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UifsbcuWr Saplatt.

SI. Jahrgang.

in zwei Ausgaben. — Bezugs-PreiS: durch den Verlag 60 Psg. monatlich, durch die Post S Mk. 50 Pfg. vierteljährlich für beide Ausgaben zusammen.

Verlag: Langgasse 27.

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Freitag» den 1^. Iulü

^a. 328. Berlags.Fernfprecher N». 285».

Utoewdl-JlMSfiabe.

Der hkilislli-eiislisly-KmdisA |cE|ttfit.

Die Veröffentlichung des englischen Blaubuches über deutsch-englische, bezw. deutsch-kanadische Handels- politische Kontroverse hat auf das unzweideutigste er­wiesen, daß die deutsche Regierung sich in dieser ganzen Angelegenheit nicht nur durchaus korrekt und loyal, zondern auch sehr entgegenkommend verhalten hat, und daü mithin die entgegengesetzten Darstellungen, wie sie unter anderem der englische Kolonialminister Eh^a^1^er- lain von dieser Affäre gegeben hat, eine kräftige Ge- schichtsfälschung bedeuten. Des werteren bestätigt auch die englische Darstellung des deutsch-kanadischen Zoll- Konfliktes, daß das Vorgehen der Kanadier, die noch heute iwie zu den Zeiten Seumes „Europens übertünchte Höf­lichkeit" nicht zu kennen scheinen, eine durch nichts gerecht­fertigte Provokation Deutschlands bedeutet.

Ein kurzer Rückblick auf die Geschichte des deutsch­kanadischen Zollstreites läßt dies ohne weiteres erkennen ^er Streit begann damit, daß Kanaoa rm Jahre 189/ für die Waren englischer Herkunft einen Zollnachlaß von 12 1 Ä °Jo einsührte. Da dies dem deutsch-englstchen Handelsverträge vom 30. Mai 1865, der die Gleich­stellung deutscher Waren in den englischen Kolonieen und Besitzungen mit denen des Mutterlandes festsetzte, wider­sprach, so mutzte Kanada- auf die Vorstellungen Deutsch- Lands die Bevorzugung der englischen Einfuhr wieder Aufheben. Die englische Regierung kündigte aber den deutsch-englischen Handelsvertrag zum 30. Juli 1898 und gewährt so Kanada die Möglichkeit, nunmehr nach dem Ablauf des Vertrages Vorzugszölle , für englische Waren einzuführen, die Mich in Gestalt eines ^ollnach- lasses von 25 % und zwei Jahre später 33s/^ % sur eng Nische Waren festgesetzt wurden. , Daraufhin entzog die deutsche Regierung selbstverständlich den kanadischen Er- izeugnissen die Meistbegünstigung, während die handels­politischen Beziehungen zu England und dessen anderen Kolonieen durch provisorische Abmachungen auf der früheren Grundlage aufrecht erhalten wurden. Zuletzt Ader Reichstag durch Gesetz vom 29 Mai 1901 Regierung die Ermächtigung erteilt, britischen Erzeug­ten und Fabrikaten bis zum 31. Dezember 1903 die niedrigeren Zollsätze des deutschen Konventionaltarifs zu

^W^Kanada mtt ^ nem handelspolitischen Vorstotz aegen Deutschland bezweckte, hat es nicht erreicht, denn die Ausfuhr deutscher Waren nach Kanada ist im Lause dieser Jahre alles in allem gestiegen. Sie betrug 1897 16,8

Arbeit.

Roman von Maria Schade.

(9. Fortsetzung.)

„Ein grünes Kleid! — Oho! Was ist das plötz­lich für eine Geschmacksveränderung! — Früher mochtest Du doch diese Farbe nicht ausstehen." , ^ .

,Grün ist eine schöne Farbe. Darm liegt etwas Hoffnungsvolles, etwas Zukünftiges. , Wenn man ein grünes Kleid ansieht, gehts einem so wie beim Betrachten eines Blattes: nian denkt immer an die Blute. Und die Wüte — das ist die werdende Frucht."

Ist sprach diese Worte langsam, immer uns hinter dem anderen, als müßte sie sich erst auf das kommende besinnen. Dabei blickten ihre Augen, als hatten sie eine

^Donnerwetter!" rief der erstaunte Gatte. „Das klingt ja wie eine Offenbarung. Wo hast Du das her? Die junge Frau antwortete nicht, schweigend schritt

^ Die ^Havanna verbreitete dichte duftende Wolken. Inmitten dieser Wolken schüttelte Ruprecht das

Haupt. vm

Ter Geburtstag des Herrn Ruprecht war für das vornehme Haus mit den beiden erkertragenden Karya­tiden immer ein Ereignis Schon von früh an kamen die sogenaniiten guten Bekannten,, die es drechundert- undfünfundfechzig Tage in: irahr für ihre Pflicht hielten, über Ruprechts unverdientes Gluck und sem nutzloses Leben boshaft zu spötteln und- ihn aus purem New alles Böse zu wünschen. Sie alle kamen, um mit der uber- Mia-endsten Miene von der 3Mt ihrem hochverehrten Gönner und Freunde zu versichern, daß es für die ganze Stadt geradezu eine Existenzfrage sei, daß er noch recht oft die Wiederkehr seines Wiegenfestes feiere.

Herr Ruprecht nahm drese Glückwünsche nnt d^r Würde eines vornehmen Römers entgegen, der seine

Klienten empfängt. „

Ist verhielt sich zu den schonen Komplimenten,, die man bei dieser Gelegenheit auch ihr als der Gattin eines io würdigeil Mannes machte, sehr freundlich. Sie

Millionen Mark, 1898 23,9 Millionen, 1899 23,7 Millionen, 1900 20,0 Millionen und 1901 26 5 Millionen. Auch die Einfilhr Kanadas nach Deutsch­land ist gewachsen; sic betrug voii 1897 bis 1901 4,^, 5,9, 4,2, 6,4 und 7,4 Millionen. Für 1902 liegen die Ziffern noch nicht vollständig vor, doch ist in dem ^ahre die kanadisckie Einfuhr nach- Deutschland wesentlich ge­stiegen, und zwar stärker als die deutsche Einfuhr nach Kanada, wobei allerdings zu beachten ist, datz ein Tell der kanadischen Waren über England nach Deutschland

eingesührt wird. „ „ .... r ~ .

Vor einigen Monaten hat nun bekanntlich Kanada eine erneute Maßregel gegen die deutsche Emfuw ge­troffen, indem es einen Ausschlagzoll auf deutsche Waren einführte. Die deutsche Regierung hat bisher von Re­pressalien gegen den neuesten kanadischen Vorstotz Abstand genommen, da sie von der Hoffnung ausgmg, daß die Verhandlungen mit Kanada, bezw. mit England doch noch ziim Ziele führen würdeii. Es liegt aber auf der Hand, datz, wenn Kanada nicht das Vorzugsrecht Eng­lands beseitigt, also deutsche Waren unter denselben Be­dingungen zulätzt wie die englischer Herkunft, die deustche Regierung über kurz oder lang einen Zollzuschlag (aus Grund des § 6 des deutschen Zollgesetzes) auf me kana­dischen Waren einführen wird, da aller Voraussicht nach der neue Reichstag sich- für eine solche Kampsmatznah-me aussprechen dürfte. , * ^ „

Die englische Regierung hat -ein starkes Interesse daran, Kanada zum Einlenken zu veranlassen, denn es liegt mrs der Sand, datz anderenfalls auch die Neu­gestaltung der handelspolitischen Beziehungen zwischen Deutschland und England, die vorläufig nur biszum 31 Dezember d. I. geregelt sind, erschwert werden wurde. Nun beträgt die deutsche Einfuhr aus Großbritannien über 800 Millionen, die deutsche Ausfuhr nach Groß­britannien über 900 Millionen Mark.

Diesen hochbedeutsamen Handelsverkehr wird Eng­land schwerlich zu Gunsten Kanadas und der Chamber- lainschen Zollvereinspläne in Frage stellen wollen. Wir verkennen durchaus nicht, welchen Faktor dre polmsch>e und handelspolitische Mißstimmung Englands gegen Deutschland bildet, aber wir sind trotzdem- überzeugt, datz zum Schluß die politische und handelspolitische Vernunft sich als stärker erweisen wird als jene Mißstimmung und als die Agitation Chamberlains, gegen die sich in Eng­land unverkennbar eine starke Reaktion vorbereitet., Wie Deutschland so steht sich auch England bei dem Zollsrieden zwischen den beiden Ländern besser als bei einem Zu­stand handelspolitischer Feindschaft. Das weiß man m England, und so wird man zum Schluß auch dort die alte Wahrheit berücksichtigen, daß Friede ernährt, Un­friede verzehrt!

lächelte. Sie sprach, anscheinend ganz wie gewöhnlich Aber einem scharfen Beobachter wäre es nicht entgangen, daß sie alles tat, ohne es selbst recht zu wissen, daß ihre Gedanken weit von ihrer Umgebung entfernt waren. Doch scharfe Beobachter gab es unter den Rupreckstichen Freunden nicht. Und so kam cs denn, daß niemandem das Benehmen der juiigen Frau auffiel. Am wenigsten aber dem Gatten, der den ganzen Tag irb-er mit stark geröteten Wangen gravitätisch e-inherschntt, und für keinen anderen Zeit hatte, als nur für seine eigenerespek- table Persönlichkeit, die von dem wohltuenden Mmbus der Verherrlichung umflossen war.

Der Aberid kam. Tie lange Flucht der salons glanzte in elektrischen Lichte. Die unnützen und teilweise auch geschmacklosen Gegenstände, die sich in allen Zimmern breit machten, und an denen man nichts weiter bewundern konnte als den Sammeleifer, der sie zusammengetragen, badeten sich aufdringlich in den Strahlen, die aus den zahllosen rötlichen Birnen strömten. Die Fenster waren unverhängt, denn Herr Ruprecht huldigte der philan- tropischen Ansicht, daß man auch den ferner stehenden Mitmenschen wenigstens den Anblick seiner Freude gönnen

muffe

Schlag sieben Uhr trafen sich wie verabredet zwei der geladenen Gäste vor der hohen Eisentur des festlich

strahlenden Hauses. ... . „ , , , .

„Pünktlichkeit ist die Tugend- der Könige sagte bei der Begrüßung der eine von ihnen. Es war ein Amner kugelrunder Herr mit einem Spitzbauche, den er nicht ohne Würde vor sich hertrug, - und einem gleichmäßig roten Gesichte, in dem die bläulich angehauchte Nase da» einzig Bemerkenswerte schien. , ^

Der andere, eine schlanke elegante Erscheinung mit distinguierten Zügen, lächelte vornehm herablassend denn er fühlte sich sichtlich geschmeichelt durch die Anrede dev kleinen Plebejers, in der seiner Meinung nach eine An­spielung auf seine hocharistokratische Herkunft lag. , „Wissen Sie, so ein Diner bei Ruprechts", der Kleine schnalzte vor Behagen mit der Zunge, „das ist geradezu etwas Excellentes." Er keuchte beim Treppensteigen, denn er war kurzatmig. „ , t

„Lieber Kommissionsrat", sagte der Baron nachlasng. „Sie sollten entschieden mehr auf sich- achten . . , Bei

NcdaktionS.Fer,«spreche» No. 52.

Ein Umschwung m der öffentlichen Meinung Frankreichs.

Unser Pariser iv.-Korrespondent schreibt unterm

15. Juli: , . , ,, „

. Aus an sich nicht schwerwiegendcii, aber durch ihre Häufigkeit und Wiederholung allmählich doch bedeut- amen Anzeichen scheint hervorzugehen, daß sich in der Stimmung der breiten Massen ein Umschwung zu Gunsten der gemäßigten Elemente der Republik vorbereitet. ,

In den ersten Monaten, welche auf die allgemeinen ^eputiertenwalsten des vergangenen Jahres folgten, konnte man häufig die Beobachtung machen, daß di« öffentliche Meinung in eine Art Erstarrung verfallen war So sehr sich manche -ehrliche Republikaner Muhe gaben, in der Presse oder von der Kümmcrtribune herab die Gefahren zu schildern, d-enen der gemaßigt-demo- kratische Gedanke -entgegenging, das Land blreb gleich- gültig und kein Symptom verriet zunächst, daß es rmt der Leitung der öffentlichen Angelegenheiten unzufrieden war Die Ursachen dieser halben Totenstarre zu ent­decken, fällt nicht schwer. Es ist zuvördeF ganz natür­lich, daß sich nach einer Wahlschlacht das Bedürfnis emer mehr oder minder langen Ruhe geltend macht. Ww die Individuen nach einer Periode der Spannung und der nervösen Überempfindlichkeit eine Phase der Er- schlasfung und der Depression durchmachen, so bat auch die Kollektivseele der Massen eine Erholungspause notig, bis sie wieder auf die Aufreizungen der Politik reagieren kann. Zu dieser erklärlichen Müdigkeit, gesellte sich bald darauf ein gut Teil Entmutigung. Viele Leute hatten achofst, daß die neue Kammer besser die allgemeinen Interessen verteidigen und weniger voii Parteileidcn- schaften beherrscht sein würde. Kanin hatten sich jedoch die Volksvertreter versammelt, als man gewahr wurde, daß man iüchts bei dem Wechsel getnonnen, wohl, aber viel verloren Hatte. Die Aussicht, während vier langer Jahre die Tyrannei einer intoleranten und einseitigen Mehrheit ertragen zu müssen, lähmte die Kampfev- freudigkeit der mittleren Elemente, ^n der Provinz besonders kanie.i viele Wählerschichten erst nach und nach zu der Erkenntnis, daß man ihnen in deii Wahlaufrufen eitel blauen Dunst vorgemacht hatte. Vor den Wahlen schöne Worte voii der Freiheit des Gewissens, des Unter­richts, der Vereinsbildung rc.,, iiach den Wahlen nun, inan braucht nur die Geschichte des letzten, ^;-ahre.' zu durchblättern, um zu sehen, wie sich dw schonen Wo ^ in Taten umgesetzt haben, und bei bnsem Vergleich wolle man nicht vergessen, daß der Kulturkamps m Frankreich, einem spezifisch katholischen Lande, nicht ans die gleiche Linie mit demjenigen m ^witsch-land zu

Ihrer Konstitution . . . Das ist gefährlich . . . Setzen Sie sich doch ans knappe Rationen."

„Als ob man mir Unmäßigkeit vorwerfen konnte! Der ganz Erhitzte keuchte noch immer. „Man must, doch schließlich etwas zu sich nehmen . . . Esieii und Tnnken

erhält.L-eib und Seele." -

„Bei Ihnen hat sich dieses Wort entschiedeii bewahr­heitet, wenigstens was den Leih anbetnsst. Uber >?hi'e geschätzte Seele erlaube ich mir kein Urteil."

Die Korridortüre war bereits weit geöffnet, denn der Diener hatte das Kommen der Herren erwartet.

Während sich der wohlbeleibte Kom-mlssionsrat den Paletot abziehen ließ, erkundigte er sich bei demDiener whr Ängehenö nach bent Sßeuu, tvas bo§ -^aElgefichl Barons schwer verletzte, der vor dem Spiegel stand, um seine sorgfältige Toilette noch einer letzten Musteriing zu unterziehen. Er selbst würde sich nie zu einer solchen Vertraulichkeit herabgelassen habe, obgleich- es doch „der ihm als einem Verwandten etwas anderes gewesen wäre Er war nämlich ein Kousin von Isis Stiefmutter. Sonst pflegte er allerdings von seinen verwandtschaftlichen ,Be- 7UCl)uvi(56Tt 3U bem biir q crltcheu .^aufrnauuvl^aufe fetttett Gebrauch zu machen. Nur zuweilen, wenn er sich in einer höchst peinlichen Geldklemme befand, beehrte er Ruprecht mit dem vertraulichen „Tu"., Dieser suhlte sich auch immer durch ciue solche Auszeichnung sehr gehoben und war innerlich glücklich-, seine Festtafel mit eniem sreiherr- lichen Verwandten schmücken zu können. Der, hatte denn auch stets die Gnade zu erscheinm, obgleich rm Grunde genommen ihm nicht viel an den seinen Diners lag, d-a er durchaus nicht zu den Gourmands zählte. Dafür war er aber um so intensiver Don Juan. Die ganze Stadt erzählte die pikantesten Abenteuer von ihm. , Nur daß niemand mit Neid erwähnen konnte, daß er in näherer Beziehung zur reizenden Ist stehe, schmerzte ihn tief , Ist der Professor schon da?" fragte der kleine Schlemmer, der seine Wißbegierde in Betreff des Menus

bereits gestillt hatte. , , , .

„dlein, Herr Kommislionsrat", antwortete der

Diener

Ter Professor war nämlich der Dritte der unvermeid» richen Hausfreunde, wie sie Ruprecht selbst genannt hatte. - Er war ein reicher Mann, der wie alle reichen Leute Zelt