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Morgen-Beilage des Wiesbadener Tagblatts.

Nr. 207. Sonntag» 3. September. »viö.

:(8. Fortsetzung.) $t*i0ÖdS CtCbO. <Rachdruck verboten.»

Roman von Anny von PanhuyS.

Jetzt übermannte ihn der Zorn. Gut, wenn es ihr so eilte, von chm loszukommen, er würde sie nicht halten. Er drehte an seinem Ring, der sehr fest saß und nicht jo schnell abzuziehen war.

„Aber, Kinder, ich bitte euch, versöhnt euch, das Ganze ist doch schließlich nur ein Mißverständnis", versuchte die Gräfin einen Einwurf.

Endlich nach vieler Anstrengung glitt der Ring vom Finger des jungen Offiziers. Ein alter Erbring mit dem Meppen der Sorhagen. Ratlos und bestürzt schaute die Gräfin auf die beiden Menschenkinder, ohne zu wissen, was sie anfangen sollte, und der Oberst be­fand sich ans einer kleinen Dienstreise. Wenn der öa- gcwesen, wäre es sicher nicht so weit gekommen, der hätte den Dickköpfen schon klar gemacht, was sich gehörte. Mit einem ordentlichen Donnerwetter wäre der dreinge­fahren, und das tat not. Ehe sie sich allerdings recht besann, was zu tun sei, machte die Komtesse der Situa- fion ein Ende. „Du gestattest. Hans, daß ich mich jetzt zurückziohe", sie nahm den Ring und versenkte ihn in ihre Tasche, „ich sagte vorhin, ich fühlte mich schon beim Tennis nicht Wohl, ich will mich niederlegen", sie wandte sich zur Gräfin, „verzeih, Mamachen, den Kummer, den ich dir bereitete, es wird ja aber auch vorübergehen." Friede! verschwand. Draußen hörte man sie mit dem Dachshund reden. Fast minutenlang sahen sich Tante und Neffe an, ohne zu sprechen.

,Hch lasse meinen Ring noch hier." HanS schritt ein paarmal airsgeregt durch das Zimmer, „vielleicht Überlegt sich Friedel ihren Entschluß."

Die Gräfin zuckte die Achseln. „Zuweilen hat sie einen Eisenkops", sie schlug mit der Lorgnette unregel­mäßige Rhythmen auf dem Tischchen, auf dem der Goldreif breit erglänzte, ,^>ber ich hoffe, sie wird Ver­nunft annehmen."

„Wenn Friede! mich geliebt hätte, dväre sie wohl weniger schnell entschlossen gewesen", sagte Buckenbach erregt, „und nur, weil sie zufällig meine Cousine ist, braucht ste mich nicht zu heiraten. Bor der Verlobung war Friede! ein netter Kerl, jetzt ist sie manchmal un­ausstehlich. Möglicherweise ist's wirklich ein Glück, wenn wir unsere Verlobung lösen. Zu einer richfigen Verstandsehe Paste ich nicht'" Ihm schwebte eine zarte liebliche Figur vor, ein süßes Gesicht ward rot unter seinen Micken und sie trug Rosen an der Brust, Rosen von ihm.

„Adieu, Dante, ich werde an Friedel schreiben." Eilig grüßend verließ er den Raum.

Run war er fort und Gräfin Sorhagen ärgerte sich, ihn nicht zurückgehalten zn haben. Die Verlobung durfte nicht auseinandergehen, ersten» des Skandals wogen unb zweitens der Aussteuer wegen, in die ja schon das Buckenbachsche Wappen eingewebt wurde.

Die Gräfin sann und sann, doch alles Sinnen und Merlegen nützte nichts. Friedel erklärte rund heraus, (te wüßte, Hans wäre froh, von der, übereilten Ver*

lobung fiei zu sein und sie möchte ihm keine lästig« Fessel werden.

Friedel Sorhagen sandte den Ring an Hans Bucken- bach, ehe der noch den versprochenen Brief geschrieben.

So glei<^iiltig war ich ihr, daß sie mich bei der ersten Gelegenheit wegwirft wie einen Merlästigen, dachte der Offizier erbittert, schließlich wären wir in unserer Ehe nicht mal gute Kameraden geblieben. Die dumme Verlobung zerstörte die famose Freund­schaft. Schade, was war die Friedel früher als Kame­rad für ein liebes Ding, und was für eine Langweilertn als Braut.

„Sie ist von Natur nun mal ein .^Frosch" und kann aus ihrer Haut nicht heraus", sagte er laut und be­stimmt, damit das Thema für sich gleichsam erledigend. Den Ring warf er in die versteckteste Schublade seines Schreibtisches.

Die Sommerreisen begannen. Roch einmal ver­einigten die Junirennen auf dem grünen Rasen den größten Teil der tonangebenden Welt Frankfurts, dann wurden die Koffer gepackt und fort zog der Strom der Besitzenden in Bäder und Luftkurorte. An die See oder ins Gebirge. In diesem Reifetaumel schenkte man der gelösten Verlobung, die zu anderer Zeit wohl ge­hörig unter die Lupe genommen worden wäre, kerne sonderliche Aufmerksamkeit. Jeder hatte jetzt mit sich zu tun.

Hans Buckenbach startete mit „Laufbengel" auf ver­schiedenen fremden Bahnen sehr erfolgreich und .Lauf­bengel" sing an, berühmt zu werden. Auch führte der junge Offizier noch einige andere Pferde zum Siege, die man seiner Steuerung übertrug.

Gräfin Sorhagen und Friede! befanden sich itt Schevcningen. Dort war die schlanke, blasse Komtesse eine der vornehmsten, interessantesten Erscheinungen.

Mit Friede! hatte sich eine gewaltige Änderung voll­zogen, das Eckige, Allzujunge war von ihr gewichen. Weicher, mädchenhafter war die Figur und in 'dem fast zu schmalen Gesicht leuchteten die Augen größer, ver­tiefter.

„Früher warst du hübsch, jetzt bist du schön", sagte einmal die Gräfin und sah ihr Kind aufmerksam an, „und Hans ist ein dümmer Kerl, daß er dich so leichten Kaufes aufgab."

„Ach, Mama, sprich nicht von ihm", bat Friedel und redete von Kleidern und Putz und Vergnügungen. Sie redete nur. unr zu reden, um die Mutter abzulenken und ihre eigenen Gedanken gewaltsam auf andere Wege zu leiten. Die Gedanken, die ihr das Herz im Leibe zerrissen, die Gedanken an Hans, die sie plagten lind marterten, wo sic ging und stand. Immer sah sie ihn vor sich, immer, da kam das helle Glänzen in ihren Blick und die Sehnsucht raubte ihr Ruhe und Rast. Der fortwährende Zwang, sich zu verraten, formte auf ihre Lippen ein ständiges Lächeln. Das wuchs dort fest und die Gräfin freute sich darüber. Sie hielt ihr Kind fitz