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Beilage jum Wiesbadener Tagblatt.

Ws. 329* Morgen-Ausgabe.

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Erscheint ein wahrer Genie in der Welt, so könnt ihr dasselbe daran erkennen, daß alle Dummköpfe ein Bündnis dagegen geschlossen haben. !§»

Swift.

(29. Fortsetzung.)

Leutnant Lämmchens Abenteuer.

Eine heitere Geschichte von G. v. Stokmans-Gcrmanis.

Die Jugend hatte wieder einmal Tennis gespielt und Panthenau sich dabei in einem nagelneuen Tenmsanzug produziert, den er sich aus Berlin verschrieben hatte. Das Kostüm war von schneeweißem Flanell, die breite Schärpe und die Quastenschnur von blauer Seide, — die Schuhe von weichem, hellgelbem Leder. Er sah sehr schik und vorteilhaft darin aus, und da er das wußte, kokettierte er mit den Damen noch mehr als sonst, wiegte sich in den Hüsten, posierte, wenn er abwartsird still stand, und warf Mrrie-Luise verliebte Blicke zu.

Diese amüsierte sich köstlich über ihren neuesten Ver­ehrer, hatte aber mit den anderen allerhand zu tuscheln, und als die Partie zu Ende war, verschwand sie mit Ittssy im Garten, indem Malve sagte:

„O, Herr von Panthenau, holen Sie rnir bitte, mein Buch, ich ließ es vorhin auf der Gartenbank im Tempel- chen liegen."

Ihr Wunsch war ihm Befehl; während die anderen wettergingen, eilte er allein über einen großen Rasenplatz hinweg, dem Tempel zu, und freute sich dabei der unver­gleichlichen Eleganz seiner Erscheinung, welche sich von dem grünen Untergrund so günstig abhob, aber unterwegs erellte ihn sein Schicksal in Gestatt einer ungeheueren Douche, die ihn Plötzlich überfiel und der er, trotz alles Laufens, nicht zu entrinnen vermochte.

Auf besagtem Platz befand sich nämlich eine große Gartenspritze mit ungeheuer langem Schlauch urrd einer Brause, welche es möglich machte, den künsüichen Regen in einem breiten und außerordentlich kräftigem Strahl, aus angemessener Höhe auf einen armen Sterblichen herabtauen zu lassen. Marie-Luise hatte sich mit diesem sinnreichen Instrument hinter einem kleinen Boskett ver­borgen, richtete mit großer Gewandtheit den Wasserstrahl auf Panthenaus hellleuchtende, einsam dahinwandelnde Gestalt, und folgte, unterstützt von Missy, die weiter unten den schweren Schlauch hatten mußte, jeder seiner Be­wegungen mtt großer Genauigkeit. Erst als der Unglück­liche völlig durchnäßt war und von der Schärpe ein blaueZ Bächlein herabfloß, ließ sie ab von ihrem grau­samen Tun und beobachtete mit Entzücken die Wirkung der angenehmen kleinen Überraschung.

Samstag, Neu 18. Juli.

Wie ein begossener Pudel in kläglichster Verfassung erschien Panthenau bei den anderen, aber diese hatten nicht einmal Mitleid mit chm, sondern freuten sich des gelungenen Streiches und lachten ihn aus; nur Lies fühlte ein menschliches Rühren. Sie riet ihm, da der Abend ziemlich kübl war, sich schleunigst umzuziehen, und versprach ihm als Trost ein Glas heißen Grog, den Veilchen prachtvoll zu brauen verstand.

Den Grog bekam er auch, aber sein Anzug war so gut wie vernichtet; der Stofs hatte seine zarte Frische und Schönheit eingebüßt, und das dunkle Gelock. das sonst so malerisch Panthenaus weiße Stirn umringelte, war nun in glatte, feuchte Strähne aufgelöst.

Am schmerzlichsten empfand er aber die innere Ab­kühlung. Marie-Luise hatte ihm diesen bösen Streich ge­spielt, Marie-Luise, die er verehrt, bewundert, angebetet hatte als höchstes Ideal. Sie war also nicht besser als die anderen, nein, sogar schlimmer noch, denn sie ver­barg ihre Tücke unter einem Madonnengesicht, und wenn man ihr nicht mehr trauen konnte, wem dann?

Lämmchen, als Panthenaus Vertranter, hörte von diesen Erwägungen mehr als ihm lieb war, und hatte gleich darauf Gelegenheit, seinersetts Marie-Luises wahren Charkter näher kennen zu lernen.

Sie besaß nämlich ein ausgesprochenes Talent zum Porträtieren und war den Winter über in Berlin ge­wesen, um sich in dieser Kunst zu vervollkommnen. Dort hatte sie vorzüglichen Unterricht genossen und eine ganze Mappe voll Kreidezeichnungen mitgebracht, Skizzen nach lebenden Modellen, welche wohlgelungen waren. Ehr- würdige Patriarchen und abgearbeitete Scheuerfrauen, junge Mädchen und italienische Knaben, poetische Er­scheinungen und Berliner Gassenjungen, alle lagen da friedlich beieinander, und denFreundinnen undSchwestern macht es immer Spatz, diese Blätter zu betrachten und anderen zu zeigen.

Sie waren stolz auf diese ihre Kunstleistungen und hatten auch den einquartierten Offizieren die Skizzen vorgelegt, aber es war dies in Lämmchens Abwesenheit ge­schehen, und als er davon hörte, bat er Marie-Luise, auch ihm entert Einblick in die interessante Mappe zu gestatten. Sie war gern bereit dazu, holte dys Gewünschte herbei und setzte sich mit ihm an einen Tisch, der etwas abseits in einer Fensternische stand. Als er aber die Mappe öffnete, zeigte es sich, daß sie in der Eile eine falsche er­griffen hatte. Sie wurde feuerrot und wollte ihm die Blätter schnell entziehen, aber er hatte schon einen Blick darauf getan und ließ sie nuit nicht mehr los. Gleich obenauf lag nämlich seine eigene Karikatur und dieselbe war von einer so überwältigenden Komik und Ähnlichkett, daß er sie weniger mit Entrüstung, als mit aufrichtiger Bewunderung betrachtete.

51. Jahrgang. 1903.

Er war als Lamm dargestellt, mit leicht gekräuseltem, wolligen Fell, Sporen an den Füßen und einem schüch­ternen, sanft flehenden Gesichtsausdruck, der zudem mächtigen Schnurrbart und der schiefsitzendcn Dtttttar- miitze den seltsamsten Gegensatz bildete. Dabei war der charakteristische Zug so gut getroffen, daß man das Bud auf den ersten Blick erkannte, und Lämmchen mußte selbst lachett, als er es sah. Die Frettde an der Leistung war größer als die persönliche Empfindlichkett, und Marie-Luise fiel ein Stein vom Herzen, als sie das be­merkte.

„Ach", sagte sie, „das war eine böse Verwechselung; diese Blätter waren nicht für Sie bestimmt, aber, mcht wahr, Baron, Sie sind mir nicht böse. Mama hat schon so viel gescholten über meine Passion fürs Karikieren, aber ich kann's nicht lassen; sie ist stärker als ich."

Er nickte.

„Sie haben eine ganz entschiedene Begabung dafür, mein gnädiges Fräulein, und es würde mich interessieren, mehr davon zu sehen. Haben Sie meine Kameraden auch abkonterfeit?"

„Gewiß", rief sie lusttg, legte dann aber gleich den Finger auf dm Mund und fügte in leiserem Tone hmzu: „Sie sind alle hier drin, aber kein Mensch darf es wissen. Das ist nur für den engsten Familienkreis. Ihnen zerge ich sie nur, um zu beweisen, daß Sie nicht der einzige sind und es Ihnen nicht schlimmer ergeht, als allm anderen. Sie dürfen mich aber nicht verraten; nein, um keinm Preis."

Sie zeigte ihm eine ganze Reche von Karikaturem eine immer besser als die andere, und darunter auch Panthenau als grotesken Bttlitär-Gigerl auf einem Hintergrund von flammenden Herzen! Wenn der schone Narciß das hätte sehen können! Seine Begeisterung für das Göttlich-Unschuldige, Echt-Weibliche,, hätte noch mehr gelttten, wie nach dem abkühlenden Guß, und chm Ware mit einem Schlage klar gewordm, daß sich hinter Marie- Luises sanfter Würde nicht nur jugendlicher Übermut verbarg, sondern auch eine scharfe Beobachtungsgabe, welche 'das Lächerliche sofort herausfand und es mtt ver­blüffender Sicherheit wiedergab.

Außer dm Karikaturen befanden sich auch einige andere Porträtskizzen in der Mappe, welche Marie-Lutse scherzend als vrähistorische Werke bezeichnete, da sre früher, vor der Berliner Studienzeit, entstanden waren. Lämm- chm betrachtete auch diese mit Interesse, und plötzlich sah er einen Jünglinqskopf vor sich, der ihn gerade stappterte. Er konnte einen Laut der Überraschung nicht unterdrücken und zu dem jungm Mädchm aufschauend, sagte er lebhaft:

„Mein gnädiges Fräulein, darf ich fragen* wer das ist?"

^Fortsetzung folgt.)'

Todes-Anxrigr.

Verwandten, Freunden und Bekannten die schmerzliche Nach­richt, daß unser lieber Sohn, Bruder, Schwager und Neffe, der Ulan

Arthur Zmmel,

nach qualvollem, schwerem Leiden heute Nacht verstorben ist.

Im Namen

der trauernden Hinterbliebenen:

Johann Ammei,

Schwalbacherstr. 45.

Die Beerdigung findet Montag Nachmittag 5 Uhr vom Leichen­hause dahier aus statt.

Verwandten, Freunden und Be­kannten die schmerzliche Nachricht, daß meine liebe Frau, unsere liebe Mutter, Tochter, Schwester, Schwägerin und Tante,

Henriette Acht,

geb. Fischer,

nach kurzem, schwerem Leiden sanft verschieden ist.

Die trauernden Hinterbliebenen:

Meter Specht nebst Kindern. Familie Fische».

Wt»«dad»n, 17. Juli 1908.

Die Beerdigung findet Montag, de» Lö. d. M., Nachmittags 6 Uhr, vom Leichenhause aus statt-

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Nach einem Leben voll aufopfernder Liebe und Selbstlosigkeit für die Ihrigen entschlief heute früh nach kurzem, schwerem Krankenlager meine heißgeliebte Schwester,

FrSnlein lUNttda HuMwel.

Dies zeigt tiefbetrübt an

Frau Generalarzt Gvelme SlödlKe, geb. Hummel.

Wiesbaden, 17. Juli 1903.

19381

Statt jeder besonderen Nachricht.

Heute entschlief nach längerem, schwerem, mit großer Geduld ertragenem Leiden zu Elgershausen infolge eingetretener Herzlühmung unser lieber guter Sohn, Bruder, Schwager, Onkel und Bräutigam,

Julius

Um stille Teilnahme bitten

Ingenieur.

Die tiestrauernden Hinterbliebenen.

Die Beisetzung findet Samstag, den 18., Nachmittags 3^2 Uhr, von der Leichen­halle des alten Friedhofes aus statt.