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erläge zum Uiesbaöener Tagklatt.

Po. 337. Morgen-Ausgabe.

Donnerstag, den 23. Juli.

81. Jahrgang. 1903.

Tätig nid duldsam bleiben ist wvbl da« beste und ^ vollkomnieustc Resultat alle» Streben« nach An«bildung und Entwicklung und leider auch da« seltenste.

Frhr. vom Stein.

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(83. Fortsetzung.»

Leutnant Kammchens Abenteuer.

Line heitere Geschichte von G. v. Gtokmans-Germanis.

.Dank — mir?" Die Domina sah ganz erstaunt zu ihm auf. aber er ließ ihr keine Zeit zu längeren Erörte­rungen. sondern fuhr ruhig fort:

„Gewiß — wem sonst. Baronin? Sie haben mich nicht irur verstanden, sondern mir auch in liebens­würdigster Weise die Wege geebnet. Ohne Ihre gütige Vermittelung iväre es mir lvohl kaum gelungen, das Herz meiner Braut so schnell zu erobern, und auch ihr gegen- über haben Sie sich wieder als treue, mütterliche Freundin bewährt."

Die kluge Fra • wußte gar nicht, wie ihr geschah. „Aber ich begreife wirklich nicht. Herr von Wacht", sagte sie mit einem Anflug von Befangenheit. „Ich hatte mit der Sache ja gar nichts zu tun. rmd meine Nichte Rose ist mir persönlich nicht bekannt."

Der Rittmeister lachte. „Mr auch nicht, meine Gnädigste, aber es handelt sich ja nicht um die Braut meines Vetters von den Elsässer Dragonern, sondern hier um meine eigene kleine Braut", und er zog Lies, die zitternd und errötend in der Nähe stand, in sanfter Um­schlingung zu sich heran.

Die Domina starrte einen Augenblick fast entsetzt auf das Paar, dann gab ihr der Gedanke an die Umstehenden, die sie aus geringer Entfernung beobachteten, die Fassung wieder. Sie strich sich mit einer hastigen Bewegung über die Stirn und zwang ein Lächeln Wer ihre Lippen, das allerdings etwas frostig war. aber doch der Form völlig Genüge tat.

„Also eine Verwechselung!" sagte sie mühsam. „Ich glaubte wahrhaftig, Sie wären Rasens Bräutigam, und daraus können Sie gleich ersehen, daß ich Ihren Dank in diesem Umfange gar nicht verdiene, aber ich habe, nun doppelte Ursache, Ihnen zu gratulieren, obgleich Ihr Ge­winn für uns euren Verlust bederrtet. Lies ist uns in Wahrheit eine Tochter gewesen, und wir alle toerden sie später schmerzlich vermissen."

„O Mama", bat die kleine Frau, all ihren Mut zu- fammennehmend, „verzeih mir. daß — wenn — ich —"

Die Domina richtete sich hoch auf. „Ich wüßte wirk­lich nicht, was da zu verzeihen wäre, liebes Kind", sagte sie kühl, „dein Glück steht jeder anderen Rücksicht voran, und Treue ist eine Sache, die sich nun einmal nicht er­zwingen läßt."

„Aber Wrecht würde doch —-"

„Gewiß, dein verstorbener Mann würde nichts da­gegen haben, daß du diesen neuen Bund eingehst. Er tour eine durchaus edle, selbstlose Natur; und auch wir gestehen deiner Jugend alle Rechte zu."

Lies litt unbeschreiblich unter den spitzen Bemerkun­gen der Domina, die in einen: ironischen Tone vorgebracht wurden, aber sie hatte noch Schlimmeres erwartet, und daS Bewußtsein, nun Wacht in Zukunft cmzugeh ören, in Freud rmd Leid, mft chm vereinigt zu sem, gab ihr Trost und Mut. Auch machte die Herzlichkeit ihres Schwieger­vater alles wieder gut, und als beiTisch ihre und des Rift, meisterö Gesundheit ausgebracht wurde, sah sie nicht mir strahlend glücklich, sondern beinahe verklärt aus.

Die Domina hingegen fühlte sich nicht nur enttäuscht, sondern auch überlistet, und chr Groll suchte nach einem Abletter. Da kam chr der unglückliche Lämmchen in den Weg. „Mein lieber Baron", sagte sie mtt scheinbarer Freundlichkeit, „Sie hoben wohl einen Augenblick Zeit für mich und setz«: sich zu mir."

Lämmchen wäre lieber mit seiner Jessika durch einen

brennenden Reifen gesprungen, aber hier half kerne Aus­rede, er mußte stand halten, und so sagte er nur mit höf­licher Verbeugung: . „ ., ,

„Wie Sie befehlen, meine Gnädigste, ich stehe ganz zu Diensten." . . ,

Sie nickte. „Schön, dann erklären Sie mir eins: Wie kamen Sie darauf, zu bebauplen. Ihr Rittmeister sei heimlich mtt Fräulein von Rochenall verlobt?

„Behaupten?" wiederholte er. „Pardon, ich habe das nicht behauptet, sondern im Gegenteil dieser Annahme lebhaft widersprochen." „ ,

„Ja", meinte sie. „zuerst, ich gebe dies zu wer man leugnet auch auf Kommando, aus Diskretion. Zum Schlüsse beantworteten Sie meine Frage aber inrt eincin bündigeir Ja." , , r . ,

„Allerdings", stotterte Lämmchen, „ich — ich gebe das zu, aber ich war damals an eine Unterhaltung mit Damen so gar nicht gewöhnt, befand mich in einer Zwangslage, einer peinlichen Situafton. Der unglück­liche Spiegel —" . ^

Tie Domina lachte. „Der Spiegel? ^Jch bitte Sie, was hatte denn der mit der Sache zu tun?" ,

„O. sehr viel", erwiderte er, „ steigerte meine Ver- legenheit bis zur höchsten Verwirrung, indem er mrr eine kleine Scene zeigte, die sich hinter meinem Rücken ab- spielte. Die jungen Damen —"

Sie wehrte ab. „Ich kann mir schon denken, was Sie meinen, und nehme also an. daß das entscheidende „Ja" halb uiibewußt von Ihren Lippen fiel. _ Hinterher mußten Sie doch aber klar darüber werden, daß Sie mich in einern Irrtum bestärkt hatten, und trotzdem schwiegen Sie."

Lämmchen fühlte ihren anklagenden. vorwurfsvollen Blick uiid mußte sich rechtfertigen.

„Ganz recht", erividerte er. „das heißt, ich wollte mein Versehen sogleich wieder gut machen, aber der Rittmeister ließ es nicht zu. Er fand es sehr amüsant, für verlobt zu gelten, und befahl uns, der Sache ihren Lauf zu lassen."

„Das heißt — uns zu düpieren I"

Durch die Worte klang die Entrüsftmg der Domina deutlich hindurch, aber Lämmchen ließ sich davon nicht einschüchtern, sondern sagte begüftgend:

„Es war ja nur ein Scherz. Frau Baronin."

„An den meine Schwiegertochter auch glaubte?"

„Ja. wenigstens für einige Zeit; später klärte er sie selber auf."

„Und sie hat mir nichts davon gesagt, die kleine Schlange", murmelte die Domina erbittert, aber Lämm- dwt hörte das nicht mehr, denn zu seiner Freude sah er den Hausherrn herannahen, und zwar mit einer Miene, welche etwas Besonderes verkündete. So zog er sich denn grüßend zurück, und der Baron nahm seine Stelle ein. Das heißt — der alte Herr, der in seinen Bewegungen noch etwas sehr Jugendliches hatte, zog einen Stuhl heran, setzte sich rittlings darauf, legte die Arme auf die Lehne, warf die Cigarre -weg, die er eben noch geraucht hatte, und sah seiner Frau mtt einem strahlenden Lächeln ins Gesicht.

„Nun?" fragte sie etwas mißtrauisch, „was hast du denn? Ich sah dich immerfort mit Mar und Wacht auf- und abgehen."

„Ja", sagte er vergnügt, „wir mußten die Sache ordentlich durchsprechen — aber jetzt ist alles abgemacht, und wir können unS gratulieren, Alte! Der Rittmeister ist ein ganz famoser Kerl!"

„So? Mr erscheint er nur kühn und hinterlisüg. Die Art, wie er uns den kleinen Goldfisch, die Lies, weg­geschnappt hat, ist nicht schön."

Der Baron zuckte die Achseln. „Mein liebes Kind", sagte er, „jeder ist sich selbst der Nächste. Er liebt nun einmal die sanfte. kleinePerson, und fie betet ihn einfach an — weshalb sollte er da auf sie verzichten? Dasi sie Geld hat, ist ihm nicht gerade unangenehm, aber von Habgier ist bei ihm keine Rede. Da? will er jetzt Max gegenüber beweisen — und Lies ist damit ganz einverstanden." „Max?" Die Domina machte eine verächtliche Ge-

berde. „Max, der sich aus purer Indolenz die gute Partie entgehen ließ, der mich jetzt blamiert vor der ganzen Nach» barschaft."

„Blamiert? — Ncmn — wieso denn das

Sie schwieg einen Augenblick, dann sagte sie zögernd:

„Ich ließ mich zu einigeil verfrühten Andeutungen hinreißen. die ich jetzt bitter bereue, widersprach nicht, als man meinte. Max brauche nicht weit zu sucheii "ach einer Braut, betonte den Vorteil einer näheren Bekanntschaft, eines jahrelangen Zusammenlebens zwischen zwei jungen Lenteii, und meinte schließlich. Max werde wohl nicht mehr lange in der Lage sein, dir hier zu helfen. - Dies alles trifft nun gar nicht mehr zu; die Ereignisse strafen mich Lügen, und hinter meinern Rücken lacht mich dre ganze Gesellschaft aus."

„Tut sie nicht! Tut sie nicht!" lachte der Baron. „Wenn du nur willst, kommt alles ins schönste Geiers, und kein Mensch braucht zri wissen, daß du einmal andere Absichten hattest. Also höre nur! Lies hat doch bie drer schönen Güter, und Wacht ist kein Landwirt. Er tmli es auch nicht werden — was ganz vernünftig ist — '""" " un haben die beiden keinen sehnlicheren Wunsch, als daß Max, der die Verhältnisse so gut kennt, die ganze Geschichte auf zwanzig oder fünfundzwanzig Jahre pachtet und tu der alten Weise weiter bewirtschaftet. Sachverständige sollen die Sache in koulantester Weise ordnen und unseren Wünschen so weit als irgend tunlich Rechnung tragen unter einer Bedingung: Max muß auf dem einen der Güter — es wird wohl Tresewitz sein — wohnen, und zwar als verheirateter Mann, da er dort eine tüchtige, umsichtige Frau als treue Gehülfin und Beraterin braucht."

Die Domina hob. angenehm berührt, das Haupt. „Tos ist wirklich eine gute Nachricht", sagte sie lebhaft, „und Max wäre ein Tor, wenn er das Anerbieten nicht annähme.' Lies ist doch eine anständige, kleine Person, sie ist sich einer Dankesschuld bewußt iind will sie, zum Teil wenigstens, auf diese Art abtragen.

Pachtkontrakt geschickt abgefaßt wird, kann das Geschäft ein sehr gutes werden." ,

„Gewiß, und die ttichftge Frau ist auch schon ge­funden. da Max und Mannia sich seit Jahren lieben."

„Max und Mannia!" Die Domina schrie es fast und sprang vor Erregung von ihrem Stuhle empor, gleich darauf sank sie wieder zurück, und rang nach Atem. —- „Nicht möglich ist es", sagte sie dann erregt, „du irrst dich, mußt dich irren!" , , „ , .,

„I, Gott bewahre", sagte er gemütlich, „ich irre mich gar nicht, die Sache hat ihre Richttgkett. _ Max hat sich mir eben anvertraut und mich gebeten, ein gutes Wort für ihn einzuleqen."

„Ja. bin ich denn blind und taub gewesen me ganze Zeit?" . r . r

„Durchaus nicht, mein Herzchen, sondern nur ein biß- chen eingenommen von deinen eigenen Ideen. — Oft genug hast du darüber geklagt, daß Max immer mürrisch und verstimmt sei, daß er keinen Finger rühre, um Lies zri gewiiinen. Niin, der arme Junge hat sich eben rmt Händen und Füßen gewehrt gegen deine Beglückungs- tbeorie, und die Mannia ist auch nicht auf Rosen ge­wandelt — aber die hat mehr Schiieid, mehr Selbst­beherrschung und die natürliche Verstellungsgabe der Frauen."

„Pftri, sie haben mich belogen, betrogen!"

„Nein, nur gefürchtet, und darum haben sie ge- schwiegen. Wv§ sollten die armen Kinder denn auch tun? So lange Lies noch frei war. hättest du die Parfte mit Mannia doch nie zugegeben, und Max war noch nicht in der Lage, eine arme Frau heiraten zu können. Jetzt, wo

er die gute Pacht in Aussicht hat, kann er es. und Mannia ist gerade die Rechte für ibn. denn sie ergänzen sich prächtig."

Die Domina blickte finster vor sich hin. „Unsinn", sagte sie. „Mannia braucht nicht zu heiraten, sie ist bei uns gilt mifgehoben. und er bekommt noch zehn andere Frauen."

(Fortsetzung folgt.)

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