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Die KtzuWiene auf der peutföjen Ktadte- ausstellung ?n Dresden.

G. R. Dresden, 29. Juli.

Es ist eine erfreuliche Tatsache, konstatieren zu 'können, daß unsere ftädtischen Schulverwaltungen bei den Schulhausneubauten und deren Ausstattung den schulgesundheitlichen Anforderungen der Gegenwart nach Kräften nachzukommen bestrebt sind eingedenk d^ Wortes, daß Krankheiten verhüten leichter ist, als Krank-' heiten heilen. Schulhygieniker von Fach prüfen und begutachten die entworfenen Schulbaupläne und wissen den wissenschaftlichen Anforderungen auch Geltung zu verschaffen; denn der tägliche mehrstündige Aufenthalt mit vielen anderen Kindern in nicht genügend ventrlrerten Räumen, das tägliche mehrstündige Sitzen auf unge­eigneten Subsellien u. dergl. sind sehr wohl geeignet, die Gesundheit der zarten Wesen zu untergraben oder doch wenigstens zu gefährden. Aber noch erfreulicher ist es daß die Lehrer mit den Fachmännern wetterfern in der hygienischen Überwachung der Schulräume bezw. in der Beseitigung von zutage tretenden Ubelstanden. Me Deutsche Städte-Ausstellung liefert hierzu emen herrlichen Beweis. Unter den zahlreich ausgestellten Plänen von Schulhäusern und deren Einrichtungen, bei denen man die Beobachtung der hygienischen Forderungen der Geaeuwurt beobachten kann, erregt dre Aussteuung der „Sektton für Schulhygiene" des Pädagogischen Vereins zu Dresden" unsere besondere Aufmerksamkeit.

In Dresden werden von den Schulärzten alle neu aufgenommenen schulpflichtigen Kinder auf Ge­

sundheitszustand hin untersucht Eme schematische Dar- stellung zeigt uns die Ergebnisse dieser Untersuchungen

Samstag» den 1. August.

im Jahre 1902. Darnach wurdeii gefunden 2522 gesunde Kinder (49,5%) und 2573 erkrankte Kinder (50,5%). Von den erkrankten Kindern litten an Lungenkrankheit 1,5% Knaben und 1,1% Mädchen, an sonsttgen Krank- heiten 3,2% Knaben und 1,6% Mädchen, an Herz­krankheiten 2,5% Knaben und 2,6% Mädchen, an Haut­krankheiten 3,1% Knaben und 3,3% Mädchen, an Augenkrankheiten 6% Knaben und 6,3% Mädchen, an Ohrmkrankheiten 3,3% Knaben und 2,5% Mädchen, an geistiger Schwäche 4,6% Knaben und 3,1% Mädchen, an Sprachfehlern 8% Kiraben und 4,7% Mädchen, an Drüsenkrankheiten 9% Knaben und 9,2% Mädchen, an Knochenkrankheiten 13% Knaben und 11,9% Mädchen, an Mund-, Nasen- und Rachenkrankheiten 17% Knaben und 15,1% Mädchen, an Blutarmut 17,6% Knaben und 20,9% Mädchen. Über die Verteilung der Krankheits­fälle orientiert uns ein Plan von Dresden. Darnach Waren von den erkrankten Kindern im Stadtinnern (AWadt) 78%, in der Pirnaischen Vorstadt und Fried- richstadt 64, in der Oppellvorstadt 64, in der Leipziger Vorstadt 30 und in der Neu- und Antonstadt 28% krank; also in den Stadtteilen mit überwiegender Arbei- terbevölkerung und kleineren Wohnungen war die Zahl der erkrankten Kinder die relativ höchste.

Eine traten! graphische Darstellung vergegenwärtigt die Teilergebnisse aus den an 57 000 Dresdener Schul- kindern vom Pädagogischen Verein vorgenommenen Größenmefsunaen in den Bezirks- und Bürgerschulen, wobei sich herausstellte, daß die sogenannten „Sitzen­bleiber" kleiner sind als die normal Aufgerückten, sowie daß der Durchschnitt der Größe der Bezirksschüler kleiner ist als der der Bürgerschüler im gleichen Alter; das kleinste Kind des 8. Schuljahres war kleiner als das größte des 1. Schuljahres (114 Zenttmeter und 134 Zentimeter); der kleinste Schulknabe (83 Zenttmeter) war gleich einem Kinde von 12 Monaten (83 Zenti­meter) und das größte Mädchen (174 Zenttmeter) größer als ein Soldat (154 Zenttmeter). Daraus ergibt sich die Forderung, daß die Schulbänke für die einzelnen Schuljahre nicht gleich, sondern nach der Größe der Kinder verschieden sein müssen. Eine graphische Dar- stellung, nach Langer „Wachstum des Menschen", zeigt die Verteilung der Größe der Schulbänke in den einzelnen Schuljahren 'in beit Bezirks- und Bürgerschulen, sowie die Verteilung der vorhandenen Bänke im einzelnen auf die Größengruppen in der 10. Bürgerschule. Wie den Bedürfnissen gebrechlicher Kinder entsprochen werden kann in bezug auf die Subsellien, zeigt ein eigens kon- struiertes Modell einer verstellbaren Schulbank (bearbeitet von B. Lohmann nach den Grundsätzen der Abteilung „Schulhygiene" des „Dresdner Lehrervereins", ausge- führt von Lickroch und Ko.-Dresden). Wie dagegen das Geradesitzen der Kinder bewirkt werden kann, ver-

Rebaktio«-»Fer«IpreLer N». 58 . 1903 «

anschaulicht ein einfacher, aber praktischer „Geradhalter" von Gey: „Sitze gerad!" Wie man weiter die Gesundheit der Kinder zu kräftigen bestrebt ist, zeigen Abbildungen von Turn- und Schwimmübungen.

Die weitere Ausstellung führt uns zahlreiche Jnstru- mente zur wissenschafüichen Untersuchung der Helligkeit der Arbettsplätze, zur Aufsaugung der Bakterien aus der Luft, zur Luftprüfung, zur Beurteilung der Luft- bewegung und Luftzufuhr durch die Schachte m die Schulzimmer, zur Prüfung der Verunreinigung der Zimmerluft durch ausgeatinete Kohlensäure, zum Messen der Luftfeuchttgkeit u. dergl. vor. „Me moderne Hygiene des Auges, deren eifrigster Förderer der berühmte Pro- fessor Hermann Cohn in Breslau ist, verlangt, daß ein Platz, welcher zu Arbeiten benutzt wird, eine Helligkeit von 60 Meterkerzen aufweisen soll, einer auf wissen- schastlichen Untersuchungen gegründeten Maßeinheit. Da das Tageslicht selbst an hellen Tagen außerordentlichen Schwankungen in seiner Helligkeit unterworfen ist, mehr als es das Auge ahnt, so kann man sich natürlich nicht streng an dieses Maß binden und öfter wird maii auch mit geringerer Helligkeit fürlieb nehmen müssen. Jeden­falls darf auch bei zeitweiliger starker Verdunkelung nie ein Platz unter die geringe Helligkeit von 10 Meter- kerzen herabsinken, — dann ist er unbrauchbar und von schädlicher Wirkung auf unser Auge." Über den aus- gestellten Wingenschen Helligkeitsprüfer äußert sich Pro- fessor vr. Cohn: „Ter Wingensche kleine und billige, Apparat dürfte eine große Zukunft haben; als Licht- Prüfer ist er für Schulen und Arbeitsplätze außerordeirt- lich brauchbar." Tafeln veranschaulichen die Aufsaugung des Lichtes durch verschiedene Vorhangstoffe in einein Zimmer. Der Zeilenzähler und Buchstabenmesser von H. Cohn dient zur Bestimmung hygienischen Bücher- druckes. Weiter sind ausgestellt: Photometer von L. Weber und Hugershofs zur exakten Feststellung der Helligkeit von 1 bis- 1000 Meterkerzen, Raumwinkel- messer von L. Weber (Schmidt und Haensch-Berlin) zur Beurteilung der Belichtung eines Arbeitsplatzes durch Ausmessung der sichtbaren Himmelsfläche in Ouadrat- graden, Taschen-Lustprüfer von H. Wolpert (Hugers- hoff-Berlin) zur Prüfung der Zimmerlust auf Kohlen- säure, Anemometer zur Beurteilung der Luftbewegung und Luftzufuhr und Taschen-HygroMeter für Jnspek- toren (Hugershoff-Berlin). Interessant sind die Dar­stellungen der Verunreinigung der Zimmerluft durch ausgeatmete Kohlensäure m einem alten und einem modernen Schulhause, sowie die vergleichende Dar- stellung der Verunreinigung der Zimmerlust durch Kohlensäure-Entwickelung der Lampen. Bei gleicher Lichtmenge findet sich die dargestellte Kohlensäuremenge nach 1 Stunde in 1 Hektoliter Luft bei: PettoleuM- lampe (kleiner Flachbrenner) 781 Kubikzenttmeter,

Eine Wasserkur.

Humoreske von A. Triuius.

"Na,' was denn, Herr Horstmann?" Lettern

Nun muß ich wieder spazieren gehen! Gestern spazieren . . . morgen wieder ... alle -rage spazieren

Versündigen Sie sich doch nicht, Herr Horstmann! aber früher war's doch anders. Da ging v mit Frau und Hund in den Wald. Jetzt Hab' ich nur noch den Köter. Gelt, Schnupperl?" Und Herr Horstmann streichelte wehmütig den an ihm emporspringenden Hund. „Wer hätte das gedacht, Fräulein Florentine. Sie war immer so tapfer auf den Beinen . . . jetzt fehlt sie mir

doch überall^. n ^ Männer nie an den Frauen etwas ganz lassen! Die Einsicht kommt immer dann

** jeit mir nicht, Fräulein Florenttnel Wir hatten

U ” 5 Weiß ich ja alles! Ansnahmefalll Na, nun gehen Sie aber, Schnupperl würgt sich sonst an der Letne.

"Adies! Herr Horstmann. Wenn Sie 'n Steinpilz finden, denken Sie an mich. So 'ne alte Jungfrau hat auch ihre Schwächen. Ich bin nun vernarrt in

^^^Herr^Horstmann ließ die Gartentür ins Schloß fallen und schritt die Straße hinab. Das alte Fraulein sah ihm

mit freundlichen Augen nach. . . .. ,,

Wie straff er noch geht! Dem steht keiner die acht­undsechzig an! Keiner!" murmelte sie. Aber das ein­same Leben in der alten Wohnung . . . niemand um sich ... das macht den Mann schließlich noch krank. Wer ihm da helfen könnte!" Sie seufzte leicht und senkte dann den Kopf auf die Handarbeit nieder, „s muß schrecklich sein, wenn man jemand so recht geliebt hat, und der geht dann vor der Zeit aus der Welt!"

Herrn Horstmann bewegten ähnliche Gedanken. „Wirklich ein nettes, liebes Fräulein! Immer frisch.

immer in Tätigkeit! Und ein Herz so jung wie eine Siebzehnjährige! Da stand neulich auf ihrer Geburts­tagstorte in der Mitte eine 50. Lächerlich! Sie sagte zwar, es stimmte, aber ich denke, da hat sich einer einen Scherz gemacht. Die und fünfzig! Kaum aus dem Schneider!" ^

Er seufzte. Statt den geraden Weg zum Walde zu nehmen, schritt er über den Marktplatz, hinter der Kirche entlang, um dann in eine schattige Kastanienallee einzu­biegen, die zum Friedhofe führte.

Herr und Hund hätten diesen Weg wohl mrt ver­bundenen Augen fast gefunden. War es doch der tägliche Gang des Herrn Horstmann seit einem Jahre, seit dem Hinscheiden seiner teuren Frau. Ja, das war sie ihm gewesen, und das hatte er auch auf ihren Grabstern schreiben lassen. An die vierzig Jahre hatte sie zu ihm gehalten, erst im Geschäft, das beide begründeten, bis es hoch und vorwärts ging. Kinder waren ihnen nicht ge­schenkt worden. Doch in frischer Tätigkeit war ihnen das Leben heiter dahingeflossen, bis sich beide zur Ruhe setzten. Das war dann wieder ein ganz neues, wohlver­dientes Leben gewesen! Nun war der Wald ihnen alles geworden. Jeder Tag, den Gott hell werden ließ, sah sie beide draußen in den Bergen, sie und das lustige Schnup- perle, den drolligen Pinscher, der darüber nun ein alter Herr geworden war.

Bitter ist der Tod! dachte wehmütig Herr Horstmann, als er durch die Pforte zur stillen Gräberwelt eintrat. Und dann stand er sinnend vor dem Hügel, der so viel Liebes ihm verschloß, und das Schnupperl saß friedlich neben ihm und schaute bald zum Herrn empor, bald zum Grabstein, als verstände es, was dieser kündete, daß hier Herrn Horstmanns Lcbensgenossin ihre letzte Ruhstatt fand. So waren beide wieder der teuren Frau nahe, ihr

Erinnern ehrend. „ ^ ,, ... .

Nach einer Weile strich Herr Horstmann sacht dem

alten Tier über den Kopf.

„Komm, Schnupperl! Wir müssen schon allein werter

’ Und er fuhr sich leicht über die Augen.-

Fräulein Florentine Schnellers Wohnung lag in demselben Stockwerk gegenüber der des Herrn Horst­mann. Sie hatte die kleinere, er die größere, die er be­reits mit seiner Frau inne gehabt hatte.

Das Fräulein hantterte in der Küche. Es dämmerte bereits. Da klopfte es kräftig an die Tür. Ein beschei­denes Wauwau gesellte sich dazu. Das Fräulein lächelte. Tann öffnete sie. Herr Horstmann stand vor ihr und hielt mit gestrecktem Arm ihr einen vollen, grauen Beutel hin. , , „

„Ach Gott! Haben Sie mich aber erschreckt!" Dabet sah sie ihn herzlich an.

„Da, hier. Der Wald läßt grüßen!"

„Was bringen Sie mir denn da?"

„Steinpilze! Damit Sie nicht verhungern!"

„Und diese alle wollen Sie mir ... ? Nein, ist bas aber nett von Ihnen! Schön' Dank, Herr Horstmann, herzlichsten Dank! Diese Mühe... um meinetwillen ... wie soll ich das denn . . . ?" Sie reichte ihm die Hand hin.

„Wenn's zuviel sind, Fräulein Florenttne, dann laden Sie mich dazu ein. Möcht' auch 'mal wieder zu Zweit essen."

„Mit Vergnügen!" Sie lachte ihn an. „Also morgen mittag habe ich die Ehre, nicht wahr?"-

Ein kleines Stündchen später saß Fräulein Schneller im Vorgärtchen des Hauses, der zur allgemeinen Be­nutzung der Mieter von dem im Erdgeschoß wohnenden Hauswirt bestimmt worden war. Auf dem Tische neben ihr stand eine Schüssel mit den bereits abgcpntzten Stein­pilzen. Messer und Böutel lagen daneben. Das Fräu­lein hielt beide Hände über dem einen hochgeschlagenen Knie gefaltet und schaute in den Abendhimmel hinauf. Es war ihr eine liebe Beschäftigung, so die Augen über das Sternenmeer hinwandern zu lassen. Sie meinte dann, es grüßten sie all die Gesichter der Treuen, die vor ihr dort hinauf ihren Weg genommen hatten. Jeder Stern ein liebes Menschenkind. Das hatte sie in ihrer Kindheit einmal gehört und hatte trotz allen Wettern und Lebenserfahrungen so gern daran festgehalten. Warum daran rütteln?

Da störte sie das Klingeln der Haustür auf. Herr Horstmann war's, der im bcguemen Hansrock und einer frisch entzündeten langen Pfeife aus dem Hause trat.

„Ei, sieh' da! Fräulein Florentine!"

„Der Abend ist so schön. Da hält's schwer, hinein, zugehen."