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Anlage

iestmdener TagblaN.

Mo. Morgen-Ausgabe.

!crk ?

Es harrt ein zwiefach Werk Des Menschen hier auf Erden:

Zu finden sein Gesetz Und sein Vollstrecker werdenI

Julius Bab ^

(28. Fortsetzung.)

Leutnant Lämmchens Abenteuer.

Eine heitere Geschichte von G. v. Stokmans-Germanis.

Der Hausherr hatte es sich Vorbehalten, die Platze in den Mi gen nach Rang und Würden oder — Me er lächelnd sagte — nach Gewicht zu verteilen, zugleich aber in seiner jovialen Art die Parole ausgegeben: „Wer zu­sammenfahren will, kann das vorher abmachen; die Lonen engagieren wie zu einer Schlittenpartie!"

Diese Einrichtung fand großen Beifall, und bei der Suppe sagte der Rittmeister mst vergnüglichein Lächeln \a Frau LieS:

„Wir bleiben doch zirjammen, gnädige Frau?

Zögernd blickte sie zu ihm auf: „Sie meinen wahrend der Fahrt?"

„Natürlich." m

„Da bin ich leider schon versagt; Herr von Panthenau forderte mich soeben auf."

„So?" der Ritmeister schien ernstlich verstimmt „dann verzichte ich überhaupt auf Tamengesellschast!"

„Und sind dadurch jeder lästigen Pflicht enthoben.'

„£)", meinte er kiihl, „es gibt auch angenehme Pflich­ten!" und setzte das aus getrunkene Weinglas hart auf den

^ Beim Aufbruch entstand ein buntes Treiben und Drängen. Der Trompeter blies zum Sammeln, und die jungen Herren rissen grüne Zweige von den Bäumen, um noch im letzten Augenblick die Wagen zu schmücken. Die blitzenden Uniformen der Offiziere und die bellen Toiletten der Damen boten im strahlenden Sonnenschein ein hübsches, farbenprächtiges Bild. Und wenn ein Wagen glücklich vollgepackt war und abfuhr, gab ihm das Hurrarufen der Harrenden ein lautes und fröhliches Geleit.

Nun stand eine alte Halbchaise mit zurückaeschlagenem verdeck vor der Tür, in der außer dem Kutscher mir zwei Personen Platz finden konnten. Herr von Twielendorf bat seine Schwiegertochter, einzusteigen, und Panthenau als ihr Partner schickte sich gerade an, ihr zu folgen, da erschien die Domina, die durch eine häusliche Angelegen- heit aufgehalten worden war, vor der Tür, übersah so- fort die Situation und veränderte Pr im Handumdrehen.

„Mein lieber Herr von Panthenau", sagte sie, schein­bar ganz unbefangen, mit heiterer Liebenswürdigkeit, „verzeihen Sie, wenn ich Sie noch einen Augenblick auf- halte. Eben kam der Depeschenbote, und wenn ich nicht sehr irre, hatte er ein Telegramm für Sie. Wenn Sie vielleicht selbst noch einmal Nachsehen wollen?"

Panthenau, der in einer Pferdeangelegenheit unge­duldig einer wichtigen Nachricht harrte, murmelte eine Entschuldigung und lief eilends ins Hmis zurück, die Domina aber wandte sich an den Rittmeister, der, die

Hände in den Manteltaschen, abwartend daneben stand,

und sagte lächelnd: ^ , , , „

„Wir wollen dieses kleinen Jistermezzos wegen dre anderen nicht aufbalten, zumal die Pferde etwas unruhig sind. Falls Sie keine andere Dame haben, sind Sie wohl so freundlich, meine Schwiegertochter zu begleiten, Herr von Wacht? Herr von Panthenau fahrt dann mit mir

im letzten Wagen." . . ^...

Die Art, wie sie es sagte, litt kemen Widerspruch, und der Rittmeister, der die kleine Komodie sofort durchschaute, dachte auch gar nicht an Opposition. Mit einem. ,,G . wie Sie befehlen, meine Gnädigste", legte er ernsthaft oi Hand an die Mütze ,machte eine zweite um Erlaubnis heischende Bewegung gegen Frau Magdalrs, und saß nächsten Augenblicke neben ihr un Wagen der Tim warf den Schlag zu, die Pferde zogen an, und fort ging es im fröhlichen Trabe auf die Landstraße ^uaii^>, wo me roten Vogelbeeren in dicken Bündeln an den Baumei hingen irnd der scharfe Dust von welkendem Kartoffelkraut

die Lust durchzog. . «t

Lies wußte gar nicht, wie ihr geschah. Sie hatte sich alles so hübsch zurecht gelegt, und nun war alles wieder anders geworden durch ein Machtwort der gestrengen Domina. Zürnte sie ibr — war sie ihr dankbar? Sie wußte selbst nicht recht. Jedenfalls klopfte ihr Herz un- gewöhnlich jchnell, und sie zuckte förmlich zusammen, cu-> der Rittmeister nun lächelnd sagte:

„Sie sehen, meine Gnädigste, es geschehen noch Zeichen und Wunder. Sie wollten mich heute los sein, und da bin ich wieder als Ihre rechtmäßiger Freund unb Be­schützer. Für die nächsten Stunden sind Sie mir rettungs- los überantwortet, und ich bedaure nur eins: daß ich

Panthenaus verblüfftes Gesicht nicht sehm kann, wenn er zurückkehrt und hört, daß wir auf und davon sind Lies war die Sache etwas unheimlich. „Ach , sagte sie kleinlaut, „vielleicht beschäftigt ihn der Inhalt der Depesche so schr, daß er alles andere darüber vergißt.

Wacht lachte. „Das bezweifle ich stark Die Depesche war, wie ich zufällig hörte, an das Rmtamt gerrch.ct. Herr Mark nahm sie in Empfang, und Ihre Schwieger- mutter wußte das wahrscheinlich sehr gmam"

„Weshalb klärten Sie denn das Mißverständnis mcht

°'^Jch werde mich wohl hüten", meinte er schmunzelnd, mir paßte die Sache ja ganz vorzüglich, und der schone Narciß batte eine Strafe verdient. Weshalb vergreist er sich an anderer Leute Eigentum?" ,

„Wer ich wüßte doch nichtl" stotterte fie tn höchster

Befangenheit. , . .

Doch, meine Gnädigste,, Sie wußten ganz gut, daß meine Tischdame zu mir gehört. Ich rechnete aut einen Platz in Ihrem Wagen mit größter Bestimmtheit und wenn Sie ihn anderweitig vergaben, so war daS gewisser- maßen ein Verrat an unserer Freundschaft."

Ach", meinte sie unmutig, „unsere Frermdschast steht so wie so aus schwachen Füßen, Herr von Wacht. Ihr ehlt das Vertrauen. Ich habe zwar das meine Ihnen rückhaltlos geschenkt, aber Sie vergelten durchaus mcht

Gleiches mit Gleichem."

Er sah sie forschend von der Serie an.

„Sie glaubcm also?" ^ r „, ■ . „

„Ich glaube nicht, ich weiß, daß Sre verlobt imd ,

sagte sie schnell, fest entschlossen, eine Mauer aufzurichwL zimschen sich und ihm, „weshalb erzahlm Sre mir me von

^ „Hm", meinte er, scheinbar zerknirscht, „darf ich wissen, wer Ihnen das Geheimnis verriete „Meine Schwiegermutter!"

„Und woher kennt sie es I"

Die kleine Frau sah ihn ganz erstaunt an. „

„Fräulein von Rothenall ist doch mit ihr verwand. „Schön; diese junge Dame teilte es ihr mit?

„Nicht direkt, sie erfuhr die Interessante Neuigkeit unter der Hand, aber Leutnant Lämmchen - sch meine natürlich Baron Bock — bestätigte auf ihr Drangen me

^Daß sft mit dem Rittmeister von Wacht verlobt sei?»

„Ja.'

„Das stimmt, die Verlobung wird nächstens in der

^^r?n Magdalis sah ihn ernst und vorwurfsvoll an.

Wie ruhig Sie das sagen! — Und ich, vchre >oge nannte Freundin, sollte bis zuletzt nichts davon wißen?

Er lachte. „Interessiert es ^ie denn?

„Gewiß", sagte sie lebhaft. „Fräulein von Rochenall

soll ein reizendes Mädchen sein."

"Nun,°und"Sie selbst?" Sie betrachtete ihnnA

Spannung. „Sind Sie denn mcht begütert entzückt?

„Ich habe in der Sache wirklich kern Urteil.

„Weil Sie meinen, die Liebe sei blrnd.

„Nein, das trifft in diesem Falle mcht zu. wch hao« nicht den Vorzug, die Darne zu kennen.

„Und sind doch mit ihr verlobt? rsrfw'itK

Er zögerte einen Augenblick, dann schüttelte er lächelnd

^ Bedaure! Mein Vetter von den Straßburger Dragonern — auch ein Rittmeister von Wacht — fft dev

Erwahlte.^rt^ ^ ^ ^fÄnd, ungläubig, gwtz der- wirrt. „Dann, dann sind Sie mit einer anderen der-

to61 gr i*r Sefhxbe mich umI 'NI

Me* M-

fidM Der Blick, dem sie begegnete, war auch gar »u sprechend Der böse Mensch schien sich köstlich zu amu- sieren über den Eindruck, den die Wahrheit auf sie macht«, imd da sie nicht fortlaufen konnte, drückte sie sich wem^ stens in die äußerste Ecke des Wagens, als komE sie sch dadurch seiner Gegenwart entziehen. — Dock mach FinTf iftr nicfvt§* er ergriff chre Hand, hielt fte W*

L lächAnd- „Nun 'wollen Sie mir wobl

scherst erst recht kündigen, gnädige Frau? Ohne de»

NimbuS eines heimlich Verlobten gefalle ich Ihnen gar

"^Die Hand zuckte in der seinen, und ihre Stimme klang ernst und vorwurfsvoll, als sie schüchtern sagw:

„O, Herr von Wacht, ist das nicht sträflicher Betrug, Vorspiegelung falscher Tatsachen?"

Was? — wenn ich fragen darf?

„Daß Sie sich für verlobt ausgeben und es gar mcht

^' (Fortsetzung folgt.)

©arteii fesaii - W ereist. NcOmwg ßsa ÄÄW. toi 11. Mi. Adends 9 Pt,

im Hotel Nonnenhof. ^

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