem Vorwärts­streben unserer nassauischen Bienenzüchter, mithin das beste Lob aus. Hinsichtlich der Weiterverteilung der in unserm Regierungsbezirke vorhandenen Anzahl von Bienenstöcken auf dessen einzelne 18 Kreise bietet sich folgendes Bild:

Es zählte an Bienenstöcken der

Kreis Biedenkopf . . * . 2014 Dillkreis ....... 2055

Ober westerwaldkreis . „ . 1383 Kreis Westerburg .... 1490

Ilnterwefterwaldkreis . * , 1304 Oberlahnkreis ..... 1213

Kreis Limburg .... 1885

Unterlahnkreis . ...» 1787 Kreis St. Goarshausen . . 1509 Rheingaukreis . .... 758

Landkr. Wiesbaden 1123 Untertaunuskreis .... 2078

Kreis Usingen ..... 1095

Obertaunuskreis . . » . 1115 Kreis Höchst ..... 1015

Landkreis Frankfurt a. M. 513 (StabtIr. Wiesbaden 270 Stadtkreis Frankfurt a. M, . 373

Hier werde:: mithin insgesamt . .. 22480 Bienen­

stöcke nachgewiesen. Der Unterschied zwischen dieser Ziffer und der oben angegebenen Ziffer 22 871 beruht darin, daß die Ziffern der Einzelkreise die Ergebnisse vorläufiger Berichterstattung sind, die noch einer genauen Prüfung unterlag.

Über den Ertrag der in unserem Regierungsbezirke vorhandmen Bienenstöcke an Honig (ausschließlich des den Menenvölkern zur Überwinterung verbleibenden Teils des letzteren) ist mitzuteilen, daß derselbe sich belief bei den Bienenstöcken

ohne bewegliche Waben auf . 120

mit beweglichen Waben auf _._341_

zusammen also . . 461

Doppelzentner oder 92 200 Pfund. Es dreht sich also hier um einen Ertrag von rund fast 100 000 M. Wert. Das volkswirtschaftlich wertvolle der Bienenzucht tritt aus diesen Ziffern wohl klar zu Tage. Mit anderen Teilen des preußischen Staats verglichen, ist die Bienen­zucht in unserem Regierungsbezirke Wiesbaden noch iminer recht ausdehnungsfähig! l.

Deutsches Deich.

Eine „Enthüllung" des „Vorwärts".

Aus Berlin, 1. August, wird uns geschrieben: Der „Vorwärts" ist bekanntlich in Aufdeckungen und Ent- deckungen groß. In seiner heutigen Nummer gibt er bekannt, daß er wieder einmal etw>as entdeckt habe, und zwar eine Verschwörung. Daß das sozialdemokratische Zentralorgan eine Verschwörung entdeckt, hat auf den ersten Blick den Reiz der Neuheit für sich. Freilich handelt es sich um keine anarchistische. Wäre der „Vor- wärts" einer solchen auf die Spur gekommen, so würde er der Sache nicht allzu viel Wichtigkeit beimessen.. Die Verschwörung, die das Blatt ans Licht der Öffentlichkeit zu bringen für nötig erachtet, ist vielmehr eine solche gegen das allgemeine Wahlrecht. So sagt es wenigstens. Daß das allgemeine Wahlrecht Gegner hat, ist keine Neuigkeit, das ist eine olle Kamelle. In einer, vor den Wahlen erschienenen Broschüre: „Wer gewinnt die

Wahlen?" „Von einem alten Parlamentarier" (Berlin und Leipzig, Luckhardt) wurde daran erinnert, daß, als bei den Wahlen im Jahre 1890 nach dem Fallen des Sozialistengesetzes Fürst Bismarck „nicht wiedergewählt" wurde (dies die eigenen Worte des Fürsten), die Neigung auch bei Vaterlandsfreunden zum Ausdruck kam, die Schuld an dem abermaligen Anwachsen der sozialdemo­kratischen Stimmen dem bestehenden Reichstagswahlrecht zuzuschieben. Der Kaiser soll damals denen, die den ersten Kanzler scharf tadelten, recht gegeben und gesagt haben: „Da hat er dem Volke statt der Bouillon, die nötig war, Champagner gereicht". Nicht ohne Interesse ist es auch, daran zu erinnern, wie selbst ein so weit links stehender Mann tvie der verstorbene Abg. Bamberger einen Zusammenhang zwischen dem Anwachsen der Sozialdemokratie und dem allgemeinen Stimmrecht kon- fintierte, das nach ihm (Bamberger) wie eine Prämie auf die Ausbreitung sozialistischer Lehren wirke. Die Einführung dieses Wahlrechts ohne Zensusklassen und ohne Bildungszensus der Wähler betrachtete Bamberger als eine:: Fehler. Wie kam Fürst Bismarck dazu, diesen „Fehler" zu begehen? Nach seiner eigenen Aussage wollte er durch das allgemeine, aus der Paulskirche eüt- nommene Wahlrecht Österreich den Wind aus den Segeln ivegfangen, nach einer anderen Version verhüten, daß das Ausland seine Finger in unsere Omelette stecke. Außerordentliches Aufseheit erregte die Maßnahme Bis­marcks damals in England, wo man so konservativ ist, daß man nicht an die Änderung der Wahlkreise denkt, ohne zu befürchten, einen revolutionären Schritt zu tun. Bismarck schrieb an den damaligen prertßischen Gesandten in London, Grafen Bernstorff, der ihm über die eng-

Mlerwühller Grund.

Roman von Anton Freiherr« vo« Persall

(8. Fortsetzung.)

Gottfried, dessen Inneres mit dem Element außen um die Wette gärte und dem bei jedem herniederfahren, den Blitzstrahl 'der sonderbar verbrecherische Wunsch auf- leuchtete, er möge alles vernichten, ärgerte sich zuerst über den Gesang — beim Gewitter betet man — dann grng es ihm aber wie damals abends hinter dem Holzstoß. Er derbarg seine Rührung, als der letzte Ton verklungen, und trat an das Fenster mit einem prüfenden Blick hinaus. „

„Schad' ums schöne Heu — wre's nur alleweil Wettern kann!" . , .

„Tut es auch nicht, sehen Sie, wre stch's dttrchrmgt dort rückwärts?" „ ,, . , „

Theresa legte ihre Hand auf seine Schulter und wtes Nach Westen. . .

„Wie die Schleier zerreißen und die Berge weder aus dem Gewölk hervortreten! Das sind nur so plotz- liche schwere Gedanken, die über die ewig heitere Sttrn der Natur ziehen, die dann nur um so schönheitsvoller aufleuchtet."

Sie sprach das mehr zu sich, im Anschauen dreses wunderbaren Wechselspieles versunken.

Gottfried verstand sie wohl. i vr ..

„Nur bei mir leucht' nix mehr auf, da bleiben dre schweren Gedanken", bemerkte er bitter. „Macht 's Leut', 's hat ja schon wieder aufg'hört, was gaffst denn? 's dampft ja draußen — 's Heu!" schalt er plötzlich.

Die Sonne stach zwischen den schweren grauen Wolkenfetzen herab, die in dunklem, feinstem Blau schwammen, die Erde dampfte und brodelte, schwerer be- i klemmender Heu- und Pflanzenduft erfüllte d:e Luft, alle Farben intensiv, Licht und Schatten kraß; dre Berge traten in schwarzblauer Färbtmg iminer näher; schnee- Weiße Nebelfetzen zogen in ihren dunklen Flachen Umher

' Alles eilte hinaus auf das dampfende Feld. Die Arbeit vieler Tage war zunichte gemacht, die unzähligen Haufen mußten von neuem zum Trocknen zerteilt werden.

Der Bauer rechtet nicht mit den Launen derNatur wie der Städter, der bei jeder verregneten Partie dem bewölkten Himmel drohende Blicke zuwirft, er fügt sich willig ihrem eisernen Gebot. ,

Ambros schlich bedrückt zum Zimmer hinaus.

„Geh zur Mutter und sag ihr, daß wir fertig sind damit; morgen zum Notar", sagte barsch der Alte.

Der Fischer drückte ihm die Hand.

„Wird schon recht werden, Gottfried-, 's Ast amal net anders, wenn man alt wird, und je höher in die Jahr', desto schwerer kommt's einem an, und desto schlechter geht's, 's Übergeben — nachher hab'n 's einen ganz in der Hand."

„Ja, ja, es muß sein — nur leicht mußt du d:r s net vorstellen — leicht ist's net!"

Gottfried zog sich in den Stall zurück, wohl um Ab­schied zu nehmen von dem teuren Raum und seinen In­wohnern, sie gehörten ihm ja jetzt schon nicht mehr. ,

Ambros und Nonei gingen zusammen der frisch'n Höh zu, ersterer erzählte das Resultat der Übergabe. Sie war der Ansicht, daß Ambros viel zu drei nachge- geben, der Mooögrund könne ihm teuer zu stehen komme,: und das WohntingSrecht sehr lästig werden — es sprach kein Herz auS ihr. Sie freute sich nur, ztl Horm, daß die Mutter frei über das Geld zu verfügen habe, m:t ivelcher Ainbros dm von ihr in die Ehe gebrachten Grund ablösen mußte.

„Ich Hab' nämlich einen Plan, Ambros", begann sie geheimnisvoll, sich an ihn drückmd. „Was dre da oben bei Euch, das Fräul'n kann", sie dupfte auf thre Kehle, „das kann ich auch, und wenn man's mit Geld anpacken kann, von vom 'rein, meint Herr Perlmann, nachher steckt auch viel Geld darin —"

Ambros blieb stehen.

„Und wie willst du denn dos anpackm? Da b:n :ch wirkli nmgierig." _ .

„Ich? — Der Perlmann packt'§ an, der berühmte Agent, mit den: all die großen Künstler gereist sind — nach Amerika sogar — da wird etne ganze Gesellschaft engagiert, lauter Lmt' vom Gebirg, saubere Madl und Bnrschm, gute Tänzer — auch a bißl singm — aber das alles nur — weißt — so um nach herum — als „Folre rnein' ich, hat er gesagt, eigentlich muß :ch's machen m:t

meiner Stimm' und meinem Spiel, er sagt, so was war

noch nie da. — Reich muß ich werden, dabei die ganze Welt sehen, reism wie a Prinzessin — das ist chas anderes wie d' Kellnerin machen auf der frisch'n Höh'".

„Das war' freilich was anderes", mtgegnete träumerisch Ambros, „als hier — aber sag, was brauchst da d' Mutter dazu?" v t

,,D' Mutter am End' net", erwiderte lachend das Mädchen, „aber das Geld! Das muß man im großen anpacken, weißt —"

„A Geld? Das hat ja der Perlmann, wmn er nut so viel große Künstler gereist ist, muß er ja auch verdient haben."

Nonei sah den Bruder groß an und errötete bis hinter die zierlichen Ohren, daran hatte sie selbst nicht gedacht, doch faßte sie sich rasch und gab sich alle Mühe, diesen Widerspruch zu klären.

„Er könne ja sein Geld bei dem Geschäft verloren haben, er bringe die größten Opfer für arme Künstler und werde viel ausgmützt —"

Sie glaubte offenbar selbst daran, Ambros aber frei d:e eigentümliche Übereinstimmung auf in dem Charakter Perlmanns und seines Glaubensgenossen Leinemanns — in dem Feldzugsplan gegen ihre Opfer! stieg es chm auf mit plötzlicher, überraschender Klarheit, doch ließ er sich der Schwester gegenüber nichts merken.

Als sie auf der frisch'n Höh ankamen, prallte er förmlich zurück, als er die beiden Männer, Perlmann und Leinemann, in einem kleinen Sommerhaus zu- sammen sitzen sah, in eifrigem Gespräch vertieft. Die Verwandtschaft beider war zu auffallend, nur die Kleidung bildete einen Kontrast und ließ die Verschieden- heit ihres Arbeitsfeldes z:t Tage treten. Perlmann mit dem tadellos gefälteten weißen Bnistfleck und Diamant- knöpfen, weit vorfallenden Manschette:: und groß-

karriertem Sommeranzug/ -Leinemann mit rötlichen Stiefeln, in deren Schafte die abgenützte Hose stak, in langem schäbigem Rock, trotz der Hitze ein Tuch um den Hals, eine fettige Mütze auf dem Haupt, die Peitsche in der Hand; aber der Gesichtsausdruck beider zeigte die Übereinstimmung ihrer Gesinnung. Als sie die beiden erblickten, traten sie fremd von einander. Möses tat, als beobachtete er Ambros nicht, und knüpfte ein Ge-