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Verlag Lauggasse 2t

CHiHit trf- gt*STt« Mn 8 Uhr morgen» bis 7 Uhr abends, vez»,»-Preis für beide Ausgabe»: 7» Pfg. monatlich, M, »— vierteljährlich durch den Verla»

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„L-PrrtS für beide »»»gäbe»: 7» Psg, monatlich, M, 8— vierteljährlich durch den Verla, «affe 81, ohne Bringerlohn, M, 3.— vierteljährlich durch alle deutichen Poftanstalten. ausschließlich Laeld. — Bciuas -Bestellungen nehmen außerdem entgegen: in Wiesbaden die Zweigstelle Bis­marckring 19, sonne die Ausaabestellen in allen Teilen der stad-' • >--- -*”*•

gabestellen und in den benachbatten Landorten und im Rheingau

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Freitag» 3. September 19tS.

Kbend-Ausgabe.

Ur. 410. . 63. Jahrgang.

Oer ttrieg.

von den östlichen Kriegsschauplätzen«

Erzherzog Friedrich in Srest-LitowsKi Rauchende Trümmerhaufen bezeichnen den russischen Rückzug.

IV. T.-B. Wien, 3. Sept- (Nichtamtlich.) Aus dem Kriegspressequartier wird gemeldet: Feldmarschall Erz­herzog Friedrich hat sich am 30. August nach B rest - Liiowsk zur Besichtigung der Festung be­geben. Auf dem Wege -dahin stattete der Erzherzog dem Generalfeld marschall v. Mackensen einen Besuch ab und sprach dem hervorragenden Feldherrn seinen Dank und seine Anerkennung aus. Bor Brest-Litow-sk nahm der Feldmarschall am 20. August die von -österreichichen Truppen genommene W c st f r o n t der Festung in Augenschein und besichtigte eingehend das stark ausge- öaute Werk südlich der Ortschaft Konoszcyn, das von den Unsrigcn mit stürmender Hand genommen worden ivar, ehe der Gegner noch Zeit fand, die vorbereitete Sprengung des Werkes durchzuführen. Vor ihrem Ab­zug zündeten die Russen die Stadt an und zwangen die Bevölkerung zum Abzüge. Heute noch rauchende Trüm­merhaufen sind alles, >vas von der ungefähr 60000 Einwohner zählenden Stadt übriggcbliebcm ist. Der Felidmarschall begab sich nach Besichtigung der gleich­falls ausgebrannten Zitadelle in den Stand­ort -deS Korpskommandantsn v. Arz. Am 31. August erfolgte die Rückreise des Feldmarschalls vorerst nach Lublin. Ein großer Teil der aus der Fahrt passier­ten Ortschaften bot ein Bild barbarischer Zerstörungs­wut. Viele Dörfer sind vom Erdboden ver­schwunden, die Straßen voll zurückkchrender Flücht­linge o-der von Russen mitgeschleppter Landbewohner, die seht an Stelle ihres Heimes nur mehr Trümmer­haufen vorfinden. Nach Besichtigung des Amts­gebäudes des österreichisch-ungarischen Kreiskommanbos in Lublin setzte der Erzherzog die Fahrt über Nowo- Alepmdrifo nach Nadcmi fort. Don dort kehrte er mit der Eisenbahn in den Standort des Armeeoberkomman­dos zurück.

Di« vuchi von Riga in deutschen Händen?

Köln, 3. Sept. (Zeus. Bln.) Die „Basler Nach­richten'' melden laut „Köln. Ztg." aus Stockholm: Die B u ch t v o n 3t i g a i st in d c u 1 s ch e n H ä n d e n. Die Russen haben vorgestern die Insel Dagö vollstän­dig geräumt.

Die „Köln. Ztg." bemerkt hierzu: Eine Bestätigung liegt nicht vor.

Die deutsche Rugustbeute.

Ein schweizerisches Urteil.

W. T.-B. Bern, 3. Seht. (Nichtamtlich.) Das „Berner Tageblatt" bespricht unter der Überschrift „Furchtbare Zahlen!" die deutsche Augustbeute und vermutet weitere 100 000 Tote. Es schließt mit den Worten: Wie man angesichts solcher Verluste fabeln kann, -das russische Heer sei intakt und noch nie so gut imstande gewesen wie jetzt, ist ums unbegreiflich. Der jetzige Krieg hat eine Atmosphäre von Lügen und Unwahrheiten verbreitet, in die sich nicht nur ein Teil der Presse, sondern leider auch ganze Völker einhüllen, um ja nur nicht die Wahrheit Hörem zu müssen. Aber es wird ein Erwachen geben. Dann wird die Ab­rechnung der Nation mit denen erfolgen, die sie so lange in die Irre gehen ließen.

1664158 Russen Gefangene.

Berlin, 2. Sept. (Zeus. Bln.) Die „Berl. Morgenpost" schreibt: Am 1. August betrug die Gesamtzahl der in Deutsch­land und Österreich-Ungarn gefangenen Russen 1 228 790 Köpfe. Rechnet man die im Monat August gemachten Gefangenen mit 328 328 Köpfen hinzu, so ergibt sich eine Gesamtzahl von 1 664 158 gefangenen Russen, was der Stärke von über 55 Armeekorps entspricht. Rechnet man hierzu noch die blutigen Verluste, so ergibt sich ein mehr­facher Millionenv-erlust,so daß man mit Recht von der Vernichtung eines großen Teiles der russischen Heeres- macht sprechen kann.

Nutzlands neuester plan.

Eine Million Kosaken zur Beunruhigung Deutschlands.

W. T.-B. Paris, 3. Sept. (Nichtamtlich.) Die Mütter melden, Rußland bereite für den Wrnterfeldzng eine Sonderarmee von einer Million berittener Kosaken vor, deren Aufgabe sein soll, den Deutschen zuzusetzen.

Die Stimmung in Finnland.

Stockholm, 3. Sept. (Zenf. Bln.) „Stockholms Da-g- bla.b" wird geschrieben: „Alle russischen Versuche, die

Gewogenheit des finnischen Volkes wiederzuze- winnen, lassen uns unberührt. Eine Kursänderung unmittelbar nach dem Kriegsausbruch hätte vielleicht Eindruck auf die Volksstimmung gemacht. Ja, ich be­haupte, hätten die liberalen russischen Politiker vor einem Jahre offen und bestimmt erklärt, daß F r nn-

lands Autonomie vollkommen wiadevher,gestellt und Garantien dafür gegeben werden müßten, und daß die Finnländer fernerhin nicht gekränkt werden, so hätte das schon eine Wirkung gehabt. Aber vergebens erwar­teten wir eine -derartige Erklärung.

Russische Rulturbilder.

Deutliche Spuren der Auflösung im Innern des Landes.

W. T.-B. Petersburg, 3. Sept. (Nichtamtlich.) „Rsetsch" berichtet über die Dumasitzung vom 27. August: Bei _ der Interpellation über die verurteilten sozialdemokratischen Dumamitglieder führte der Sozialdemokrat Tschen-kelt aus, daß die Rechte der Duma mit Füßen getreten würden, da Mitglieder der Duma während der Tagung in Sibirien schmachteten. Er habe von Arbeiterorganisationen Zuschriften erhalten, die aussprächen, daß sie alle Mittel an- w-cnden würden, um die Dumamitglieder zu befreien. Die Interpellation wurde ab gelehnt, da die Duma keinerlei Befugnis zum Einschreiten habe und andere Wege beschritten werden müßten, um die Verurteilten frei zu bekommen-. — Bei der Interpellation wegen Erschießung streikender Arbeiter in der Stadt Jwnowow-Woserressenek führte der Sozial­demokrat Tschejiatze aus, am 23. August habe ein Streik in den dortigen Fabriken stattgefunden. Die Polizei sei ein­geschritten und hätte etwa 100 Personen getöte-t oder ver­wundet. K o r e n s k i erklärte, daß im Innern Rußlands bereits deutliche Spuren der inneren Auflösung hervorträten. Derartige Erscheinungen seien erschreckande Symptome für die Zustände. Es sei offensichtlich, daß die Regierung direkt eine provokatorische Politik treibe.

Eine russische Betrachtung der Kriegslage im Osten-

Br. Lugano, 3. Sept. (Eig. Drcchtbericht. Jens. Bln.) Ter Petersburger Korrespondent des „Corriere della Sera" telegraphiert: Die russischen Militärkrerse glauben nicht, daß die deutsche Heeresleitung von der Ostfront größere Truppen­massen abzichen könne, da das russische Heer trotz des vor­läufigen Widerwillens gegen eine neue Offensive doch in keiner Weise erschüttert sei. Das russische Heer sei immer noch organisiert, zahlreich, aktionsfähig, und die die Truppen unter­hielten lebhafte Fühlung mit dem Feinde. Für nicht ausge­schlossen hAt man, daß die Deutschen gegen Petersburg oor- zurücken beabsichtigen, aber der Herbst ist gekommen und den Deutschen bleiben nur noch sechs Wochen übrig, die zum Vor­stoß gegen Petersburg nicht genügen. Inzwischen wind das russische Heer starke Stellungen einnehmen, um bei Beginn des Frühlings die Offensive wieder aufzu- n eh men. Wir haben also, sagen die Russen-, fast acht Monate vor uns, um uns für einen neuen Kampf vorzube- rciten und alles auszuschalten, was bisher unseren Sieg ver­hinderte.

Eine Ansprache Raiser Franz Josephs.

IV. T.-B. Wien, 3. Sept. (Nichtamtlich.) Gestern vor­mittag empfing der K a i s e r in der großen Galerie^ des Schönbrunner Schlosses die u-ngari sch-kroatische Huldigungsdeputation. Der Kaiser betrat die Galerie, bei seinem Erscheinen mit nicht endenwollenden Eljen- und Ziviorufen begrüßt. Nach dieser Huldigung hielt Ministerpräsident T i s z a namens der ungarischen Hul- digungsdeputation eine Ansprache, an deren Ende abermals begeisterte Eljen- und Ziviorufe ertönten. Darauf erwiderte der Kaiser, indem er folgendes sagte:

„Es ist mir eine der größten Freuden meines Lebens, daß es unter der Mitwirkung hervorragender umgarischer Staatsmänner gelang, das segensreiche Zusammenwirken zwischen der Krone und der Nation sowie zwischen dem ungarischen Staate und den übrigen Königreichen und Ländern auf einer dauernden Grundlage zu sichern und dadurch die Mißverständnisse, dir sich Jahrhunderte hindurch stets erneuten, zu beseitigen. Mehr als je bisher erbrachten die großen Prüfun­gen der Gegenwart den Beweis, daß dieses Werk der Aussöhnung und Ausgleichung die Seelen meiner Völker, insbesondere auch diejenigen der Völker meiner ungarischen Krone ganz durchdrungen hat. Ms unsere Feinde, von Er­oberungssucht getrieben, uns überfielen, nahm die unga­rische und kroatische Nation, sich eins fühlend niit der Krone, in brüderlichem Wetteifer mit meinen übrigen Völkern und auf meinen Ruf hin mit begeisterter Entschlossenheit und voller Kraftcmspannung den Kampf gegen die uns über­fallende Übermacht auf. Fest ist meine Zuversicht, daß meine heldenmütigen Heere im Verein mit den -treuen Bundes­genossen einen ehrlichen, dauernden, gesicher- tenFrieden erkämpfen werden und daß dam ungarischen Staate und den in ihm vereinten Nationen in dem durch die ge-aenwärtigen gemeinsamen Kämpfe und gemeinsamen Opfer "aufs neue geheiligten geschichtlichen Verbände mit meinen übrigen Völkern es beschie-den sein wird, in ge­steigerter Kraft und Ansehen die Segnungen des Friedens zu genießen. Empfangen Sie für Ihr Erscheinen und Ihre Huldigung meinen innigsten Dank. Tragen Sie der Nation den Ausdruck meines aus tiefstem Herzen quellen­den Dankes heim für Ihre treue und heldenmütige Haltung."

Nachd-ein die Ansprache des-Kaisers verklungen war, er­griff der kroatische Banns Baron S k e r l e c z das Wort, um Seine Majestät namens des Königreichs Kroatien und Slawonien zu begrüßen und das Gefühl der unerschütterlichen

Treue der kroatischen Nation zu verdolmetschen. Der Kaise, antwortete mit einigen huldvollen Worten, woraus er sich, best gleitet von brausenden Eljenrufen, zurückzog. /

Das Festmahl in Wien-

IV. T.-B. Wien, 3. Sept. (Nichtamtlich. Drahtbericht.) Im Laufe des gemeinsamen Mahles, das die Mitglieder der -ungarisch-kroatischen Huldigungsdeputation im Laufe des gestrigen Nachmittags vereinigte, brachte zunächst Graf T i s z a ein begeistert aufgenommenes Eljen auf den Monarchen aus, sodann Bischof Glattselder ein mitleb­haftem Beifall aufgenommenes Hoch auf Österreich. Minister­präsident Graf S t ü r g k h dankte dem Bischof im Namen dev Regierung für die Gesinnungen, die er für Österreich ausge­sprochen und die er in vollem Maße für die Länder dep ungarischen Krone erwidere.

ver Krieg gegen England.

Die deutsch-englischen Verhandlungen von 1912

Ein Beitrag zum Greyschrn Doppelspiel.

Br. Genf, 5. Sept. (Eig. Drahtbericht. Zeus. Mn^ Das Pariser Pressevureau des Auswärtigen -Amts rückt anläßlich der Greyschen Darstellung vom Verlaufe -der London-Berliner Verhandlungen 1912 mit der Versiche­rung heraus, daß der französische Botschafter PHUil Cambon in London von Grey über je<de PH-als« der Verhandlungen schleunigst unterricht- t e t wurde, und zum Scheitern des Haldanöscheni Friedenswerkes bei trug. Seinen Lohn erhielt Ewg- krtb durch Frankreich in Gestalt seiner weit über di- vertragsmäßigen Verpflichtungen hinausgehenden Desch interessements in Ägypten.

Der verschollene Fischdampfer.

W. T.-B. London, 3. Sept. (Nichtamtlich. Drahtbericht^ Lloyd meldet aus Grimsby: Der als verschollen gemeldete Fischdampfer „Cineraria" scheint am 18. August in dev Nordsee durch eine Mine zerstört worden zu sein. Die Manu»« schuft ist wahrscheinlich ertrunken.

„Anti-Zeppeline".

W. T.-B. London, 3. Sept. (Nichtamtlich.) Reuter meldet; Wie die „New Dork Sun" berichtet, hat die englische Regie­rung in Amerika einige A n t i-Z epp elin>e bestellt. ES sind dies kleine Luftschiffe starren Systems, die 75 Me-tev lang sind, 8 Meter im Querschnitt haben-, eine Schnellisteit von 130 Kilometer auftveisen und Lufttorpedos ab- schietzen. Der Erfinder ist der Vorsitzende- der amerikanisch«, Lüftschiffvereimigung, Thomas Macmechen.

Englische Frauen für die allgemeine Dienstpflicht der Männer.

Berlin, 3. Sept. (Zenf. Bln.) Nach -dem „B. T." ftnö gestern in der Londoner Queenshall eine Massenversammlung von 3000 Frauen statt, um für die allgemeine Dienst-, Pflicht der Männer Propaganda zu machen.

Die Behandlung deutscher Frauen und Kinder in England.

W. T.-B. London, 3. Sept. (Nichtamtlich.) Das Presse- burecm erklärt, daß der Artikel der „New Yorker Staats- zeitung", in welchem gesagt wurde, daß deutsche Frauen und Kinder in London schlechter Behandlung und Verfolgung ausgesetzt seien, ein-e falsche Vorstellung gebe. Nach der Versenkung der „Lusitania" kam es aller, dings zu Ausschreitungen. Im übrigen bestehe keine Migung, an deutschen Frauen und Kindern persönlich Rache zu nehmen-. Jeder deutschen Frau, die mit oder ohne Kinder heimzureisenj wünsche, werde dazu Gelegenheit gegeben.

Die ungeheuren Kosten des englischen Werbcsystems-

W. T.-B. London, 3. Sept. (Nichtamüich. Drahtbericht.) Ein Streiflicht auf die Kosten des englischen Werbeshstems fällt aus der amtlichen Mitteilung, daß bis zum 15. April 3 Millionen Werbeplakate zum Preise von 7750 Pfund und, 22 Millionen Flugblätter gedruckt worden sind.

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er englische Gewerkschaftsstreit^

Eine Niederlage der Regierung.

Tr-"-be Bilder sind's. die „Times" sowohl, wie not-" irun-gen das „Reutersche Bureau" von den Einigungs- -handlurrgen der englischen Regierung und ihres ve- ftmqten Mitgliedes Runciman mit den sud- ilisischen Bergarbeitern malen müssen. Seit analen schon hat der „innere Feind" mobil gem-acht d ruht und rastet nicht, io oft auch in dieser iLpanne it die Auseinandersetzungen und Scklvierigtciten ch gerade so heigelegt und notdürftig überhrlickt wur- i 'Schon neulich hatten diese Waliser der Regierung t ihrer Ausnahmestellung voni Mnnitionsgejetz einen ea abgezwungen, schon vor kaum ein paar Wochen m-n Lloyd George als Unterlegenen auf dem K-awpf- itz der Rede- und Meinungsdebatten zuruckgelassen.

Nun -war seit einer Woche abermals ein Sturm ent- TnTf Aor drüben jenseits des Kanals die Gemüter aufs