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orgen.veilage der Wiesbadener Tagblatts, n-- =■)

Nr. 206.

Samstag/4. September.

1916.

l7. Fortsetzung.)

Srfeöels Liebe.

Roman von «nny von PanhuyS.

lRachdruck verbot«,.»

Eine kleine Gesellschaft Damen und Herren schlen­kerte langsam an der Wage vorüber, verschiedene Offiziere befanden sich darunter und lebhaft mit einem älteren Herrn plaudernd, ging Friede! Sorhagen unter ihnen.

Magda Bergen erkannte sie sofort, es war dieselbe Dame, die an lenem Sonntag vor vierzehn Togen auf der Terrasse des Restaurants so unschön gelacht hotte. Wieder tasteten die Finger Magdas nach den Rop'N, deren Rol schon nachzudunkeln begann, bräunliche Streifen begrenzten die Ränder der sammeiweichen Blütenblätter und seine inübe Fältchen zagen sich unter der Einwirkung der Sonnenstrahlen.

„Weshalb feufzst du denn so tief, Liebling?" Ohr teuft Bergen zog den Arm der Schwester unt:r den ihren. „Fehlt dir etwas, hast du Kopfweh, willst du 'nach Hause?"

Magda lächelte. „Habe ich geseufzt? Das weiß ich wahrhaftig nicht, es ist segr warm und ich verspüre Durst, möglich, daß mich das einen Augenblick tragisch stimmte."

„Dann wollen wir uns erfrischen." Magda mußte in dem Restaurant hinter der Tribüne einen Eiskaffee nehmen und Gertruds Augen sahen sie zuweilen besorgt an. Blaß war Magda und zerstreut trotz der Be­mühungen der anderen, sie zu unterhalten. Einförmig klapperte de: Totalisator und rechnete die Gewinne für „Lansbengel" aus.

Später nahmen die Schwestern auf der Tribüne Platz und hinter ihnen ließ sich der Dicke mit dem gelben Hufeiscntafchentuch nieder.

„Mer blerwe als e bissie hier sitze", sagte er zu der geputzten Frau neben sich, „da unn-e is ja e Mordshitz."

„Hör" mal, Frankfurter Dialekt", sagte Gertrud und leise setzte sie hinzu: „ich mag den Dialekt gern, er klingt drollig." Und hinter ihnen redete die Stimme in dem Dialekt, den Gertrud -rollig fand, munter weiter. „Bor dem letzte Renne geh'n mer ewcg, sonst werd' mer verdrückt. Zurück könne mer mit der Waldbahn fahrn und nachher wolle mer in d' Ratskeller, gelle Kättche?"

„Kattche" erklärte begeistert ihre Zustimmung zu diesem Programm.

„Und wie wollen wir's halten'", fragte Gertrud, „wo wollen wir Abendbrot essen?"

„Ich denke Mi Hause, da ist's still, kühl und gemüt­lich, und das beste wird sein, auch wir brechen vor dem Schlußrennen auf, wenigstens können wir dann noch hoffen, einen Wagen zu bekommen", gab die Schau­spielerin zurück. Sie hatte förmliche Sehnsucht nach ihren ruhigen Zimmern. Ihr war's, als sei ihr heule etwas Wunderliches geschenkt worden, und kaum, daß sie sich des Geschenkes freuen konnte, nahm man es ihr wieder und sie stand arm, mit leeren Händen wie vor­dem, nein, ävmcr noch, viel ärmer. Hatte sie des Ge­schenkes doch nicht begehrt. Entbehrte sie es auch vor­dem nicht, nun sie es aber kannte, bedeutete es ihr einen herben Verlust. Ja, so war ihr zumute. Und doch

hatte ihr niemand etwas gegeben und niemand etwas genommen.

Die nächsten Rennen wickelten sich glatt ab. Irgend ein Reiter siegte, irgend ein paar Pferde brachen aus, windverweht zogen zerrissene Melodien der Militär- mufik über den Platz, aber nichts Besonderes ereignet« sich. Und RLagda Bergen dachte an den schlanken Artilleristen und an feinen tiefen, aufleuchtenden Blick.

Wer die Rosen waren doch nicht von ihm, er hatte ja eine hübsche vornehme Braut. Magda zog langsam die Rosen aus dem Jackett und warf sie nachlässig zu Boden. Erbarmungslos traten ihre kleinen Füße dar auf. Da mußten die Stofen sterben.

Daheim nahm Dtagda die Rosen vom Tisch und trug sie zu Frau Großmanu, der Pensionsinhaberin, hinüber. „Ich bringe Ihnen den Strauß heute schon, liebe Frau Großinann". begann sie, „und sollte ich noch mehr von diesen Buketts erhalten, stehen sie Ihnen lo­sort zur Verfügung, mich stört der starke Geruch."

Frau Großmann war eine kleine, untersetzte Frau, die sich immer in Schwarz kleidete, seit ihr einziges Söhnchen gestorben, was, nebenbei gesagt, ungefähr dreißig Jahre her sein mochte. Auch beharipteten die Leute, die Frau Großmann noch von damals her kannten, daß dieses betrauerte Söhnchen gleich tot ge­boren wurde- Rur Menschen, denen nichts heilig tst. schwangen sich zu solchen Behauvtungen auf. Jedenfalls aber saß in den Mundwinkeln des weiß­haarigen alten Häuseraqenten Großinann «in seines spöttisches Lächeln, wenn seine Frau von ihrem früh- verstorbenen Söhnchen redete.

„■£>, ich danke Ihnen. Fräulein Bergen, ich danke. — Mein kleiner Junge liebte Blnmen unendlich", setzte sie hinzu. In ihren Augen schimmerte es verräterisch und ihr Mann, der im Armstuhl saß, an den ihn von Zeit zu Zeit das Reißen bannte, schüttelte sinnend den Kopf. So Frauen bringen doch die unglaublichsten Dinge fertig. Ein Kind, dessen Augen nicht einen Herz­schlag lang dem Licht entgegenblinzelt, dessen Körper­chen nur auf die Erde kam, um in ein winziges Särg- lein gelegt zu werden, das sollte Blumen geliebt haben.

Er hüstelte leicht. Das taar immer ein Zeichen für seine Frau, sich nicht hinreißen zu lassen, noch mehr Charakterzüge ihres Jungen zu erzählen und trotz des Lächelns, das wieder um seine Lippen glitt. Mite er Rührung.

Herrgott, wenn der Junge gelebt hätte! Der wäre ihnen sicher eine Stütze geworden und seine alternde Frau brauchte nicht von morgens bis abends auf den Beinen zu sein. Seine ewigen Badereisen und die Ärzte kosteten viel Geld, und sein Verdienst ging in den letzten Jahren ständig zurück.

*

Sorhagens waren aus eine Loge im Karl-Theater abonniert und so sehr Hans Buckenbach früher nach einer glaubwürdigen Ausrede suchte, sich vom Mit gehen

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