L» Jahrgang.
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Redaktions-FernspreLcr No. 52.
1903.
322. Verlags-Fernfprecher No. 2951.
Abend-Ausgabe.
Kr AilsMlW tits |ltif(PcfK)M9tft|C0.
Zur Beseitigung von Verschiedenheiten, die bei der Durchführung des Fleischbeschaugesetzes in Bezug auf die Einfuhr und Untersuchung ausländischen Fleisches hervorgetreten sind, haben die Minister der geistlichen :c. Angelegenheiten, für Landwirtschaft rc., der Finanzen und für Handel und Gewerbe m Einverständnisse mit dem Reichskanzler folgendes angeordnet:
-1. Frisches Blut von Tieren gilt nach 8 1 B. B. D. als Fleisch im Sinne des § 4 des Fleischbeschaugesetzes und kann demzufolge nach 8 12 Abs. 2 Nr. 1 R. G. nur „in ganzen Tierkörpern" in das Zollinland eingeführt werden. Ob gesalzenes Blut als auberetteteB Fleisch im Sinne des 8 12 Abs. 2 Nr. 2 R. G. angesehen werden kann, ist zweifelhaft. Die überwiegende Ansicht der Sachverständigen geht indes dahin, daß auch stark gesalzenes Blut die Eigenschaften des frischen Blutes im wesentlichen nicht verloren hat und deshalb den Grundsätzen für die Einfuhr frischen Fleisches unterliegt. Selbst wenn jedoch gesalzenes Blut dem zubereiteten Fleische gleich geachtet wird, ergibt sich die Unzulässigkeit der Einfuhr daraus, daß die nach 8 12 Abs. 2 Ziffer 2 R. G. erforderte zuverlässige Feststellung der Unschädlichkeit für die menschliche Gesundheit bei dem nicht in Verbindung mit ganzen Tierkörpern eingeführten Blut unmöglich ist. Eine Untersuchung von Blut ist zwar theoretisch denkbar, aber praktisch undurchführbar. Auch starkes Salzen ist ferner nicht geeignet, dem Blute von kranken Tieren die Gefährlichkeit für die menschliche Gesundheit zu nehmen. Aus diesen Gründen kann gesalzenes Blut — abgesehen von dem Falle des 8 17 R. G. (vergl. auch 8 29 B. B. D.) — zur Einfuhr nicht zugelassen werden.
Bei dieser Gelegenheit wird darauf hingewiesen, daß nicht nur Blut, sondern auch alle anderen Teile von warmblütigen Tieren, sofern sie sich zum Genüsse für Planschen eignen, in frischem Zustande nur insoweit einfuhrfähig sind, als sie sich in natürlichem Zusammenhänge mit dem ganzen Tierkörper oder den Tierhälften befinden. Dies gilt insbesondere auch für solche inneren Organe, deren Miteinführung im 8 6 B. B. D. nicht zwingend vorgeschrieben ist. Beispielsweise dürfen also frisches Fett oder frische Türme, die sich außer Zusammenhang mit einen: Tierkörper Befirtbcrt, zur Einfuhr nicht zugelassen werden, und zwar and} dann nicht, wenn sie zugleich mit den Tierkörpe'rn, von denen sie angeblich herrühren, der Untersuchungsstelle zugeführt werden.
2. Tie Einfuhr durchgekochter Lebern, insbesondere
Dienstag» den 14. Inli.
von Schweinsledern, ist bisher über eine Reihe von Untersuchungsstellen zugclassen worden, selbst wenn sie das für Pökelfleisch in 8 12 Abs. 2 Nr. 2 R. G. vorgeschriebene Mindestgewicht "von 4 Kilogramm nicht erreichten. Tie Auffassung, daß diese Mindeftgewiclitvorschrift lediglich auf gepökeltes und nicht auch auf gekochtes Fleisch Anwendung zu finden hat, muß nach dem Wortlaute und der Entstehungsgeschichte der angeführten Bestimmung als zutreffend angesehen werden. Gleichwohl erscheint die Zulassung gekochter Lebern zur Einfuhr mit dem Fleischbeschaugesetze nicht vereinbar. Nach 8 12 Abs. 2 Nr. 2 R. G. darf zubereitetes Fleisch, nur eingeführt werden, wenn nach der Art seiner Gewinnung und Zubereitung Gefahren für die menschliche Gesundheit erfahrungsgemäß ausgeschlossen sind oder die Unschädlichkeit für die menschliche Gesundheit sich in zuverlässiger Weise bei der Einfuhr feststellen läßt. Weder das eine noch das andere trifft für gekochte Lebern zu. Tbnn auch das Kochen der Lebern vermag nicht alle tierischen oder pflanzlichen Krankheitskeime unschädlich 31 t machen; krankhafte Einlagerungen werden durch das Kochen aus den Lebern nicht entfernt, krankhaft veränderte Lebern behalten also auch bei noch so gründlicher Durchkochung die Eigenschaften eines hochgradig verdorbenen, ekelerregenden Nahrungsmittels bei.
Andererseits ist das Kochen der Lebern mehr als jedes sonstige Zubereitungsverfahren geeignet, eine krankhafte Beschaffenheit dieses Organs zu verdecken; vor allein werden frische tuberkulöse Einlagerungen in früher Entwickelung befindliche Echinokokken und Cysticerken ec. durch das Kochen derart verändert, daß sie entweder überhaupt nicht zu erkennen sind, oder in einer die Untersuchung erschwerenden Weise undeutlich werde».
Aus diesen und anderen Gründen ist eine zuverlässige Untersuchung gekochter Lebern unausführbar.
3. Ta innere Organe, namentlich! vom Schweine, einzeln meist nicht das Gewicht von 4 Kilogramm erreichen, hat sich an mehreren Untersuchungsstellen eine Einfuhr solcher Organe im Zusammenhänge mitein- auder und mit verschiedenen sonstigen Tierteilen in gepökeltem Zustande entwickelt. Beispielsweise werden Kopfteile (Zunge :c.) des Schweins in Verbindung mit Lunge, Leber, Herz :c. eingeführt, um dadurch der Mindestgewichtvorschrift in 8 12 Abs. 2 Nr. 2 R. G. zu genügen.
Sofern die zusammenhängenden Teile tatsächlich zusammen mindestens 4Kilogranun schwer sind und ferner durch die in 8 19 B. B. Da. vorgeschriebene Prüfung festgestellt wird, daß die Organe :c. auch in den inneren Schichten die Eigenschaften frischen Fleisches verloren haben, steht der Zulassung derartig miteinander verbundener Fleischteile zur weiteren Untersuchung und bei
günstigem Ausfälle der letzteren zur Einfuhr nichts entgegen.
4. Tie Bestellung ausländischen zubereiteten Fettes erfolgt häufig nach Probe. Es gehen daher nicht selten in das Zollinland Fettproben in kleinen Einzelsendungen von unbedeutendem Gewicht ein. Durch eine den Ausführungsbestimmungen des Bundesrates genau ent- sprecliende Untersuchung derartiger Fettsendungen würde gewöhnlich der größere Teil des Fettinhaltes verbraucht werden, die Kosten einer solchen Untersuchung würden auch in keinem Verhältnisse zu dem Werte stehen, endlich erscheint eine Untersuchung in allen Fällen und in vollem Umfang aus gesundheitlichen Gründen nicht erforderlich, weil die Proben regelmäßig nicht zum Genüsse für Menschen verwendet werden. Tie chemische Untersuchung von Fettprobensendungen bis zum Gewichte von etwa 1 Kilogramm kann daher für gewöhnlich unterbleiben und ist auf solche Fälle zu beschränken, in denen die Beschaffenheit der Proben bei der Vorprüfung zu besonderem Verdacht Anlaß gibt, ohne daß doch bereits aus Grund dieser Vorprüfung eine Zurückweisung des Fetts ausgesprochen wird (vergl. 8 21 Abs. unter I B. B. D.)
5. Nach 8 1 Abs. 2 B. B. D. gelten Fleischpeptons bis auf weiteres nicht als Fleisch, unterliegen daher auch nicht den Bestimmungen des Fleischbeschaugesetzes und können ohne Unterschied zur Einfuhr zugelasscn werden.
In 8 3 Abs. 7 B. B. D. sind unter denjenigen Erzeugnissen aus Fleisch, die als Würste oder sonstige Gemenge aus zerkleinertem Fleisch anzusehen und deshalb nach 8 12 Abs. 1 R. G. von der Einfuhr ausgeschlossen sind, „Fleischpulvcr und Fleischmehl «ausgenommen Fleisch- futtermehl) mit oder ohne Zusätze" aufgeführt.
Fleischpeptone werden nun aus den: Auslande teils in flüssigen: oder schmalzartigem, teils in gepulvertem Zustande eingeführt, in letzterem namentlich zu dem Zweck, um zur Herstellung vor: Nährböden für wissenschaftliche Versuche mit Krankheitserregern rc. verwendet werden. Im Hinblick auf die erwähnte Bestimmung im 8 3 Abs. 4 B. B. D. find Zweifel darüber entstanden, ob fleischmehlartige Peptone zur Einfuhr zugelassen werden können. Bis auf weiteres sind zur Herstellung von Nährböden bestimmte Fleischpeptone, auch wenn sie sich äußerlich als Fleischpulver darstellen, als Fleisch im Sinne des Fleischbeschaugesetzes nicht anzusehen und ohne Untersuchung zur Einfuhr zuzulassen.
6 . Es ist fcstgestellt worden, daß in eingeführtem Fleische Borsäure vorhanden war, von der nach Lage der Sackw angenommen werden konnte, daß sie nicht absichtlich zur Haltbarmachung dem Fleische zugesetzt worden, sondern nur zufällig, z. B. aus dem Verpackungs-
Arbeit.
Roman von Maria Schade.
(6. Fortsetzung.)
Sie war die erste elegante Frau, die in seinen Lebensweg getreten. Alles, was sie mitbrachte in sein stilles ernstes Atelier, in dem es nur Arbeit gab und immer wieder Arbeit, war ihm neu. Das Parfüm,, das sie ausströmte, bewunderte er. DaS Rauschen ihres Kleides erschien ihm wie Musik.
Sie selbst kam ihm vor wie ein Wesen aus einer anderen Welt. Und plötzlich fühlte er ein lebhaftes Interesse für diese Welt, die er früher nicht gekannt hatte.
Nie hatte er die Frauen aufgesucht. Und auch diesmal war ihm das Glück ganz unerwartet zugefallen. Über die Mauer war es geweht. Zu seinen Füßen hatte es gelegen. Er hatte es nicht einmal aufgehoben. Wunderbar! Jetzt wurde er den Gedanken nicht niehr los, daß es eine Art Bestimmung war, die sie zu ihm geführt. Er hatte doch nichts dazu getan. Nicht einmal die Hand hatte er ihr entgegengestreckt. Allein war sie aufgestanden. Aus freier Wahl war sie mit ihm gegangen. Oder hatte das alles so kornmen müssen? — War das eben alles die Bestimmung? — Er begann zu grübeln. Wie alle Künstler, war er zum Aberglauben geneigt. — Und dann waren sie Freunde geworden — auf ganz ungewöhnlichem Wege. Das mußte sicher eine tiefere Bedeutung haben. Das war keine Bekanntschaft, die man heute schließt, uird deren mau sich nach vier Wochen kaum noch erinnert. Alles, rvas sie zusammen gesprochen, war ganz alltäglich gewesen. Und doch hatte darin etwas Besonderes gelegen. Jetzt erschierr es ihm wenigstens so, als er darüber nachdachtc.
Und dann ivar sie einmal nicht allein gekommen: ihrerr Mann hatte sie mitgebracht. Das war der Moment der Wendung. Da war es ihm wie Schuppen von den Augen gefallen.
Früher war sie ihm nur immer als ein glückliches, übermütiges Geschöpf erschienen, das im Reichtum fast erstickte. Und jetzt stand sie vor ihm als ein armes Mitleid erregendes Wesen, darbend bei aller Fülle. Sie litt. Er wußte es. Tenn an der Seite dieses Mannes
mußte sie leiden. Ihre sonst so kecke Stimme war zum ängstlichen Flehen geworden, als sie sagte: „Verzeihen Sie, ich habe mir erlaubt, meine» Mann mitzubringeu." Sie hatte gefühlt, daß sie sich entschuldigen mutzte. Nicht deshalb, weil sie ihren Mann mitgebracht, sondern weil das ihr Man«: war. Musste das nicht ein schreckliches Gefühl fein?! — Und dann, wie hatte sich ihr Gesicht verzerrt, als er so albern sprach und sie ihn zu ermahnen suchte! Sie hatte seinen Arm berührt. Und das war für sie eine Oual gewesen. Er hatte es gesehen. Und diese Oual mußte sie erdulden, täglich — stündlich.
Sie war jung. Sie war schön. Sie war zum Glücke geboren. Und doch klebte an ihr das Unglück in widerlicher Gestalt. Düs mußte sie mit der Zeit entstellen. Sie hatte einen Zug zum Hohen, zum Schönen. Und dabei war sie verdammt, in einer niedrigen Sphäre zu leben. Sie war zu ihm gekommen — eine Hilfesuchende. Eine höhere Macht hatte sie geführt. Schon einmal hatte sie zu seinen Füßen gelegen, und er hatte sich nicht nach ihr gebückt. Jetzt lag sie wieder da. Wenn er ihr diesmal nicht in die Höhe half, sie selbst würde wohl nicht niehr die Kraft dazu haben. Sie war schwach. Sie war eben ein Weib. Aber er, er war doch der Mann. Er mußte ihr zeigen, wie man Ketten von sich streift, wie man sich aus dem Dunkel erhebt, um in das Licht zu gelangen. Das war seine Pflicht. Er durfte nicht zusehen, wie sie verdorrte an Leib und Seele. Er mußte sie retten.
Und er wollte sic auch retten. Bis jetzt hatte sie nur in dem Reichtum des Geldes gelebt, das herunterzerrt und beschnmtzt. Aber nun wollte er sie in den Reichtum des Gedankens führen, der Kunst.
Wenn sie nur kam!
Noch immer saß er auf dem arm o rblocke. Noch immer hatte er die Hände vor die Stirn gepreßt.
Wenn sic nur kam! Alles wollte er ibr sagen — alles. Auf seinen Armen wollte er sie in die Höhe tragen.
Unwillkürlich machte er eine Bewegung. Er hob den Kopf —
Da stand sic!
Wahrhaftig!. Es . war keine Täuschung. -Dicht am Eingänge stand sic. Geisterhaft hob sich ibr Gesicht von dem roten Vorhang hinter ihr ab. Wie bleich sie ausfah! — Das war der Schmerz
Er starrte sie an. Und sic sah ihn wieder au.
Er wollte ihr alles sagen — alles. — Und doch sprach er kein Wort. Er hatte nicht den Mut dazu.
Nur den Arm streckte er aus.
Sie legte ebenso stumm ihre Hand in die seine.
Er fühlte das Zittern ihrer Finger. Es war ihm, als sprächen diese Finger. Und auch sie glaubte das Beben seiner Hand zu verstehen. So blieben sie ganz still — eine Weile.
Ist blickte immerfort, auf das steinerne Weib. Und doch sah sie es nicht. Wenn es nicht inehr dagestanden hätte, sie würde die Veränderung nicht einmal bemerkt haben.
Endlich erhob sich Hans Meerbach von dem Marmorblocke.
„Warum sind Sie so lange nicht gekommen?" fragte er. Die junge Frau zuckte zusammen.
„Warum tun Sie eine Frage, die Sie sich selbst beantworten können?"
Sie hatte recht. Er kannte ja den Grund ihres Fort- bleibens. Weshalb fragte er also danach?! Die Frage mußte sie verletzen. Er war ein Tölpel. Darum fand er auch nicht das richtige Wort. Zuerst wollte er ihr alles sagen. Und nu» auf einmal ....
Mit großen Schritten ging er auf und ab. Daun blieb er dicht vor Jsi stehen.
. „Haben Sie Angst?" fragte er.
„Augst?" Sie lächelte. „Wäre ich sonst hier?"
Sie war also im Vertrauen zu ihm gekommen — ganz wie gewöhnlich. Tie alte Freundin hatte den alten Freund aufgesucht. Und dach war sie eine andere. Und ec war auch ein anderer. Warum stand sie sonst so fremd da? Warum war sie so still? Das pflegte doch sonst nicht ihre Art zu sein. Sollte er ihr sagen, daß alles .zwischen ihnen anders geworden? Vielleicht wußte sie es noch nicht. Vielleicht wollte sie es auch nicht wissen. In beiden Fällen mutzte sie die Wahrheit erschrecken. Alles, was er ihr sagen wollte, war schwer. Eine Anklage, gegen den Mann, den sie selbst gewählt, sei es auch in der Verblendung, in der Unwissenheit, war schließlich auch eine Anklage gegen sie selbst. Würde sie die Kraft haben,
das zu hören?-Sie sah so bleich aus. Und wenn
es ihr mißfiel? Wenn sie ging?
