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N». Morgen-Ausgabe. Mittwoch» den 22. Juli. 81. Jahrgang. 1903.

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Wo ist fit* L

Du haft sie nicht, du kriegst sie nicht, fe

Du bist sie! Rosegger. »

(32. Fortsetzung.)

Keutnont Lämmchens Abenteuer.

Eine heitere Geschichte von G. v. Stokmans-Gcrmanis.

„So bald schon, Herr von Wacht?"

„Ja, so bald; es ist hohe Zeit, daß die Sache zum Abschluß kommt."

„Welche Sache denn?"

„Nun, unsere Beziehungen zu einander. Ich weiß, Sie sträuben sich noch ein bißchen, aber im Grunde sehen Sie doch ein, daß wir zusammengehören."

Sie schwieg und trat mit et.iem Schritt schnell von ihm fort, aber er streckte die Hand nach ihr aus und zog sie wieder an sich heran. Ihr tief in die Augen sehend, sagte er: „Wir haben uns doch lieb, kleine Frau?"

„Unbeschreiblich!" flüsterte sie.

„Und passen zusammen?"

„Ganz wunderbar!"

„Sie haben Vertrauen zu mir?"

„Unbegrenztes!"

„Und fürchten sich nicht?"

„Keine Spur!"

„Na also, dann wollen wir uns auch heiraten, und zwar je eher, je lieber. Die Ausstattung ist vorhanden und das lange Warten hat keinen Zweck. Sind Sie ein­verstanden, Lies?"

Sie seufzte. „Ja, wenn ich nur dürfte, wie ich wollte, aber ich darf ja nicht. Sie wissen, meine Schwieger­mutter hat ganz andere Pläne mit mir und würde es mir nie verzeihen, wenn ich mich jetzt hinter ihrem Rücken ver­lobte."

„Das sollen Sie auch gar nicht", meinte er übermütig. „Wir erbitten ihren Segen in aller Form und betrauen sie mit der Abfassung der Verlobungsanzeigen."

Lies schüttelte traurig den Kopf. „Dazu fehlt mir der Mut. Ich zittere vor ihren Vorwürfen, ihrer Ent­täuschung, ihrem Groll."

„Und wollen Sie sich lieber zum zweiten Male ans dem Twielendvrfschen Familienaltar opfern? Nein, kleine Frau, die Absicht geben Sie auf — daraus wird diesmal nichts. Früher standen Sie allein, jetzt nehme ich den Kampf für Sie auf. Mit ihren eigenen Waffen wollen wir die Domina angreifen, und klug wie sie ist, wird sie die belagerte Festung schließlich selbst übergeben."

„Das bezweifle ich; jedenfalls darf ich sie nicht brüs- kieren, ich bin ihr Dank und Rücksicht schuldig, muß ihr Zeit lassen, sich an den Gedanken zu gewöhnen."

„Und an mich denken Sie nicht?"

Die Frage hatte einen herben Beigeschmack, und LieS senkte schuldbewußt das Haupt. Sie machte ihm den Sieg nicht leicht. Gerade das, was ihn an ihr rührte und entzückte, was ihr den Zauber holder Weiblichkeit verlieh, das Sanfte, Unselbständige, fast Hilflose ihres Wesens türmte ungeahnte Schwierigkeiten vor ihm auf und schob

den Augenblick des Glücks immer wieder hinaus. Am liebsten hätte er sie in seine Arme genommen und alle weiteren Bedenken in heißen Küssen erstickt, aber dieser Sieg wäre nur ein momentaner gewesen, Zweifel und Skrupel hätten bald wieder ihre Seele bedrängt und sie wäre ihres Glückes doch nicht froh geworden. Nein, frei­willig sollte sie sich ihm zu eigen geben, frohen, leichten Herzens ihm folgen und hocherhobenen Hauptes an seiner Seite gehen. Sic war nicht im Sturm zu erobern, sie wollte langsam gewonnen sein, und ihm war alles Ab­warten und Hinausschieben eine solche Qual.

Einsam und verstimmt saß der Rittmeister am Nach­mittag auf der Terrasse, blies große Rauchwolken von sich und dachte darüber nach, was er tun solle, um schnell zum Ziele zu gelangen, als Lämmchen bescheiden zu ihm trat und ihn um eine Unterredung hat.

„Na, was wollen Sie denn?" fragte der Rittmeister verdrießlich, „handelt es sich um eine dienstliche Ange- legenheit?"

Lämmchen lächelte. „Ach nein" sagte er, „eine rein persönliche, intime sogar."

„Die Sie betrifft?" Er sah chn mißtrauisch an.

„O nein, .Herr Rittmeister, ganz und gar nicht. Es handelt sich nur um Ihr Glück."

„Mein Glück?"

„Ja, und das der jungen Frau von Twielendorf. Wider Willen war ich heute vormittag Zeuge Ihrer Unterhaltung im Gemüsegarten."

„Und meldeten sich nicht? Mensch, sind Sie denn des Teufels?"

Lämmchen sah sehr befangen aus. „Ich hätte^es gern etan", sagte er, „aber ich schlief hinter den Stangen- ohnen, als Sie in meine Nähe kamen, und als ich wach wurde und die Situation erkannte, war es bereits zu spät. Frau von Twielendorf darf doch nicht ahnen —"

„Nein, Sie haben Recht, und was weiter?"

„Ich hörte ihre Bedenken, ihr Zaudern, und beschloß, demselben mit einem Schlage ein Ende zu machen."

„Sie?" Ter Rittmeister lachte. „Das wäre ja kurios. Erst verhelfen Sie mir zu der falschen Verlobung und nun —"

„Zu der richtigen."

„Wahrhaftig, Lämmchen? Dann lassen Sie sich um­armen und alle Ihre Sünden seien Ihnen verziehen! Aber wie wollen Sie das anfangen?"

„Ich verrate Ihnen ein Geheimnis, und Sie geben es tveiter cm Frau von Twielendorf. Sie werden sehen — die Mitteilung wirkt Wunder. Noch fehlt ihr der Mut, ihr eigenes Glück zu ergreifen imd festzuhalten; sobald es sich aber um die Vereinigung eines anderen Paares Han- delt, das auf ihre Verlobung wie auf eine Erlösung harrt, entschließt sie sich sofort zu dem entscheidenden Schritt."

„Das glaube ich auch, denn sie ist edel und gut — aber wer sind die beiden anderen?"

„Baron Mar und Fräulein Mannia!"

„Was Sie sagen! — Das ist ja kaum denkbar; die leben miteinander wie Katz' und Hund!"

Lämmchen lächelte. „Der Schein trügt; in Wahrheit lieben sie sich leidenschaftlich und sind seit einrgen Monaten heimlich verlobt."

„Und woher wissen Sie das alles?"

„Durch eine merkwürdige Verkettung von Umständen,

die ich jetzt nicht näher erklären kann. Außerdem besitze ich Fräulein Mannias Vertrauen."

„So hat dieselbe Sie zu dieser Mitteilung autorisiert?"

„Offen gestanden, nein. Ich handle aus eigenem An­triebe und auf eigene Gefahr, weiß aber, daß fte es mir später danken wird. Baron Max sollte ja eigentlich seine Schwägerin heiraten."

„So hörte ich."

„llnd erst wenn diese Möglichkeit wegfällt, hat er freie Bahn und darf daran denken, seine zärtliche Neiguirg zu der arnien Cousine einzugestehen." .

„Sehr richtig; die Domina wird nicht gerade entzückt sein, wenn sie's erfährt, aber im Grunde kann sie froh sein, eine solche Schwiegertochter zu bekommen. Mannia ist ein schönes, kluges und tüchtiges Mädchen; sie wird gewiß eine ganz famose Frau werden."

„Das glaube ich auch."

„Lies und ich tun also ein gutes Werk, wenn wir uns heiraten?"

„Jawohl, Herr Ritsineister."

„Gut, dann spiele ich das als letzten Trumpf aus, gewinne die Partie und schenke Ihnen einen Kuppelpelz. Durch die famose Verlobungsgeschichte haben, Sie uns ja eigentlich zusammengebracht."

Lämmchen wurde in Gnaden entlassen, und der Ritt­meister suchte Frau Magdalis auf, die er mit einer Hand­arbeit auf einer Bank am Tennisplätze fand. Er setzte sich neben sie, schlug ihr eine kleine Promenade vor und entführte sie unbemerkt in einen Buchengang. Als er nach einer halben Stunde wieder daraus emportauchte, war er allein, aber seine Augen strahlten, und auf seinem Antlitze lag ein unternehmender, verschmitzter Zug. Lies hatte endlich ihre Einwilligung erteilt, und nun hieß es: „Auf zur Attacke!" — das schönste Kommando, das es für einen echten Reiteroffizier gibt.

Das Signal dazu war die Verlobungsanzeige seines Detters, des anderen Rittmeisters von Wacht. Das Manöver des sechszehnten Armeekorps in den Reichs­landen war schon beendet, ein großer Teil der Ofsiziere beurlaubt und der betreffende Herr bei seiner Braut, Fräulein von Rothenall. Die Baronin von Twielendorf fand die Nachricht in der „Kreuzzeitung",_ und da sie glaubte, völlig orientiert zu sein, sah sie sich die Anzeige nicht genau an, sondern wandte sich gleich mit ausge­streckter Hand an den Rittmeister, der gerade, kurz vor Tisch, rnit Lämmchen ins Zimmer trat.

„Mein lieber Herr von Wacht", sagte sie, „empfangen Sie meinen herzlichsten Glückwunsch. Ich freue mich auf­richtig, daß nun alles überwunden und geordnet ist, und wir noch in der Lage sind. Ihnen mündlich zu gratulieren. Allerdings, wenn ich offen sein soll — überrascht hat mich Ihre Verlobung nicht."

Der Rittmeister küßte ihr mit ritterlicher Courtoisie die Hand und schlug klirrend die Hacken zusammen. „Sie sind zu gütig .meine Gnädigste", sagte er lebhaft, „aber wie sollten Sie überrascht sein, da Sie vom ersten Augen­blick an alles durchschauten. Ihr Scharfblick ist geradezu wunderbar. Ehe ich mir selbst noch klar war über meine Wünsche, hatten Sie dieselben bereits feinfühlend erraten, und nach allem, was geschehen ist, bin ich Ihnen zu ewigem Danke verpflichtet!" (Fortsetzung folgt.)

Um den zu Anfang und am Schlüsse jedes Monats sich stark drängenden Verkehr bei der Nassauischen Sparkasse behufs Anlage und Rücknahme von Spareinlagen thun- lichft zu vertheilen, wird unsere hiesige Hanptkasse — Abtheilung für Anlage und Rück» nähme von Spareinlagen — bis auf Weiteres in jedem Monat vom 1. bis einschl. 5. und vom 25. bis Monatsschluß — die Sonn- und Feiertage ausgenommen — auch Nachmittags von 8 bis 5 Uhr für den vorbezeichneten Geschäftsverkehr geöffnet fein. F288

Wiesbaden, den 22. September 1902.

Direktion der Nassanischen Landcsbank.

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Hochachtungsvoll

P. Sienmans,

Dekorationsmaler und Anstreichermeifter. Wiesbaden, im Juli 1903.

Wiesbadener Männergesang-Verein. E. V.

Nächsten Samstag, den SS. Juli 1S03:

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wozu wir unsere verehr!. Mitglieder ergebenst einladen.

Der Vorstand.

Zur gesi. Mittheilung: Anfangs August Familien-Ausflug i. d. Nhcingan, 30. August Rheinfahrt mit Extradampfer d. Köln-Düffeld.-Gefellfchaft. V 369

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