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eüage }itm Wiesbadener Tagblalt.

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* Was mich besonders am Tbukybide« rührte und ergriff, ^

3 das war die unendliche Einfachheit, mit welcher die Menschen <Z daS Höchste sagen, als war' es nur das Gewöhnliche, da« ^ m dem Menschen Angemessene. In der moderne» Welt sagt ^ »I man das Höchste niit Pathos al« etwas Außergewöhnliche«, £ *. weil man gewöhnlich trivial ivricbt.

Malwida von Meysenbug. ^ N ^

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(18. Fortsetzung.!

Leutnant Lämmchens Abenteuer.

Ine heitere Geschichte von G. v. Stokmans-Germanis.

Was er zuerst bemerkte, war ein sonderbares kleines Gitter, das diesseits glockenartig über dem Guckloch hing und aus breiten eisernen Querstäben bestand, die in der Mitte im spitzen Winkel zusammenliesen. Zwischen diesen hindurch sah er in ein großes, saalartiges Ge­mach mit drei Fenstern, da., offenbar von jungen Damen bewohnt wurde, denn zwischen schwerfälligem Urväter- Hausrat waren moderne Luxusmöbel eingeschoben, Nippes, Fächer, Wandschirme undPhotograPhieen standen und hingen in üppiger Fülle umher, und die breiten Fensterbänke vor den halbgeschlossenen Jalousieen glichen blühenden Blumenbeeten. Auch herrschte eine geniale Unordnung in dem sehr behaglichen Raum. Auf dem einen Sessel lag ein Sonnenschirm, auf dem anderen ein Hut: eine Madeirastickerei hing nachlässig aus einem eleganten Arbeitskorb heraus, und ein Stapel broschierter Bücher wurde von einer Reitgerte und zierlichen Stulv- handschuhen gekrönt.

Also wahrscheinlich der drei Schwestern eigenstes Reich! Lämmchen wußte, daß die drei zusammenwohnten, während Mannia und Lies auf der anderen Seite des Hauses ncbneinander einquartiert waren Eine offen- stehende Tür führte, wie es schien, ins Schlafzimmer, und ehe Lämmchen sich dies alles noch recht klar gemacht hatte stürmten Malve, Missy und Marie-Luise mit vielem Ge­räusch in das halbhelle Gemach.

Mitten drin blieben sie jedoch betroffen stehen, Malve hob schnuppernd das feine Näschen in die Höhe, und Marie-Luise sagte erstaunt: „Kinder, hier hat jemand ge­raucht. Ich wittere Nikotin."

Malve nickte. „Und zwar keine Cigarette, sondern eine Cigarre, ein ganz anständiges Kraut."

„Eine echte Havana."

„Immerhin — dieser Tust bedeutet eine Entweihung unseres Allerheiligsten. War's Papa, so muß er zehn Mark Strafe zahlen, war's Max — mindestens fünf."

„Wir wollen es ibneu gleich sagen, obgleich ich nicht begreife, wann sie diese Sünde begangen haben sollen — wir wären doch jetzt auch nicht hier, wenn wir nicht die Sachen holen sollten, die unser verehrter Schwager uns von seiner Nordlandreise mitgebracht hat. Himmel, wo mögen sie nur sein? Margot bekam den entzückenden Filigranschmuck, ich die Photographieen von Spitzbergen und Mannia die famosen Menus von der „Auguste Viktoria", dem schwimmenden Palastbotel, aber wer hat die Flechten und Moose von den Lofoten?"

Sonntag, den 5. Juli.

„Ich", sagte Marie-Luise, „hier in dieser Schachtel sind sie wohl verwahrt, und ich will sie auch gern zeigen, aber daß die Offiziere sich für diese bescheidene Flora interessieren sollten, glaube ich nicht."

„Wer weiß", meinte Malve, „es gibt unter den Leutnants einzelne, die ganz minnig und sinmg sind/

Missy lachte: „for iustanee diese lange, blonde Leutnant Lämmken — nicht wahr?"

„Nein", war die kurze Antwort, „den meine ich nicht, obgleich er allerlei Interessen hat und entschieden klüger ist, als er aussieht." , , p

„Und so scheu und verlegen wie im Anfang ist er auch nicht mehr", warf Marie-Luise ein.

Malve nickte. „Ja", sagte sie. „unsere Erziehung tut Wunder, Margot meint das auch, obgleich die eigent­lich gar kein Urteil mehr hat. Das arme Wurm wird ja jetzt selbst erzogen . Immer hat Krain etwas an ihr zu modeln oder zu tadeln, und wenn der Herr Graf mem Bräutigam wäre, ich gäbe ihm den Laufpaß und nähme mir meine goldene Freiheit zurück."

„Dann uirden Sie maken eine große Dummheit", meinte Missy ernsthaft. „Ihre Mama hat gesproken, daß dies sein eine brillante Partie."

Marie-Luise zuckte die Achseln. „Das schon —- aber daran hängt doch nicht die ganze Seligkeit. Ich muß gestehen, solch' eine steife Drahtpuppe von Mann wäre auch nicht nach meinem Geschmack und außerdem, er liebt Margot gar nicht so recht von Herzen, er will nur mit ihr paradieren wie mit einem edlen Rassepferd."

„Aber diese viele Gold, uas er besitzt, und die viebn Schlösser."

„Würden mich nicht locken, Missy. Ich gebe nicht vi"l auf Rang und Reichtum. — Wenn man sich lieb hat, kann man auch in einfachen Verhältnissen glücklich sein."

„Meinst du?" warf Malve ein. „Nun, meinetwegen —- in einfachen, ja: in beschränkten — nicht. Die Ge­schichte von der Hütte und dem liebenden Paar hat nur nie imponiert. Ich muß viel Platz, Luft und Licht haben und begreife überhaupt nicht, wie man in einem anderen Menschen bis zur Besinnungslosigkeit aufgehen kann."

Marie-Luise lächelte. „Ich begreife das sehr gut — aber mit dem Cigarrenrauch ist es wirklich toll, er kitzelt ' mich förmlich in der Nase. Am Ende ist einer der Diener hier gewesen."

„Mit der brennenden Cigarre? Nein, Kind, so frech ist keiner."

„Oder einer der Offiziere hat ^ch hierher verirrt."

„In unseren Salon, der so unverkennbar den genialen Stempel des Ewig-Weiblichen trägt? Unmöglich oder zum mindesten sehr unwahrscheinlich."

„Zugegeben, Malve, aber jemand muß doch hier ge­wesen sein; von selbst entwickelt sich kein Cigarrenrauch."

Dem unfreiwilligen Lauscher wurde es bei Marie- Luisens Worten heiß und kalt, aber es sollte noch schlimmer kommen, denn Missy, die kleine Naseweile, sagte plötzlich:

„O ich ueiß, uer hat hier gehabt eine heiße Tabak. —

Diese schreckliche Mann in die Mauer ist es geuesen-

die schuarzen Ritter mit die eiserne Kleid."

„Wahrscheinlich", scherzte Malve, in ihrem Schreib- zisch kramend, „so ein armer Kerl will doch auch mal eine Abwechselung haben."

51. Jahrgang. 1903.

Inzwischen hatte Marie-Luise, um besser sehen zu können, die Jalousieen aufgezogen, welche bo§ Zimmer gegen die heiße Nachmittagssonne schützten. Die grüne Dämmerung, welche bis dahin geherrscht hatte, machte dem Hellen Tageslicht Platz, und in den hohen Spiegeln, die zwischen den Fenstern hingen, spiegelte sich auch die gegen­über liegende Zimmerwand, hinter welcher Lämmchen gefangen saß. Da gewahrte er denn, was ihm vorher ent- gangen, in einer Mauernische, auf niederem Sockel stehend, einen Ritter in voller Rüstung, mit Helm, Speer

'^D^herabgelassene Visier desselben bildete das Gitter, durch welches er so gut hindurchsehen konnte, und mit einem Schlage wurde ihm klar, daß es sich hrer mcht um einen verborgenen Zugang, sondern nur um heimliches Observatorium handelte, das ein eifersüchtiger Gatte oder Liebhaber hatte anbringen lassen, um die Bewohner dieses Zimmers ungeahnt einer steten Kontrolle zu unterwerfen. Zugleich hörte er, wie Marie-Luise kleinlaut sagte:

„Kinder, das ist wirklich unheimlich: ich glaube wahr, hastig, der Rauch kommt unter dem Visier hvrvor. Eben sah ich ein blaues Wölkchen langsam emporschweben , '

und Malve schrie beinahe Var Staunen.

„Er lebt, wahrhaftig er lebt! Ich sehe deutlich er»

paar Augen blitzen." .. _

Lämmchen trat von der Öffnung zuruck, bemerkte aber doch, wie zwei von den Damen, lachend aus dem Zimmer stürzten und mit vielem Geräusch davon eilten Nur Malve zögerte und blieb mit, einem scheuen Buck nach ihrem gepanzerten Freunde allein zurück.

„Ach. llnsinn". sagte sie laut, „wie kann man sich nur so etwas einbilden. Es geht alles mit rechten Dingen zu, man muß nur nicht gleich davon laufen."

Lämmchen freute sich ihrer Unerschrockenheit und baute darauf seinen Rettungsplan. Hatte sie ihm Nicht selbst von dem schwarzen Ritter voraeschwärmt und den Wunscy ausgesprochen ,ibn einmal reden zu hören? Zu langer Überlegung blieb keine Zeit, und so beschloß er denn, sich ihr zu entdecken und ihre Hilfe anzurufen. Ehe er aber noch dazu kam. sein Vorhaben ausznfübren. uberfiel ihn in der feuchtkalten Luft ein heftiges Niesen Er konnte es wohl einichränken, aber nicht ganz unterdrücken, und dadurch entstand ein büchst merkwürdiaer Laut der, durch die Höhlung der Mauer wie durch einen Resonanzboden verstärkt, etwas unheimlich Übermenschliches hatte.

Lämmckien erschrak selbst über die phänomenale Schall- Wirkung dieser ungewollten Lebensäußerung: und als er wieder durch das'Gitter blickte, war das Znnmer leer. Selbst Malves Mut hatte in diesem Augenblicke versagt, und es war nicht anzunehmen, daß sie oder eins der jungen Mädchen bald in das Gemach zurückkehren würde.

Seine Lage wurde immer peinlicher und gefahrvoll«. Selbst wenn es ibm nach Stunden gelang, die Aufmerk­samkeit eines Schloßbewohners auf sich zu, ziehen, so war dock immer ein Preisgebcn seines Geheimnisses bannt verbunden, und dis Folgen dieser Offenbarung war-n gar nicht abzusehen. Sein Vorwitz wurde hart bestraft. Traurig setzte er sich auf die Stufen, die einen etwas kühlen, aber doch bequeinen Ruhepunkt boten, und dachte über seine Rettung nach.

(Fortsetzung folgt.)

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