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Erschein» tn zwei Ausgabe». — B durch den Verlag SO P

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fg. monatl SO Pfg. Vierteljahr!! Ausgaben zusammen.

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lich

gS-Preis: durch die für beide

Verlag: Langgasie 27.

Avonnrnten.

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j|t0. 347« verlagS-Fernfprecher No. 2958.

Mittwoch» de« 39. Juli«

Redaktions-Fernsprecher N». 52.

190».

Horgen-Ausgabe.

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Unser Londoner u-Korrespondent schreibt uns unter dem 25. Juli:

Seitdem John Bull Imperialist geworden, findet er das Leben gar kostspielig. Aber noblesse oblige, und was ist da schließlich zu machen? Ein bißchen schämt er sich seiner Extravaganz indes doch, und damit sie nicht gar so augenfällig sei, werden denn seine Ausgaben auf die verschiedensten Konti geschrieben, wenn sie auch auf dasjenige des neuen Imperialismus gehören. Das Kriegsamt verlangte z. B. gestern vom Unterhause die- Bewilligung eines besonderen Kredits von 5 000 000 Pfund Sterl., der mit dem Heeresaufwand, wie der Kriegsminister erklärte, nichts zu tun hätte, weil das Geld vornehmlich für Kasernen in Südafrika und für Schießplätze benötigt wird. Sir Edgar Vincent be­hauptete zwar, es wäre viel ehrlicher gewesen, wenn das Kriegsamt diese Summe gleich dem Voranschlag für die Armee zugefügt und für diese daher 39 000 000 Pfund Sterl. anstatt 34 000 000 Pfund Sterl. verlangt hätte, was aber gar nicht schön von Sir Edgar war. Wie er behauptete, würde die Nation dann wenigstens gewußt haben, was sie ihre paar Sold!aten kosten. Daran liegt jedoch Mr. Chamberlain und seinen Kollegen ganz und gar nichts, und es wäre daher viel besser gewesen, wenn das Parlamentsmitglied Mr. Robertson seine Berechnung für sich behalten hätte, nach der Heer und Marine jetzt 78 000 000 Pfund Sterl. jährlich oder 9 Pfund Sterl. pro Familie verschlingen. Auf die Dauer kann schließlich selbst das reiche England so nicht weiter wirtschaften. Mr. Chamberlain weiß das sehr genau, und so versuchte er denn im vorigen Jahre die Kolonien zu überreden, daß ts ihre Pflicht wäre, einen Teil der Kosten zu tragen. Das bestritten sie jedoch auf das allerentschiedenste durch ihre zur Krönung des Königs hier anwesenden Premier­

minister, die jedoch geneigt waren, Zugeständnisse zu machen, falls das Mutterland ihnen feine Nahrnngs- Mittelmärkte überlieferte, indem es fremde Brotfrucht, Vieh und dergl. mehr besteuerte. Der Kolonialminister ist aber seinen imperialistischen Plänen zu liebe zu allem bereit. Bekanntlich bildete die zügellose Extravaganz der Regierung die Veranlassung für die Resignation des vorigen Finanzministers, Sir Michael Hicks Beach, der dem Unterhause gestern erzählte, daß das sogenannte Militäranlagen-Gesetz von 1901 dem Lande noch eine weitere Ausgabe von 4 000 000 Pfund Sterl. aufgeladen haben würde, hätte er sich nicht damals mit Händen und Füßen im Kabinett dagegen gesträubt. Der Aufwand auf Grund jenes Gesetzes wurde zum größten Teile durch beu Krieg in Südafrika veranlaßt, und, wie bereits gesagt, ist auch mehr als die Hälfte der c;estern verlangten fünf Millionen für Kasernen in Südafrika beftiinmt. Sir Henry Campbell Bannerman verlangte, daß man die dortigen Kolonien für diese Unkosten verantwortlich halte, was auch unbedingt gefächen könnte, wenn, wie Mr. Chamberlain der Nation s. Z. einzureden wußte, der Krieg wirklich unternommen worden wäre, weil sich die Buren der englischen Besitzungen in Südafrika zu bemächtigen wünschten. Aper die angeblich gerettete Kapkolonie ebenso wie Natal waren stets wider den Krieg und protestierten sogar einst energisch gegen denselben. Es wäre also zwecklos gewesen, von ihnen einen Beitrag zum Kasernenbau und zur Unterhaltung einer ständigen britischen Garnison zu fordern. Für die letzteren hat das unglückliche Indien, das Land der ständigen Hungers­not, zu bezahlen, und zwar, weil die Soldaten in Süd­afrika angeblich für den Fall bereit gehalten werden, daß an seiner nordwestlichen Grenze einmal Gefahr droht. Mr. Cust sollte sich, da er als Tory im Unterhause sitzt, wahrlich schämen, denn er behauptete, Indien jene Un­kosten aufzuladen, bedeutete die schamloseste Schäbigkeit, die England jenem bedauernswerten Lande gegenüber je an den Tag legte. Man macht es John Bull wahrhaftig schwer, das decorum zu wahren.

Deutsches Deich.

Krüppclhcimstättcn.

Es muß jeden feinfühligen Menschen besonders em­pfindlich und unangenehm berühren, wenn er sieht, wie Krüppel in den Großstädten geradezu geschäftsmäßig dazu verwandt werden, um mittelbar durch Erregung des Mitleids Geld zu verdienen. Wenn man z. B. durch die Hauptstraßen Berlins geht, so trifft man nur allzu­häufig an den Häusern oder Straßeiiecken Leute, die irgendwelche brauchbare oder unbrauchbare Kleinigkeiten

feilbieten, eigentlich aber zum Almosengeben auffordern, indem ihnen das Fehlen eines Gliedes oder Organs ent- weder anzusehen ist, oder sogar durch besondere Bleche schilder, wie namentlich „gänzlich erblindet", bezeugt wird. In gewissen Fällen ist es offenbar geworden, daß die Angehörigen von Krüppeln es diesen geradezu als eins Pflicht anrechnen, aus der Zurschaustellung ihres Leidens ein Gewerbe zu machen und dadurch womöglich nicht nur für sich selbst, sondern auch noch für ihre Familien oder Hausgenossen den Unterhalt zu erwerben. Trotzdem diese widerliche soziale Erscheinung bei uns sicher längst nicht so stark hervortritt wie in den Ländern Süd'- europas, namentlich in Italien und Spanien, so haben wohl doch auch wir Veranlassung, zu fragen, ob hiev nicht noch etwas mehr zur Abhülfe geschehen könnte.^ Einen für diese Frage wertvollen Aufsatz hat Oskar Vulpius in deni letzten Heft der „Mendelsohnschen Krankenpflege" veröffentlicht. Er spricht darin von dev Krüppelstatistik, die allerdings für Deutschland noch recht mangelhaft ist. Sichere Angaben sind nur für einzelne Landesteile, dazu noch für verschiedene Zeiten vorhanden. Von Staats wegen wurde die Zahl der Krüppel 1897. in Schleswig-Holstein ermittelt, und zwar auf 4770, wo­runter sich 1300 Kinder befanden. In Brandenburg er­gab eine private und sicher unvollständige Erhebung im Jahre 1896 die Zahl von 1100 Krüppeln, eine solche in Mecklenburg ans dem Platten Lande 1006. Diese Zählen sind verhältnismäßig niedrig und würden verallgemeinert für das ganze Deutsche Reich nur 22 000 Kbüppel er­warten lassen, während eine in Westfalen angestellte Ermittlung die Zahl der in Deutschland! auf

eine halbe Million schätzen ließ. Aus den spärlichen vor- handenen Angaben geht jedenfalls hervor, daß die Zahl der Krüppel auch in unserm Heimatland eine recht be­trächtliche ist, und wir haben auch Beweise dafür, daß die Mehrzahl den armen Klassen angehört und daß dem­nach die Krüpvelhaftigkeit nicht nur ein körperliches, sondern auch ein großes soziales Elend bedeutet. Es ist daher mit lebhafter Genugtuung zu begrüßen, daß sich die Rufe nach einer staatlichen und privaten Krüppelfür­sorge steigern, um diese Unglücklichen der Not zu ent­ziehen und einer gesunden Tätigkeit zuzuführen, die sie bei ihrer Körperbeschaffenheit zu leisten vermögen. Die älteste derartige Anstalt in Deutschland besitzt München, gleichzeitig die einzige, die vom Staat verwaltet wird. Sie wurde von Johann Edlen von Kürz 1832 gegründet, 1844 vom Staat übernommerr, 1874 erweitert und heißt jetzt Königlich Bayerische Zenttalanstalt für Bildung und Erziehung krüppelhafter Kinder. Privatgründungen! mit ähnlichem Zweck finden sich in verschiedenen Städten, so die Wernerschen Anstalten in Württemberg, die Escher- Stiftung in Zürich, das Krüppelheim des Berliner Oberlin-Hauses zu Nowawes bei Potsdam u. a., vor

Feuilleton.

Begräbnis der Parsen.

Von allen, die Indien und seine Bewahrter kennen, tvird zugegeben, daß die Parsen ein intelligentes und vorgeschrittenes Volk sind, das weit lveniger als die änderen dortigen Stänune an abergläubischen Gebräuchen hängt. Sie sind bekanntlich Anhänger der Lehre Zoroasters, doch nennt man sie mit Unrecht Feueranbeter, der wahre Geist der Religion ist der, daß man den Schöpfer in seinen Werken erkennen und durch diese ihn ünbeten soll. Man kann dieselbe in 3 Worten zusammen­fassen: Manaschni (gute Gedanken), Gawaschni (gute Worte), Kunaschni (gute Taten). Götzendiener sind die Parsen keineswegs.

Trotzdem erscheinen einzelne ihrer Zeremonien eigen­tümlich und ganz besonders die Art und Weise, wie sie ihre Toten bestatten, obgleich letztere sich von gesundheit­lichem Standpunkt wohl verteidigen läßt, sie bringen äie Verstorbenen nach den sogenannten Türmen des Schweigens und lassen sie von Geiern verzehren.

Ein Leichnam gilt den Parsen als etwas Geheiligtes, has durch die Beriihrnng eines gewöhnlichen Sterblichen sntweiht würde. Sobald der Lebensfnnke also erloschen ist. wird die Leiche zwei NassasLlürs üb ergeben (eine Körperschaft, die speziell für den Begräbnisdienst geweiht ü't und von der Gemeinde bezahlt wird). Diese waschen üe und kleiden sie in schneeweiße Gewänder, worauf sie Äis zwei flache Steins auf den. Boden gelegt wird. Die weiblichen Verwandten und Freunde versammeln sich in "em Raum, wo sich die Leiche befindet, die männlichen, Wenfalls in weiße wallende Gewänder gehüllt, auf der Veranda und wenn diese nicht groß genug ist, um alle su fassen, an den beiden Seiten der Straße. Sttrbt eiir hervorragender Parse, so sieht man manchmal die ganze Straße von seinen Glaubensgenossen erfüllt.

Zirka eine Sstinde, ehe die Leiche aus dem Hmrse ge­kommen wird, kommen die Leidtragenden und der Körper wird dann von den Nassastilürs von den Stein­platten gcnonlmen und auf eine eiserne Bahre gelegt,

die gewöhnlich neu ist, es sei destn, daß es sich um eine sehr arme Person handelt. Zwei Priester, die zu Füßen des Toten sich aufstellen, sagen die Gebete, machen dann eine tiefe Verbeugung und ziehen sich zurück. Die Frauen geben dann gewöhnlich ihrer Trauer in lauten Klagen Worte, die Männer kommen herein, betrachten das Angesicht des Toten und machen dann ebenfalls eine tiefe Verbeugung, meistens indem sie ein Gebet murmeln. Das Gesicht bleibt unbedeckt. Die Bahre wird von den Nassasülärs hochgehoben und aus dem Hause getragen, wo zwei andere sich zu ihnen gesellen und jeder nimmt nun eins der Enden auf seine Schulter. Alle haben sich erhoben und verbeugen sich, wenn die Leiche vorüber­kommt. Die Leidtragenden schließen sich dann an und der Leichenzug setzt sich, von Priestern geführt, nach den Türmen des Schweigens in Bewegung.

Auf den höchsten Hügeln Bombays sind diese gelegen, die nur ausnahmsweise ein anderer als ein Parse be­treten darf. Zahllose Stufen führen zu der Mauer empor, die oben den Hügel umgibt. Durchschreitet man das Tor in letzterer, so hat man einen wunderbaren Aus­blick auf Stadt und Meer und sieht auch die weiße Mauern der verschiedenen Türme, die in gleichmäßigen, aber bedeutenden Entfernungen von einander errichtet sind. Nachdem die Türine geweiht, kommen nur die Nassasälärs hinein, wenn aber ein neuer gebaut wird, darf ihn jeder Parse besichtigen und dann an der Ein­weihungszeremonie teilnehmen.

Über dein Turme, der z. Z. benutzt wird, sieht man immer eine Schar Geier. Die innere Einrichtung ist höchst einfach. In drei konzentrischen Kreisen sind Stein­platten in geringen Zwischenräumen niedergelegt, die des inneren Kreises sind die kleinsten und für Kinder be­stimmt, die des zweiten für weibliche und die des äußeren, welche am größten, für männliche Leichen. In der Mitte ist ein Brunnen von außerordentlicher Tiefe und der Boden ist so angelegt, daß er von allen Seiten nach diesem Brunnen hin etwas abfällt.

Wenn der Leichenzug auf dem Hügel angelangt ist, begibt er sich direkt nach dem in Gebrauch stehenden Turme. Noch eine kurze Rast, um den Verwandten zu

gestatten, einen letzten Blick auf den Geschiedenen zu werfen, dann begeben sich zwei NassasLILrs langsam mit der Bahre zu der eisernen Tür. Der eine öffnÄ sie mit einem Schlüssel, sie verschwinden mit den irdischen Über­resten des Heimgegangenen und die Tür schließt sich hinter ihnen. Sie legen den Körper auf eine der Stein­platten nieder, reißen die Gewänder, in die er gehüllt ist, herab und verlassen den Turm mit der leeren Bahre. Sie begeben sich dann sofort cm einen Platz, wo sie sich waschen und die Kleider wechseln. Sowie die Nassasulürs aus denk Tore treten, schießen die Geier herab, unr nach 10 Bstnuten oben auf der Mauer wieder zu erscheinen. Dann weiß jeder, daß nur das Skelett des Toten übrig geblieben, der eben erst an diesen Ort des Schweigens gebracht worden war. Wenn die Nassa- sLILrs mit einer anderen Leiche ihn betreten, dann ziehen sie mit einein Haken das Skelett nach dem Brunnm in der Mitte und so vereinigen sich die Gebeine aller im Tode.

Wie es heißt, haben die Geier einen so feinen In­stinkt, daß sie keinen Körper berühren würden, in dem das Leben noch nicht erloschen ist, so schwach der Funke auch glimmen mag. Man behauptet aber, daß früher die Nasfasülärs strikte Befehle hatten, jeden zu töten, der wieder erwachte, nachdem er einmal nach dem Turin des Schweigens gebracht worden war, und zwar geschah dies, weil man überzeugt war, daß jeder, der von dieser Stätte gekommen wäre, Pest und andere Krankheiten verbreitet hätte. So sollen denn' die, welche wieder zum Leben er­wachten und denen es gelang, die Mauer zu übersteigen, aus Bombay geflohen sein und nie sich zu erkennen ge. geben haben, aus Furcht getötet zu werden.

Wenn dies aber auch früher so gewesen sein mag, so ist es jedenfalls nicht mehr der Fall, da die englische Regierung natürlich jeden wieder zu sich Gekommenen schützen würde. Die Begräbnisart aber hat, so schrecklich l‘ic_ auch zartbesaiteten Gemütern erscheinen mag, ent­schieden viel für sich und es wird — den hygienischen Standpunkt ganz beiseite gelassen — vielen ein weniger scliandervoller Gedanke sein, innerhalb weniger Minuten ein Raub der Geier zu werden, als in langsamer Auf­lösung unter der Erde als Speise für Würmer zu dienen