Wiesbadener Tsgblstt.
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Militärpolitische Erinnerungen.
Es ist noch nicht lange her, da konnte die Meinung ausgesprochen werden, wir hätten in Deutschland ein größeres Angebot von MUitärschriftstellern, als der Nachfrage entspräche. Im Laufe der letzten Jahre ist die Zahl der Militärs, die sich an der Vertretung militärpolitischer und milstärparteiischer Anschauungen in der Presse beteiligen, nickst unbeträchtlich zusammengeschmolzen. Vor einigen Tagen starb ein sehr fähiger Repräsentant dieser Arbeitsbeteiligung: Major Scheibert. Wer war Schubert? Auch Aber die Kreise der Militärliteratur hinaus ist er bekannt geworden. Zunächst dadurch, daß er den Amerikanischen Secessionskrieg im Stabe des Generals Lee mstmachte. Er hat durch Vorträye und Schriften ein gutes Stück dazu beigetragen, dw Urtellsbildung über jenen Krieg nicht in zu große Einseitigkeiten abirren zu lassen. Er erkannte die Vorzüge der Strategie Lees sine ira et studio an und überraschte durch seine Offenherzigkeit bei einer Vorstellung bei Hofe auch! eme sehr hochstehende Dame. Scheibert nahm als Promer- Ofsizier, der er mit Leib und Seele war, auch an den deutschen Kriegen teil und zeichnete sich namentlich im 1864 er Feldzüge wiederholt sehr vorteilhaft aus. Als Brilitärschriftsteller hat er sich besonders durch seine Vertretung fortgeschrittener Ansichten über „Befestigungs kunst" einen Namen gemacht. Er bekannte sich energisch zu der Auffassung, es müsse mit dem System der befestigten Städte gebrochen und das der vorgelagerten Forts zur Anerkennung gebracht werden. In polittschen Kreisen wurde der Name Scheiberts hauptsächlich dadurch be- kannt, daß er vor Jahr und Tag wiederholt im Zusam
menhange mit Bestrebungen genannt wurde, die bis zu. einem gewissen Grade identifiziert werden konnten mrt der Politik der extremen Rechten, solveit sie in der «Kreuzzeitung" zum Ausdruck kam, und mit der des Grafen Waldersee. Es war in den letzten Jahren der Regierung Kaiser Wsthelms I., als in der „Kreuzzeitung" mehrfach Artikel erschienen, die durch ihre scharfe Sprache gegen Rußland auffielen. Sie enthielten zutreffende Hinweise auf die Truppenkonzentrationen, die Rußland nach seiner westlichen Grenze hin vornahm, bezeichneten deren Charakter als einen bedrohlichen und forderten zu der Schlußfolgerung heraus oder ließen sie als naheliegend erscheinen, es sei eine Aufgabe der Leitung der deutschen Politik, Rußland zuvorzukommen und nicht abzuwarten, bis dieses mit seinen Vorbereitungen für einen Krieg mit Deutschland fertig sei. Es läßt sich vielleicht darüber streiten, wie viel diese militärpolistsche Auffassung der damaligen Lage für sich hatte. Jedenfalls aber trat ihr der leitende Staatsmann mit größtem Nachdruck entgegen, und zwar wesentlich mit Rücksicht darauf, daß Kaiser Wilhelm, der bereits, als er in den französischen Krieg zog, die Grenze der Siebziger überschritten hatte, nicht mehr im stände war, ins Feld zu ziehen. Die tragische Bedeutung der Krankheit des Thronerben ließ sich damals bereits erkennen. Fürst Bismarck sagte sich, daß, wenn Prinz Wilhelm in den Krieg ziehe, es bei dem raschen Temperament des dritten Kaisers m spe nicht ausgeschlossen sei, daß er sein für die Nation teueres Leben aufs Spiel setze. Er ließ in der Presse vor Präventivkriegen warnen. Allgemein wurde von einem Auseinandergehen der Ansichten der polistschen Leitung und der Armeeleitung gesprochen. Die „Kreuzzeitung", die von Scheibert bedient wurde, der mit Waldersee m Fühlung stand, hielt an ihrem Standpunkt mit Zähigkeit fest. Als unser jetziger Kaiser zur Regierung ge- langt war, ließ er es sich angelegen fein, die zwischen dem Fürsten Bismarck und dem Grafen Waldersee be- stehenden Gegensätze auszugleichen: Nach Annahme unterrichteter Kreise war dies auch speziell mit Bezug auf die Frage der russischen Rüstungen geschehen. Da erschien plötzlich, während sich der Kaiser auf seiner Sommerreise befand, der vielbesprochene Clausewitz-Artikel in der „N. A Z."; durch ihn wurde der Streit von neuem angefacht. Wie es'möglich war, daß er gewissermaßen post festum produziert werden konnte, und darüber, welchen Einfluß er auf die Gestaltung des Verhältnisses des Fürsten Bismarck zum jungen Kaiser übte, läßt sich vielleicht em andermal einiges sagen. Glücklicher in der Lahmlegung der durch Scheibert vertretenen sonderpolitischen Bestrebungen Waldersees wie Bismarck war Caprivi. Er setzte sehr bald die Versetzung Waldersees von dem Platz als Nachfolger Moltkes beim Kaiser durch.
Moderne Ardeilerfürsorge.
Unsere moderne Technik, die so viel schwere Schadr- gungen für die Arbeiterschaft mit sich brachte, tritt nunmehr in den Dienst der arbeitenden Klassen, um dl« Gefahren der Betriebsunfälle und Berufskrankheiten möglichst zu mindern. Die Berliner Ausstellung für Arbeiterwohlfahrt zeigt, wie der Erfindungsgeist unter dem Anstieb der strengeren Arbeü"rschntzgesetzgebung bemüht ist, die Maschinen mit größtmöglichster Leistungs- fähigkeit bei gleichzeitig größter Sicherheit auszurüstem Die beiden Hauptaufgaben der Arbesterwohlfahrt, der Schutz vor Unfällen und die Herstellung von ArbestS- bedingungen, die möglichst wenig Veranlassum zu Be. rufskrankheiten bieten, sind in den beiden Haupt ab - teilungen des Berliner Wohlfahrtsmuseums miss treff- lichste veranschaulicht. Alle Verhütungsmaßnahmen sind an den Maschinen im vollen Betriebe angebracht, so daß auch der Laie ein richtiges Bild der industriellen Ge- fahren und der getroffenen Vorkehrungen gewinnt, jua» bei sind die der'Unfallverhütung dienenden Teste durch roten, die für die Verbesserung der gewerblichen Bedin- gungen angebrachten Stücke, die Staubabsauger Venst- latoren w. durch blauen Anstrich gekennzeichnet. Das wesentliche an den neuesten Schutzmitteln rst der umstand, daß man besonders darauf bedacht ist, deii Arbeiter auch gegen eigene Fahrlässigkeit, Ermüdung und Übertretung der Vorschriften in Schutz zu nehmen. Zu leicht die stete Vertrautheit mit der Gefahr und der Wunsch, möglichst unbehindert und rasch zu arbeiten, dazu vor. handene Schutzmittel unbeachtet zu lassen oder zu beser- tiqen Man gestaltet daher die Vorrichtungen so, daß sie nicht beseitigt oder übersehen werden können, ohne daß die Maschine den Dienst versagt, damit ist der Wider- stand der Arbeiter selbst in Wegfall gebracht. Der für die Berufskrankheiten so gefährlichen Staubemwicklung ist eine besondere Abteilung gewidmet, e&ettfo. der Rem- lichkeitspflege, deren gesteigerte Bedeutung für die Ge- sundheit in allen mit schädlichen Stoffen arbeitenden Betrieben man mehr und mehr einzusehen beginnt. So traten ja neuerdings zürn 1. Juli verschärfte Besstm- inungen über die obligatorischen Bade- und WaschgelegM. heilen für die bei der Verwendung bleihältiger Produkt« beschäftigten Arbeiter in Kraft. Die ausgestellten Wasch, i'.nd Badeeinrichtungen sind überaus praktisch, bieten Schiltz gegen Verbrühungen und werden der Aufgab« gerecht, bei geringer Raumausdehnung einer größeren Zahl von Arbeitern gleichzeitig Säuberung und raschen Wasserwechsel zu gestatten. Die für das Allgemeinbefinden der Arbeiterschaft wichtige Ernährungsfrage ist gleichfalls durch instruktive Veranschaulichuiig der Nähr-
Die Schulschiffe der deutschen Murine.
Technische Studie von Edgar R. Möller.
IV.
Der Dienst an Bord.
Im Hafen.
Morgens um 5 Uhr fängt der Dienst an. Die Spiel- leitte gehen durch die Schiffsräume, zwischen und unter den Hängematten durch und schlagen die Reverlle, welchen Befehl der wachthabende Offizier ergehen lretz. Sodann pfeift der Bootsmannsmaat der Wache (Unteroffiziere, welche am Tage durchstehen und nur zum Essen verfangen (abgelöst) werden, des Nachts aber alle 4 Stunden wechseln), „Alle Mann zurrt Hängematten", woraufhin dre Mannschaften aus ihren Hängematten springen, sich an- kleiden, diese zurren und dann am Oberdeck an den für die Aufbewahrung angewiesenen Orten antreten. Es darf nicht jeder seine Hängematte hineinwerfen und dann seine Wege gehen — nein. Etwa nach 10 Minuten pfeift der Wachthabende „Hängemattsstauer!" Auf dieses Kommando begeben sich zwei dazu abgeteilte Leute ttt die Hängewattskasten und reicht ihnen nun icder der an Deck stehenden, angetretenen Leute seine Hangematte hin, welche sie denn ordnungsmäßig in die Aasten zu verstauen haben. Die Leute bleiben so lange angetreten, bis der wachthabende Offizier „Weggetreten!" kommandiert hat. Sind alle Hängemattskasten dicht gemacht, so pfeift der Wachthabende „Selbstreinigung!" Die Leute nehmen ihre Handtücher und Seife, begeben sich an Deck und waschen sich hier in durch abgeteilte Mannschaften bereitgestellte Balgen (Wannen), wobei sie sich vorschriftsmäßig ob Sommer oder Winter, den Oberkörper zu entblößen haben. Einschalten muß ich noch, daß tn ^r Batterie ein Feuerwcrksmaat und im Zwischendeck ein Wachtmeifters- wmat die Wache haben, welche die gepfiffenen Kommandos aufnehmen und weiter geben, damit em Mann, der sich in den Lasten befindet, nicht sagen kann, er hatte ein Kommando nicht gehört. Nachdem die Selbstreinigung beendigt wird die Sicherheitswache vom wachthabenden Offizier auf ihren Tagesanzug gemustert. Für gewöhn-
lich ist dieser 2. Garnitur blau, Exerzierkragen, seidenes Tuch, schwarze Schuhe, bei besonderen Festlichkeiten oder zu erwartendem hohen Besuche weiße Hose, blaues Hemd, weiße Mütze, seidenes Tuch und schwarze Schuhe. Die Sicherheitswache ist eine Wache unter Gewehr, welche für die Sicherheit auf dem Schiffe zu sorgen hat. Bon ihr müssen je 3 Nummern zu jedem Posten und Lauser gestellt werden. Es stehen Posten: vor den Arrestzellen im Achterschiff, ein Mann mit gezogenem Seitengewehr, vor der Kommandantenkajüte ein Mann mit gezogenem Seitengewehr, welcher die in der Kajüte befindliche Schiffskasse zu bewachen hat? und einer auf der Back unter Gewehr. Am Tage hat der letztere nicht viel auf sich. Er muß vor jedem vorbcifahrenden Boote, welches zum Zeichen, daß ein Offizier mit ihm fährt, die Flagge gehißt hat, präsentieren. Für die Offiziere des eigenen Schiffes braucht er nur still zu stehen. Nachts jedoch soll der Posten auf der Back jede halbe Stunde aussingen, indem er nach her am Fockstag hängenden Ankerlaterne sieht: „Auf der Back ist alles wohl, Laterne brennt!" oder wenn diese aus- gegangen ist, „Laterne ist aus!" Das letztere soll er eigentlich gleich nach dem Bemerken melden. Auch hat er jedes annähernde Boot zu melden. Letzteres auch am Tage. Die Posten mit gezogenem Seitengewehr stehen nur unter Deck und präsentieren nur vor dem Kommandanten und dem Ronde gehenden Offizier, vor den anderen Offizieren stehen sie nur still. Der Bosten vor der Kajüte darf aber auch vom Kommandanten als Läufer (Ordonnanz) benutzt werden, jedoch steht es kernem anderen Offizier zu, diesen Posten fortzuschicken. Ferner stehen noch Läufer auf dem Oberdeck und vor der Offi- »iersmesse. Elfterer ist für den wachthabenden Offizier zur Verfügung, schlägt die befohlenen Glasen (Schlage mit der Schiffsglocke, welche Zeit und Stunde angeben. Fede halbe Stunde 1 Glas und jede folgende Stunde in der ersten 2, in der zweiten 4, in der dritten 6 und in der vierten 8 Glas. Jede 4 Stunden, welche eine Wache bedeuten, fängt das Glasen wieder von Anfang an) und kann auch von diesem fortgeschickt werden. Der Läufer vor der Offiziersmesse ist sämtlichen Offizieren zur Verfügung gestellt. Auf der Brücke stehen noch die Signalgäste der Wache, welche aber nicht zur Sicherheitswache gehören. Diese haben den Signaldienst zu besorgen, Signale aufzunehmen oder auch an andere Schiffe abzugeben/
das Ein- und Auslaufen sämtlicher Schiffe zu melden unk den Flaggcndienst zu besorgen. Sie führen auch für ge. wohnlich das Logbuch (Schiffskladde), in welcher Luft-, Wind- und Wasserverhältnisse, Temperatur und besondere Veränderungen oder Begebenheiten eingetragen werden müssen, die der Steuermann dann, mit den Begebenheiten an Bord zusammen, in das eigentliche Logbuch einträgt. Die Tagesbefehle erhält der wachthabende Offizier vom Kommandanten selbst, welcher sie eigenhändig in das Be- sehlsbuch eingetragen hat. Im allgemeinen geht der wachthabende Offizier aber nach der gewöhnlichen Schiffs- ordnung und der befohlenen Routine. (Sommer-, Winter- oder Tropenroutine.) Sobald die Sicherheitswache gemustert ist, pfeift der Bootsmaansmaat der Wache „Deckwaschen!" Die Matrosen, als auch die Schiffsjungen begeben sich auf ihre Deckwaschstationen, bewaffnen sich mit Piitzen (Eimern von Holz) und Besen und waschen alle drei Decke mit Seewasser ab, indem sie diese zuerst mit den Piassavabesen durchscheuern und dann mit Wasser ab- spttlen. Das Wasser läuft dann durch die Speigatts (Löcher durch die Schiffswände) wieder außenbords und die Decke werden mit Schwabber aufgetrocknet. Auch hierzu darf nicht jeder in einem beliebigen Anzuge er. scheinen. Die Unteroffiziere kommen in Arbeitshose, blaues Hemd und Exerzierkragen, die Matrosen in Arbeitszeug mit und die Schiffsjungen in Arbeitszeug ohne Exerzierkragen. Ebenso, der Jahreszeit angemessen, ob mit Stiefeln oder barfuß. — Auf Schulschiffen kann man jedoch lange warten, bis man zum Deckwaschen Stiefel an- ziehen darf. Ich habe Gelegenheit gehabt, es selbst mitzumachen und haben wir, als noch das Eis im Kieler Hafen herumschwamm, barfuß Deck waschen müssen. — Ein angenehmes Gefühl, — wo man kurz vorher aus der warmen Hängematte kam. — Eine Kneippkur auf Befehl. — Um 7 Uhr ist „Deckaufklaren!" Nun werden die Mcssingteile geputzt und die Tauende ordnungsmäßig aufgeschossen. 1» Minuten vor 1/28 Uhr pfeift der Wachthabende „Backen und Banken!" Die zu Backschaften abgeteilten Mannschaften begeben sich an ihre Backen, nehmen den Kaffeekessel und holen vom Koch den etwas sehr „langen Kaffee", „Sturmsuppe", wie er auch von den Matrosen genannt wird, schlagen die Backen herunter und warten, bis der Wachthabende „Alle Mann Frühstück!" pfeift. Jetzt gehen sämtliche Mannschaften rn die
