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itMener (Eaglnatt.
s». Jahrgang.
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Ak». 288. BerlagS-Fernsprecher R». 285».
Dienstag» den 30. Juni.
RedaktionS^ernfpreLer No. 5».
1903.
Abend-Ausgabe.
glwr öcrs 8. ^mctrtaC 1903
auf das
„Wiesbadener Tagblatt"
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Der KWilMM flr Mdrlilurdeiterlmkii.
Nachdem im Reichstage schon in den Jahren 1887 und 1891 die Forderung nach der Einführung eines zehnstündigen Maximalarbeitstages für Arbeiterinnen über Il 6 Jatfre zum Ausdruck gebracht worden war, forderte die deutsche Volksvertretung am 22. Januar 1893 in einer Resolution den Reichskanzler auf, Erhebungen über «diese Frage zri veranstalten. Für die Arbeiterinnen von 14 bis 16 Jahren besteht bekanntlich schoß. jetzt eui« Maximatarbeitszeit von 10 Stunden, während für Arbeiterinnen über 16 Jahren (8 137 der Gewerbeordnung) ein Maximalarbeitstag von 11 Stunden festgesetzt ist, der an den Tagen vor Sonn- und Festtagen auf ilO Stunden beschränkt ist. Es handelt sich also bei der zur Zeit im Vordergrund des sozialpolitischen Interesses stehenden Frage überhaupt nur um eine Verkürzung des Maximalarbeitstages von 1t Stunden um je eine Stunde an 5 Wochentagen. In der Praxis ist aber die geplante Nefvrm ,wch weniger einschneidend, denn die durchschnittliche Arbeitszeit der Arbeiterinnen beträgt nach den bis- herigen Feststellungen weniger als 11 Sturiden und keineswegs über 10y 2 Stunden; vielfach ist sie auch geringer. .
i Infolge jener erwähnten Resolution des Reichstags hatte das Reichsamt des Innern . die Gewerbeaustichts- heamten aufgefordert, sich gutachtlich über diese Frage zu äußern. Die unlängst erschienenen Berichte der badischen Getverbeinspektion hatten sich alles in allem für die Einführung des Zebnstundentages günstig geäußert, ^etzt sind auch die Berichte der preußischen Gewerbeausstchts- bemnten und Bergbehörden über diese Erhebungen, als Nachtrag zu den von uns schon besprochenen allgemeinen sIewerbeaufsichtsberichteu erschienen. _
Wenn wir aus dem soeben herausgegebenen Bericht über diese Erhebungen, der einen stattlichen Baud von 374 Seiten füllt, den Kern herausschälen, so ergibt sich, daß die Erhebungen zu einem für die in Frage kommende Reform überwiegend günstigen Ergebnis gekommen sind. Die Erhebungen bezogen sich auf 3 Fragen, nämlich 1. ob die Maximalarbeitszeit der Arbeiterinnen über 16 Jahre von 11 auf 10 Stunden herabzusetzen sei, 2 . ob die ihnen zu gewährende Mittagspause von 1 auf ty 2 Stunden zu verlängern und 3. ob der Arbeitsschluß am Samstag und cm den Vorabenden der Festtage auf eine frühere Stunde als 5y 2 Uhr zu verlegen sei.
Was die Frage 1, die Hauptfrage, betrifft, so ergibt sich, daß von den Berichten der Gewerbeaufsichtsbeamten sich 21 für die Herabsetzung des Maximalarbeitstages auf 10 Stunden und rlur 7 dagegen ausgesprochen haben. Die letzteren 7 sind die Berichte für Ostpreußen, West- Preußen, Frankfurt a. O„ Pommern, Oppeln, Magdeburg und Sigmaringen. Von den Berichten der Berg- revierbeamten, die jedoch weniger in Betracht kommen, da die Anzahl der in den Bcrgwerksbetrieben beschäftigten Arbeiterinnen verhältnismäßig gering ist, sprechen sich 28 für die Verkürzung der Arbeitszeit und nur 6 dagegen aus. Was die Frage 2. die Verlängerung der ein- stündigeu Mittagspause, betrifft, so wird sie nur in 2 Berichtm der Gewerbeaufsichtsbeamten rückhaltlos und in 2 weiteren halb und halb bejaht, während die anderm 24 sich dagegen aussprechen. Von den Bergrevierbeamten spricht sich nur einer dafür und alle anderen dagegen aus. Was endlich Frage 3, den Arbeitsschluß am Tage vor den Sonn- und Festtagen vor 6^/2 Uhr, wie es jetzt üblich ist, betrifft, so sprechen sich nur 6 Gewerbeaussichtsberichte dafür und 28 dagegen, von den Berichten der Bergbehörden nur 10 dafür und 17 dagegen ans, während die anderen die Frage unentschieden lassen.
Tie Quintessenz der Erhebungen ist also die, daß die Verlängerung der Mittagspause und der frühere Schluß am Sainstag und am Tage vor den Festtagen ganz überwiegend verworfen werdm, während der Maximalarbeits- tag von 10 Stundm für weibliche Arbeiterinnen ebenso entschieden befürwortet wird. Ties Ergebnis entspricht dem Standpunkt, den wir seit langen Jahren vertretm haben, indem wir mit Entschiedenheit für die Einführung des 10 -stündigen Maximalarbeitstages für Fabrikarbeiterinnen eintraten. Und dies Ergebnis entspricht ferner den Erfahrungen der Kassenärzte, daß die we'ch- lichen Mitglieder der Krankenkassen eine vielfach auf die zu lange Ausdehnung der Arbeitszeit zurückzuführende höhere Erkrankungszisfer ausweism als die männlichen.
In mehreren der Berichte wird jedoch mit Recht eine Übergangszeit für die Einführung des 10-stündigm MarimalarbeitStages gefordert: andere Berichte fordern auch, was ebenfalls zu erwägen sein wird, Ausnahmen
Im weißen Meide.
Roman von M. Böhme (O. Sandor).
(40. Fortsetzung.)
Daß man mit einer Vergangenheit abschließen konnte, >m ein zweites Leben zu beginnen als ein anderer neuer Mensch, begriff Thygo wohl, und von diesem Standpunkle ans er chien die Schuld seines Vaters nur als eine ent- s-huldbare menschliche Verirrung. Ja, als er m.diesem Momente dem ängstlich flehenden Blicke des alteren Mannes begegnete, stieg ein wirkliches Glucksgefuhl m ihm ans: Freude über das Wiederfinden des Totgeglaubten. , „ . ' p
Gottburgsen sah das Aufleuchten m den Angen seines Sohnes und deutete cs richtig. Eine kurze wortlose Um- arniung besiegelte das Wiederfindcn von Vater mw Sohn. Und als ob die Jahre der Trennung ausgeloscht waren, sprachen sie von der Heimat und dm Bewohnern de.' Heidehanscs, von Marike und Knut Weber. Gottburgstn wurde nicht müde im Fragen und Hören, die Hennat war ihm plötzlich wieder nahegerückt; in seinem Sohne lebte die Vergangenheit auf, aber von dieser wiedercrstaudeneu Vergangenheit waren die Schatten gewichen. . L-> war das sonnige Land einer sorglosen Kindheit, seiner ersten fugend, das unter Thygos Mitteilungen vor ihm aus- stieg und ihn mit seiner Fülle glücklicher Erinnerungen
anlächelte. .... ,, .
M „Ich fahre heilte noch heim", sagte er mit strahlendm
Augen ...
„Thygo erschrak sichtlich. „Du. solltest dich den, nicht svrIsetzm", meinte er zögernd, „du kennst Knu. ll j immerhin gut genug, um zu wissm, wessm man sich ' ihm versehen kann." ..
Gottburgsen schüttelte dm Kopf. „Er konnte mrch allez,falls totschlagen. Das wäre nicht das schOmmüe. Aber auch das wird er nicht tun. >;ck muß lh".>vr^cn, gerade ihn. Jcl, will jetzt ganz aufraumen, ich will reinen ji isch haben. Gerade an Knut haLe ich viel gutzumachem Je eher, desto besser; es ist ohnehin zu viel 4 ,crt verloren gegangen,"
„Dann reise ich mit", sagte Thygo entschlossen, „schließlich habe ich dm beiden Alten auch etwas abzubittm. Ich bin im Zorne von ihnen gegangen. Ich warf ihnm vor,
was ich von deii alten Geschichten gehört hatte-
merkwürdig ist es immerhin, daß sich die beiden mir gegenüber nicht gegen die ungeheuerliche und ungerechte Anschuldigung wehrten. Wenigstens die Mutter hätte doch verneinen können, als ich sie geradezu danach fragte. Seltsam! Ich weiß immer noch nicht, was ich davon denken soll: sie machten beide doch einen durchaus schuldbewußten Eindruck.".
„Aber du siehst,'daß sie nicht schuldig sind, denn der angeblich Ermordete steht lechhastig und in Lebensgröße von dir. Also du fährst mit? Das ist mir lieb. Ich möchte mich überhaupt nicht mehr von dir trennen; schade, daß sich das nicht vermeiden läßt. Nächste Woche mußt du nach München."
„Schon?"
„Schon!? Ich dächte---Gleichviel! In diesem
Augenblick, wo die letzte äußere Schranke zwischen uns gefallen ist, soll alles klar werdm. Hier, lies das! Daraufhin bin ich so rasch heimgekehrt!"
Gottburgsen entnahm seiner Brieftasche das Schreiben der Sontheim und überreichte es Thygo.
Eine leichte Nöte lies beim Lesm des Schreibens über das Gesicht des jungen Mannes. Gottburgsm beobachtete ihn scharf.
„Die Schreiberrn hat sich nicht gerade streng an die Wahrheit gehalten", sagte Thygo nach einer Weile, in- dem er den Brief zusamnrmfaltete und zurückgab,
„Aber ganz aus der Luft gegrisfm sind die Angaben nicht", ergänzte Gottburgsm kopfschüttelnd.
„Ich kann nicht bestreiten, daß ich eine tiefe Neigung zu Edel gefaßt habe, und ich hoffe beinahe, daß sie diese Neigung ertvidert. Von einer Liebeserklärung ist bis jetzt nicht die Rede gewesen."
„Tas batte ich erwartet, und es freut mich, meine Voraussetzung von dir bestätigt zu hören. Edel ist mir so teuer, als ob sie mein leibliches Kind wäre, und sie
für die Saisonindustrieen, wieder andere plädieren für die Zulassung von Ausnahmen seitms der Verwaltungs- behördm. Jedenfalls ist nach dem Ergebnis dieser Enquete nicht daran zu zweifeln, daß die Regierung dem nächsten Reichstage eine diesbezügliche Gesetzesvorlage zu- gehen lassen wird, und es ist ebensowenig zweifelhaft, daß der Reichstag ihr mit überwiegender Mehrheit zustimmen wird. Handelt es sich doch hierbei nicht nur um den Schutz des Familienlebens, sondern zugleich um den der Lebens- Arbeits- und Wehrfähigkeit - des gewerbtäügm Nachwuchses, der kommenden Generationen!
Deutsches Deich.
Die Wahlagitation der Geistlichkeit.
Das Zentrum hat bekanntlich seine Waylerfolge von jeher zum großen Teil der strammen Arbeit der katholischen Geistlichkeit zu verdanken gehabt, über das Bedenkliche dieser Art „seelsorgerischer" Tätigkeit äußert sich die klerikal-agrarische „Rheinische Volksstimme" sehr zutreffend dahin:
Sann jemand eine unerlaubtere und unzulässigere Beein» flnsiung nennen, als wenn der Geistliche in der Kirche es eine Sünde nennt, wenn man nicht dem und dem Kandidaten seine Stimme gibt? Wer also anders wählt, sündigt, und wählt er mit Überlegung, so begeht er eine Todsünde, und als solche muß sie gebeichtet werden. ... Ob die Herren Geistlichen denn gar nicht cinsehen. daß sic durch ein solches Vorgehen auch auf dem Lande den Boden unter ihren Füßen untergraben, den sie in den Großstädten vielfach schon verloren haben?
Zutreffend bemerkt dazu der „Hannoversche Courier": „Während man sich am Rhein mit einer bitteren Klage begnügt, hat man in Oberschlesien die Häuser von Geistlichen demoliert und sie gezwungen, am Altäre Schutz zu suchen. Die katholische Geistlichkeit spielt in der Tat mit dem von ihr ausgeübten Zwange auf die Wählerschaft ein höchst gewagtes Spiel, das auch vom Standpunkte des Staatswohles aus sehr bedenklich erscheinen muß, denn keine Revolution ist brutaler als die gegen die Knechtung der politischen Überzeugung durch die Kirchen. Auch von diesem Standpunkt aus sind die Vorgänge in Ober» schlesien ein Warnungszeichen."
* Hof- und Personal-Nachrichten. Die Diamanthochzeit des KroßherzogspaareS von Mecklenburg- Sir e l i tz ist nicht durch größere Festlichkeiten gefeiert worden, da wegen der Krankheit des Großherzogs fremde Fürstlichkeiten nicht erschienen waren. Die prächtig geschmückte Stadt Neu- strelitz bot ein festliches Bild.
* Der zukünftige Oberpräsident von Schlesien. Als
Nachfolger des Oberpräsidenten von Schlesien soll der Fürst Lichnowsky aller Voraussicht nach das Feld behaupten. Angeblich liegen bereits endgültige Beschlüsse vor, so daß die Ernennung in der nächsten Zeit erfolgen würde. Die „Rhein. Wests. Ztg." gibt die Nachricht, einstweilen allerdings unter aller Reserve, wieder, weil Fürst
selbst hängt mit allen Herzensfasern an mir. Ich glaube kaum, daß irgend etwas tm stände sein wird, die Bande, die uns verknüpfen, zu lockern oder gar zu lösen. Natürlich würde es für mich die Erfüllung eines Herzenswunsches und ein großes Glück bedeuten, wenn ich meine beiden Kinder — Edel und dich — glücklich vereinigt sähe. Aber gerade deshalb darf ich ein weiteres Zusammensein vorläufig nicht dulden. Geh nach München! _ Arbeite fleißig, zeige, was tut kannst. Sobald du ein Werk vollendet hast, das dich bekannt macht, mit dem du dir einen Namen schaffst, magst du um Edel werben. Ist sie dir wirklich geneigt, so tverde ich mit Freuden meine Einwilligung zu eurer Verbindung geben. Aber vordem darfst du dich ihr in keiner Weise nähern und auch nicht au sie schreibet,."
„Ich danke dir, Vater, und ich gebe dir mein Wort, daß ich deinen Wunsch respektieren werde", sagte Thygo. „Übrigens hatte ich mir das schon selber gesagt. Ich hätte es auch ohnedies nie gewagt, uni Edel zu werben, so lange ich mir nicht selbst eine Existenz geschaffen habe. Der Gedanke an Edel und an unsere gemeinschaftliche Zukunft wird ein weiterer Sporn für mich sein, durch rastlose Arbeit möglichst rasch ans Ziel zu gelangen."
Gottburgsen nickte seinem Sohne lächelnd zu. „Es wird dir ohne große Schwierigkeiten gelingen . . . Ilm 4 Uhr fahren wir. Wenn du deine Sachen noch etwas in Ordnung bringen willst .... Auf einige Tage nmßt du dich einrichten."
In dem Augenblick, wo Thygo sich abwendete, sah er Frau Thyrä Gotkburgsens lebensgroßes Porträt, und plötzlich legte sich ihm mit schwüler, beklemmender Angst der Gedanke an die Gefahr, die dem Heimkehrendeir drohte, aufs .Herz. Seine Schritte stockten, zögernd drehte er sich um; die Blicke der beiden Männer begegneten 'einander, und Gottburgsen schien die Besorgnis seines Sohnes zu erraten.
„Was sein soll, muß ertragen iverden", setzte er seufzend hinzu. „Unglücklicher, als ich die letzten zehn iJahre war, kann ich auch dadurch nicht werden. Mir ist nur der Gedanke au Edel peinvoll; wenn ich wüßte, daß sie mir ihre Liebe auch dann bewahren würde, wenn meine
