Einzelbild herunterladen
 

Beilage junt Wiesbadener Cagblatt.

No. 323. Morgen-Ansgabe.

Millwoch, den Juli.

61. Jahrgang. 1V03.

******± &&**&***.*)kik&*****&****&*&*#** *

Frauen sind geborene Juristen: sie sprechen nie über­zeugender. als wenn sie im Unrecht sind.

Konody.

***¥W¥****WW¥¥9lW¥W¥WWW¥W**WW¥¥W99mi

(26. Fortsetzung.)

Leutnant Lämmchens Alrenteuer.

Eine heitere Geschichte von G. v. Stokmans-GermaniS.

Er wollte etwas erwidern, aber sie war ihm schon ent­schlüpft, und plötzlich sah er sich der gestrengen Domina gegenüber.

„Ach, mein lieber Baron", sagte sie, „wie liebens­würdig haben Sie der jungen Damen gelmcht. Das war wirklich eine reizende Überraschung. Wie, Sie bedauern, daß ein drolliger Zufall uns den anonymen Geber ver­riet? Im Gegenteil, wir freuen uns darüber. Min wissen wir doch, wem wir zu danken haben."

Lämmchen, der schon gefürchtet hatte, auch bei der Hausfrau mit seinem Geschenk Anstoß zu erregen, war ganz erstaunt über die huldvolle Anrede, deren sie ihir würdigte, aber zehn Minuten später lieferte Tante Mpp- chen ihm das Kommentar dazu und bewahrte ihn dadurch vor rmzeittger Eitelkeit.

„Nein, wie mich das freut, daß Sie die Mannia so gern haben,' sie ist wirklich ein prächtiges Mädchen und verdient vor allen anderen eine guten Mann. Vermögen hat sie nicht, das ist wahr, und mancher wird dadurch ab­geschreckt, aber Sie brauchen ja nicht aufs Geld zu sehen, Sie haben selbst genug und wissm, wie tüchtig uird um­sichtig das Mädchen ist. Meine Nichte TwiAendorf lacht mich zwar aus, ivenn ich das sage; sie meint, wenn's ein anderer wäre, könnte ich Recht haben — da Sie es aber sind, der die schönen Blumen und Bonbons kommen ließ, sei die Sache ganz «ans eous^guenee und Mannia brauche sich nichts darauf einzubilden. Sie täte es auch gar nicht, denn keinem der jungen Mädchen fiele es ein. Leutnant Lämmchen ernst zu nehmen, ich aber bleibe bei meiner Ansicht. Sie sind ein hübscher, junger Mann, weshalb sollen Sie nicht lieben und freien, wie andere auch? Gerade, weil Sie ein bißchen scheu und schüchtern sind, wählen Sie den Weg der stummen Huldigung urid klopfen erst mal leise vorfragend an das Herz der Aus- erwählten. Ach, in meiner Jugend kam dergleichen viel häufiger vor. Tie Herren waren feuriger in der Emp- findung und zarter im Ausdruck. Man bedurfte nicht des profanen Wortes, um seine Gefühle zu offenbaren, man verstand sich auch ohne dies, und unsichtbare Fäden spannen sich von Herz zu Herz, wie das Silbergespinnst, das jetzt im Herbst auf unseren Feldern liegt."

Lämmchen wurde siedend heiß bei diesen Erörterungen, aber er war Tante Rippchen gegeirüber völlig machtlos. Man durste sie weder unterbrechen, noch etwas dm wenden; geschah es, so ging das, vertrauliche Flüstern so­fort iir einen lauten Ton über, der im ganzen Zimmer vernehmbar war, und die Aufmerksamkeit aller Unbe­teiligten erregte.

Auch icherzeugen konnte er sic nicht von der Irrigkeit jihrer Annahmen, er hätte dann, um von ihr verstanden zu werden, ebenfalls laut reden, ja fast schreien müssen

und der Gegenstand ihrer Unterhaltung vertrug eine solche öffenstickie Behandlung nicht. So begnügte er sich denn mti einem abwehrmden Mienenspicl, heftigem Kops- schüstcln und stummen Beteuerungen. Der Gedanke, daß man ihn zum Heiratskandidaten stempeln könne, war chm noch nie gekommen: er erschreckte ihn ganz außer­ordentlich, und daneben fühlte er sich doch verletzt durch die geringschätzige Auffassung der Domina. Was hatte sie zu Tante Nippcheir gesagt? Keins der jungen Mädchen dächte daran, ihn ernst zu irehmen —- was er tue, sei ganz «an« eons^guenee? — Nun, das sollte doch erst noch be- wiesen wcrdm. — Er wußte mehr, als sie ahnte,, die gure Dame, und wenn er reden wollte, konnte er eine nette Verwirrung anrichten. ■— Ob Malve ihn ailch nicht ernst nahm? — Wahrscheinlich nicht. Sie nahm eigentlich niemanden ernst, keiner imponierte ihr, keiner wurde von ihr geschont. Ihr Übermut drückte alle mif ein gewisses Niveau herab, und ihr Herz — ja, hatte sie denn ergent- lich dn Herz? — .

Lämmchen wurde ganz nachdenklich und fuhr ordent- lich zusammen, als Malve gerade in diesem Augenblick ins Zimmer trat und auf ihn zukam. -—- Sie trug m jeder Hand dnen verdeckten Korb, stellte sich vor ihn hin und machte dnen Knir, wie kleine^ Mädchen ihn machen, dann sagte sie mit scheinbarem Ernst: ..Lieber Baron Bock — verehrter Leutnant Lämmchen. Kleine Geschenke er­halten die Freundschaft, das ist ein alter und weiser Spnrch, und nachdem Sie uns beute mit gutem Beispiel vorangegangen sind, möchten auch wir Ihnen eine Freiue machen.'nnd bitten Sie, als Andenken eine kleine Gabe von uns jungen Mädchen anzunehmen. Wir kennen Nicht Ihren Geschmack und so bldbt uns nichts übrig, al-' das Schicksal walten zu lassen und Ihnen zweierlei, zur Wahl *it stellen. Erarerfen Sie pinen der beiden Korbe.

Anhalt ist Abr Eigentum; Sie dürfen aber das unbesehen Gewählte iväter nicht znrückaeben oder Umtauschen. Wm' Sie ergreifen. müssen Sie behalten ob e? ,stnen ge­fällt oder nickt, und es hegen und vflegen, wie wir es ge- pileat haben bis zu diesem Augenblick. — Also entscheiden Sie sich — welcher Korb soll es sein?"

Malves komisch feierliche Anrede erregte Aufsehen. Missv i'nd Marie-Luise standen kichernd hinter ihr, und um diese bildete sich wiederum ein Halbkreis von Ost:- zieren. die neugierig auf die beiden geheimnisvollen Korbe

nämmcken ahnte eine kleine Teufelei. In Malve-.- reizendem Antlitz ziickte der verhaltene Übermut und ihre dunklen Augen sprühten förmlich vor Vergnügen — aber lan-res Zögern verschlimmerte nur die Situation, und w griff er'nach kurzer Überlegung, mutig nach dem Korll der seiner rechten Hand am nächsten stand, und hob schnell

den Deckel in die Höhe. ^ , „ , .

Ein Ab der Bewunderung wurde hörbar und Lamm- cken erblickte dn rdzendes, schneewdßes Hündchen, nur wenige Wochen alt. dessen Hals und Ringelschwänzchen nnt koketten, himmelblauen Schleifen geschmückt war und das auf einem bimmelblauen .Kissen lag. , Eine kleine Milch- flasche mit Gummivfropfen lag neben ihm. und nnt Hellen, schläfrigen Augen blinzelte es zu Lämmchen empor.

Sie gestatten, daß ich Ihnen den jungen Mann vor- stelle", sagte Malve, in ihre Rolle zurückfallend. „Er beißt Mein Leopold", stammt aber nicht, wie der aus

dem Lustspiel von L'Arrouge aus einer Schusterfamille,

sondern ist von edlem Geblüt und bestem Ruf. Seme Er­ziehung, von uns geldtet, war bisher tadellos; und wir sind nicht abgeneigt, ihn bis zu Ihrer Abreise in Pension zu nehmen ,falls Sie ihn nicht gleich selbst verpflegen

wollen." t „ . .....

Lämmchen streichelte das reizende Trer und küßte Malve die Hand. „Meinen untertänigsten Dank , sagte er, „ein solck^s Geschenk nehme ich mit Freuden an, aber verzeihen Sie die Frage — was ist in dem anderen Ko rb ? "

Malve lachte. „Kommen. Sie in den Garten, dann sollm Sie es sehen", und sie lief voraus auf den großen Rasenplatz. Alle folgten, und als sie nun den Deckel lüftete ,sah man zunächst nur, eingebunden m em buntes Tuch dne wogende, zappelnde, quiekende Masse. Zuglemi verbreitee sich ein höchst unangenehmer, scharf^ Geruch, und als nun Lämmchen, d-azu aufgefordert, vorsichtig ,den Knoteii löste, prallten alle laut lachend imd schreiend zurück, denn vierzehn weiße Mäuse stürzten aus dem Tuche hervor, liefen auf dem kurzgeschoren-en -"Gen w e toll umher und suchten zwischen den Fußen der Um* stehenden hindurchzukommen. . .

Die schneeweißen Tierchen mit den neugierigen roten Äuglein sahen im Grunde ganz niedlich aus, „aber,Lamm- chen schüttelte sich vor Widerwillen, denn Mause tn jebcc Gestalt waren ihm dn Greuel, und gegen die langen, rosenroten Schwänzchen empfand er eine ganz be andere Idiosynkrasie. Tie jungen Mädchen wdoch klatschtm vor Vergnügen in die Hände, als sie sein entsetztes Gesicht sahen, imd Marie-Linse sagte schelmisch: „Es ist zu schade, daß Sie nicht diesen Korb wählten, Baron Bock, hätten dann die Mäuse behalten müssen und der Spaß wäre noch ein viel größerer gewesen. Nun sind ste auf Nimmerwiedersehen dahm, und unser schöner Mause

^„Wie?"^sagte er, „Sie haben diese Geschöpfe selbst

aUfm ®£[z\t kennen ja Malves Passion für allerlei Getter. Ursprünglich warm es nur zw«, letzt ist es eine ganze Familie, aber sie fingen an uns zu langweilen und da haben wir ihnm die Freiheit geichcnk..

w-as Intermezzo, eine Eingebuiig des Augenblicks, mar nun vorüber, alles drängte nach dem ^isMtz urür Lämmchen blieb mit seinem Geschenk, dmr klemm Leopold, allein zurück. Doch nicht für lange. Manma ließihn zu sich in^den Obstgarten mtbieten, und als er dort erschien, empfing sie ihn mit der Bitte, chr einige Pfirsiche, die , e für dm Abeiid brauchte, vom Spalier zu holem S c Lgen so hoch, daß der Gärtner selbst mit der Leiter nickst mehr ankommen konnte, Lämmchen aber mtt sernm langm Armen vermochte sie gerade noch zu erreichen, und über- gab § ihrmit der Bitte, über chn zu verfugen. wenn sie

^^"Monnialeiifzte. „Ja", sagte sie, „ich bedarf ^rer noch, wenn auch in ganz anderer Werse, als Sie glmiben also bldbm Sie ein halbes Stündchen wer. Man bcr mutet uns nicht an dieser Stelle, wir sind ganz, msudtört

und könnm uns dntital aussprechen, an°i>

tut Das heißt — ich werde fragen, und Sre sollen ant­worten — offen und ehrlich, ohne falsche Rücksicht urw Scham. Wollm Sie?" (Fortsetzung folgt.)

Kein SaDen)

9 LaiMffe 9 .

Neue und gebrauchte Möbel.

Eleg. Nuhb.-Büffets, BertieowS, Spiegel, Kleider- n. Bücherschränke, Kommoden, Consolen, Schreib-, Sopha- und Ausziehtische, Lvasch» kommoden nnd Nachttische, einz. Sophas, Ottomanen, Betten, lack. Kleider- und Küchenschränke, Tische, Spiegel in Nus?b. und Gold, Stühle, EtagLren, Bauerntischc, Kissen nnd Deckbetten.

SchWimner-WrichlillW unD Polsltt-Glirmlmeii.

einfach und hochelegant, in modernem Styl, sehr billig abzugeben.

Perd. Möller, Möbel-Magazin, Langgaffc S.

ZsÄeWw

JoitVaiLLftHT, Remscheid

Zu haben in allen besseren JnstaMähens, gwchäffen.flan verlange Cataiog gralu-franco.

fein grspaltcr.

aCtr.2.20Mk.,

Anzüudeholz,

Brennholz a Ctr. 1.30 Mk.

licfer» frei ins Sau» . 1832

Gcbr. Nengebaucr, Dampl-Schreincrei,

^.kleyhon 411. Schwalbacherstr.22. Telephon 41i

KMw „(Bolöene Kelle"

Langgasse 61. _

Thermal - Bäder k 50 Pf.,

int Abonnement billiger. 186 1

Fernsprecher 2145, Kohlenhandlung, Luisenstrasse 36,

beste und billigste Bezugsquelle für alle Sorten

Kohlen, Coks, Brikets und Brennholz.

7 * Preisverzeichnisse gern zu Diensten. 1659 }

xxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxr

Drucksachen

für festen Bedarf liefert in guter Ausführung rascli u. billig

die Buchdruckerei 764

Carl Sclmegelbcrger & Cie.,

36 aiarklstrasse 30.

Füllfederhalter

mit 14-kar. Goldfeder von 3 Mark an.

Carl Pfeil,

Buch- und Schreibwaaren-Handlung.

4 Kleine Burgstratze 4. 16,9

Bntter'. Butter'.

Aller?, holst. Tafel-Süßrahmbutter v. tagbch frischer Butterung (gesalzen u. unges.) v-G V-V Post zum Preise von B!k. 1.05 pro Bbmd daü Butteiversandthaus Boi»r, Bordeöl-olntz

(Holst.). - Eigener Molkcrerbetrteb. Gegr. 1»78.

is[üssigerFleischextract»

_ ist der beste. _

General-Depot für Wiesbaden:

Ad. Kling;gohr.

Tel. 719.

1597

Empf. meinen Vorzugs, selbstgek. Apfelwein. Verkauf u. AuSsch. in meinem Metzgergasse 8 gel.

Lokal. Achtungsvoll bouta Beliren« sen.

flWrttvrthiMT v.10 Mk.an In allen Größen IZ/CUII vorrätbia. Telefon 2828.

M vemende stets

denn ste ist altbewährt und einzig in ihrer Art; ste

übertrifft alle zürn gleichen Zweck angepriesenen Produkte." ^

W Sehr au-gikbigi Nicht Überwürzen!