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«prfAetn* nt zwei Ausgabe«. — BezugS-PreiS: durch den Verlag r.o Pfg. monatlich, durch dir Post 2 Mk. S« Pfg. vierteljährlich für beide Ausgaben zusammen.

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J| 0 . 341» verlagS-Fernsprecher R». 2963. SnMSlNg» bftl 25. Juli»

NedaktionS^ernsprecher No. SS.

1903.

Morgen-Ausgabe.

gtftr August unö September

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„Wiesbadener Tagblatt"

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im Verlag Langsame 27 , bei den Ausgabestellen, den Zweig-Expeditione«

der Nachbarorte,

und bei sämtlichen deutschen Reichspoftanftalten.

Die Politik im sranzöfischen Heere.

Unser Pariser Korrespondent schreibt:

Kriegsminister General And-rd soll eines Tags gesagt haben: „Ich brauche 6000 Demissionen von Offizieren, wenn wir eine wahrhaft republikanische Armee haben wollen." Wenn dieser Ausspruch ivrrklich, gefallen ist und wenn er die wahren Gedanken des Kriegsministers enthält, dann kommen neuerdings die Offiziere den Wünschen desselben eifrig entgegen. Die Demissionen im Heere mehren sich in auffallender Weise. Die jüngsten Beförderungen namentlich haben eine solche Unzufrieden­heit erregt, daß eine ganze Reche von Abschiedsgesuchen gemeldet wird. Der Grund für die überhandnehmenden Austritte ist zu einem großen Teile in dem Umstande zu suchen, daß General Andrd die Politik in die Armee singeführt hat. Seine Gegner werfen chm seit langem vor daß er mehr Politiker als Soldat sei und über leidenschaftlichen Parteireden seine eigentliche Aufgabe, ine Stärkung der nationalen Wehrkraft, vergesse. Ob­wohl wir auf die gehässige Sprache seiner Wideriacher nichts geben, so hat Andrs doch unlängst zwei Ausspruche getan, die auch den unparteiischen Beobachter franzö­sischer Zustände befremden müssen. Auf der ^Redner­tribüne der Kammer erklärte er, daß die Beförderung der Offiziere viel mehr in dm Händen der Deputierten als in seinen eigenen läge, und kurz darauf setzte er in der Beantwortung der Rede des Deputierten Renault- Morlidre, welcher sein System verurteilt hatte, ausein­ander: „Wir kämpfen gegen die Ligas der Rechten, um sie mit einem allgemeinen Namen zu bezeichnen, nicht mit gleichen Waffen. Sie nehmen eine solche Situation ein daß wir sie nicht aus der Armee ausschließen können, ohne die Hülfe der Ligas der Linken in Anspruch zu nehmen." Unter den „Ligas der Linken" versteht der Kriegsminister hauptsächlich die Freimaurer und die „Liga für die Menschen- und Bürgerrechte". Es liegt uns fern, auf die Bestrebungen der ebengenannten Der-

einigungen lobend oder tadelnd einzugehen, ober es rst doch seltsam, daß ein Kriegsminisl« die Britwrrtung politischer Vereine für notwendig hält und sich nicht scheut, dies offen auszusprechen. Ter Politik fmd sonnt die Tore weit geöffnet zum Eintritt m dre Armee. Die dem Minister feindlich gesinnte Presse beutet die offene Sprache des Kriegsministers nach Kräften aus und weiß lange Geschichten zu erzählen von dem Denunziantentum, dessen sich die erwähnten Gesellschaften gegenüber ehren­werten Offizieren schuldig machen. „Es vergeht kein Tag", sagt eine Zeitung, „wo nicht eine Anzeige gegen einen Offizier seitens der im Dunkeln wirkenden Vereine im Kriegsministerium einläuft. Der betreffende Offizier fällt ohne Gegenwehr, getroffen von einem Schlag, den ihm Feiglinge von. hinten erteilen. Er finkt als Opfer einer unfaßbaren, unverantwortlichen Oligarchie, welch« er keine Rechenschaft schuldig ist und gegen die « sich um so weniger wehren kann, als sie mächtiger ist at^> der Minister selber."

Diese Übertreibungen gewisser Blätter haben kern großes Gewicht, aber das Faktum bleibt bestehen, daß Andrd die Politik in das Heer eingeführt hat. Seine obigen Aussprüche bezeugen es zur Genüge und ferne Handlungen strafen jene nicht Lügen. Von jetzt_ an heißt es also in Frankreich: Ligas gegen Ligas, Offiziere der Rechten gegen Offiziere der Linken. Das Offizrer- korps ist mit" ministerieller Genehmigung in zwei Lager gespalten, die nicht verfehlen werden, da der, von Andre ausgeftreute Samen notwendig Früchte , zeitigen muß, sich gegenseitig zu bekriegen. Selbstverständlich hat sich gegen die Andresche Auffassung der Aufgaben der Armee der heftigste Widerspruch bereits in der Kammer erhoben. Als Andre im Palais Bourbon die Beihülfe der Ligas als sein Notwehrrecht bezeichnete, rief ihrtt Lannes de Montebello zu: „Im stärksten, polifischen Kümpfe ver­gaß Gambetta nie, die Offiziere in den Grenzen ihrer Rolle zu halten. Er fragte niemals nach ihren politischen Meinungen und verlangte von ihnen weiter nichts als militärische Arbeit und Stillschweigen." Seit jener Zeit war es gebräuchlich geworden, die Armee „la grande muette, la grande silencieuse", die „große Stumme", zu nennen. Hierin hat Kriegsminister Andrs allerdings gründlich Wandlung geschaffen, in dem er die Offiziere m die polifische Arena rref. Bisher räumte man der Armee keineswegs das Recht ein, eine politische Meinung zu haben, nunmehr verlangt man von ihr im Gegenteil ein Glaubensbekenntnis im Sinne der Andrdschen Doktrin, die sich einigermaßen von der mittler.cn repu­blikanischen Lehre unterscheidet. Der Kriegsminist« hat für sein schroffes Vorgehen sicherlich eine Entschuldigung. Der reaktionäre und klerikale Geist wurde in der Armee über Gebühr gepflegt. Wer Andrd hat sich nicht darauf beschränkt, diesen Geist zu bekämpfen, sondern er hat an die entgegengesetzten Gefühle zu laut appelliert und damit die Einheit des Heeres schwer gefährdet.

Deutsches Deich.

• * über den Stand der deutschen Handwerker-Organs

s.-tion werden folgende statistische Zahlen angegeben^ Die Zahl der Innung« hat von 1896 bis 1902 um 69, die der Mitglieder um 124 919 zugenommm, d. h. um 38 %. Bei einer Zahl von rund 1,300 000 selbständigen Handwerkern in Deutschland sind die 457 283 in Innungen organisierten Handwerker nur 35,2 % aller Handwerker. Für 1896 stellte sich diese Zahl nur , aus 25 %. Rechnet man hierzu noch die zu Gswerkvereinen gehörenden Handwerker in Höhe ,von 89100 hinzu, so gibt es in Deutschland 646 383 in Innungen und Ge- werkverem« organisierte Handwerker, die nur 42 % aller deutschen Handwerker ausmvchen.

* Die Ablösung für die ostasiatischc Bcsahrmgsbrigade wird in diesem Jahre am 2. August mit dem für diesen Zweck besonders gemieteten Dampfer „Silvia" der Hamburg-Amerika-Linie von Hamburg aus nach Ostasien entsandt werden. Das Schiff wird voraussichüich am 16. September in Tsingtau und am 19. September in Taku eintveffen. Bon Tccku wird der Danipfer mit den abgelöstcu Angehörigen der Besatzungsbrigade voraus­sichtlich am 27. September die Heimreise über Tsingtau antreten und am 16. November in Hamburg ankomm«, wo die Ausschiffung der Mannschaften stattfindet. Ten Angehörigen der Besatzungsbrigade werden nach Mög­lichkeit auf der Aus- und Heimreise gewöhnliche Briefe, Postkarten und Drucksachen in den Anlegehäfen des Schiffs zugesührt werden. Die Sendungen unterliegen denselben Taren, wie wenn sie nach der ostafiaüsch« Garnison gerichtet wären. Sie müssen in der'Aufschrift die deutliche Angabe tragen: „Durch das Marrnepoft- bureau in Berlin; Empfänger befindet sich auf dem Dampfer „Silvia"." Die Angabe des Hafens ist mcht erforderlich. Geldbriefe, Postanweisungen, Pakettl usw. sind von der Beförderung nach dein Transportschiffe ausgeschlossen.

* Die Burcnansiedclungcn in Tcutschostafrika. So­eben ist die Burenansiedelung im Kondeland am Nyassa» see zur Tatsache geworden. Ein Herr Reynard, welcher Afrika vom Kap der guten Hoffnung bis zum Tanganyka durchquert hat, hat im Kondeland ein großes Areal be- legt und geht nach Prätoria, um dort einen Treck zu organisieren. Ter Treckleiter Roloff Abraham Zeeder- berg-Chiappini, ein Bruder des bekannten Asrikaner- bondführers CH. Chiappini, befindet sich mit Frau bereits in Neu-Langenburg, Geldmittel sind in genügendem Maße nachgewiesen. Neben Pflanzungsversuchen mit Baumwolle und Tabak wird ein Kaufhaus für Ein ge. borene eingerichtet. In der Hauptsache wird eine Bafuto- pony-Zucht ins Leben gerufen werden. 25 Tiere sind bereits angekauft. Reynard erklärte, er hätte nirgend ein derart günstiges Siedelungsgebiet vorgefunden als

Feuilleton.

Das erste Unterseeboot.

— 1801. —

Bon Dr. A. von Hennekcler.

Zu den interessantesten Erscheinungen der Neuzeit gehören unstreitig die Unterseebote. Zwar trat, schon zu Beginn des vorigen Jahrhunderts ein Mann mü dem Plane eines Fahrzeuges dieser Art hervor, aber erst rn der letzten Hälfte des vergangenen Säkulums oder eigentlich noch genauer in der allerletzten Zeit rst dre Ausführbarkeit des noch lange als Phantasterei betrach- teten Planes erwiesen worden, und jeist glaubt man der Brauchbarkeit und des großen Nutzens des, Unterseebootes versichert zu sein, so daß die großen Mächte sich eifrig rüsten, um so rasch als möglich ihren Flotten eine ent­sprechende Anzahl solcher Schiffe einzuverleib«

Die Gerechtigkeit erfordert es, daß wir zunächst des Mannes gedenken, dem wir, wenn nicht dre erste ^dee, so doch wenigstens den ersten zur Ausführung gebrachten Plan eines unterseeischen Fahrzeuges zu verdanken haben. Dieser Mann war der Amerikaner Robert Fulton, der Sohn einer irischen Emigrantensamilre, geboren 1765 im Staate Pennsylvanien. Er widmete stch zuerst in Philadelphia der Malerei, und brachte es dann weit genug, um von seiner Kunst Ie&« zu können. Dem Rate einiger Freunde folgeird, begab er sich 1786 nach England und wurde dort Maschinenzeichner rn einer Fabrik zu Birmingham. Hier verfiel er auf das Studium der Mechanik, hauptsächlich durch James Rumfey, der sich, aber mit geringem Erfolge, mit der Erfindung von Mühlen und Booten beschäftigte, bei denen der Dampf als neue Bewegungskraft dienen sollte. Nach dem ^ode Rumseys verlegte sich Fulton speziell auf Kanal- und Schleusenanlagen, für die er ein eigenes System erdachte, das ihm in England patentiert wurde. Als ab« ferne Erfindungen in England keinen rechten Anklang fanden, ging er i 796 nach Paris, Hier knüpfte er mrt ver­

schiedenen Ingenieur« und Gelehrten Beziehungen an, wodurch sich sein Jdeenkreis nicht unbedeutend erweiterte. Während er seine mechanisch« Studien fortsetzte, haupt­sächlich in bezug auf die Verwendung der Dampfkraft für die Schiffahrt, brachte « das erste Panorama zu­stande, das in Frankreich gezeigt wurde und groß« Anklang fand.

Daß ein Mann, so fruchtbar an neuen Ideen, em feuriger Anhänger der Revolution war, versteht sich ,von selbst. Um an der Freiheit der Völker mitzuarbeiten, machte er es sich zur Aufgabe, Mittel zu «denken, durch die die Freiheit auf den Meeren sicher gestellt würde; die Seemacht der Engländer, die schon damals eine un­erträgliche Tyrannei ausübte, sollte gebrochen werden. Dies gedachte er durch zwei Apparate zu erreichen: den Torpedo und das Unterseeboot. Schon im Dezember 1797 machte er auf der Seine Versuche mit Kisten, die mit Sprengstoff gefüllt waren und unter Wasser, zu feindlichen Schiffen hingeführt werden sollten, um diese durch Explosion « vernichten. Hatte man den Apparaten einmal die erforderliche Richtung gegeben, so geschah die weitere Fortbewegung automattsch mittelst eines Räder­werkes. Durch Anziehen eines langen Taues brachte man schließlich. eine Pistolenbatterie in Tättgkeit, wo­durch die Sprengladung im gewünschten Augenblick explodi«te.

Als ihm nach verschiedenen Versuchen die Mittel aus­gingen, schickte Fulton der französischen Regierung den Plan eines unterseeischen Fahrzeuges, das dazu dienen sollte, an der Küste kreuzende feindliche Schiffe zu ver­nichten. Eine zur Prüfung des Planes eingesetzte Kom­mission erstattete einen günstigen Bericht, ab« der Kriegs- minister erklärte sich gegen den Entwurf. Fulton verlor indessen den Mut nicht. Er baute ein Modell seines Bootes und betvarb sich um die Protektion und um die Unterstützung des inzwischen zur Konsulwürde emporge­stiegenen Bonaparte. Dieser ernannte eine Prüfungs­kommission, der Volney, Laplace und Monge ange­hört«. Der Bericht lautete wiederum günsttg und Ful­ton bekam 10 000 Franst' zur Fortsetzung seiner Ver­

suche. Nun konnte « seinen Plan zur Ausführung

bringen und den Bau des ersten Unterseebootes, des „Nautilus", unternehmen. Das Schiff hatte die Form einer Zigarre, war von Holz, mit Kupf« beschlagen und von Eisenreifen umspannt. Die Fortbewegung geschah mechanisch durch ein Rad mit ellipsenförmigen Schuppen, Auf dem Boote erhob sich eine mit linsenförmigen Guck- löchern versehene Kuppel und ein Mast, der ein Segel tragen und umgelegt werden konnte.

Der „Nautilus" war etwas über 7 Met« lang; um unterzutauchen, wurde das Segel geborgen, der Mast niedergelassen, Luft in die Höhlung gepreßt und dann Wasser in den „Raum" gepumpt, wodurch das Sinken von selbst erfolgte. Sollte es wieder in die Höhe tauchen,, so wurde das eingelassene Wasser wieder ausgepumpt.

Im Mai 1801 führte Fulton seinen „Nautttus" aus der Seine zum ersten Male vor; er kreuzte «st eine Wells auf der Oberfläche, tauchte dann unt« und blieb, ström« auf- und abwärts steuernd, 30 Minuten unt« Wasser« Nur ein Mann begleitete ihn; der Schiffsraum, in dem sich die Beiden befanden, wurde durch eine K«ze «- 1 leuchtet. Dieser Versuch bewies die Möglichkett, mit dem Schisse ziemlich lange unter Wass« verbleiben und sich doch in bestimmten Richtungen fortbewegen zu können.. Auf die günstigen Berichte hin, die über diesen Versuch und üb« spätere Probefahrten auf der Reede von Havre; erstattet wurden, erhielt Fulton den Auftrag, sich nach Brest zu verfügen.

Im Hafen von Brest wurden am 3. Juni 1801 neue, Probefahrten veranstaltet, wobei Fulton üb« eine Stunds unter Wasser blieb; am 26. Juni fuhr er aus dem Hafen hinaus, um auf freier See unterzutauchen und auf den, verschiedensten Stellen wieder zu erscheinen oder zu ver­schwinden. Bei seiner Rückkehr in den Hafen ließ « in Anwesenheit des Admirals Villaret einen Torpedo gegen ein altes Leichterschiff los. und sprengte es in die Luft.

Am 7. August konnte er unter Benützung kompri­miert« Luft in seinem Boote fünf Stunden unter Wasser bleiben und allerlei Bewegungen ungehindert aus führen; als er wieder emportauchte, wurde konstatiert, daß die