Sette Ä. 30. Juli 1903.
Wiesbadener Tagblatt (Morgen-Ausgabe). Verlag: «anggaffe 27.
Sl. Jahrgang. No.SiS.
Zur Behebung der anderen Schwierigkeit hat man vielerlei Vorrichtungen erprobt, um den Beobachter, ohne daß die Kuppel über das Wasser hinausragt, in den Stand zu setzen, zu sehen, was sich auf dem Wasserspiegel befindet, und der französische Marineminisier Lockroy glaubte schon 1899 versichern zu können, daß das Unterseeboot „nicht mehr blind" sei, an der Möglichkeit eines deutlichen Sehens wird jedoch noch von vielen gezwerfelt.
Die Art dieser Apparate wird sorgsam geheim gehalten; das eine scheint aber festzustehen, daß alle Erfinder von dem schon längst bekannten Periskop ausgehen, womit in der Weise einer Oameru «bscuru durch ein über dem Wasser angebrachtes Prismensystem ein Bild des Wasserspiegels auf eine in dem Boote angebrachte Platte geworfen wird. Solche Bilder können jedoch nicht besonders scharf sein, so lange sich das Boot in Bewegung befindet. Indessen soll das Periskop durch die See-Offiziere Violette und Davelny und die italienischen Ingenieure Russo und Laurent bedeutend verbessert worden sein. Nach dem gleichen Prinzip stellte der Ingenieur Albrizzi sein Kleptoskop zusammen, das in dem italienischen Unterseeboote „Delfino" angebracht wurde und mit dem nicht nur schärfere Bilder des Hort- zonts erlangt werden, sondern dessen Gesichtswinkel 60 Grad umfaßt gegen nur 4 Grad des Periskops. Während einer Fahrt, an der sich der Marineminister beteiligte, wurden sogar Photographien von auf dem Wasserspiegel befindlichen Gegenständen mit gutem Erfolg aufgenommen.
Die für das Untertauchen erforderliche Zeit ist bei den einzelnen Booten sehr verschieden. Bei der „Sirene" (1901) waren dazu nur 9 Minuten, bei dem „Narval" (1896) noch 20 Minuten nötig.
Um den Nutzen der Unterseeboote praktisch zu er- proben/machten die Franzosen 1901 Versuche, die indessen nicht ganz nach Wunsch ausfielen. Zur Zeit_ ber qroftett Flottenmanöver wurde damals der alte „Gustave Z6d6 (vom Jahre 1896) in Dienst gestellt. Unter dem Befehle des Leutnants Jobard verließ dieses Boot am 2 Juli den Hafen von Toulon in Begleisiing des Schleppdampfers „Utile" und erreichte am nächsten Morgen die Reede von Ajaccio auf Korsika; hier griff eS das auslaufende Geschwader des Vize-Admirals an. Un- bemerkt gelang es ihm, das Linienschiff „Charles Märtel" zu torpedieren, aber als es darauf mit der Kuppel über Wasser erschien, wurde es von dem „Charles Martei" und dem Linienschiff „Jaureguiberry" mit Schnellfeuer überschrittet und geriet dicht vor den Bug des letzteren Schiffes, so bofe es Mühe kostete, es vor dem Schicksal zu behüten, in dm Grund gebohrt zu werdm. r .
Frankreichs unterseeische Flotte ist m den letzten Jahren mit unheimlicher Schnelligkeit vermehrt worden. Anfangs 1900 waren fünf Boote fertig; mit den drei Probebooten, die erst in Barr genommen sind, besteht die Unterseeflotte jetzt aus 37 teils ganz, teils reichlich bis zur Hälfte fertigen Fahrzeugen; 1906 wird sie deren 68 zählen. In bezug auf den Typus herrscht noch keine Einheitlichkeit und die 37 Boote weisen elf verschiedene Typen auf. Die Baukosten bewegen sich zwischen 350 000 und 750 000 Frank; man schätzt die Kosten der ganzen Flotte von 68 Booten, die Frankreich im Jahre 1906 besitzen wird, auf 75 Mill. Frank, für welche Summe Man nur zwei Linienschiffe oder fünf Kreuzer gebaut föcfcirnc.
Durch das -entschiedene Auftrctm Frankreichs wurde hie britische Regierung gezwirngen, die bisher einge- nommme Haltung des stillen Zuschauers aufzugeben und dem gegebenen Beispiele zu folgen. Bei der Firma Vickers, Narrow zu Furneß wurdm fünf Unterseeboote
bestellt; eines davon lief schon 1901 vom Stapel, die
anderen im vorigen Jahre. Ter Typus ist der des Amerikaners Holland: Länge des Bootes 63 Fuß 4 Zoll, Breite 11 Fuß 9 Zoll, Wasserverdrängung 120 Tonnen; über Wasser geschieht die Fortbewegung durch einen Benzin- rnotor von 160 Pferdekräftm, unter Wasser, wie bei allen neuen Bootm, durch Elektrizität, die von Akku- mulatorm geliefert wird. Ein besonderer Apparat regelt die durch das Auswerfen der Torpedos veränderten Gewichtsverhältnisse. Die Briten sind weniger geheim- tuerisch in bezug auf die Einrichtung ihrer Boote als die Franzosm. Im „Engineering" vom März 1901 war eine ausführliche Beschreibung derselben zu lesen.
Auf Frankreich folgte Italien. Es besitzt schon seit mehr als sechs Jahren den „Delfino", der bereits oben erwähnt wurde. Stach einer sorgfältigen Besichtigung wurde dieses Boot 1901 wieder in Timst gestellt.^ Es machte einige Fahrten, wobei es dm ganzm Golf von Spezia unter Wasser passierte und mit einem Torpedo- wurf gegen den Panzerkrmzer „Varese" großen Erfolg hatte. Tie italienisck)e Regierung hat dann im vorigen Jahre dm Bau von 20 Unterseebooten beschlossm.
Schweden hat seit 1890 dm „Nordenfeldt", der nur einen Motor, eine Dampfmaschine von 250 Pferdekrästm besitzt. Unter Wasser wird der Dampf benützt, den das überhitzte Wasser während der Fahrt auf der Oberfläche entwickelt.
Die Schwedm machen viel Aufhebens von einem Unterseeboote, das der Jngenimr Enroth gebaut hat und das zur Bewegung unter Wasser komprimierte Luft verwendet, wäbrmd zwei Triple-Maschmm von 100 Pferdekräftm für die gewöhnliche Fahrt dienen. Uber Wasser beträgt die Geschwindigkeit 12 Meilm, unter Wasser 6 Meilm per Stunde; es kann bis in eine Tiefe von 60 Meter hinabtauchen. Von diesen Enrothbooten sind bereits mehrere bestellt.
Auch Norwcgm will seine Küsten durch Untersee- boote geschützt sehm; die norwegische Küstenlinie wird wegen der großm Wassertiefe- als besonders geeignet ge- schätzt für diese Verteidigungsweise. Ein Boot nach dem Typus „Holland" ist im Bau. ,
In Rußland sind 1902 zwei Unterseeboote m Dienst gestellt worden. Dmtschland scheint die Erfolge der anderm Mächte im Unterseebootwesm noch abwarten zu wollm, ehe es sich richtig engagiert. Jedenfalls ist auch ein Hauptgrund der, daß es noch zu schr in Anspruch genommen wird durch die Vervollständigung ferner jugendlichen Flotte.
In den Vereinigten Staaten von Nordamerika dagegen ist man nicht müßig. Schon 1892 wurde dort der „Baker" gebaut, 1893—96 der „Plunger" und der „Holland". Jetzt hat die Negierung noch sieben andere Boote bestellt. Diese Fahrzeuge von 19,2 Meter Länge und 3.6 Meter Breite bei einer Wasserverdrängung von 120 Tonnen haben eine Geschwindigkeit von 8 Meilen über und von 7 Meilen per Stunde unter Wasser. Vor einiger Zeit herrschte in Amerika eine gewaltige Bewegung für den Bau von Unterseebooten und es wurdm zur Verteidigung des HafmS von New Jork allein nicht weniger als 50 solcher Schiffe verlangt. Jetzt scheint man 'sich auf eine mehr abwartmde Haltung beschränken zu wollen . _
Deutsches Deich.
Arbeitszeit der Arbeiterinnen in Preußen.
Nachdem die aydern deutschen Bundesstaaten zugleich mit deii Jahresberichten der Gewerbeinspektionen die Resultate der Erhebungen über die Arbeitszeit der
Arbeiterinnen veröffmtlicht haben, tritt nun auch Preußen
mit einem gesonderten Band über „die Arbeitszeit der Arbeiterinnen über 16 Jahre" an die Öffenflichkeit. Wie es nach Lage der Verhältnisse nicht anders zu er- ivarten war, sprechen sich weitaus die meistm der preußischen Beamten, gleich dmm anderer Bundesstaaten, nicht nur für die Zweckmäßigkeit, sondern auch die Mög- lichkeit einer Herabsetzung des 11-stündigm auf^ den 10-stündigen Maximalarbeitstag aus. Von etwa 395 000 Arbeiterinnen haben jetzt schon nur noch 145 000 eme längere Arbeitszeit als 10-stündig. Gegen die Ver- kürzung erklären sich die Gewerbeinspektoren:n dm oft- Uchsten Teilen der Monarchie, dort wo die Arbeiterinnen in Ziegeleien und anderm vom Wetter abhängigen Betrieben beschäftigt werden, wo überhaupt ba§ Kultur- Niveau und die Bedürfnisse der großen Masse noch besonders niedrig stehm. Auch in der Textilindustrie, die vor allem unter der Konkurrmz des Auslandes zu leiden hat, findet sich vielfacher Widerspruch, besonders bei den Spinnereien. Doch sind sich die Aufsichtsbeamten der hauptsächlich in Frage komwmden Bezirke darüber einig, daß durch entsprechende Übergangsbestimmungen und Gewährung von Überarbeitszeit den etwa eintretenden Schwierigkeiten abgeholfen werden kann. Be- zeichnenderweise werden öfters Fälle angeführt, in denen einzelne große Industrielle sich für die Einführung des 10-Stundentages aussprachm und selbst schon günstige Erfahrungen damit gemacht hattm, während die Handels- kammern der betreffmden Bezirke sich nach der entgegen- gesetzten Richtung äußerten. Der Gewerbeaufsichtsbeamte von Köln sagt dazu etwa wie folgt: Die seitms der Industriellen vorgebrachtm Bedenken entspringen — von Ausnah mm abgeseh en — im großm und ganzen dem weitverbreiteten und durch die Interessenvertretungen noch gesteigerten Empfinden, welches sich nicht mit einem Eingriff in die eigenen Verhältnisse befreunden kann und zwar auch dann nicht, weiin dieser Eingriff von seiten des Staates zum Schutz des Gemeinwohls erfolgt. Eine Schädigung der Industrie und damit der von ihr abhängigen Arbeiter wird sich überall und vollständig vermeiden lassen, wenn insbesondere den einzelnen Zweigen der Textilindustrie durch Übergangs- und Ausnahmebestimmungen die gebotme Berücksichtigung zu teil wird. Obgleich (im Bezirk Köln) die 10-stündige Arbeitszeit in 79% der Betriebe mit Arbeiterinnen bereits besieht, wird nach Lage der Verhältnisse nur von einem gesetzlichen Drucke die allgemeine Einführung des 10-Stundentages — wenigstens für die Arbeiterinnen — zu erwarten sein.
Eine neue Statistik über die Arbeitslosigkeit
hat das Kaiserliche Statistische Amt zum crstmmale in Nr. 4 des „Reichsarbeitsblattes" veröffmtlicht, um dadurch ein neues Mittel, die Schwankungen des Arbeits- Marktes zu messen, zu gewinnen. Die Statistik, die fortan vierteljährlich regelmäßig veröffentlicht werden soll, wird durch eine Verbindung mit den Arbeitsloscn- Ilnterstütziing zahlenden Arbeiterfachverbänden gewonnen, die dem Statissischm Amt auf Grund eines gemeiiisam vereinbarten Formulars vierteljährliche Berichte, in denen einmal die Zahl der im Laufe eines Quartals konstatierten Fälle gezahlter Arbeitslosm-Unterstützung, ferner die Zahl der Arbeitslosen am letzten Tage des betreffmden Quartals zum Ausdruck kommt. Ter Wert einer derartigen periodischen Übersicht liegt darin, daß die zeitliche Veränderung des Prozentsatzes der arbeitslosen Mitglieder einen Schluß auf die Entwicklung im Gewerbe gestattet und damit eine Vervollständigung der übrigen Methoden zur Arbeitsrnarktstatistik bildet. Soweit der Verband tatsächlich einen großen Teil der in dem Berufe
lnndet eZ um den Arm des Tributpflichtigen, wobei sie einen Spruch sagt, der scherzend die erwünschte Gabe heischt. Im Schwarzwald lautet solches Sprüchlein:
„Hier schüttl' i meine Aegla,
Den Herrn netzm' i a'fanga;
G'fanga müsset Sie sei,
Bis Sie langet in' Sack 'nei."
Ein Überrest aus altgcrmanischer Zeit war der Brauch, bet der Ernte den letzten Busch Halme ungemäht zu lassen, für Gott Wodan und sein Roß. Um nur ein Beispiel anzuführen, so gestaltete sich im schaumburgischen Ländchen die Zeremonie in folgender Weise: Nachdem die Schnitter am letzten Erntetage das letzte Feld gemäht hatten, aber einen Streifen unberührt ließen, stellten sie nach dem letzten Hiebe die Sensen aufrecht, schlugen dreimal an die Klinge, besprengten von ihrem Erntetrunk den Halmbüschel und goffen einen Teil auf den Acker, um alsdann selbst zu trinken. Hierauf entblößten die Männer das Haupt, schwangen die Hüte, schlugen nochmals dreimal an die Sensen und sprachen:
„Wöbe, Wode,
Hal Linen Rosse rnt Moder,
Nu Distel nn Dorm,
Achter Jahr beter Korn."
Die Frauen schütteten alle Brotkrumen aus ihren Körben. Diese symbolische Handlung, das Ausschütten des Erntetrunks und der Brotrcste auf das abgcerntete Feld, erinnert an die Opfergaben beim germanischen Erntedankfest. Wenn der alten Sitte genügt war, traten sämtliche Schnitter und Schnitterinnen in geordnete Reihe und zogen singend heim zum „Wodebier", das auch Sichelbier genannt wurde.
Als die Hörigkeit in Schleswig-Holstein noch bestand, gaben die Gutsherren auch ihren Leibeigenen nach beendeter Ernte ein Freibier. Dieses Erntebier war im Laufe der Zeit zu einem rechtlichen Anspruch geworden, den die Gutsbesitzer bei Aufhebung der Leibeigenschaft ablösen mutzten. Die Schnitterinnen machten aus der ^letzten Garbe eine menschliche Figur, schmückten sie mit Blumen und brachten diese Puppe auf dem letzten Fuder Getreide in den Gutshof. Abends beim Tanz und Freibier wurden lustige Lieder und Spöttereien gesungen; ein Berschen dieser Art lautet:
„Heida vidum,
Spcciinanil iS krumm,
Epeelmanu sin Havcnpcrb IS keim !>rc SössUng wert,
Lpcclmann vibuml".
In Westfalen trügt man dem letzten Erntewagen I einen aus Holz oder Pappe geformten Hayn voran, der > reich mit Bändern und Blumen geschmückt ist. In Polen | und Galizien trägt die Vorschnitterin nach dem letzten ~ Erntctage einen lebenden Hahn auf dem Kopfe. In der Mark ist das lustige Hahnreiten noch Sitte. Ein paar alte, abergläubische Regeln, die sich auf das Geraten der Ernte und guten Erdrusch beziehen, lauten: „Wer Korn sät, soll von drei Ackern Ernte holen und unter den Samen mischen, dann gerät es wohl." „Bei der Erut' leg' die zwei ersten Garben kreuzweis in die Scheuer, dann holt dir's kein Drach'". „Wenn du die letzte Garbe größer machst, dann vorteilt besser das Dreschen".
In manchen Gegenden des Elsaß herrscht noch der sinnige Brauch, daß am letzten Erntctage die letzten Halme der Ernte in Anwesenheit der ganzen Familie des Gutsherrn vom Jüngsten mit der Sichel geschnitten werden, wobei die übrigen Familienglieder ein. „Vater unser" beten. Das kleine Büschel Halme wird geweiht und mit bunten Bändern geschmückt; es findet einen Ehrenplatz im Hause, nachdem cs beim „Erntebier" als Taselschmuck prangte. Dieses „Glücksbümpfelc", wie cs der Volks- \ mnnd nennt, bewahrt man auf bis zur Beendigung der I nächsten Ernte und knüpft daran die Hoffnung, daß sie von Gott gesegnet sein möge.
Ans Kunst und Leben.
4. Ein eigenartiges Kiinstlerlcbcn. Das neueste Heft
des „Magazine of Art" enthält ein anziehendes kleines „ckoeument humain." Es ist eine eigenartig geschriebene Erzählung von Uoshio Markino, einem japanischen Künstler, der sich in London niedergelassen und jetzt eine geachtete Stellung errungen hat, über seine eigenen anfänglichen Kümpfe in England. Als Sohn eines japanischen Malers kam er im Alter von drciund- zwanzig Jahren nach London, um Kunststudien zu machen und zugleich seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Um ihn zu unterstützen, stellten ihn einige japanische Marineoffiziere als Sekretär an. Aber er taugte wenig für die Arbeit und er sagt ganz offen, daß sie ihn nur aus Nächstenliebe behielten. Zwei Abendstunden am Goldsmiths Institute waren alles, was er an Kunstschulung erhielt. Zwei Jahre später endete seine Sekretürarbeit, und nun kamen schwere Zeiten für ihn. Tag für Tag mußte er mit seinen Zeichnungen zweimal täglich von Kcnsal Rise nach der Stadt und wieder zurückmarschiercn.
Er hatte nur eine einzige karge Mahlzeit am Tage. Die
Presse wie seine Landsleute in London stellten sich ablehnend ihm gegenüber und entmutigten ihn noch mehr. Er tröstete sich aber philosophisch: „Wenn ich es ganz ernst mit der Kunst nehme und immer mehr zu studieren versuche, wird man sich wärmer zu mir stellen. Diese Welt scheint schr schlecht und trügerisch, aber sie ist schließlich gegen den Sieger ganz aufrichtig." Mit seiner Maxime „gewöhnliche Dinge malen, aber seine hohe Kunst zeigen" harrte er aus. Endlich rang er sich durch, und jetzt ist der japanische Maler eine eigenartige und hervorstechende Erscheinung im englischen Kunstleben. Die besondere künstlerische Auffassung des Japaners verleugnet sich auch bei ihm nicht. Er sagt, die Straßen seien seine eigentliche Schule gewesen, und nichts sei so interessant wie das Studium der Bewegungen der Menschen, — „besonders", fügt er hinzu, „zu beobachten, wie die Damen ihre Röcke aufnehmcn." „Wenn ich aus der Straße bin", schreibt er an einer anderen Stelle, „ist es mir so ernst, die Gestalten zu studieren, daß ich ihnen immer nachblicke, wenn ich hübsche Gestalten sehe und ihnen oft mit meinem Skizzenbuch folge." Markino gibt zu, daß dies unhöflich ist, aber er verteidigt sich damit, daß er alles andere um der Kunst willen vergesse. Die drei energischen und doch zarten kleinen Londoner Skizzen, mit denen Markino seinen Artikel illustriert, haben den Reiz japanischer Art, lassen aber doch den Einfluß der europäischen Kunst verspüren.
-n. Schutz für seltene Pflanzen. Wie die Entwicklung der Großstädte dem Bestand der ursprünglichen natürlichen Verhältnisse im allgemeinen ungünstig ist, so läßt sich insbesondere eine Beeinträchtigung der Erhaltung der Pflanzenwelt erkennen. Es hat zu jeder Zeit der Erdgeschichte eine gewisse Zahl auSsterbender Tiere und Pflanzen gegeben, aber zweifellos beschleunigt die moderne Kultur die Ausrottung gewisser Lebewesen uw ein Bedeutendes, so daß bekanntlich zur Erhaltung gewisser Ticrformen, selbst wenn sie als dem Menschen nicht gerade nützlich betrachtet werben müssen, im Interesse der Wissenschaft bereits Maßregeln ergriffen worden sind. Ähnliche Bestrebungen treten jetzt auch mit Rück" sicht ans die Pflauzenwelt hervor. Sicher befinden sich auch in der näheren Umgebung von Großstädten Fundorte seltener Pflanzen, deren Bestand durch Entwickelung der Verhältnisse bedroht ist. Um ihrem Verschivinden vvrzubeugeu, gibt es nur ein Mittel, das in einigen Fällen bereits in Gebrauch gekommen ist. ES muß nämlich eine vermögende Person das betreffende Grundstück
