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jlo. 315. «erlagS^ernsprecher R». 2Sb>.
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RebaktionS-Fernsprerber N». Bl.
1908 .
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Kestm des MilMMsms- und Keaiulen- ünMilW-UerWens.
Zu den zwingendsten Aufgaben der nächsten Zeit ge- hört die anderweite Regelung des Milstärpensionswesens. Die Vorarbeiten sind vollendet. Die Einbringung der entsprechenden Vorlage wurde durch einen Beschluß des Staatsministeriums verschoben, weil sich einstweilen nicht abschen läßt, wie die Kostendeckung beschafft werden soll. Inzwischen dauert die Verjüngung der ArmM fort. Wie wir aus den Reichslanden erfahren, wird sie namentlich auch dort sehr energisch von dem Nachfolger des Grafen Häseler betrieben. Der Offizier muß nicht selten in den Pensionsstand treten, wenn er noch verhältnismäßig jung cm Dienstjahren ist. Nach dem geltenden Pensionsgesetze .hat er dann nur einen Ruhegehalt gn gewärtigen, der schmal ist. Das trifft ihn doppelt hart, wenn er Famüie besitzt und für die Erziehung der Kinder nicht unbeträchtliche Aufwendungen zu machen hat. Nach dem neuen Pensionsgesetze, wenn nmn von einem solchen bereits reden darf, so lange es sich bloß um erste Entwürfe handelt, die noch nicht einmal das Placet des preußischen Staatsministeriums erlangt haben, geschweige denn der Begutachtung der anderen Einzelregierungen unterworfen wurden (abgesehen von den militärischen Instanzen), soll in dieser Hinsicht eine Besserung eintreten. Die Anfangs-Pension soll höher sein, als sie jetzt ist, und es ist kaum zu bezweifeln, daß das Gesetz auch rückwirkende Kraft .erhalten wird, wenn es einmal im Reichstage eingebracht ist. — Sehr strittig ist noch, ob gleichzeitig mit einer Reform der Militär-Pensionsordmmg auch eine solche der Civilbeamten wird angestrebt werden. Bei der Fertigstellung der Vorarbeiten für den neuen Mlitär-Pensionsgesetzentwurs ist in Berücksichtigung ge
zogen worden, ob und wie weit die Änderung der Grundsätze für die Pensionierung der Utilitärs . früher oder später auch von Einfluß sein möchte auf die Ansprüäse an eine neue Ordnung der Eivilbeamten-Pensionsver- hältnisse. Der Civilbeamte wird nur in den seltensten Fällen so frühzeitig pensioniert wie der Militär. Des- halb erscheint es hier weniger notwendig, dafür zu sorgen, daß die Anfangs-Pension so auskömmlich bemessen werde, daß das Bestehen bei ihr überhaupt möglich sei. Es fragt sich aber im Zusammenhänge hiermit, ob nicht, wenn auch nicht durchgängig, so doch in vielen Fällen, me Anfangsgehälter der Civilbeamten so niedrig bemessen sind, daß der nach langem Hängen und Würgen endlich zur Anstellung gelangende Jurist, Theologe oder Philologe sich von Beginn der letzteren an in die denkbar schiefste Lage gebracht sieht. Ditz ultramontane Zeit- strömnng ist noch nicht so weit gediehen, daß den Gerichts- assessorcn, Pfarrern und Lehrern das Heiraten untersagt werden könnte. Es erscheint vielfach sogar nicht nur er- wünscht, sondern auch nötig, daß der junge Beamte einen Hausstand gründet. Wenn er das aber mit seinem Anfangsgehalt tun muß, kann er es nicht, ohne sich von vornherein in Schulden zu stürzen. Die reichen Töchter des Landes sind nicht so dicht gesät, wie manchmal ange- nommen zu werden scheint. Ihre Neigungen gehen überdies Mehr auf das zweierlei Tuch als auf die Beamtenrobe. Man wird es also schon als das Normale ansehen müssen, daß der Beamte seine Frau aus den durchschnittlich weniger begüterten Familien wählt. Da ist es aber weder recht noch billig von Staat und Reich, daß sie den jungen Richter, Pfarrer oder Lehrer grade in der Zeit seiner Taseinsbetätigung so schlecht wie möglich stellen, in der er verhältnismäßig mehr dienstlich leisten muß und in Bezug aus seine Lebenshaltung in Anspruch genommen ivird wie der „Herr Kollege", der auf einer höheren Dienstaltersstufe steht. Die vielfach in Beamtenkreisen sich zeigende Mißstimmung, die sich auch aus die Bevölkerungskreise überträgt, mit denen die betreffenden Herren dienstlich oder gesellschaftlich am meisten in Berührung kommen, ist nicht selten auf die Not und die Sorgen zurückzuführen, mit denen der angehende Beamte von vornherein zu kämpfen hat, weil ihn Reich und Staat so wenig gut stellen, daß er neue Schulden zu machen gezwungen ist, nachdem er sich von den Verpflichtungen, die er während seiner Wartezeit, ja vielleicht schon während seiner Studienzeit, einzugehen genötigt war, noch nicht zu befreien vermocht hat. Wenn die liberalen Parteien sich wirkliche Verdienste um Staat und Gesellschaft erwerben wollen, werden sie gut tun. gleich zu Beginn der nächsten Gesetzgebungsperiode sich in der Richtung zu bemühen, in der die im Vorstehenden gestreiften Unzuträglichkeiten, wenn auch vielleicht nicht beseitigt und behoben, doch nicht ganz unbeträchtlich herabgemindert werden können.
Der Zustand des Papstes.
Leo XIII. «ud seine Umgebung
schildert ein sehr interessanter Artikel in der „Revue Suisse" von E. Philippe, der sich für seine Mitteilungen auf eine zehnjährige Beobachtung beruft. Die lange Dauer des Ponttfikats von Leo XIII. ist bekanntlich eine Seltenheit in der Geschichte der Päpste. Man kann von ihm dasselbe sagen wie von Pius IX.: „Annos Petri» superavit." Wenigstens scheint es nach den letzten Be-, rechnungen über die Dauer des Pontifikats des hl. Petrus, daß Leo XIII. diesen Rekord am 28. April dieses Jahres bereits überschritten hat. Die durchschnittliche Dauer der Pontifikate ist im allgemeinen nicht höher als 6 Jahre. 39 haben nur ein Jahr gedauert, viele auch nur wenige Tage. So war z. B. Hadrian V. nur einen Monat Papst, und man erzählt, daß, als beim Konklave von 1878 die Chancen sich definitiv zu seinen Gunsten wandten, der Kardinal Peccr einem Nachbar, der ihn eiligst beglück^ wünschte, sagte: „Sie wollen also einen zweiten HadrianV.' wählen?" Tatsächlich aber erwarteten die Mitglieder des, hl. Kollegiums, die ihn zum Papst proklamierten, auch! nicht, daß Leo XIII. zu den sechzehn Päpsten gehören würde, die über 80 Jahre alt wurden. Als der Kardinal Peccr gewählt wurde, wünschte das hl. Kollegium gerade einen Ubergangspapst. Unter seinem Pontifikat hat derq Papst 144 Kardinale sterben sehen und 140 Kardinale ernannt, er hat also zweimal das hl. Kollegium erneuern müssen, dessen Plenum aus 70 Kirchenfürsten besteht. Fast alle, die man bereits als mutmaßliche Nachfolger des! Papstes, als „papabili" hinstellte, sind dem, dem sie folgen sollten, ins Grab voran gegangen. Leo XIII. hat dabei häufig an Todesahnungen gelitten. Wenige Tage vor seiner Wahl erklärte er dem Kardinal Bartolini, dev sich in das Palais Falconstrt begeben hatte, um ihm die Kandidatur anzubieten, daß er dazu in sich weder die erforderliche Autorität noch die Heiligkeit fühlte, und al8 Bartolini, Di Pietro und Nina in ihn drangen, mur, melte er melancholisch: „Unter so traurigen Umständen das Pontifikat anzunehmen, das wäre für mich der Tod". Und dieses Vorgefühl des Todes hat ihn während seines ganzen Ponttfikats nicht verlassen. Seit langem hat ev die finanzielle Frage des Konklave, das seinem Tode folgen wird, geregelt, und nach der Operation, die er vov 5 Jahren glücklich überstand, sagte er bei seiner ersten Promenade in den Gärten des Vatikans lächelnd zu einem Nobelgardisten, der ihn begleitete: „Diesmal noch hat man mich schon tot gesagt, aber Gott hat es nicht gewollt. Wahr ist es, daß jetzt die Stunde bald gekommen sein dürfte, und der neue Papst wird große Aufgaben haben". Trotz seines überraschenden Gedächtnisses für die geringsten Erlebnisse seiner Jugend und alle Einzelheiten in den ersten Jahren seines Pontifikats, das ihn bis in die letzte Zeit nicht verlassen hat, trotz seiner Leichtigkeit im Diktteren lateinischer
Feuilleton.
Ein Hausfreund des Menschen.
Von vr. Albert Neuburger (Berlin).
Das alte Wort von den kleinen Ursachen und den großen Wirkungen ist wohl auf keinem Gebiete so sehr und so oft zur Geltung gelangt, wie auf dem der Technik. Ein vom Baume fallender Apfel war die Ursache, daß Newton die Gesetze der Schwerkraft fand, ein in der Kathedrale zu Pisa pendelnder Kronleuchter hat Galilei zur Erforschung der PendJg-kette uno zur Konstruktion der ersten Pendeluhren veranlaßt,' eine aus einem Teekessel entströmende kleine Dampfwolke legte dem Hirtenknaben James Watt den Gedanken an die Dampfmaschine nahe und ein zuckender Froschschenkel war die Ursache all der Wunder der Elektrotechnik, die heute Schlag auf Schlag die Welt in Erstaunen setzen, die Länder und Meere überbrücken und die die Begriffe von Raum und Jeit in einst ungeahnter Weise modifizierten. Kirschkerne anschleifende Kinder waren es, die dem Arbeiter Keller den Gedanken an die Fabrikatton des Holzschliffes, die heute in fast allen Kulturländern einen der mächtigsten Industriezweige bildet, nahe legten, und dem von der flinken Hand des Webers hin- und hergeworfenen Weberschiffchen verdanken wir den besten unserer Hausfreunde: die Nähmaschine!
Es war an einem frostigen Herbstavend des Jahres 1844. Bon Sorgen und Hunger gequält und mit Bangen der herannahenden Winterszeit entgegensehend, schlen- öerte der Fabrikarbeiter Elias Howe durch die engen Straßen des ärmsten Viertels von Boston. Plötzlich blieb sein Blick auf dem erleuchteten Fenster eines Webers haften, und unverwandt starrt er in das Innere der armseligen Stube. . „
Seltsame Gedanken durchzucken fern Hrrn: „Wenn man die Konstruktion des Webstuhls im großen und ganzen beibehielte und sie nur etwas vereinfachte und an dem Schiffchen eine Nadel anbrächte, dann müßte doch eine Maschine entstehen, die im stände wäre, beim Nähen die Handarbeit zu ersetzen!" Der einmal gefaßte Gedanke
verließ Howe nicht mehr. Jeden Pfennig seines Verdienstes verwandte er von nun ab auf die Herstellung einer Nähmaschine, deren Details ihm klar vor Anger schwebten, an der er aber noch jahrelang arbeiten mußte teils seiner beschränkten Mittel wegen, teils wegen der vielfachen Schwierigkeiten, die sich der praktischen Ausführung entgegensetzten.
Wie so vielen Erfindern, so ging es auch Howe. Not und Elend und bittere Enttäuschungen blieben ihm nicht erspart, aber im felsenfesten Vertrauen auf den endlichen Sieg seiner Ideen und auf seine Kraft ließ er niemals den Mut sinken. Stets und immer wieder gelang es ihm, neue Hülfsquellen zu finden. Nach Jahren des Kampfes, nachdem ihm ein Modell seiner Maschine in England für einen Spottpreis abgekauft worden war und er hierdurch die englischen Patente verloren hatte, nachdem auch einige seiner Freunde ihr Hab und Gut zngesetzt hatten, nachdem er von den ersten Schneiderfirmen Amerikas Abweisungen über Abweisungen hatte erfahren müssen, traf ihn noch der letzte und schwerste Schlag: der frühere Schauspieler und Thcaterdirektor einer herumziehenden Truppe, Isaak Mcrrit Singer, hatte an Howes Modell einige wesentliche Verbesserungen angebracht und es im Jahre 1861 in Amerika zum Patent angemeldet, das ihm auch erteilt wurde. Arm und von allen Mitteln entblößt, konnte Howe gegen Singer nicht prozessieren, und erst mit Hülfe einiger Freunde, die sich aus purem Edelmut auf seine Seite stellten, gelang es ihm, einen Prozeß gegen Singer anzustrengen. Dieser Prozeß zog sich Jahre und Jahre hin und erregte in der Welt das größte Aufsehen. Von beiden Seiten wurde er mit der äußersten Erbitterung geführt, die geschicktesten Advokaten wurden in den Dienst der Sache gestellt, — endlich siegte Howe! Es wurde seinem Patent Gültigkeit für die ganzen Vereinigten Staaten zugesprochen, und damit auch wurde, was ihm noch mehr wert war, festgestellt, daß ihm allein die Ehre der Erfindung der Nähmaschine gebührt. Von nun ab wurden infolge der Gültigkeit seines Patentes alle Fabrikanten von Nähmaschinen verpflichtet, an ihn eine bestimmte Abgabe zu entrichten, ja, sogar für die nach Amerika importierten Maschinen stand ihm ein Tribut von ö Dollars pro Stück zu.
Vom Jahre 1861 an, also dem Jahre, in welchem
durch Singer die erste Nähmaschinenfabrik der Welt begründet wurde, können wir den Beginn der Näh- naschinen-Jndustrie datteren, doch nur langsam bricht das Gute sich Bahn! Wenn heutzutage eine neue Erfindung gemacht wird, so wird sie in den Kreisen der Interessenten sorgfältig geprüft und je nach ihrem Wert oder Unwert ausgenommen oder abgelehnt werden. Das Publikum unserer Zeit, das Publikum des Jahrhunderts des Dampfes und der Elektrizität ist dazu erzogen, den Wert erfinderischer Geistestätigkeit zu schätzen. Anders war cs noch vor fünfzig Jahren! Damals stand man an einem Wendepunkt in Bezug auf die industriellen Verhältnisse. Nur kurze Zeit war seit der Eröffnung der ersten Eisenbahnen verflossen und langsam ging deren weitere Ausbreitung vor sich. Die Telegraphie lag, wie überhaupt die ganze Elektrotechnik, noch in den Kinderschuhen, und die einzige Maschine, an die man sich bereits gewöhnt hatte, war die Dampfmaschine. Noch fehlten höher» und weitere Gesichtspunkte. Man erblickte in der getreuen Konservierung des Althergebrachten, im Hochhalten der Sitten der Väter das höchste und erstrebenswerteste Ziel. Es bestand noch ein enger Zusammenhang in den Zünften der Handwerker, die jeder Neuerung abhold waren.
Mitten in solche Verhältnisse und Anschauungen hin. ein kam nun Howe mit seiner neu erfundenen Maschine. Wir haben bereits darauf hingewiesen, welche Kränkungen und Zurückweisungen er von seiten der Schneider Bostons erfahren hatte. Der erste Schneider dieser Stadt verfuhr noch ziemlich glimpflich. Er nannte die ganze Sache eine Torheit, mit der er sich nicht befassen wolle. Ein zweiter und dritter verhöhnten und verlachten Howe, bei einem vierten aber wurde er direkt hinausgeworfen. Damit war es jedoch noch nicht genug! Als es allmählich der Energie der von Singer gegründeten Singer Manu- saeturing Company gelang, eine größere Anzahl von Nähmaschinen auf den Markt zu bringen, da brach unter den Lchneidergesellen der Helle Aufruhr los; sie bildeten große Verbände, deren einzelne Mitglieder jedem Meister den Tod schworen, der es wagen würde, solche Maschine an- znschasfen! Wahrlich, schlimme Aussichten für die Zukunft! Und wer weih, wie sich die Verhältnisse im Lanke
