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1903.

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Dom srnnzösischen Parlament.

Unser Pariser Korrespondent schreibt: Die

Kammern sind am vergangenen Sonnabend in die Ferien gegangen und es dürfte angebracht sein, aus einige Miß­bräuche, welche sich in der verflossenen Sitzungsperiode bei der Behandlung der parlamentarischen Geschäfte ge­zeigt haben, einen kurzen Rückblick zu werfen. Ohne ans den Zwischenfall näher einzugehen, welcher ganz kürzlich 200 Abgeordnete der Opposition vercrmaßte, denSitzungs- saal unter Protest zu räumen, weil man einen der Ihrigen verhinderte, auf der Tribüne ein regelrecht eingebrachtes Amendement zu verteidigen, so wollen wir diese Episode doch deswegen ins Gedächtnis zurückrusen, weil sie beweist, wie weit auch in einem republikanischen Parlamente die Knechtung der einen durch die anderen gehen kann. Wenn man die Gepflogenheit, die öffentliche Diskussion durch Lärm- und sonstige Mittel zu ersticken, in noch stärkerem Maße, als es schon jetzt der Fall ist, fortsetzen sollte, was bleibt dann schließlich übrig? Es bleibt übrig das, was Waldeck-Roüsseau „die geschlossenen Türen der Kommissionen" nannte. Mt den französischen Paria- inentskonmnissionen ist es aber eine eigene Sache. Es gab eine Zeit, wo die Kommissionsmitglieder hauptsäch­lich nach dem Gesichtspunkte ihrer Sachkenntnis und ihres politischen Talentes gewählt wurden und folglich in der stillen Kommissionsarbeit meist mehr leisteten als das Plenum in geräuschvollen Redeschlachten, bei welchen die Kämpfer häufig mehr im Interesse ihrer Wiederwahl als in dem der Allgemeinheit fochten. Jene Zeit lregt schon lange weit hinter uns. Seitdem der Block das Feld beherrscht, wurden die Kommissionen nicht mehr aus Männern zusammengesetzt, welche Fähigkeiten und Fachkenntnisse mitbrachten, sondern ansschlwtzlrch ans

Angehörigen eben dieses Blocks, einerlei ob ste von der der betreffenden Kommission obliegenden Arbert sovrel verstanden wie der Esel vorn Tanzen. Systematrsch wrirden kraft des Rechtes des Stärkeren alle Mitglreder der anderen Parteien von den Ausschüssen ausgeschlossen, auch werrn sie die vorzüglichsten Kenner der einschlägigen Fragen waren, so daß an Stelle von Sachverständigen- Kommissionen poliftsche Comitss getreten sind, welche den Wahlkomitss mit ihren Leidenschaften, ihrer Bor- eingenommenheit und Verblendung auf ein Haar gleichen. Diese sonderbar gearteten Kommissionen aber bereiten die gesetzgeberische Arbeit, nicht nur vor, sondern sie vollenden sie in einem gewissen Sinne auch, da sich unter der Herrschaft des Blocks der Gebrauch ausgebildet hat, daß die Anträge der Kommissionen ohne weiteres von der Regierungsmehrheit gutgeheitzen werden,. Aus dem sogenannten gesetzgebenden Körper ist also erne Art Registrierungskammer geworden., „Ihr wißt es wohl", rief unlängst ein entant terrible des Blocks, der Sozialist Coutant, der Opposition zu, „das Diskutieren nützt euch nichts!" Bei einer solchen Sachlage ist es das einfachste, meinte ein Pariser Blatt, die Rednertribüne zu zerstören; die Wahl- und Sttmmurneii genügen.

Wer däs Sündenregister, welches die oppositionellen Zeitungen den Kommissionen Vorhalten, ist damit noch nicht erschöpft. Die Pseudo-Kommissionen, behaupten diese Blätter, machen nicht nur die Gesetze, sondern sie regieren auch. Waldeck-Rousseau hat, als er kürzlich nnt einer großen Senatsrede wieder auf die poliftsche Arena trat, diese Regierungstäftgkeit beleuchtet und die folgende Geschichte erzählt. Ministerpräsident Combes batte einst eine Meinung, ans welche er viel Gewicht legte, die er Äc wegen des Widerstandes einer Kommission aufgeben mußte? um die gegenteilige Ansicht anznnehmen. „So kam eine Stunde", berichtete Waldeck-Rousseau mft sichtlichem Behagen, „wo der jetzige Herr Kabineüschef der Regierungsmajorität erklären mußte, daß wenn sie fürderhin die Vorschläge, die er zuerst verteidigt, und nicht diejenigen der Kommission, welche er bekärnpft hatte, unterstützen würde, er sich genöftgt sähe, die Vertrauens- ftage zu stellen."

Wie man sieht, wird in den Kommissionen ein erkleck- liches Stück politischer Arbeit geleistet. Daß diese bei geschlossenen Türen vor sich gehende Täftgkeit oft bedenk- sicher Art ist, liegt auf der Hand. Dahlie oft zur direk- ten Gesetzesverletzung führt, ist nicht weniger erwiesen. Da die Kommissionen neuerdings den Tyrannen spielen, vor dem sich alles beugen muß, fallen eine Anzahl der jüngsten Gesetzbeugungen ihnen zu Lasten. Das Gesetz über die Vereine, erklärte in der erwähnten Senatsrede Waldeck-Ronsteau, ist verletzt worden, lveil über die Autorisationsgesuche der geistlichen Orden die Depu- fterten allein entschieden haben, während nach dem Buch-

staben und Geist des Gesetzes von 1901 beide Kammern« Senat und Depuüertenkammer, darüber beschließen mußten. ,

Es ftagt sich, ob die Kommrsstonswirtschaft noch lange Bestand hat. Denn nach den Sommerferien stehen uns wahrscheinlich beim Wiederzusammentritt des Parla» ments Überraschungen bevor.

KWMkS MNtz flr Ns Mtzreitz JMeit,

Nachdem das Königliche Staftsftsche Bureau im Mär« des Jahres den IV. Band des „Staftsftschen Handbuches für den preußischen Staat" herausgegeben hatte, ist eg der Frage näher getreten, wie den vielfach laut gewov. denen Wünschen nach öfterem Erscheinen eines ähnlichen« die neuesten Hauptzahlen der Statistik enthaltender, Werkes am besten Rechnung getragen werden könnt«. Die Volksvertretung wie die Verwaltung verlangte ein Buch, welches in handlichster Form in jedem Jahre diq für den Poliftker notwendigen Grundzahlen des Staats­und Wirtschaftslebens für Preußen zur Verfügung stellte. Die bisher innegehaltene und s. Zt. festgesetzte Erschei- nungsfolge von fünf Jahren ließ die Zahlen zu leicht veralten und schuf Lücken, welche alle unangenehm em- pfänden, welche sich mit den betreffenden Angaben zu beschäftigen in der Lage waren. Die zur Beratung der- arftger ' Fragen zuständige „Preußische Statistisch« Zentralkommission" hat nunmehr in ihrer unter dem Vorsitze ihres Präsidenten, des Unterstaatssekretärs v. Bischoffshausen, am 8. Juli d. Js. abgehaltenen Sitzung die Herausgabe eines „Staftsftschen Jahrbuches für das Königreich Preußen" beschlossen und dessen Grundzüge, wie folgt, festgestellt:

1. Das Jahrbuch erscheint gegen Weihnachten jedeS Jahres ini Umfange von 10 bis 15 Druckbogen Hand, lichen Formats.

2. Im festen Rahmen des aus dem bisher erschienenen „Staftsftschen Handbuche" übernommenen Schemas bringt es die neuesten Ergebnisse der das Königreich. Preußen betreffenden staftsftschen Erhebungen, daneben aber auch die für die Beurteilung der wirtschaftlichen rc. Verhältnisse unbedingt notwendigen Grundzahlen.

3. Grundsätzlich beschränken sich seine Nachrichten aus das Königreich Preußen dahin, daß alle im Staftsftschen! Jahrbrche für das Deutsche Reich enthaltenen Zahlen nur insoweit Aufnahme finden, als sie zur notwendig«, Vervollständigung des Gesanftbildes dienen und durch die preußische Statistik selbständig bearbeitet und so dem Staftsftschen Amte des Deutschen Reiches übergeben! worden sind.

Da der Umfang des von der staftsftschen Zentralstell« des Deutschen Reiches selbständig aufbereiteten staftsftschen

FemUeton.

Die Schulschiffe der deutschen Marine.

Technische Studie von Edgar R. Möller.

V.

Der richtige Dienst.

„Rollen exerzieren", „Segelexerzieren", toppweise

(jede Mast-Division für sich) oder „Alle Mann", „Griffe kloppen", Geschützexerzieren und was es sonst noch alles für militärische Beschäftigungen gibt, denn, das merke sich nur jeder, auf den Schulschiffen, welche den edlen Zweck verfolgen, unsere Marine immer mit einem ge­sunden Nachwuchs zu versehen, reißt der Dienst nämlich nie ab. Stramm und etwas militärischer als auf an­deren Schissen wird hier der Dienst gehandhabt. So geht es denn bis y 2 12 Uhr und wird nun „Klar Deck überall!" gepfiffen. Jetzt ist Ruhepause bis %2 Uhr. 10 Minuten vor 12 ist wieder einmal „Backen und Banken", die Backschaften gehen wieder unter Deck und besorgen wie vorher das Essen, worauf dann um 12 Uhr wieder „Alle Mann Mittag!" gepfiffen wird und 20 Minuten danach „Posten ablösen!" V 2 1 Uhr ertönt der schreckliche Ruf „Strafexerzieren und Strafzeugflicken, Aulbord-Fallreepl" und nun sieht man einige Leute mit ihren Kleiderkisten an Deck kommen, welche die Nadel nach allen Regeln der Kunst unter Anweisungen des Wachthabenden zu führen gezwungen werden, ebenso find auch einige Leute mit Handwaffen angetreten. Es ist wirklich nicht schön, wenn man sieht, wie die anderen Kameraden an Deck liegen können und man selbst sich mit dem „Schießprügel" schweißig arbeiten muß. Die Backschaften haben ihr Geschirr ans Oberdeck gebracht und waschen es fein sauber aus, denn alle Augenblick kann Backsgeschirrmusterung" sein, und ist etwas schmutzig, so gibt es „Knast". Auch die Arrestanten werden jetzt zum Spaziergänge an Deck geführt und dürfen sich einige Minuten in der frischen Luft ergehen. Natürlich steht ein Wachtmeistersmaat, meistens aber der „Posten vor Arrest", bei ihnen. Steht der letztere, so kann man seinem arretierten Kameraden manchmal etwas zustecken, denn der Posten steht dann schnell hinweg. Oster reicht er ihm

noch selbst etwas hin. Ja, ja, bet der Kaiserlichen Marine halten die Leute, welche auf einem Schiffe aus allen deut­schen Gauen zusammengewürfelt sind und hier Freud und Leid ertragen müssen, etwas fester zusammen wie beim Heere. Wie gesagt, ist bis y 2 2 Uhr Ruhepause, und dann geht s wieder los — Dienst „bis zum Herz­erbrechen" — bis V 26 Uhr, wo dann wieder einmal „Klar Deck überall!" gepfiffen wird. Nun ist Feierabend und nur die diensthabende Wache wird noch ab und zu einmal an Deck gerufen, um die nicht benötigten Boote zu hiffen. Um 7 Uhr ist wieder „Alle Mann Abendbrot!" — Warm

— das heißt „Sturmsuppe!" — „viermal Suppe und dreimal Dünnes" — Tee, Brot und Butter. — Brat­kartoffeln und Karbonade gibt's dabei nicht. Das Auf- und Abbackcn hatte sich natürlich wie vorher abgespielt. Ist nun alles gesättigt, so pfeift der Bootsmannsmaat der Wache „Musik an Deck! Die Wache Kartoffel schälen!"

— Hier schält sich jeder seine Kartoffeln selbst, die er auf­zuessen gedenkt, natürlich noch ein paar wehr für die Unteroffiziere, Seekadetten und Fähnriche zur See, diese dürfen sich dabei nicht die Fingerchen schmutzig machen. Auf dem Vorderdeck tanzen die Matrosen, in der Steuer- bordkuhl (Raum unter dem rechten Vootsdeck) die Jungens nach dem Takte der an Backbordfallreep spielen­den Musik. Hier kann man sehen, wie wild und zügellos sich die Blaujacken der Freude hingeben. Die Zeit ist ja auch nur kurz, denn um 8 Uhr ist „Unterdecke räumen und fegen!" Die Backen müssen hochgeschlagen werden und die Decke werden gefegt. Sodann noch 20 Minuten „Alle Mann klar bei Hängematten!" Jetzt möchte noch so manch einer ein bißchen tanzen, aber jetzt gibt's nichts mehr. Die Hängematten werden von den Hängematt­stauern wieder in derselben Art und Weise empfangen, als wie sie morgens hineingeschafft wurden. Wenn „Weggetreten!" kommandiert wird, lösen sich von den einzelnen Gruppen einige Leute, welche ihre Hängematte über die Schulter geworfen haben, ab und treten so an Backbord-Fallreep an, melden hier dem Wachthabenden, daß sie wegen dieses oder jenes Vergehens „eine Stunde mit der Hängematte an Deck stehen" sollen. „Wcnrgstens Gesellschaft," meint dieser denn noch ironisch, „baut Euch nur da auf!" Traurig stellen sich dann die betreffenden Leute mit ihren Hängematten auf den Rücken hin und warten sehnsüchtig auf das Kommando „Weggetreteu!

Das läßt jedoch sehr lange auf sich warten, denn sie hören noch um y 2 9 Uhr „Pfeifen und Lunten auS in bar Batterie!", mit welchem Kommando das Rauchen in den unteren Decken untersagt wird und die Wachthabenden die zum Anstecken des Tabaks angebrachten Lunten auS» drücken müssen, um S Uhr „Ruhe im Schiff!" pfeifen. Meistenteils dürfen die Leute nun wegtreten, damit sie nach 10 Minuten, wenn die Ronde geht, in der Hänge, matte liegen. Es geht hier der erste Offizier durch die Decke, kontrolliert die Posten und Wachthabenden und sieht die Ankerketten, wie auch die Verschlüsse der Munitionskammern nach, welchen Befund er dann dem Kommandanten meldet. Nun ist der Tag herum und „Ruhe im Schiss!", bis wieder die Hängematten gezurrt werden. Manchmal weicht ja auch der Dienst etwas ab. So ist Montags und Donnerstags von 5 bis 6 Uhr abends „Zeugwäsche in Division", Mittwochs und Sams­tags, nachmittags von y 2 2 bis 4 Uhr, „Zeugflicken" und danach „Arbeitsverteilung", damit es auch mal etwas Abwechslung gibt. Detz Samstags ist der Dienst schon ganz anders. Des Morgens pfeift der Bootsmannsmaat der Wache gleich „Rein Schiff in allen Ecken!" und sämt. liche Leute treten, mit Schrubber, Besen und Pützen be. waffnet, auf ihren Reinschiffstationen an. Der Boots, mann muß Seife und Soda herausgeben und der Koch mutz Wasser heiß machen. Mit dieser Lauge wird nun zuerst die Farbe, von dazu abgeteilten Leuten, abge. waschen. Andere wieder haben Segeltuchlappen und Sand und reiben hiermit die Tikholzteile ab, welche dann nachher, wenn sie getrocknet sind, mit Leinöl eingerieben werden und so einen reinen Glanz erhalten. Die an­deren Leute haben teils Schrubber, teils Steine in der Hand und scheuern, was Zeug und Leder hält. Die Mannschaften, welche die Steine handhaben müssen, liegen auf den Knieen und resben auf dem auf das Deck gestreuten nassen Sande, um ersteres schneeweiß und glatt zu machen. Das ist keine schöne Arbeit. „Rein- schiff" zieht sich für gewöhnlich bis 10 Uhr hin und dann ist „Deckaufklaren!" Jetzt werden die Eisenteile blank geschmiergelt und „der Messing" geputzt; das Schiff rst jetzt Außen- und Jnnenborös sauber. Um y 2 12 Uhr ist bann wieder „Klar Deck überall!", und wie alle Tage folgen die anderen Kommandos. Von y 2 12 Uhr ab haben die Matrosen zuerst mit den Schiffsjungen zusammen