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Bl. Ja-r-a««.

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Hopgen-flysgahe,

jit WlKssGle aus der peutfdjeu Kiädte- ausßelluus in Dresden.

Das Volksschulwesen nimmt in dcn städtischen Budgets eine hervorragende Stelle ein, steigt doch der Wolksschul-Etat in den Städten mit über 100 000 Ein­wohnern oft in die Millionen. Es war daher voraus­zusehen und nur zu natürlich, daß auf der Deutschen Städtö-Ausstellung auch die Volksschule zahlreich ver- tiÄen sein würde» handelt es sich doch hierbei auch darum, zu zeigen, was in den verschiedenen Städten für das Volksschulwesen getan wird. Natürlich findet in der Abteilung „Schulwesen" auch in ausgiebiger Weise das höhere Schulwesen entsprechende Berücksichtigung, so daß ein Gang durch dieselbe abwechselungsreitz, anregend und belehrend ist.

Gruppe A bringt hauptsächlich graphische Darstellun­gen über die Entwickelung des Volksschulwesens ein- Izelner Städte. In Gruppe B finden wir vorzugsweise Schulgebäude. Unter den 48 ausstellenden Städten fällt !unser Blick vor allem auf die schöne Jfarstadt München, welche 7 Schulgebäude (6 Volksschulen und 1 höhere Töchterschule) ausgestellt hat, jedes hinsichtlich seines ikunsterzieherischen Wertes mustergültig. Anknüpfend an den heimatlichen oberbayerischen Barockstil haben die Architekten Theodor Fischer und Hocheder wohlgruppierte Gebäude geschaffen, die außen und innen anheimelnd und gemütvoll wirken, nirgends an Schmuck mehr bieten, als einemVolksschulgebäude zukommt, und dabei doch soviel an künstlerischem Empfinden ausströmen, daß es unwill­kürlich auf Lehrer und Schüler erzieherisch rm Sinne einer gediegenen Volkskunst wirken muß. Alle Schul­häuser legen selbstverständlich auch beredtes Zeugnis ab von den Bestrebungen der Schulverwaltrmg, die Schul­häuser allen Anforderungen der Schulhygiene ent­sprechlend einzurichten. Dasselbe gilt auch von allen andern ausgestellten Schulhäusern anderer Städte.

26 Schulen Münchens haben Schulbrausebad-Einrich­tungen, die im Schuljahre 1901/02 45 000 Bäder ab- aaben. Die Zahl der Badenden schwankte zwischen 50 bis 90 % der Schüler. Auch für Jugendfpiele ist in München reichlich Sorge getragen. 1902 wurden die Spielqelegenheiten 200 000 mal von Kindern benutzt.

Die Zahl der Schulküchen ist von 1895 bis 1903 von 1 auf 12 gestiegen. Die Zahl der in denselben unterrich­teten Volksschulerinnen belief sich auf 700, die der Fort- bildungsschülerinncn auf 900. Man findet hier Schul­küchengärten und Schulgärten für Unterrichtszwecke. Die

Feuilleton.

Nur ein Tropfen!

Plauderei von I)r. C. Konradi.

Ein Tropfen! Wie wenig ist dies bekanntlich. Gilt er doch als das kleinste Flüssigkeitsmaß, das wir im täglichen Leben kennen. Wer gern „einen guten Tropfen" trinkt, würde, wenn man dies wörtlich nehmen wollte, davon ebenso wenig erfreut sein, wie etwa jemand, den man ernstlich zu einem „Butterbrot" einladet. Zum Glück weiß der Gast im voraus, daß der gute Tropfen sich zu einigen Flaschen trefflichen Weines, das Butterbrot sich zu einem Souper mit mehreren Gängen entpuppt.

In der Tat will man, indem man von einem Tropfen spricht, nur ein sehr kleines Quantum von Flüssigkeit bezeichnen, und in diesem Sinne spielt der Begriff auch in unserer symbolischen Sprache eine gewisse Rolle.

„Tropfen höhlen den Stein"; so sagt ein altes later- msches Wort. Wie oft haben wir dies bei unseren Fuß- wanderungen bestätigt gefunden! Jahrhundertlang tropft es an einer ganz bestimmten Stelle von bemooster Fels­wand herab, immer auf denselben Punkt eines Stein­blocks, und wenn er nicht gerade von Granit ist, sondern etwa von Sandstein, so wird tatsächlich nach und nach das Weichere der Substanz gelöst, es verwittert, und bas Resultat ist ein Loch, wie es die Menschenhand nicht schöner bohren könnte. An den Kreide- und Feuersteinklumpen Rügens kann man dies oft beobachten. Es ist die Beharr­lichkeit, durch die der bescheidene Tropfen leistet, was ihm niemand zugetraut hätte. __ ,

Aber nicht bloß im Zerstören bekundet er seine Macht, sondern auch im Aufbauen. Wir bewundern die bekann­ten Tropfsteinhöhlen mit ihren grotesken, phantastrschen Gebilden, die an eine märchenhafte, launische Architektur gemahnen Und doch sind diese Stalaktiten, die besonders von der Decke in sonderbarsten Formen herabhängen, nichts als die Überbleibsel der Tropfen, die jahrhundert­lang von oben herabsickerten, das Kalkgestein lösten und im Innern der Höhle, nachdem das Wasser verdunstet war wieder ablagerten. Ähnlich ist ja der Vorgang bei der Bildung von Eiszapfen. Tropfen auf Tropfen perlt vom Dache herab, friert, ehe er sich noch völlig loslöst, der

Zahl der Volksschulklasfen stieg seit 1872 bis 1903 von 210 auf 1070 und der Aufwand für Volksschulwesen von 400 000 Mk. auf 5 800 000 Mk. Wohltuend wirkt die innere Ausstattung der Schulgebäude, welche den modernen Anforderungen irach heller, freundlicher ^arbcn- uird anmufiger Formengebung entsprickst. allem

zeigt München, daß es bei der inneren und äußeren Aus­stattung den künstlerischen Anforderungen der Gegen­wart entspricht. — Dasselbe Bestreben finden wir auch bei den Schulhäusern in anderen Städten, freilich fehlt e» auch nicht an solchen, deren Schulhäuser äußerlich einen kasernenartigeir Eindruck machen; auch absorbieren die dunkelblauen Schulbänke in einigen zu viel_ Licht und machen diese Zimmer daher einen düsteren Eindruck.

Neben den Münchener Schulen dürfen auch die Berliner (vom Stadtbaurat Ludwig Hoffmann) m vieler Beziehung als mustergültig bezeichnet werden. Zwar sind die Gieb-elbauten in deutscher Renaissancem Berlin nicht gerade heimatberechtigt; doch ist die malerische Grup­pierung derGebäude an diesen neuenBerlinerSchulen Nicht minder riihmeiiswert, als die hübsche, den Anschauungen des Kindes -entsprechende Ornamentik, wie: Frau Sonne, die langsame Schnecke, der listige Fuchs, Meister Petz (das Berliner Wappentier) als Pädagog, als Turner rc. An der Turnhalle des Gymnasiums zum grauen Kloster, welche im Giebel die letztere bezeichnende Ornamentik auf­weist, ist übrigens berechtigter Weise auch der alt- märkische Barockstil zur Geltung gekommen.

In mehreren Städten finden wir den Handfertlg- keitsunterricht eingeführt, bestehend aus Papp-, Holz-, K'erbschnitt-, mitunter Ton- und Metallarbeiten. Der Zweck desselben wird in Hildesheim also ausgedrückt: „Der Handfertigkeitsunterricht hat sich die Aufgabe ge­stellt, die Knaben nach der Anstrengung des Geistes durch körperliche Arbeit zu kräftigen und zu, erfrischen, durch planmäßige Ausbildung der Hand ihrem Schaffens­triebe Gelegenheit zur Entfaltung zu geben, sie durch Handhabung der einfachsten Geräte geschickt und anstellig zu machen, ihnen praktischen Blick und Sinn für schöne Formen anzuerziehen und- damit lebhaftes Interesse für Handwerk und Kunst in ihnen zu wecken." Worms hat zahlreiche Gegenstände aus dem „Werkunterricht", wie er hier genannt wird, ausgestellt und sogen. „Merkhefte" mit Zeichnungen. Diese Hefte enthalten Federzeichnun gen der Schüler aus der Formenlehre, Erdkunde, Menschenkunde und Naturkunde zur Klärung und Be­festigung der im Unterrichte erworbenen Anschauungen. Einige Städte sind bemüht, das Innere und Äußere der Schulhäuser durch Anbringung prachtvoller Portale, kunstvoller Gitter und Wandmalereien rc. künstlerisch zu gestalten (Hildesheim, Barmen Bamberg u. ft,). Wie arme Kinder aus privaten Mitteln warmes Frühstück

folgende schließt sich unten an, bis der Eiszapfen fertig ist, der dann wieder im wärmeren Sonnenschein tropfen­weise abschmilzt.

Doch kehren wir zur Symbolik zurück, die ja oft ihre Bilder Naturvorgängen entnimmt. Wir wissen, wie rasch ein Tropfen, der auf eine heiße Ofenplatte spritzt, spurlos verdunstet. So sind wir gewohnt, mit den Worten „Tropfen ans einen heißen Stein" die Nichtigkeit und Un­zulänglichkeit kleiner, verzettelter Almosen zu bezeichnen.

„Ein Tropfen Gift" — wer erinnert sich nicht dabei des geistvollen Blumenthalschen Stückes? — kann Lebens­glück und guten Ruf vernichten, „Ein Tropfen Wermut", der in den rosenbekrttnzten Becher unseres Glückes fällt, uns mutlos und schwermütig machen. Er deutet an, daß uns in unserem Erdendasein nie ungemischte Freude zu

teil wird. .

In traurigen und heiteren Momenten entströmen unseren Augen jene kostbaren, vielbesungenen Tropfen, die Tränen. Recht prosaisch genommen sind sie aller­dings nur die durch Gehirneinfluß erfolgte stärkere Reizung der Tränendrüsen, die sich in gesteigerter Ab­sonderung der salzigen Flut kennzeichnet. Diese ist so reichlich, daß sie zwar zunächst massenhaft durch dre Tränenkanälchen in die Nase abfließt, — daher das so­fortige Schneuzen gerührter Zuschauer im Trauerspiel —, dann aber nicht rasch genug auf diesem Wege herabrinnen kann. Nunmehr perlen die runden Tröpfchen über die Lider an den Wangen herab, bald als kleinere Tränen, wie beim Erwachsenen, bald als große, fast riesige bei Kindern. Aber manchmal ist es auch nur ein Tropfen, der als Träne opaleszierend im Auge schimmert, wie wir an Guido Renis Köpfen wahrnehmen. Ganz kleine Kinder sind meist noch tränenarm; umso zahlreicher fließen die Tropfen bei sentimentalen Damen, die, wie das Volk sagt, „nahe am Wasser gebaut", d. h. bei jeder Gelegenheit einen Tränenregen bereit haben.

Daß Perlen Tränen bedeuten, wissen wir aus „Emilia Galotti". Doch soll es Damen geben, die nicht daran denken, jene schimmernden Tropfen zu vergießen, wenn ihnen ein Perlen-Collier überreicht wird.

Es gibt Glastropfen, die in eine feine Spitze aus- laufen und infolge eines besonderen Kunstgriffs bei der Herstellung eine merkwürdige Sprödigkeit besitzen. Diese - äußert sich dadurch, daß, wenn man das äußerste Ende

(Kaffee, Milch, Griessuppe) erhalten, zeigt uns Breslau, wo im Winter 1901/02 111 568 Portionen verabreicht wurden. Hier ist den Kindern auch Gelegenheit geboten- zum- Gartenbau, ähnlich wie in Freiberg und Leipzig. Chemnitz zeigt uns neben Schulhäufern auch den botani­schen Schulgarten. Einen praktisch angelegten Schul- garten zeigen uns z. B. die 6. und 9. Bürgerschule m Dresden. — Daß man der Zahnpflege bereits, besondere Sorgfalt zuwendet, zeigen die Zahnkliniken in Straß- burg, Darmstadt u. a.

Die Schulbänke (Sitz, Platte und Lehne) sind m den meisten Schulen nach den körperlichen Verhältnissen der Kinder entsprechend konstruiert nach den von Ärzten auf- gestellten Maßtabellen. Verschiedene Systeme (Rettrg, Hannoversche Schulbank, Lickroth u. Co. u. a.) sind en>

^^Reichhaltig sind auch die Lehrmittelsammlungen. Verschiedene Städte haben Reliefs für den erdkundlichen Unterricht ausgestellt (Hannover, Dresden u. a.), andere wieder zeigen den Betrieb des Koch- und Haushaltungs- Unterrichts, der Handfertigkeits-Werkstätten, des Turn­unterrichts und dergleichen, oder belehren uns über Vlumenpflege, Gartenbau, Schwimmunterricht, den Unterricht in Fachklassen -c., auch den Unterricht für schwachsinnige Kinder, in dem Dresden seinerzeit bahn­brechend vorangegangen ist.

Interessant ist das heimatkundliche Schulnmseum Dresdens für Geschichte, Geographie, WitterungskUnde, Naturkunde, Handel und Verkehr, Urgeschichte u. dergl. Durch die 4 Reliefs und 11 kartographischen Darstellun­gen soll gezeigt werden, wie die Schüler in das Wtzsen der Karten an der Hand plastischer und zeichnerischer Wiedergabe einer einheitlichen Landschaft eingeführt wer- den können, nachdem ein Unterrichtsgang nach dem be­rücksichtigten Gebiete erfolgt ist. Eine reiche Fülle von heimatkundlichem Unterrichtsstoff ist hier zusammen- gctragen und verdient volle Anerkennung. Die Ux- geschichte ist vertreten durch zahlreiche Funde aus den ein­zelnen Perioden der Urgeschichte der Heimat (Stein-, Bronze-, Eisenzeit) und zugehörige Fundkarten, 'Bilder und Modelle. ^

Einzig in ihrer Art steht die Arbeit der „Hygienischen Sektion des Pädagogischen Vereins zu Dresden" mit ihren Arbeiten da. Eine graphische Darstellung veran­schaulicht die Ergebnisse der schulärztlichen Untersuchen, gen der neu aufgenommenen Knaben und Mädchen, die Veranstaltungen zur Gesunderhaltung der Schulkinder (Turnen, Schwimmen, Sitzen auf den Schulbänken 2 $,), die Entwickelung der Kinder in Bezug auf Große (Messungen), die Sorge für gute Luft (Apparate zu Luft- Untersuchungen und Ergebnisse der Untersuchungen), Ver- teilung der Schüler nach der Größe auf die Schul-

der Spitze abbricht, sofort der ganze harte Glastropfen in feinste Atome zerstiebt. Das harmlose Spielzeug führt den Namen „Teufelsträne", obwohl der Satan wohl ebenso wenig weint wie das Krokodil, dem man heuchle­rische Tränen zuschreibt. ^ „

Infolge eines nicht gerade angenehmen Erbfehlers müssen wir, seit wir nicht mehr im Paradies wohnen, „im Schweiße unseres Angesichts" arbeiten. Für gewöhn­lich sind die aus den Schweißdrüsen der Haut quellenden Tröpfchen so winzig, daß wir sie kaum bemerken. Sie verdunsten ohne weiteres. Manchmal aber wachsen sie zu so großen Schweißtropfen an, daß diese, wenn man sie nicht abwischt, „von der Stirn rinnen". Das kann man nicht nur bei Schillers Glockengießer lernen, sondern auch bei übereifrigem Tanzen im heißen Ballsaal oder bei Examinanden beobachten, bei denen die Quantitäten des Schweißes im umgekehrten Verhältnisse zu ihren Kenntnissen stehen.

Ein einziger „Tropfen Blut", der, nebenbei gesagt, Millionen roter Blutkörperchen enthält, ist ein notwendi­ges Requisit für jeden regelrechten Teufel; denn er dient ihm an Stelle der für solche Zwecke viel zu trivialen Tinte zur Unterzeichnung des „Paktes", mittelst dessen der arme Schlucker seine Seele und Seligkeit verkauft. „Blutige Tränen", die er vielleicht später darüber weint, gehören natürlich ins Bereich der Fabel, ebenso wie das „Blut schwitzen". Wohl aber zeigte sich manchmal auf geweihten Hostien ein blutrotes Tröpflein; im Mittel­alter hieß es alsdann sogleich: „Ein Wunder! die Hostie blutet", und das war oft das Signal zu furchtbaren Ver­folgungen, zu grausamen Massenmorden. Heute wissen wir. daß diese Erscheinung von Mikroben herrührt, die sich mit Vorliebe auf Oblaten und sonstigen stärkemehl- baltigcn Substanzen ansiedeln.

Ein Tropfen ist förmlich zu historischer Berühmtheit aclangt. Es war im Jahre 1848, als Uhland in einer Rede'gegen die Erblichkeit der deutschen Kaiserwürde ansrief: „Es wird kein Haupt über Deutschland leuchten, das nicht mit einem Tropfen demokratischen Öles gesalbt i>t'" Infolge der geschichtlichen Ereignisse kam es aber anders, und die Prophetenworte des Dichters haben sich nicht erfüllt. Wir haben ein erbliches deutsches Kaiser­tum ohne jenen Tropfen.

Physikalisch betrachtet ist der Tropfen eine kuglrg an-