fl. Jahrgang.
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j|t0. 339«. 8erlagS.Fer»Ipr«cher Ro. 2961.
Freilag» den 34. Juli.
SlebaktionS^ernsprecher No. ML
1903 .
Abermalige Zunahme der Cmbammenlieuerrahler im Keg.-Ke;. und Ktabi Wesbaben.
Aus den Drucksachen des Abgeordnetenhauses wird bekannt, daß die Zahl der zur Einkommensteuer veranlagten Bewohner unseres Regierungsbezirks Wiesbaden vom Steuerjahre 1901/02 zum Steuerjahre 1902/03 abermals zugenomiinen hat, und zwar von 133 001 auf CL51 521, also um die verhältnismäßig starke Ziffer von 18 520 Köpfen. Diese erfreuliche Tatsache mag Anlaß geben, hier kurz zusammenzustellen, wie sich diese Verhütt«»!!« bei uns seit 1. April 1892 gestalteten, mit welchem Tage bekanntlich die jetzige Einkommensteuergesetzgebung ins Leben trat. Die Anzahl der einkommensteuerpflichtigen Personen unseres Regierungsbezirks, sowie der prozentuale Anteil derselben an der Seelenzahl nach der PersonMstandsausnahme stellten sich wie folgt:
1892/93 « s 79 405 Pers. oder 9,33 %
1893/94 . * 83 431 „ „ 9,72 %
1894/95 « , 85 967 „ „ 9,91 %
11895/96 « , 88 790 „ „ 10,17 %
1896/97 , . 90 749 „ „ 10,04%
11897/98 . „ 95 668 „ „ 10,29%
1898/99 . „ 100 748 „ „ 10,69%
1899/00 „ 108 092 „ „ 11,00% 1900/01 . . 117 568 „ „ 11,72%
1901/02 . . 133 001 „ „ 13,20 %
1902/03 . . 151521 „ „ 14,78%
Tie Zunahme beider Ziffern war also eine ganz beträchtliche, wenn auch die Relatwziffer von einer kleinen Schwankung nicht frei blieb. Auf die Städte einerseits und das platte Land andrerseits verteilt, setzten sich diese Ziffern wie folgt zusammen, und zwar:
Städte. Land.
4,93 % 5,19% 5,24 %
5.50 % 5,61 % 5,78 % 6,12 %
6.51 % 7,14 % 7,49 % 7,70 %
Stadt und Land hatten an der Zunahme mithin gleichermaßen Anteil,, eine Tatsache, die ganz besonders erfreulich berührt, da das Land in anderen preußischen Regierungsbezirken in dieser Beziehung den Städten gegenüber viäfach recht im Rückstände geblieben ist. Daran kann auch die geringe rückläufige Bewegung der
1892/93 ■«
K
57 024
14,37 %
22 381
1893/94 .
fc
59 763
14,88 %
23 668
1894/95 .
M
61967
15,13 %
24 000
1895/96 .
K
63 523
15,35 %
25 267
1896/97 «
V.
64 674
14,72 %
26 075
1897/98 .
68 505
14,92 %
27 163
1898/99 .
71,616
15,35 %
29 132
1899/00 .
»
76 744
15,31 %
31348
1900/01 .
fc .
82 547
16,09 %
35 021
1901/02 .
.
96 950
18,42 %
36 061
1902/03 .
.
113 984
21,19 %
37 537
Relativziffer der Städte für das Jahr 1899/1900 nichts ändern, in welchem in den Städten die Zunahme der Ein- kommensteuerzensiten mit derjenigen der Einwohnerzahl in ihrer Gesamtheit nicht so ganz im Einklänge stand._ In unserer Stadt Wiesbaden nun schließlich wickelte sich die Sache folgendermaßen ab:
1892/93 . . 9 799 Pers. oder 14,84 %
1893/94 . . 10 504 „ „ 15,47 %
1894/95 s . 11 802 „ „ 16,32%
1895/96 . . 12 169 „ „ 16,96%
* 1896/97 . . 12 149 „ „ 16,63%
1897/98 . . 12 996 „ „ 17,31%
1898/99 . > 13 056 „ „ 16,68%
1899/00 > , 13 407 „ „ 16,81%
1900/01 . . 13 794 „ „ 16,77%
1901/02 . . 17 327 „ „ 20,62 %
1902/03 . . 18 608 „ „ 21,61%
Bon dem kleinen Rückschläge des Jahres 1896/97 abgesehen also auch hier eine stetige und in einzelnen Jahren auch verhältnismäßig ganz beträchtliche Vorwärts-Be- wegung. Insgesamt hob sich das Verhältnis der in der Einwohnerzahl enthaltenen Einkommensteuerzensiten zur Kopfzahl der Einwohner um rund ein Drittel, eine Tatsache, die nur mit großer Genugtuung zu begrüßen ist. Der Einwohnerzahl nach die 26. unter den 86 preußischen Stadtkreisen, nimmt Wiesbaden im Jahre 1902/03 mit seiner Prozentualziffer 21,61 unter denselben die 15. Stelle ein. Dieselben schließen sich nämlich wie folgt aneinander an: Oberhausen (28,58), Dortmund (25,28), Recklinghausen (26,21), Bochum (24,85), Schöneberg (24,71), Frankfurt a. M. (24,29), Düsseldorf (24,20), Gelsenkirchen (24,16), Charlottenburg (23,81), Witten (23,81), Berlin (23,29), Harburg (22.23), Wen (22,15) und Spandau 21,89 % Einkommensteuerzensiten innerhalb der Bevölkerungsziffer. Dann folgt unmittelbar Wiesbaden mit den oben angegebenen 21,61 %. Den letzten Olatz tm Staate nimmt in dieser Beziehung der Stadtkreis Graudenz ein, und zwar mit der Ziffer
8,51 % I.
Peiitfdje Kaum in den Vereinigten Maaten.
Der letzte Zensus der Vereinigten Staaten (ausgenommen im Jahre 1900) enthält einige Angaben, welche Schlüsse auf das Wohlergehen der nach den Vereinigten Staaten ausgewanöerten deutschen Bauern, sowie auf den Anteil ziehen lassen, welchen diese an dem Aufschwung der dortigen Landwirtschaft haben. Dem Zensus zufolge gab es in den Vereinigten Staaten 4 905 853 weiße Farmerfamilien, welche der Landwirtschaft oblagen. Von diesen waren 1827 080 oder etwa 27 Prozent im Auslande geboren. Während aber von den eingeborenen weißen Farmern nur 67 Prozent das Land, welches sie bebauten, selber eigneten und 88 Prozent Pächter waren, waren von den im Auslande geborenen Farmern 77 Prozent Eigentümer des Landes und nur 23 Prozent Pächter. Von den eingewanderten Farmerfamilien
stammten 522 222 aus Deutschland. Die nachstehende Tabelle zeigt nun das Verhältnis der deutschen Farmerfamilien in den 16 Staaten, wo sie am zahlreichsten sind, zu der Gesamtzahl der weihen Farmersamilien dieser Staaten. In der ersten Zahlenreihe ist die Zahl der deutschen Farmerfamilien in den einzelnen Staaten angegeben, in der zweiten Reihe ihr Prozenffatz zu den weißen Farmerfamilien des nämlichen Staates, in der dritten Reihe, welcher Prozentsatz der amerikanischen Farmer in den betreffenden Staaten sein eigenes Anwesen besitzt, und in der vierten Reihe der Prozentsatz der deutschen Farmbesitzer.
Wisconsin . .
64 044
38,0
80,5
87,1
Illinois . .
m
55 962
21,5
60,9
59,3
Minnesota . .
49 614
32,7
74,7
83,6
Iowa . , .
*
»
49 015
22,0
62,4
67,0
Ohio . . . .
34 231
12,3
72,2
67,8
Michigan . .
.
32 272
16,8
80,7
86,3
Missouri . .
*
>,
32 096
11,6
67,2
77,2
Indiana . .
.
29 386
13,3
69,0
79,2
Nebreska . .
28 127
24,2
57,7
66,9
Texas . . ,
*
22384
8,1
53,4
70,5
New Jork . .
21 829
9,7
75,6
72,0
Kansas . . .
..
20 701,
12,5
60,6
74,4
Pennsylvanien
17 576
7,8
71,15
78,3
Süd-Dakota .
9 414
19,1
69,6
75,9
Kalifornien .
6 972
10,1
74,0
77,0
Nord-Dakota .
5 554
13,0
85,2
89,9
In den meisten
Staaten sind mithin verhältnism
mehr eingewanderte deutsche Farmer Eigentümer des Landes, das sie bebauen, als eingeborene amerikanische Farmer. Nur in 3 von den 16 Staaten ist ein etwas größerer Prozentsatz der eingeborenen Farmer auch Eigentümer des Landes, als der der eingewanderten deutschen. Da von den eingemanderten deutschen Bauer» wohl nur wenige genügende Geldmittel mitbringen werden, um gleich Land zu kaufen, so legt jene Verhältniszahl ein glänzendes Zeugnis ab für den Fleiß und die Umsicht, welche die eingewanderten Deutschen bei der Bewirtschaftung ihres Landes an den Tag legen. Dabei muß man bedenken, daß die Söhne eingewanderter Deutscher schon in der Rubrik der Eingeborenen stehen. Würde man auch diese den eingewanderten Deuffchen zuzählen, so stände das Verhältnis für diese noch weit günstiger. Daß die eingewanderten Deutschen, wie auch die Skandinavier, die besten Farmer sind, ist anerkannt. Und daß unter den eingeborenen Farmern die Deutsch- Pennsylvanier, Nachkommen der „Pfälzer" und anderer Süddeutscher, die besten sind, ist unbestritten.
Deutsches Deich.
* Militärisches. Eine neuartige Einrichtung ist seit einigen Tagen bei der kaiserlichen Werst in Wilhelmshaven eingeführt worden. Allen Posten, die während der Nachtzeit das Werftgebiet zu bewachen haben, ist je ein Wachthund beigegeben worden. Die Tiere sind mit Maulkorb versehen und werden von den Posten an der Leine geführt. Sobald nun eine im Werftgebiet be-
FeuiUetorr.
Experimente über Telepathie.
Bemerkenswerte Experimente über Telepathie auf eine weite Entfernung wurden am Freitagabend in London angestellt, und zwar nach einem vorliegenden Bericht mit überraschendem Erfolg. Wenn die Psychologen in ihrer Mehrzahl, und namentlich in Deutschland, sich kaum ernsthaft mit der Telepathie befaßten, so war es vor allem deshalb, weil es sich bei dem sehr umfangreichen „Material", das bisher beigebracht wurde, in der Hauptsache nur um schwer nachzuprüfende Berichte über Ein- zelfälle handelte. Hier aber wurden, nach dem Bericht zu urteilen, exakte Experimente mit allen möglichen Kautelen veranstaltet, und die Person des bekannten Herausgebers der „Review of Reviews", W. T. Stead, in dessen Bureau und unter dessen Aussicht sie vorgenommen wurden, bürgt dafür, daß cs sich nicht um einen bloßen Humbug handelt. Der Bericht des „Daily Expreß" besagt folgendes: „In den Bureaus der „Review of Reviews" wurden am Freitag vor einem Komitee von sechs Personen, unter denen sich Mr. Wallace und Mr. Stead befanden, telepathische Boffchaftrn von Lonoon nach Nottingham gesandt, über eine Entfernung von 116 englischen Merlen, Zahlen, Namen und Zeitangaben wurden vr. weck. Richardson in London aufgegeben, und er übermittelte sie, unter vielfachen nervösen Zuckungen, sofort einem Mr. Franks in Nottingham. Jede Tür ves Raumes wurde bewacht, so daß kein Helfer das Gesagte bören und das Resultat nach Nottingham telephonieren konnte. Kein einziges Mitglied des Komitees war Richardson vorher bekannt. Man hatte verabredet, daß Mr. Franks in Nottingham die telepathische Botschaft zwischen 6 und 8 Uhr erwarten sollte. Nach dem Empfang derselben sandte er sofort ein Telegramm an bas Komitee mit Angabe des Inhalts der Botschaft und der Leit ihres Empsangcs. So war keine Möglichkeit eines
heimlichen Einverständnisses zwischen den beiden Männern möglich, zwischen denen reichliche 100 Meilen lagen. Wenige Minuten vor sechs plauderte Richardson noch harmlos mit den Herren des Komitees. Richardson, ein Mann mit graubraunem Haar und eingesunkenen blauen Augen, verriet nur durch ein beständiges Trommeln mit den Fingern und Bewegen derselben die nervöse Spannung, in der er sich befand. Als die Uhr sechs schlug, vollzog sich eine merkwürdige Veränderung an ihnr. Er sprang vom Stuhl auf und machte, zusammenschreckend, einen Schritt rückwärts, den rechten Arm erhoben, wie, um einen Schlag abzuwehren. Sein Kopf und die linke Körperhälfte wurde starr wie bei einem Gelähmten. In seltsamem Gegensatz dazu klang seine Stimme gleichmäßig und sanft, als er sagte, daß Mr. Franks „ihn angerufen" hätte. Als Vorsichtsmaßregel gegen geheimes Einverständnis loste das Komitee noch obendrein denjenigen aus, der das Probewort auswäh- lcn sollte. Aus fünf dreistelligen Zahlen wurde die Zahl 579 schließlich gewählt und Mr. Richardson aufgegeben. Er zog sich in das anstoßende Zimmer zurück, um ungestört zu sein, und eine Bewachung wurde an allen möglichen Ausgängen aufgestellt. Um 6 Uhr 34 Minuten sagte Richardson, daß seine Botschaft nach Nottingham abgegangen sei, und 6 Uhr 38 Minuten verkündete er, daß Franks ein Telegramm mit dem Ergebnis an das Komitee abgesandt habe. Franks Wohnung war 8 bis 10 Minuten vom Telegraphenamt entfernt. Nach der erforderlichen Zeit traf auch folgendes Telegramm ein: „Nottingham, 6,48 nachmittag. Nummer 579, erhalten 20 Minuten vor sieben". Die richtige Nummer war also übermittelt und in Übereinstimmung mit den Zeitangaben von Richardson. Vielleicht die außerordentlichste Probe von allen war folgende, die wir nach dem Protokoll der Sitzung wiedergeben, das von den Mitgliedern des Komitees unterzeichnet und verbürgt ist: „Um 5 Uhr wurde von Mr. Long ein Telegramm an Mr. Franks gesandt, mit einer Zeitangabe, einer Zahl und einem Ortsnamen als Inhalt, die durch Telepathie wieder zu
rück übermittelt werden sollten. Natürlich durfte Mr. Richardson dieses Telegramm nicht sehen. Die festgesetzte Zeit war 7 Uhr 20 Minuten. Um 7 Uhr zog sich Mr. Richardson in sein Zimmer zurück. Um 7 Uhr 22 Minuten kehrte er zurück und sagte: „Die Zeit ist 7 Uhr 20. Ich erhielt die Nachricht 7 Uhr 22." Die bestimmte Zahl war 777. Um 7 Uhr 40 Minuten kehrte Mr. Richardson zurück und sagte: „Es ist 777. Der festgesetzte Ortsname war „Schottland". Um 7 Uhr 58 Minuten kam Mr. Richardson und sagte: „Ich sage „Schottland". Während des ganzen Verlaufs einer erschöpfenden Reihe von Experimenten kam nur ein wirklicher Fehler vor,' das von Richardson abgesandte Wort „Wales" wurde von Franks als „England" aufgefaßt, wenn auch zur rechten Zeit empfangen. Richardson erklärte, daß die Probebotschaften so einfach als möglich gemacht wurden wegen der großen Entfernung, die sie zu durcheilen hätten. Ganz außerordentliche Resultate aber hätten er und Franks bei kurzer Entfernung und unter günstigeren Umständen erhalten. „Es ist klar, daß es schwierig ist, seinen Geist zu konzentrieren und alle Gedanken zu vertreiben und rein rezeptiv zu machen, wenn man unter dem Druck einer offiziellen Prüfung steht. Man wird leicht übernervös. Auch stört bei der nervösen Spannung eines Tclepathisten schon die Gegenwart eines Feindlich- gesinnten oder Skeptikers. Als man ihn fragte, was er bei Empfang solcher Botschaften verspürte, antwortete Richardson: „Sie kommen wie ein Blitz. Nehmen Sie an, Sie wünschten mir mitzuteilen, auf dem Bücherschrank läge ein lesenswertes Buch, so würde diese Idee nur sofort kommen, als wäre sie meine eigene, und ich würde das Buch nehmen. Als Franks in Nottingham zuerst mit mir in Verbindung treten wollte, war die Empfindung fast so, als ob eine Glocke klingelte. Natürlich war es kein wirklicher Klang, sondern nur eine scharfe, blitzartige Intuition. Später hoffe ich vieles besser zu machen: ich kann bei gegebener Zeit keine Grenze sür Entfernungen sehen, über welche hinweg man Gedanken Mitteilen kann."
