M. Jahrgang.
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A0. 302. verlagS-Fernsprecher No. t *6».
Donnerstag, den 2. Juli.
RedaktivuSFernsprecher No. 51.
1903.
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Die Gesamtfläche des preußischen Staats beläuft sich nach den neuesten amtlichen Feststellungen aus 34 862 432,6 da. Darunter befinden sich 8 192 505,1 du Waldfläche. Das sind 23,50 % oder fast ein Viertel der Gesamtfläche. Der Anteil der Waldfläche der einzelnen 14 Provinzen (einschließlich Stadtkreis Berlin und Hohenzollernsche Lande) an der Gesamt-Waldfläche ist natürlich ein prozentualiter in sich recht verschiedener. An der Spitze steht Hessen-Nassau mit 39,73; dann folgen Hohenzollern mit 34,01, Brandenburg mit 33,08, Rheinland mit 30,79, Schlesien mit 28,81, Westfalen mit 27,94, Westpreußen mit 21,28, Sachsen mit 20,82, Pommern mit 20,14, Posen mit 19,79, Ostpreußen mit 17,51, Hannover mit 16,47 und schließlich Schleswig Holstein mit 6,65 % Anteil Wald an der Gesamtfläche. Der Stadtkreis Berlin hat Waldfläche nicht. Noch wesentlicher als zwischen 39,73 % (Hessen-Nassau) und 6,55 % (Schleswig-Holstein) ist der Unterschied innerhalb der 36 Regierungsbezirke unseres Staats. Denn abgesehen wiederum von dem Stadtkreise Berlin, der. wie schon angeführt, waldlos ist, steht hier der Regie! rungsbezirk Arnsberg mit 41,86 % Waldanteil an der Gesamtfläche an erster und der Regierungsbezirk Aurich mit nur 2,41 % an letzter Stelle, so daß zwischen dem Maximum und dem Minimum mithin ein Unterschied von nicht weniger als 39,45 % liegt.
Unser Regierungsbezirk Wiesbaden ist in der oben angegebenen Fläche des Gesamtstaats mit 561 701,1 ha enthalten, wovon auf Waldfläche 231 669,1 ha entfallen, oder 41,24 %. Einen höheren Waldanteil am Ganzen hat von den übrigen 35 Regierungsbezirken nur der Regierungsbezirk Arnsberg mit seiner eben angegebenen Ziffer 41,86 %.
Die zusammen 18 Kreise unseres Regierringsbezirks
schließen sich, nach ihrer offiziellen Reihenfolge geordnet, in den hier in Rede stehenden Beziehungen alsdann wie folgt aneinander an, und zwar:
Kreis
Gesamtfläche:
varunter Waw
: Pro,.:
Biedenkopf . . .
67 697,2 ha 32 177,4 hu
47,53 %
Dillkreis ....
51456,4 „
23 945,0 „
46,53 „
Oberwesterwald
32 501,3 „
10 603,5 „
32,62 „
Westerburg . . .
31 735,7 „
7 669,0 „
24,17 „
Unterwesterwald .
36 550,6 „
17 142,4 „
46,90 „
Oberlahnkreis . .
39 198,8 „
15 278,0 „
38,98 „
Limburg . . .
34 738,1;;
8 955,3 „
25,78 „
Unterlahnkreis
39 580,8 M
16 843,4 «
42,55 ,,
St. Goarshausen .
37 628,1 „
15 517,6
41,24 „
Rheingau . . .
27 466,4 ^
15 569,5 „
56,69 „
Landkreis
Wiesbaden
21 088,3 „
4 603,3 „
21,83 „
Untertaunus . .
52 142,0 „
25 958,4 e
49,78 .„
Usingen ....
36 086,1 „
18 582,9 „
51,50 „
Obertaunus . .
22 435,7 „
10 495,0 „
46,78
Höchst ....
14 348,6 „
3198,1 „
22,29 „
Landkreis
Frankfurt a. M.
5 457,6 „
22,3 „
0,41 „
Stadtkreis
Wiesbaden
3 607,1 „
1 665,5 „
46,17 „
Stadtkreis
Frankfurt a. M.
7 982,4 ,,
3 442,5 „
43,13 „
Die verhältnismäßig waldreichsten unserer
18 Kreise
sind hiernach der Rheingaukreis und der Kreis Usingen, in welchen über die Hälfte der Gesamtfläche mit Wald bestanden ist, und sodann der Untertaunuskreis mit verhältnismäßig ebensoviel Wald. Bemerkenswert ist der große Waldbestand der beiden Stadtkreise Wiesbaden und Frankfurt a. M., da von dm übrigm 84 Stadtkreism nur wmige einm Waldbesitz nennmswerterm Umfanges aufzuweiscn haben. So beispielsweise der Stadtkreis Kassel nur 3,98 % und der Stadtkreis Hanau nur 1,65 %.
Von der bereits oben auf 561 701,1 ha bezifferten Gesamtfläche unseres Regierungsbezirkes entfallen dann wieder 15 270,5 ha auf Fideikommisse, worunter 7252,6 ha Wald oder 47,49 %. Die Gesamtfläche des Fideikommißbesitzes in unserem Regiemngsbezirke besteht also fast zur Hälfte aus Wald. In dieser Tatsache zeigt sich abermals die Wahrheit des alten Satzes, daß die Fideikommisse die Schützer des Waldes sind. In unserem Schwesterregierungsbezirke Kassel ist das Verhältnis für den Wald noch wesentlich günsüger, da von der dorffgm Fideikommißfläche nicht weniger als 66,89 % auf Wald entfallen.
In absoluter Ziffer hat bei uns der Unterlahnkreis den umfangreichsten Fideikommißwald, nämlich 1911,9ha, in relativer Ziffer aber der .Kreis Usingm, von dessen 41,1 ha Fideikommiß-Flächenumfang nicht weniger als 31,6 oder 76,89 % aus Wald bestehen.
Der KeMerkskongreß über die iHurmlußnliljeit
Auf dem 14. internationalen Kongreß der Bergleute, der in voriger Woche zu Brüssel tagte, wurde die Ausbreitung der Wurmkrankheit unter den Arbeitern in den Kohlenbergwerken ausführlich erörtert. Es waren 78 Delegierte auf dem Kongreß erschienen, die 5 verschieden« Nationalitäten und im ganzen über 1!4 Millionen Bergleute vertraten. Von den deutschen Teilnehmern wurde die Frage aufgeworfen, wie die Wurmkrankheit (Anky« lostoraiasis) am besten verhütet werden könnte. ES wurde darauf hingewiesen, daß sich die Krankheit über ein weites Gebiet ausgebreitet hätte, bevor noch ihr eigentlicher Charakter erkannt war. Die Kranken wurden auf Bleichsucht behandelt, und es vergingen Jahre, ehe festgestellt wurde, daß die Symptome durch Anwesenheit eines Schmarotzers in den Eingeweiden veranlaßt wurden. Es wurde vor der Öffentlichkeit lebhafte Klag« darüber geführt, daß die von den Ärzten und sogar die vom Gesetz vorgeschriebenen gesundheitlichen Maßnahme» nicht zur Anwendung gebracht wurden. Erst nach einer Reihe von Jahren setzte die deuffche Regierung eine amtliche Untersuchung fest, aus der sich ergab, daß in de» Kohlenfeldern des Ruhrgebiets allein über 2500 Bergleute von der Krankheit befallen waren. In vier Minen besonders wurde jeder Bergmann sorgfältig untersucht, und es stellte sich heraus, daß 90 v. H. aller Arbeiter Eier des krankhelterregenden Wurms in sich hatten. Wahr^ schcinlich hat die Krankheit in Deutschland seit 1896 Boden gewonnen, und die deutschen Delegierten des Kongresses! behaupteten, daß nach den amtlichen Zahlen die mittlere Lebensdauer der deuffchen Bergleute seitdem von 45 aus 40 Jahre zurückgegangen wäre. Sie erklärten diese Zah, len für durchaus glaubwürdig, da das staatliche Bersiche, ruügssystem in Deutschland gründliche statistische Erhebungen notwendig machte. Nichtsdestoweniger wurde eine Erklärung über die Bedeutung dieser Zahlen nicht gegeben. War die mittlere Lebensdauer in der von Bergbau lebenden Bevölkerung überhaupt derart zurück» gegangen oder die der erwachsenen Bergarbeiter allein? und beruhte die Feststellung der mittlere» Lebensdauer von 45 Jahren vor dem Jahre 1896 auf zuverlässigen Grundlagen? Jedenfalls lag die Tatsache einer schweren Schädigung klar zu Tage. Als einziges! wirksames Mittel gegen die Krankheit stand das Extractum filicis maris (Farnextrakt) zu Gebot, aber diese Kur war fast ebenso schlimm wie die Krankheit selbst, weil sie große Schwäche und zuweilen auch Erblindung zur Folge hatte. Bon seiten der belgischen Vertreter auf dem Kongreß wurden die Aussagen der deutschen vollauf bestätigt. Aus den Kohlenfeldern von Lüttich wurde schon im Jahre 1883 ein Fall von Wurmkrankheit berichtet, ein weiterer Todesfall 1884 derselbe» Ursache zugeschrieben, und dennoch geschah gegen die weitere Ausbreitung der Krankheit bis zum Jahre 1896 nichts, nicht einmal eine vorbeugende Maßregel. Die
Im weißen Kleide.
Roman von M. Böhme (O. Sandor).
(42. Fortsetzung.)
Gottburgsen leitete die Unterredung ein, indem er j sich nach den Bewohnern des Heidhofes erkundigte. Auf den fragenden Blick des alten Herrn setzte er rasch hinzu, ! daß er als Verwandter der Familie Arfst sich für die Per- hältnisse derselben interessiere und deshalb für entsprechende Auskunft dankbar sein würde.
Pastor Wiese war eben bei der Ausarbeitung von - Marikes Begräbnisrede gewesen, als der fremde Herr ihm gemeldet wurde. Durch seine blanken Brillengläser betrachtete er Gottburgsen forschend und offenbar erstaunt, vielleicht auch ein wenig mißtrauisch.
„Ich bedauere, Ihnen nur wenig von den Arfst sagen zu können", sagte der Pastor. „Frau Arfst ist vor einigen Tagen gestorben und soll morgen beerdigt werden. Ich selbst habe nicht im Heidhofe verkehrt, da Frau Arfft dem kirchlichen Leben fern stand und sich meinen Besuch ausdrücklich verbat. Seit länger als zwanzig Jahren ist sie nicht zum Gottesdienst und zum heiligen Abendmahl in die Kirche gekommen; auch während ihrer langen Krankheit — sie war schwindsüchtig und sah ihr Ende voraus — hotte sie kein Verlangen nach geistlichem Beistand und den Tröstungen der Religion. Sie war eine arbeitsame und tüchtige, auch intelligente Frau, aber weitere Vorzüge konnte man ihr leider nicht nachrühmen. Ihr Leumund war sehr schlecht; seit vielen Jahren lebte sie in wilder Ehe mit einem notorisch schlechten Menschen, ihrem Knecht oder vielmehr Verwalter. Das Verhältnis soll schon bei Lebzeiten ihres Mannes bestanden haben, der vor zwanzig und etlichen Jahren plötzlich spurlos verschwand; seine Leiche wurde später im Moor gefunden, und obgleich der Tatbestand gerichtlich nicht festgestellt werden konnte, nimmt man doch allgemein an, daß der Zuhälter der Frau ihn im Einverständnis mit dieser er- schlagen und beseitigt hat. Frau Arfst einziger Sohn,
ein prächtiger, wohlgeratener junger Mensch, ift seit einem Jahre fort; die Verhältnisse auf dem heimatlichen Gehöfte mögen ihm auch unleidlich geworden sein; er ist Maler, soll ungewöhnlich begabt sein und wird voraus- sichtlich sein Glück in der Welt machen. Das wäre so ziemlich alles, was ich Ihnen von der Familie mitzuteilen wüßte." Gottburgsen schwieg eine Weile.
„Sie nannten den Verwalter des Heidhofes einen notorisch schlechten Menschen, Herr Pastor", sagte er endlich beklommen, „baben Sie bestimmte Anhaltspunkte für diese Beurteilung seines Charakters?"
Der alte Herr zog die Sttrn ein wenig kraus.
„Hätten Sie eine andere Bezeichnung für einen Mörder und Ehebrecher? Ich nicht. Ich will ja gern annehmen — ja, ich halte es für ziemlich ausgemacht—• daß Ktrul Weber manchmal unschuldig verdächtig! wird. Aber an den Mord glaubt hier jedermann. Ein roher, gewalttätiger Mensch war er von jeher, schon als er hierherkam. Ich wiederhole natürlich nur die allgemeine Ansicht: persönlich bin ich Knut Weher nie nahegetreten. Tatsache ist, daß man jeden schlechten Streich, der hier in der Umgegend verübt wird, auf sein Konto setzt."
„Und wenn es sich nun herausgestellt hätte, daß Knut Weber die ihm zur Last gelegte Mordtat gar nicht begangen hätte? Würde man ihm dann auch alles in die Schuhe schieben, was andere vielleicht auf seine Rechnung anstiften?"
Der Geistliche zuckte die Achseln. „Vielleicht nicht. Seit jenem geheimnisvollen Verbrechen ist der Heidhof und Knut Weber sozusagen in Acht und Bann erklärt. Man hat sich daran gewöhnt, das vordem beliebte Haus als eine Art Verbrecherhöhle zu betrachten. Wer es irgend kann, geht dem Heidhof und seinen Bewohnern sieben Meilen aus dem Wege."
Gottburgsen schwieg. Pastor Wiese blickte auf die Visiteukarte, die noch neben ihm auf dem Schreibttsche lag, aber obgleich er sich nicht erinnerte, jemals einem Träger dieses Namens begegnet zu sein, kamen ihm die Züge seines Gegenüber mit einem Male merkwürdig be
kannt vor. Vergebens suchte er sich zu besinnen, wo er dies Gesicht schon einmal gesehen hatte, sein sonst sehr scharfes Gedächtnis schien ihn diesmal gründlich im Stiche zu lassen.
Gottburgsen schöpfte ein paarmal tief Atem; das Bö- kenntnis seiner Schuld wurde ihm doch schwerer, als er gedacht hatte.
„Irren ist menschlich, Herr Pastor", sagte er endlich, „in diesem Falle war die öffentliche Meinung viele Jahre lang von einem schweren Irrtum befangen. Ter Heidhofbauer Inge Arfst wurde damals nicht ermordet. Er entfloh bei Nacht und Nebel und steht heute leibhaftig vov Ihnen. Ich selbst bin der verschwundene, angeblich ermordete Inge Arfst, meine Papiere kann ich Ihnen vorlegen, da ich nicht hoffen darf, daß Sie mich nach de» vielen Jahren noch wiedererkennen."
„Sie — Sie!"
Der Pastor schnellte von seinem Sitz empor und ließ sich ebenso schnell wieder zurückfallen. Sprachlos starrte er in die Papiere, die der lange Totgeglaubte vor ihm ausbreitete und die es bis zur Evidenz bewiesen hätten, daß der vor ihm Stehende wirklich mit dem verschollenen Heidhofbauer identisch war, wenn er nicht schon ohnehin jetzt den ihm früher näher bekannten Arfst erkannt hätte.
„Nun sage mir einer, daß nicht noch Zeichen und Wunder geschehen!" rief der alte Herr erschüttert, „ja, ich erkenne Sie! Schon vorhin marterte ich mein Gehirn mit der Frage, wo ich Sie schon gesehen hatte. Ihre brave Mutter und Sie waren ja stets anhängliche Glieder unserer Gemeinde und mir gut bekannt; aber sagen Sie um Gottes willen, was nur konnte Sie veranlassen, so, lange den Ihren fernzubleiben und Knut Weber —"
„Daß man ihn des Mordes an mir verdächtigte, habe ich erst vor kurzem erfahren. Seit der Zeit trage ich doppelt schwer an meiner Schuld. Wenn Sie ein Viertelstündchen Zeit für mich haben, will ich Ihnen alles erklären. Gerade deshalb kam ich hierher."
„Bitte. Ich stehe ganz zu Ihrer Verfügung, Herr — Herr?"
