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K0. 384. 8erlagS^er»,precher R,. -SU. SaMStllg» fcftl 1« August.

RebaktiouS-Ferusprecher No. Sk. 1903 .

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„Wiesbadener Tagblatt"

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Politische Übersicht.

Die Hülfsaktion für die Opfer der Über­schwemmungs-Katastrophen wird jetzt mit erfreulichem Eifer betrieben, und das . preußische Ministerium sucht seine anfängliche Saumseligkeit durch verdoppelten Eifer wett zu machen. Mit anerkennens­werter Aufopferung regt sich auch überall die private Wohltätigkeit, und ein imter dem Vorsitz des Staats­sekretärs Graf Posadowsky begründetes Reichskomitee ist bestrebt, die Hülfstätigkeit zwecks besserer Verwendung der' reichlich fließendm Gaben zu zentralisieren.

Wenn die neuerdings auftauchenden Gerüchte zn- treffend sind, dann würde unter die Opfer der Hoch- wasferkatastrophe auch der preußische Mini st er des Innern, F r h r. v. H a m m e r st e i n, rubrizieren. Sein Ministersessel stand ohnehin seit längerer Zeit etwas wacklig, und es heißt, daß die Hochwasser der Oder den Boden seinerStellung noch mehr unterspült hätten, da der Minister des Innern in erster Reihe für die Saumselig­keit der. Regierungsmaßnahmen gegenüber _ der Hoch­wasserkatastrophe verantwortlich gemacht wird. Pessi­misten meinen, daß der Minister der neuen Parlaments­session nicht mehr vom Ministertisch aus beiwohnen werde.

Auch die neue Parlamentssession im Reichstag wird gegenüber dem derzeitigen statu« guo eine Lücke auf­weisen und zwar innerhalb des Bestandes der Parteien, deren jüngste und kleinste ihr kurzes Dasein noch vor dem Parlamentsbeginn beschließen will. „Der n a t io - nalsozialen Partei Glück und Ende" wird man das kurze Kapitel überschreiben können, welches

mit der Wahl des einzigen nationalsozialen Vertreters, des Herrn v. Gerlach, am 25. Juni begonnen hat, und das aus dem am 28. und 29. August in Göttingen statt­findenden nationalsozialm Parteitage sein Ende finden wird. Me nationalsoziale Gruppe ist zu der Erkenntnis gekommen, daß ihr Versuch, eine neue Partei zu bilden, völlig fehlgeschlagen ist, und in dieser Erkenntnis wird auf dem Parteitage vorgeschlagen und voraussichtlich auch beschlossen werden, das nationalsoziale Banner ein­zuziehen und mit klingendem Spiel in das Lager der freisinnigen Vereinigung zu marschieren.

Bon diesen kleinen Zwischenspielen abgesehen, sind wir in Deutschland allgemach in die Region der politischen Sommerruhe geraten, die freilich durch die Lebhaftigkeit, mit der sich zur Zeit das politische Leben und Treiben noch vielfach im Auslande abspielt, einigermaßen gestört wird. Ten Rekord der „Lebhaftigkeit", um einen un­berechtigt milden Ausdruck zu gebrauchen, haben in dieser Woche die heißblütigen Herren Magyaren erreicht. Es zeigt sich immer deutlicher-, daß der Ersatz des Kabinetts Szell durch deir Grafen Khuen-Heder- v a r y keine Lösung der Krisis, sondern nur die Ersetzung einer Krisis durch eine andere bedeutete. Es zeigte sich aber auch bei dieser Gelegenheit, daß homöopathische Mittel in der Politik nicht verfangen. Me Sprengung der Kossuth-Partei und der eine oder andere Sieg über die O b st r u k t i o n i st e n mögen dem ehemaligen Banus von Kroatien hin und wieder einen kleinen Erfolg verschasfm, aber einen dauernden parlamentarischen Er- folg oder auch nur ein Fortwursteln des Kabinetts Khuen-Hedervary gehört schon heute in das Gebiet der Unwahrsckfeinlichkeiten. Die Situation in Ungarn er­scheint als um so bedenklicher, da die kritischen Verhält­nisse in Transleithanim zugleich die ohnehin gespannten Beziehungen zu Zisleithanien ungünstig beeinflussen.

Ähnlich wie dem Kabinett Khuen-Hedervary geht es in Sp anien dem Kabinett Villaverde, dcä schon bei der Geburt den Keim des Todes in sich trug. Villa- verde will den Faden Silvelas und insbesondere seinen Marinefaden weiter spinnen, und an diesen Flotten­plänen scheint das Kabinett scheitern zu sollen, bevor noch die Kortes wieder zusammentreten.

Unverändert wie in Spanien spinnt sich auch in Marokko und in Makedonien die Krisis fort, der in beiden Ländern eine Langlebigkeit beschieden zu sein scheint, die einer besseren Sache würdig wäre. Da­gegen lausen bei den Alarmnachrichten aus Bulgarien starke Übertreibungen mit unter. Wenn auch die Situa­tion des Fürsten Ferdinand nicht gerade rosig ist, so tragm doch die Sensationsnachrichten über Ferdinands „Flucht ins Ausland" unverkennbar die serbische Fabrik- Marke.

Mirrrvichlter Grund.

Roman von Anton Freiherr« von Perfall.

(7. Fortsetzung.)

Gottfried kaute an den Enden des langen, ergrauten Schnurrbartes, plötzlich fuhr er sich mit der Hand über den kahlen Scheitel.

„Wenn's ihm nur darum wäre — um d' Übergab !"

Er stieß mit dem Stock zornig auf den Boden, daß er ihn mit aller Kraft herausziehen mußte, dann kam er eilig herab — keine Spur mehr der Seelenruhe im Ant- litz, die es eben noch wirklich ehrwürdig erscheinen ließ.

Ter Fischer war sichtlich verlegen und wollte mit der Sprache nicht heraus, er brächte die zur Heirat nötigen Urkunden seiner Tochter; doch wär das nicht der Zweck seines Kommens; auch Ambros senkte den Blick vor dem forschend auf ihn gerichteten seines Vaters.

„Daß d' jetzt kommst mitt'n in der Arbeit, Joseph?" begann Gottfried; „hast auch noch net alles unter Dach, wie ich da unten sch', fürchtest 's Wetter net? Oder hat's wirkli so Eil'?"

Der Fischer blickte mit seinen wässerigen Augen ins

„Ich war beim Notar heut' vormittags in Gries- bach, der meint —"

„Der meint, daß net rasch g'nug gehen kann, brs er zu seinem Geld kommt", fiel ihm Gottfried in die Rede.

„No, komm nur 'rein, wir Werdens bald haben."

Schweigend folgte der Fischer dem Alten, der auf­fallend gebeugt dem Hof zuging.

Ambros sah ihnen mit offenem Munde nach, er wollte nicht mitgchen, und doch mußte er dabei sein bei diesem Geschäft. Erst vor der Haustür wandte sich der Vater kurz um. . , _

„Ambrosi" rief er in unwilligem, rauhen Ton.

Der strich das Heu aus seinen Haaren, von seinem Anzug, wischte sich den Schweiß von der Stirne und folgte den Männern mit einem schweren Atemzug. Nonei zupfte ihn am Arm, als er bei ihr vorbeiging.

„Mach's nur für mich auch gleich ab, kommt mir net arg drauf an, wenn ich nur fortkomm'."

Er war zu bedrückt, um zu antworten, nickte nur mit dem Kopf; er machte einen Umweg, um Theresa auszu- weichcn; bei ihrem Anblick trat die Unterredung mit Moses in der Grube lebhaft in seine Erinnerung. Neu­lich, als er chm begegnete, zwinkerte er ihm mit den Augen zu und flüsterte aus seinem Wägelchen heraus:

„Gratuliere, Herr Hintermooser, das ist rasch ge­gangen — ich bleib' bei meinem Wort."

O, der konnte jetzt lange warten, er hatte ja jetzt selbst Freude an dem Anwesen. Ten Kops erhoben, trat er ins Haus. Angenehme Kühle herrschte in der ge­räumigen Stube, deren kunstvoll getäfelte Decke von dem Alter des Besitzes zeugte; sie war auffallend leer, unend­lich nüchtern in ihrer tadellosen Reinheit. Auf der glänzenden Ahornplatte des Tisches stand ein Strauß aus Wiesenblumen in einem blauen Glase, in der Ecke der Christus, sonst unterbrach kein Gegenstand die kalten weißen Wände — es lag etlvas klösterlich Asketisches in diesem Gemach.

Die beiden Männer saßen schweigend am Ahorntisch, als Ambros eintrat, würziger Heuduft ging von ihm aus, er warf scheue Blicke auf die beiden und drehte seinen Strohhut in der Hand.

„ArnbroS", begann der Alte, sich erhebend und vor ihn hintretend, „du willst die Franzi heiraten und mir , isl's ouch recht, daß du sie heirat'st. Es tut kein gut mit dir allein — 's tut aber auch net gut, wenn zwo? pmge , Eheleut' net ihre eigene Sach' hab'n — da hat der Lech- s leitner ganz recht. Darum handelt es sich jetzt zwischen j uns, um — um —" er lockerte den Knopf der schwarz- ' seidenen Halsbinde — „um d' Übergab'."

Er mochte eine lange Pause, während welcher er Ambros, von unten herauf prüfend, ansah, bis ihm das Wasser in die Augen trat.

„Weißt, was das heißt, um d' Übergab' — bei einem Mann, wie ich noch bin, der noch Kraft g'nug hat, mit Leib und Seel' an sein'in Bod'n zu häng'n! — Aber es ist einmal so — 's geht net anders — nur eins sag mir, Bua —"

Er lehnte sich rückwärts an den Tisch und krampfte seine Finger um die Kante der Platte.

„Willst du den Hof da", sein Nagelschul, stampfte * auf den Boden, „der unser g'hört seit 200 Jahren, auch

Tie Massenfabrikation von P ä p st e n, die in _ der letzten Woche von der italienischen Presse, die täglich einen nerrm Kardinal als den allein sicheren „Thronanwärter" anpries, betrieben wurde, wird nun bald ihr natürliches Ende durch die Verkündung des wirklich gewählten Papstes erreichen. Mt den eingemauerten Kardinalen wird dann zugleich die Presse aller Länder erleichtert aufatmen und sich glücklich schätzen, daß die schweren Tage der römischen Unruhe nun vorüber sind.

Mach dem Tode Papst Leos XIII.

-ceb. Nom, 31. Juli. Sämtliche Kardinale versammel­ten sich um 5 Uhr nachmittags in der Paulinischen Kapelle im Vattkan und begaben sich mit ihren Konklavisten in feierlichem Zuge nach der Sixtinischen Kapelle, wo das Konklave stattfindet. Dem Zuge wurde ein Kruzifix vorangetragen. Sänger sangen das „Venl Creator, Spiritus". Die Zeremonienmeister und die Prälaten, denen die Überwachung des Konklaves übertragen ist, begleiteten ihn. In der Sixtinischen Kapelle sind, jeder von einem Baldachin überragt, die Konklavesitze der Kardinäle in der Reihenfolge der Ernennung derselben längs den Wänden aufgestellt. Der noch von Pius IX. ernannte Oreglia hat einen grünen Sitz, die von Leo XIII. ernannten Aprdinäle haben violette Sitze. Nachdem die Kardinäle sere Sitze eingenommen hatten, verrichtete der Unterdekat: ein Gebet und hielt alsdann eine kurze Ansprache, in '-er die Kardinäle aufgefordert werden, ihre Stimme nur zum Besten der Kirche ab- zugeben. Dann verlas er die Konstitutionen des Konklaves und der Papstwahl. Die Kardinäle leisteten einer nach dem anderen den Eid auf die Konstttutionen. Darauf betrat, von Offizieren der Schweizergarden, den Konklavekapitänen und anderen Würdenträgern be­gleitet, der Konklavemarschall Fürst Chiegi die Kapelle, kniete vor dem Altäre nieder und verlas die Eides­formel, in der er Treue für das heilige Kollegium und Eifer in der Bewachung des Konklaves gelobt. Nach ihm schworen der Gouverneur des Konklaves und die an der Bewachung des Konklaves beteiligten Patriarchen, Erzbischöfe, Prälaten und Konklavisten, d. h. die Per, jenen, welche mit den Kardinälen eingeschlossen werden. Nunmehr verließen auf Aufforderung des Zermonie, prüfekten: „Extra omnes", alle Nichtberechtigten das Be­reich des Konklaves. Die Kardinäle begaben sich nach ihren Wohnräumen innerhalb des Konklaves. Jedem sind mit einem Konklavisten drei Zimmer zugewiesen. Bei Anbruch der Dunkelheit nahm der Kardinalkämme, rer in Begleitung von den drei Häuptern der Kardinals» vrdnungen, von Schweizergarden und fackelntragenden Dienern begleitet, eine über eine Stunde währende Be-

in Ehren halten dein Lebtag lang? willst d' ihn erhalt'«: in dem Stand, in dem du ihn übernimmst, in dem ich ihn übernommen Hab' von mein' Patern?, Willst auf deutsch der „Bauer am Biehl" sein und bleib'n? Oder willst du's den anderen nachmach'n und grad den Herrischen spiel'n, aus d' Schieß'n umeinandersahr'n, in die Wirtshäuser dm Bauern spiel'n, statt da drauß'n? — Du weißt, warum ich dich frag'! Es ist noch keine 2 Monat her, da hätt' ich eher dm Hof selber an'zünd't, als ihn dir übergeb'n, und vielleicht war' das heut no 's Bessere — aber ich mein' halt, du hast dein Unrecht gründlich eing'sehn, und das übrige, mein' ich, wird d' Franzi scho besorg'«. Red, Ambros; jetzig mein' ich, kannst mich net anlüg'n — is dir wirkli ernst um deine Besserung? Oder — nein, ich mag's gar net sag'n", er fuhr jäh auf und ging im Zimmer umher, „das wär' ja gar z' miserabel ich glaub's, daß dir ernst ist."

Er blieb plötzlich stehen und wandte sich nach Ambros.

„Ja, Vater, es is mir auch rmst", sagte dieser fest mit blitzenden Augen.

Der Alte streckte ihm die schwielige Hand hin.

„Es muß dir ja ernst sein."

Ambros ergriff sie; der Vater drückte sie wie eine Schraube, seine Augen liefen über, er wandte sich ab.

„So setz' dich", sagte er, „daß ma die G'schicht rasch auseinanderkrieg'n — ich möcht net, daß a Wort drüber fallet vor'm Gericht, das schickt sich net."

Er kramte aus dem Wandschrank Papier, Karten und setzte eine Hornbrille auf; das Stmerblatt lag vor ihm, er fuhr mit zitterndem Finger um die blau bestrichenen Grenzen seines Besitzes. Um jede Ecke kroch er herum. Da, wo kleine Bäumchen , dm Waldgrund angabcn, ließ er ihn länger liegen, als könne er sich nicht trennen da­von; er schien seine Absicht vergessen zu haben, so regungslos starrte er auf das Blatt. Was lag auch nicht illes für ihn in dem unscheinbaren, blau begrmzten Raume, von dem die Hälfte sein Finger bedeckte — die Hauswiesen mit ihrem, vortrefflichen Knhfntter, bas blaue Eck, wo er als Bub schon immer bei dm Ent- vässerungsarbeitm tätig war; der Biehl mit seinem herr­schen Hochwald, mit dem er ausgewachsen — die Grimsl, die er gepflanzt und die sein Sohn —

Tie Brille lies ihm an, er sah nichts mehr.