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349. «erlagsoFernstrecher R». 295t.

Donnerstag» den 3V. Juli.

RebaktionSHernfprecher No. ».

1993.

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Moderne Unterseeboote.

Von Dr. A. van Hcnnekeler.

Um zu ergründen, wer der wirtliche Erfinder irgend eines Apparates gewesen ist, ftöfet man manchmal aus größere Schwierigkeiten, als sie vielleicht der Erfinder selbst bei der Zusammenstellung seines Werkes zu über­winden gehabt haben mochte. Auf jeden Fall ist das eine umständliche Sache, wobei nicht selten die ältesten Geschichten zu Rate gezogen werden müssen. Auch das Unterseebootwesen scheint in diese Kategorie zu gehören. Man glaubt gefunden zu haben, daß schon Alexander - der Große Unterseeboote verwendet habe, und zwar bei der BÄagerung von Tyrus. Die Meinung eines Spaß­vogels, daß der noch viel ältere Jonas im Walfisch der Erfinder gewesen sein möge, darf hier wohl außer Be­tracht bleiben.

Die Franzosen, die in bezug auf die Unterseeboote die größten Erwartungen hegen, sind über diese Frage auch nicht einig. Während von den einen Fulton als Erfinder gerühmt wird, sagt Delauney m „La Nature", daß das erste wirkliche Unterseeboot der „Plongeur" gewesen sei, der 1863 nach dem Entwurf des Admirals Bourgeois gebaut wurde. Auch die Amerikaner, die erst vor einigen Jahren ihrem Fulton ein Denkmal er­richteten, haben diese Frage offen gelassen. In der Rede, die Admiral Melvrlle bei der Denkrnalsenthüllung hielt, wurde Fulton wohl als der Mann gefeiert, der das erste Handelsdampfboot (die „Clermont" von 1807, die zwischen New Dort und Albany verkehrte) und das erste mit Dampf betriebene Kriegsschiff gebaut habe, aber sein Unterseeboot wurde mit keinem Worte erwähnt..

Der oben genannte „Plongeur" hatte bereits die Eigenschaft, mit komprimierter Luft als Bewegnngskraft zu fahren, die zu gleicher Zeit auch dazu diente, die Pum­pen für das Untertauchen in Wirksamkeit zu setzen.

Wegen seiner geringen Fahrgeschwindigkeit (4 Knoten — 7 Kilometer) hatte dieses Unterseeboot in der französischen Marine keinen Erfolg.

Aber damit war der erste Answß gegeben, und bald folgten in verschiedenen Ländern verschiedene Schisfsbau- meister dem Beispiele. Me hervorragendsten von ihnen waren in Frankreich: Goubet, Z6ds, Romanzottt und Laubeuf; in Italien: Pullino, in Schweden Nordenseldt, in England Waddington, in Spanien Pdral, in den Ver­einigten Staaten von Amerika Baker und Holland.

In bezug auf Einrichtung und Bestimmung unter­scheidet man gegenwärtig in Frankreich zwischen ztvei Arten von Unterseebooten: den sousmarins propre-

rnent dits und den sousmarins autonomes; die erstertzn fahren nur unter Wasser, und zwar mit Hülfe eines elektrischen Motors, der durch Akürmnlatoren ge­speist wird. Die andere Art hat zweierlei Motoren; einen Elektromotor für die Bewegung untlw Wasser und einen Dampf- oder Petroleummotor für die gewöhnliche Fährt. Die ersteren können nur in der Nähe der Forts oder auf der Reede tätig sein, während die letzteren den Feind auch auf dem offenen Meere aufsuchen können. Beide haben die gleichen Gefechtswaffen, den Whitehead- Torpedo, der unter Wasser auf hundert Meter Ent­fernung nach dem feindlichen Schisse geschlendert wird. Dabei ergibt sich jedoch eine große Schwierigkeit: man kann nämlich unter Wasser die Bewegung der Schiffe auf der Oberfläche nicht verfolgen und muß vor dem Untertauchen eine bestimmte Richtung ins Auge fassen. Um dabei die Magnetnadel benützen zu können, wurden manche Schiffe aus Bronze oder aus Holz, das mit Bronze verkleidet ist, gebaut. Da dieses Material sehr teuer ist, baut man sie gegenwärtig ans Stahl »nt» ver­wendet dann ein Gyroskop, das wenigstens für kurz« Zeit einigermaßen Richtung hält, während das Boot von Zeit zu Zeit in die Höhe kommt, um, wenn nötig, die Richtung zu verbessern.

Eine weitere Schwierigkeit besteht darin, unter Wasser über ein hinreichendes Quantum zum Atmen brauchbarer Lust zu verfügen; bei den größeren Booten scheint man in dieser Hinsicht weniger Unannehmlichkeiten zu haben, da diese für die nirgends zahlreiche Be­mannung verhältnismäßig weite Räume besitzen. Doch werden zur Vorsicht stets Behälter mit komprimierter Luft oder Sauerstoff mitgenommen, während außerdem un­gelöschter Kalk zur Reinigung der Luft verwendet wird.

Als Mittel zum Untertauchen gebraucht man ge­wöhnlich Wasserbalast, mit Wasser gefüllte Räume, die man rasch füllen und wieder leer pumpen kann. Die Schnelligkeit des Untertauchens ist selbstverständlich für einen Erfolg von größter Wichtigkeit, ebenso ist die Be­wegungsfähigkeit unter und über Wasser ein Haupt- faktor.

Die bekanntesten französischen Unterseeboote sind der „Goubet", das kleinste von allen, nur 8 Meter lang, mit einer Wasserverdrängung von 10 Tonnen beim Unter­tauchen; der „Gymnole", der „Gustave Zädd", der „Morse" und der „Narval", sämtlich von 1885—1896 gebaut, über den „Gymnote" sei hier folgendes mitge- teilt: Er wurde 1888 vom Stapel gelassen und mit dem besten Erfolge erprobt. Sein Erbauer ist der Schiffs­baudirektor a. D. Gustave Zddch der dabei die Pläne deZ Schifssingenieurs benützte. Seine Form ist die einer an beiden Enden zugespitzten Spille, außen glatt, um die Bewegung unter Wasser zu erleichtern. Später erhielt er ein flaches Deck. Seine Dimensionen sind: 17,2 Meter Länge, 1,8 Meter größte Breite und 30 Tonnen Wasser­verdrängung. Wenn es schwimmt, ragt nur das Deck über den Wasserspiegel hervor. In einem kleinen runden kaminähnlichen Aufbau, in Dem Spiegel angebracht sind, kann der Kapitän den Horizont beobachten. Alle Ver­richtungen geschehen mittelst Elekstizität. Die Elektri­zität wird durch eine Akkumnlatorenbatterie geliefert, die für eine Fahrt von 45 Knoten (4Z4 Stunden mit höchster Geschwindigkeit) ansreicht. Soll untergetancht werden, so läßt der Kapitän den Ausguck herab und hat dann zu feiner Oriensterung nur noch den Kompaß; dabei hält er eine Stange in der Hand, mit der er auf das Steuer wirken kann. Die Beleuchtung erfolgt durch zwei elektrische Glühlampen. Wenn das Boot untergeht, wirst es keinen Wellenschlag hervor, es wirst nur eine dünne Wassermasse nach dem zuletzt untergehenden Hinterteil zurück. Tie Bemannung besteht gewöhnlich aus__ drei Personen. Behälter mit komprimierter Lust _ führen frische Luft zu. Schon bei der ersten Probe ging das Fahrzeug 7 Meter tief unter Wasser und legte so 600 Asisier zurück bei einer Geschwindigkeit von 8 Knoten, wobei die Maschine vor- und rückwärts arbeitete und nach allen möglichen Richtungen gesteuert, wurde.

Durch diese wohlgelungenen Proben ermutigt, schritt die französische Negierung aus dem eingeschlagenen Wege fort und ist gegenwärtig im Besitz mehrerer Unterseeboote, die auf und unter dem Wasserspiegel tadellos manö- verieren und auch imstande sind, auf offener See eine beträchtliche Entfernung zurückzulegen und Torpedos zu schleudern. Ohne Verlust von Personal und Material wurden mit diesen Booten wiederholt Fahrten gemacht, so daß man die Frage der Unterseefahrt in begrenztem Sinne als gelöst betrachten kann. Die Begrenzung liegt hauptsächlich in der noch ungenügenden Bewegungsge- schwindigkeit und in dem mangelhasten Ausblick, den man unter Wasser hat. Der ersteren Schwierigkeit kann be­gegnet werden durch die Verwendung stärkerer Motoren, was aber auch wieder seine Grenzen hat, da die Unter­seeboote im Hinblick auf ihre Bestimmung Verhältnis- mäßig kleine Dimensionen werden beibehalten müssen.

KerriUeton.

Erntebriiuche.

Plauderei von B. Ohrenberg.

ES ist Mittagstunde in der Erntezeit, flimmernder Sonnenglanz zittert über dem Meer der Halme; der Duft reifenden Korns entströmt den gesegneten Fluren, die gleichsam wie im Bann des Traumes liegen; es herrscht tiefe, feierliche Stille, — „Pan schläft", sagten die Alten.

Unsere germanischen Urahnen glaubten, daß in dieser weihevollen Mittagstunde, wo alle Feldarbeit ruht, Frau Hulda schützend durch die Fruchtfelder wandelt und jeden Frevel bestraft. Der Volksglaube schildert sie als eine hohe, schöne Frau, deren reiches Haar bis ans die Erde niederwallt und die Goldfarbe des reifen Getreides hat. Durch den Hexenglauben im Mittelalter wurde die germanische Göttin Hulda (gleich­bedeutend mit Frau Holle) in das „Mittagsgespenst" ümgewandelt. Im Spreewald nennen die aber­gläubischen Wenden die gefürchtete Erscheinung die „Mittagfrau"; als „Kornwcib" reitet sie auf einem weißen Roh durch die Saatfelder und trägt eine Peitsche in der Hand; wenn sie als „Flachsmutter" durch ein Flachsfeld schreitet, dann gedeiht es. Ein alter Spruch warnt vor dem Blumcnpflücken im Getreide:

„Laß steh'n die Blumen, geh' nicht ins Korn.

Die Noggenmuhm zieht um da vorn,

Bald duckt sie nieder,

Bald guckt sie wieder;

Sie wird die Kinder fange,.,

Die nach den Blumen langen."

Wenn sich Kinder wild im Roggenfeld umherjagen und die Halme niedertreten, dann saust plötzlich ein Windstoß durchs Korn und reiht den Buben die Hüte vom Kopfe. Es raschelt und knistert so sonderbar in den Halmen, dann wird es totenstill — und vor dem erschrockenen kleinen Volk steht ein graues, schattenhaftes Weiblein ötlt nickendem Kopf und wackelndem Kinn und droht mit dürren Fingern, — das ist die Roggenmuhme.

I An manchen herrlichen Sommertagen erhebt sich ein frischer Wind, verjagt die drückende Schwüle und streicht

über die fruchtschweren Felder, dann entsteht im Ge­treide ein gleitendes Wogen auf und nieder, bas dem Wellenspiel der leichtbewegten See gleicht. Von einem solchen wogenden Ahrenfeld heißt es im Volksmund: „Der Wolf geht im Korn", oder der Wolf jagt die Schaf­herde.

Im Südharz sagt man, „es sind wilde Schweine im Korn." Alle diese Bezeichnungen entspringen dem slavischen und germanischen Glauben, daß jedes Ge­treidefeld von Dämonen bevölkert ist, die die Gestalten eines Wolfes oder Bockes, eines Ebers odc^, Hahnes annehmen; viele uralte Erntebräuche waren in mythischer Zeit eng mit dieser Anschauung verbunden und bestehen teilweise noch in manchen Ländern.

In den Hundstagen, jener Zeit der Sommerfchwüle, wo der Landmann fürchtet, daß durch heftige Gewitter­regen die Ernte geschädigt oder das Einbringen der Feldfrüchte erschwert wird, erwacht manche altgermanische Sage wieder, die noch im Volke lebt. Der Aberglaube, daß in dieser Zeit der „wilde Jäger" nachts durch die Lüfte braust, ist nur der Nest eines alten Gewitter­mythus. Das Sturmgetöse und Peitschenknallen ver­tritt das Rollen und Knattern des Donners; unter den gespenstigen Reitern hat man sich die windgcpeitschten Wolken zu denken, Rüden und Falken sind Symbole des Gewitterwindes. Im Havellande lebt die Sage, daß vor der wilden Jagd ein schönes Weib läuft, das bedeutet die weiße Wetterwolke, die dem Gewitter voranzieht. Nun ist der wilde Jäger kein anderer als Wodan, der auf falbem Roß reitet, mit flatterndem Mantel und breitkrcnrpigcm Hut; von ihm hing daö Gedeihen der Ernte ab, er war es, der die Saaten segnete und mit mildem Regen befruchtete; deshalb brachte man ihm und seinem Roß Ernteopfer in Gestalt von Garben dar.

Noch jetzt herrscht vielfach, z. B. in Tirol, der Brauch des Ernte- und Wettcrläutens. Der Meßner ist während der Mittagstunde dazu verpflichtet, und sobald durch ein hcraufzichendcs Gewitter den Getreidefeldern und Rcbgärtcn Gefahr droht. Durch daö Glockcn- geläut wird beabsichtigt, schwere Unwetter von der Ge- meinbeflur fcrnzuhalten. Diese Sitte ist von dem ur­alten Aberglauben herzuleiten, daß Hagelwetter und 1 Sturm durch die Zauberkünste des Teufels und der I

Hexen erzeugt wurden, die den Klang der Kirchenglocken nicht ertragen können. Auch der Spuk, der im Wirbel­winde steckt, sowie das Treiben dämonischer Unholde während der Ernte sollte durch das Glockenläuten un­schädlich gemacht werden. Ein Küster, der das Wetter­läuten versäumt, ladet den Zorn der Bäuerinnen auf sein Haupt und muß schwer dafür büßen.

Die Sliaven in südlichen Ländern, deren Ernte oft unter zu großer Dürre leidet, suchen günstig auf die Wassergeister einzuwirken, damitsie für erquickendenRegen sorgen. Zu diesem Zweck herrscht in Serbien die origi­nelle Sitte, daß ein junges Mädchen, das gänzlich in grüne Zweige eingehüllt ist, durch das Dorf tanzt. Wäh­rend dieses Tanzes wird die junge Bäuerin unter Lachen und Scherzen mit Wasser begossen.

In südslavischen Ländern spielt das Wasser auch eine lustige Rolle beim Überreichen des Erntekranzes an den Gutsherrn. Nachdem die letzte Garbe gebunden ist, ziehen die Schnitter und Schnitterinnen singend auf den Guts­hof; in ihrer Mitte führen sie den jüngsten Erntearbeiter, dessen Kopf ein prächtiger Kranz mit zwei großen Hör­nern schmückt, die ans Blumen und grünen Reisern ge­flochten sind. Der Bauer erwartet den Zug vor der Haustür und hält in der Hand eine große Kürbisflasche mit Landwein. Nachdem der Vorschnitter seine feierliche Ansprache beendet hat, schüttet eine junge Magd dem jüng­sten Schnitter mit der Erntekrone einen Kübel Wasser über den Kopf; jubelnde „Zivio-Rufe" erschallen, und der Hausherr kredenzt dem Durchnäßten ein Glas Wein; dann folgen Ernteschmans und Tanz.

Trotz schwerer Arbeit während der heißen Hunds­tage herrscht meistens frohe Stimmung unter den Ernte­arbeitern, namentlich wenn der Gutsherr freigebig einen kühlen Trunk spendet. In der Rheingegenö und in Süddeutschland wird leichter „Schntttermein" oder „Most" gereicht; in Norddentschland macht der Steinkrug mit erfrischendem Bier die Runde.

Fast allgemein ist es noch Sitte, den Gutsherrn, der in der Ernte zum erstenmal das Feld betritt, „zu bin­den"; dann ist er verpflichtet, sich durch ein Geldgeschenk zu lösen: aber auch jedem Fremden wird diese Ehre zu teil, den die jungen Mädel erwischen können. Die Schnitterin dreht aus einer Handvoll Halme ein Seil und