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Wiesbadener

«l. Jahrgang.

-srscheinr «t zwei Ausgaben. — Bezugs-Preis: durch den Verlag S« Pfg. monatlich, durch die Post S Mk. S» Pfg. vierteljährlich für beide Ausgaben zusammen.

Verlag: Langgasse 27.

19,©O© Abonnenten.

Anzeigen-PreiSr

Die einspaltige Petitzeile für lokale Anzeige» 15 Pfg., für auswärtige Anzeigen 25 Pfg. — Reklamen die Pctitzcile für Wiesbaden 50 Pfg., für auswärts 1 Mk.

für die Abend-Ausgabe bis 12 Uhr mittags, für die Morgen-Ausgabe bis 3 Uhr nachmittags. — Für die Aufnahme später eingereichter Anzeigen zur nächst- - (fMMllUJ«»: erscheinenden Ausgabe, wie für die Anzeigen-Aufnahme an bestimmt vorgeschriebcnen Tagen wird keine Gewähr übernommen, ?edoch nach Moglichkett Sorge getragen.

|>t0. 296. Berlags-Fernsprecher No. 2958.

Montag, den 29. Juni.

NedaklionS-Ferniprecher No. 52. 1903.

Abend-Ausgabe.

371; Schwarzburg-Rudolstadt . 372; Waldeck 373; Rentz ä. L. 371; Renß j. L. 375; Lippe 376; Schanmburg- Livve 377: Lübeck 378: Bremen 379; Hamburg 1—3 =

100 Mtglieden: des Zentrums und 2 Hospitanten des­selben, 51 Nationalliberalen, 21 Mitgliedern der frei­sinnigen Volkspartei, 6 der deutschen Volkspartei und 9

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Aas Mefultal der Nrichslagswahlen.

Nunmehr steht das Gesamtresultat der diesmaligen Reichstagswahl fest. Gewählt sind danach.:

52 Konservative (gegen die Wahlen von 1898 unver­ändert), 19 Deutsche Reichspartei (— 1), 9 Antisemiten (— 3), 99 Zentrum (— 7), 52 Nationalliberale (— 1), 21 Freisinnige Volkspartei (— 7), 10 Frei­sinnige Vereinigung (— 5), 6 Süddeutsche Volks­partei (— 1), 81 Sozialdemokraten (+ 23), 2 Bund der Landwirte (— 4), 5 Bayerischer Bauernbund (unverändert), 17 Polen (-1 3), 5 Welfen (+ 2),

9 Elsässer (— 1), 10 Wilde (+ 2).

Wir geben nun unseren Lesern in beistehende: Karte eine Übersicht über die Wahlresultate in den sämtlichen 397 Wahlkreisen. Die letzteren sind durch die Zahlen 1-—397 bezeichnet und mit der Partei­zugehörigkeit der betreffenden Abgeordneten ent­sprechenden Signaturen (man vergl. die Zeichen­erklärung unten in der graphischen Darstellung) ver­sehen. Es sind verzeichnet: die Wahlkreise Königs­berg 1—10 mit den Zahlen 1—10; die Kreise Guini- binnen 1—7 mit den Zahlen 11—17; Kreis Danzig il—5 — 18—22; Marienwerder 1—8 — 23—30; Berlin 1—6 = 31—36; Potsdam 1—10 — 37—46; Frankfnrt, Oder 1—10 — 47—56; Stettin 1—7 =, 57—63; Köslin 1—5 = 64—68; Stralsund 1—2;

= 69—70; Posen 1—10 = 71—80; Bromberg 1—5 = 81—85; Breslau 1—13 = 86—98;

Oppeln 1—12 = 99—110; Liegnitz 1—10 =

111—120: Magdeburg 1—8 = 121—128; Morse- bürg 1—8 = 129—136; Erfurt 1—4 = 137—140; Schleswig 1—10 = 111—150; Hannover 1—19 = 151—169; Münster 1—1 = 170—173; Minden 1—5 = 174—178; Arnsberg 1—8 = 179—186; Wiesbaden 1—6 = 187—192; Cassel 1—8 = 193—200; Koblenz 1—6 = 201—206; Düsseldorf 1—12 = 207—218; Köln 1—6 = 219—224; Trier 1—6 = 225—230; Aachen 1—5 = 231—235; Eigmaringen 236.

Oberbayern 1—8 = 237—211; Niederbayern 1—6 = 245—250; Pfalz 1—6 = 251—256; Ober­pfalz 1—5 = 257—261; Oberfranken 1—5 = 262—266; Mittelfranken 1—6 = 267—272; Unter­franken 1—6 = 273—278; Schwab«: 1—6 =

279—284.

Königreich Sachsen. 1—23 = 285—307; Württem­berg 1—17 = 308—321; Baden 1—14 = 325—338; Hessen 1—9 = 339—317; Mecklenburg- Schwerin 1—6 = 348—353; Weimar 1—3 =

354—356; Mecklenburg - Strelitz 357; Olden­burg 1—3 = 358—360; Braunschweig 1—3 = 361— 363?;. Sachsen-Meiningen 1—2 = 364—365; Sachsen- Altenburg 366; Coburg-Gotha 1—2 = 367—368; An­halt 1—2 = 369—370; Schwarzbu rg°S onde rshausen

380—382; Elsaß-Lothringen 1—15 = 383—397.

Unten rechts im Kartenbilde sind die Parteistärken des 1898 gewählten Reichstages eingetragen, und neben der­selben diejenigen der gegenwärtigen Wahl. Hierbei sind Bund der Landwirte und Bayrischer Bauernbund den

Konservativen hinzugerechnet.

Darstellung

dieser graphischen

der freisinnigen Vereinigung, 81 Sozialdemokraten, 9 Elsässern, 16 Polen, 3 Welsen, 7 Mitgliedern des Bauernbundes und Bundes derLandwirte, einem Dänen und 11 Wilden. Die Red.)

*

hd. Berlin, 28. Juni. Bei der gestrigen Reichstags­stichwahl in Lippe-Detmold wurde der bisherige Ver­

Partoien untereinander, als auch die Zn- oder Abnahme gegen die Wahl von 1898 deutlich erkennen.

(Einige Modifikationen dürfte die obige Zusammen­stellung noch erleiden, denn nach einer Berliner Depesche

setzt sich der Reichstag jetzt zusammen aus: 52 Kon­

servativen, 19 Mitglieder der Reichspartei, 9 Antisemiten,

treter, Meier-Jobst (freisinnige Volkspartei) mit 8350 Stimmen gegen den sozialdemokratischen Kandidaten Becker, der 4t 50 Stimmen erhielt, gewählt. — In Hom­burg in der Pfalz wurde bei der gestrigen Stichwahl der bisherige Vertreter, Stauffer (Bund der Landwirte? wiedergewählt.

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Im weißen Meide.

Roman von M. Böhme lO. Sandor). (39. Fortsetzung.)

11. Kapitel.

Die Fürstin und Koronzow begleitet«: am anderen Tage den Professor zu Pferde an die Bahnstation. Eine wirkliche Ergriffenheit bemächtigte sich Gottburgsen dies­mal, als er Helene Lusekoff die Hand zum Abschied reichte. Auch diese Frau war seine aufrichtige Freundin, wenn sie mich nie seinem Herzen näher gestanden hatte, und m 'hr«n gastlichen Heim war endlich die erlösende Krise seines Seelenlebens eingetreteu. Beide wnßt«:, daß es ein Abschied für lange Zeit, vielleicht für immer war.

Tie Fürstin zwang sich einen scherzenden Ton ab.

, , „Ich hoffe, Sie halten mich, was Ihre Angelegen- Öetten anbetrifft, ein bischen auf dem laufenden", sagte sie,^ „und nicht wahr, we?:n es Ihnen wirklich bei uns gefällt — kommen Sie wieder —"

„Wenn es an mir liegt, sicher."

... Noch ein Händeschiittein hüb«: und drüben, dann wi:te das Abfahrtssignal, und der Zug setzte sich tn Be­wegung. ~

Während der langen Reise hatte Gottburgsen Zeit Mm Überlegen. Obgleich er ohne Unterbrechung fuhr smd nur Eilzüge benutzte, schi«: ihn: die Zeit nnt

^chneckenlcmgsamkeit dahinznkriechen. Stunden wurden MM buchstäblich zu Ewigkeiten: die Fahrt schien kein Ende Kt nehmen. Schon in der seiner Abreise vorhergehenden Zeit hatte er sich entschlossen, die Sontheim zu entlassen, den beid«: Kindern aber nichts von den Mitteilungen der Hausdame z>: sagen Die Sache, die wabrsch«nl:ch «nett

3aiiz harmlosen Hintergrund hatte, sollte nicht unnötig Msfgebanscht werden. Die Ereignisse der nackyten Zeit

-mMoaii,cyr werden. irren, ( wurden ohnehin große Umwälzungen zur riolge haben.

sobald als angängig, wollte er mit Thygo spreckzen und ihm sein Geheimnis enthüllen. Dann sollte Thygo un­verzüglich nach Akünchen übersiedeln, währ«:d er Edel Mauds Fürsorge zu empfehlen gedachte. So wie rr sie kannte, zweifelte ec nicht, daß sie seine darauf bezügliche Bitte gewähren würde.

Mit rasender Schnelle durcheilte der Zug die Land­schaften, vorbei ai: Gipfeln und Abgründen, ai: Hügeln und Tälern, an Flüssen und Seen, über fruchtbare, reich­tragende Fluren und durch weite Strecken öden, unkulti­viert«: Landes, und alles flog vorüber und verschwand wie im Traum hinter den: eisengepanzerten, feuer- züngigen, dampfschnaubenden Rosse der Civilisation, dessen beflügelter Lauf die ehemaligen Begriffe von Ent­fernung längst zur Mythe gemacht hatte. Hier und da leuchteten inenschliche Wohnungen ans, vornehme Villen, stattliche Gehöfte, einsame Stationsgebäude und noch ein­samere Wärterhäuschen mit ihrem fahnenschwenkenden uniformierten Bewohner. Städte erschienen seltener, aber bisweilen streifte der Zug doch ein Dorf, einen Flecken, eine Vereinigung mehrere Höfe . Gerade setzt — Gottburgsen blickte hinaus auf die wie das Bild eines Wandelpanoranms vorübergleitende Ortschaft. Spielende Kinder lärmten auf der Dorfstraße. Über den rot- beziegelten Tüchern der Häuser lag eine dünne Wolke von Rauch, der aus d«: Essen emporstieg. Es war Mittags­zeit: die Menschen kochten — — kochten, um zu leben, um sich zu erholten und zu stärk«: für den täglich sich er­neuernd«: Kampf ums Dasein, um die Qual und die Last der Daseinsbürde tragen zu können, ohne zu ermatten.

Und weiter immer weiter raste die vielgliedrige Wagen- kette durch den hellen Tag und über die in mittäglicher Sonnenhitze brütende Erde. Ans einsanien: Bergpfad ent­lang zog ein Leichenzng. Ein arnier Toter, wie der schlichte weiße Sarg und das spärliche Gefolge erkennen ließen. Aber ob arm oder reich' der die stille Straße

zum Frieden dort zog, war eii: Überwinder, einer, der das

staub- und schwetßbedeckte Lebenshemd mit den weißen, rein«: köstlichen Kleidern des Sterbens vertauscht hatte, einer, der reicher war als die Größt«: der Großen unter d«: Lebendigen, weil er überwunden hatte, weil sein Sonntag angebrochen war, der große Feierabend im Jenseits, der in leuchtenderUnendlichkeit über dem Alltage der Erde glänzt.

Vorüber, vorüber. Alles, alles auf dieser Erde predigt den ewig«: Wechsel und die ewige Wiederkehr aller Dinge. Eii: Todeszug alles, alles . . . Ein Kommen und Geh«: und Wiederkommcn, und über allem die große geheimnisvolle Ewigkeit, in die noch keines Menschen Auge und Miss«: hineindrang.

Gottburgsen hatte die letzte Nacht im weisen Schlosse wachend zugebracht. Seine Gedanken hatten den Schlaf verscheucht, aber während der langen Fahrt stellte sich nun doch die Ermüdung ein, die körperliche und seelische Er­schöpfung. Bei alledem konnte er doch nicht einschlaf«:, aber während er sich mit halbgeschlossenen Augen in die Polster zurücklehnte, zogen mancherlei krause, wunder­liche, weltschmerzliche Betrachtungen durch seinen Sinn. Das Leben erschien ihm eine Last, wie so oft schon er­wachte der ungestüme Wunsch in ihm die Bürde abzu­schütteln, das übermächtige Verlangen nach dem mühe­los«: Überwinden des Sterbens. Die schaukelnde Be­wegung des Fahrens, das eintönige Rasseln der Räder, verbunden mit dem stoßweisen Schnaufen und Schrillen der Lokomotive schüfe?: allerhand Phantasieen vor seine schläfrigen und dabei doch erregte?: Sinne. Ein Eisen­bahnunglück . . . Täglich beinahe liest man von solchen Vorkommnissen. War?tm nicht auch? Konnte nicht irgend etwas Derartiges passieren? Eii: Zusammenstoß

— eine Entgleisung-ein einziges falschgestelltes

Weichenzeichen, ein verkehrtes Signal, ein einziger Gegen- stand auf de,: Schiene?: konnte die Katastrophe herbei-