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293. Verlags.Fern,precher No. 2S8S. Samstag» drn 27. Juni. Redaktions-Ferniprecher No. 82. 1903«

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§Tiir öcrs 3. Gucrvtctk 1903

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Politische Übersicht.

Die WahIschlacht ist geschlagen, der Kampf zu Ende, aber die Nachwirkungen des Kampfes werden sich roch längere Zeit geltend machen, die Hitze und die Leiden­schaftlichkeit, die sich während der Wahlzeit aufgespeicherr hat, noch geraume Zeit Vorhalten. Leider hat die Leiden­schaftlichkeit des Wahlkampfes, oder richtiger gesagt in diesem Fall die Verhetzung der Massen, in Laura­hüt t e zu A u s s ch r e i t u n g e n seitens der polnischen Bevölkerung geführt, wie sie in den Wahlannalen des Deutschen Reiches erfreulicher Weise zu den verschwinden­den Ausnahmen gehören.

Im übrigen bildet die Erstarkung der polnischen Bewegung überhaupt einen der dunklen Punkte der diesmaligen Reichstagswahlen. Der Versuch, alle deut­schen Elemente zu einem geschlossenen Zusammenhalten hegen die polnische Gefahr zusammenzuschweißen, ist leider mißlungen, da die Parteizersplitterung und die Parteiverbitterung unter den Deutschen sich als zu groß erwiesen hat. Ebenso ist der Versuch mißlungen, die bürgerlichen Parteien zu einein geschlossenen Vorgehen gegen die Sozialdemokratie zu vereinen, wenn auch in der Mehrzahl der Wahlkreise die Parole: Gegen die Sozialdemokratie! befolgt worden ist. Das irnmense Anwachsen der Sozialdemokratie ist das charakteristische Merkmal der diesmaligen Reichstagswahlen.

Eine sehr heikle Konstellation ist es, der sich der neu gekrönte König Peter I. in Serbien gegenüber sieht. Der Volksjubel, die Ovationen, der Fackelzug und die sonstigen begeisterten Kundgebungen, mit denen König Peter in Belgrad begrüßt worden ist, und der aufrichtige Enthusiasmus, mit denen seine Thronbesteigung von dem

serbischen Volke ausgenommen wurde, können den König Peter nicht über die Schwierigkeiten, hinwegtäuschen, die er zu überwinden hat. Der jahrelange Zustand despo­tischer Willkür hat die Massen ebenso verwildert, wie der an dem letzten Sprossen der Obrenowitsch und seinen An­hängern verübte politische Mord. Und insbesondere das serbische Osfizierkorps scheint sich in der Rolle zu gefallen, wie sie in« alten Rom die Prätorianer spielten. Zu all diesen Schwierigkeiten kommt noch die größte, in welche sich Peter I. durch die Forderrmg nach einer Bestrafung der Königsmörder versetzt sieht, und die er zu erfüllen cuißer stände ist. Wahrlich, es ist keine beneidenswerte Situation, in welcher die Dynastie der Karageorgiewitsch das schlecht verwaltete Erbe der Obrenowitsch antritt!

Wenig beneidenswert ist auch die Situation, der sich der bisherige Banns von Kroatien, Graf Khuen- Hedervary, in Ungarn gegenübersieht. Die Erbschaft, welche der Ministerpräsident v. Szell seinem Nachfolger hinterlassen hat, ist von zweifelhafter Güte und die Passiva blechen hinter den Aktiva nicht allzu weit zurück. Die Schwierigkeiten, welche ihm die verworrenen Parteiverhältnisse und der Widerstand der oppositionellen Gruppen schon bei der Kabinettsbildung bereiteten, lassen einen Schluß darauf zu, wie dornige Pfade er in seiner Ministerpräsidentschaft zu wandeln haben wird. Jedenfalls wird er die Erfahrung machen, daß die kroa­tischen Gewaltmethoden bei den heißblüftgen Ungarn nicht ohne weiteres verfangen.

Recht verworren ist auch die Situation in der c i s - leithanischen Hälfte der österreichisch-ungarischen Monarchie. Die parlamentarische Müschine ist abermals ins Stocken geraten, da die Tschechen in ihrer rabiaten Obstruktionspolitik fortfahren. So muß denn wieder der berüchtigte § 14, der den Verordnungsweg an die Stelle der Legislative setzt, in Tätigkeit treten. Einen Lichtblick in den unerfreulichen Verhältnissen Österreichs bildet der soeben erfolgte Zusammenschluß der deut- s ch e n P a r t e i e n , die einen erneuten Versuch machen wollen, der tschechisch-polnisch-klerikalen Koalition mit vereinten Kräften zu begegnen. Hoffentlich hat dieser erneute Versuch mehr Erfolg als die früheren.

Einen erneuten und bedeutsamen Erfolg hat das französische Kabinett Combes gegenüber der vereinigten Opposition erzielt, indem es den Gesetzent­wurf über die Säkularisierung der Kongregationen glück­lich unter Dach und Fach brachte und damit den Kleri­kalen gegenüber einen entscheidenden Erfolg erzielte. Freilich ist die Regierung damit noch lange nicht über alle Schwierigkeiten hinweg, denn der Widerstand der klerikalen Bevölkerungskreise und die Unbotmäßigkeit des Offizierkorps stellen noch manche Verwicklungen in Aussicht. ' 1

Das italienische Kabinett Z a r n a d e l l i hat sich auf dem üblichen Wege der Ausschiffung unbe­liebter Minister aus der Patsche zu ziehen gesucht, in die es durch den Feldzug gegen den Marineminister ver­wickelt worden war. Aber ob die schwache parlamen­tarische Basis des Kabinetts dadurch eine Verstärkung erfahren hat, das wird sich erst zeigen müssen.

Ebenso bleibt es abzuwarten, ob die angeblich ver­besserte Situation der Engländer im Somalilande von Bestand ist. Jedenfalls bleibt den Engländern dort noch manche Nuß zu knacken, wobei sie sich auf manche —> Zahnschmerzen gefaßt machen können.

Eine Uebe Melines.

Unser Pariser Korrespondent schreibt:

Nachdem kürzlich der ehemalige radikale Minister­präsident Ren6 Gablet sich in einem bedeutungsvollen Revueartikel gegen die Politik Combes' ausgesprochen hatte, hielt am vergangenen Sonntag der früher« Kabinettschef Jules MÄine, ein gemaßigterRepublikaner« in Epinal eine Rede, welche gleichfalls Aufsehen erregte« Beide Auslassungen ergänzen sich gegenseitig und dürften« indem sie der gegenwärtigen Regierung ein Sünden­register Vorhalten, nachhaltigen Eindruck im Land« machen. Die Rolle, welche MÄine während 30 Jahren spielte, verleiht seinen Erklärungen großes Gewicht. Sie sind die beredte Darlegung einer politischen Situation« welche nachgerade viele Franzosen recht bedenklick) stimmt« Msline will zunächst noch nicht an der Republik ver­zweifeln und ruft alles das ins Gedächtnis, was sie suu die Wiederherstellung der militärischen Macht Frankreichs« die Reorganisatiou derFinanzen, denSchutz der nationalen Arbeit, die Errichtung eures großen Kolonialreiches, di« Schließung eines Bündnisses mit einem großen Lande ge­tan hat. Die glorreiche Geschichte eines Vierteljahr- Hunderts entschuldigt nach Mäline die Vorkommnisse dev letzten Jahre und muß verhindern, daß man sich der Mut­losigkeit hingibt. Die gegenwärtige Krisis sei nur vorüber­gehend und es genüge, die Ursache zu bannen, um schnell zur Heilung zu gelangen. Ter Gedankengang der Red« Mcklines ist ungefähr der folgende. Me augenblicklich« Lage wird hauptsächlich dadurch charakterisiert, daß dis Partei der sozialen Revolution die Hand auf die Kammer und die Regierung gelegt hat. Den Führern der kollÄ- tivistischen Partei muß man die Gerechtigkeit widerfahren lassen, daß sie ausgezeichnete Strategen und unvergleich­liche Parlamentarier sind. Sie haben vollkommen be­griffen, daß, wenn sie den Kammern mit ihrem kollek­tivistischen Programm, dem sogenannten Programm von Saiut-Mandch und der Expropriation der Kapitalien, dev

FeniUeton.

Die Schulschiffe der deutschen Murine»

Technische Studie von Edgar N. Möller II.

Die Takelage »nd ihre Einteilung.

Zur Fortbewegung hat das Schiff eine Schraube, elche durch ihre Kraft ihm eine Geschwindigkeit von inähernö 11 Knoten zu verleihen im stände ist. Auch chrt das Schiff Segel und nennt sich nach seiner Take- mg (den drei Masten mit sämtlichen Raben, den daran 'festigten Segeln, und den zu deren Bedienung not- endigen Taue und den Wanten sStrickleiternj) eine regatte oder Vvllschiff, da alle drei Masten vollgetakelt, w heißt, mit Rahesegeln versehen sind. Wir haben näm- ch auch Korvetten, Barkschisfe bei der Marine, welche llch als Schulschiffe dienen. Diese haben auch drei lasten, jedoch sind nur die beiden Vorderen vollgetakelt, '"hingegen der Hintere Mast nur ein sogenanntes Besan- gel führt, welches ich noch später beschreiben werde, sie Untermasten sind, wie schon erwähnt, beim Bau des Riffes eingesetzt und eiserne Hohlcylinder, welche oben >it dem Eselshaupt (ihr oberes Ende) abschließen. Zu- cft werden nun die Wanten angebracht und die Masten cktlich gerade gerichtet. Die Wanten sind in den Rüsten Ausbaue an der äußeren Beplankung), welche von Attings (durch die Rüst nach der äußeren Beplankung ehende Eisen, welche fest mit der Schiffswand vermetet nd, um den Tauen einen sicheren Halt zu geben) ge- alten werden und auf Jungfern (runde, mit e> fern cm iand umgebene Holzstücke, in welchen sich fünf Köcher um Durchscheeren eines Taues befinden) getastt sind« das -ißt, mit einer Talje steif geholt werden. Diese Wanten nd unter sich ausgewebt (mit dünnen Leinen leiterartrg ^flochten), damit eine Bedienung der Masten erwög­est werden kann. Es sind gewöhnlich auf jeder Seite 1 Wanttaue. Die vorderen gehen gerade nach unten, n einem Winkel von 85 Grad nach der Seite zu, Ytm 'Nter, während die achtern Wanttaue auch etwas nach Eltern geben, um auch den Untermast etwas hierhin nut- mnehmen. Man hat deshalb diese Wanten nach Achtern jausen lassen, damit der Plast einen besseren Halt be- -°mmt, um dem Drucke der Segel, welcher doch immer

von hinten nach vorne ausgeübt wird, widerstehen zu können. — Nun müssen wir aber von vorne anfangen. Sonst fängt man nämlich bei einem Kriegsschiff immer von hinten an zu sprechen, weil dieses das vornehmste Ende ist. Uber der Gallion (auf dem oberen Ende des Vorderstevens befestigte Figur einer deutschen Größe, nach welcher das Schiff seinen Namen erhielt), ist das Bugspriet eingeschoben, welches mit seinem Fuße im Bugsprietstuhl im Innern des Schiffes ruht und hier mit Ketten festgezurrt ist. Nach dem Wasserspiegel zu wird es von dem Wasserstag, welches an dem Eselshaupt (äußeres Ende des Bugspriets) mit seinem oberen, in dem Vordersteven mit seinem unteren Ende befestigt ist, gehalten. Nach den Seiten wird der Bugspriet von auf Talje gesetzten Drahttauen (Backstagen) gehalten. Nun erst bringt man die Stagen an, Drahtenden, welche dem Maste nach hinten einen Halt bieten sollen. Diese sind ebenfalls mit eingesplisten Augen über den Mast gestreift und die Fockstagcn, vom Vordermast (Fockmast) nach dem Bugspriet, das Großstag, vom mittelsten Mast (Groß­topp) nach dem untersten Ende des Fockmastes, das Kreuzstag, vom hintersten Maste (Kreuztopp) nach dem Großtopp, auf Taljen gesetzt und steif geholt. Das Bug­spriet reicht jedoch für die für das Vorschiff benötigte Segelfläche nicht aus und hat man hier deshalb noch einen sogenannten Klüverbaum angebracht, welcher seinen Namen nach dem auf ihm befestigten Segel er­halten hat. Will man jedoch noch weitere Segel setzen, so schiebt man den Jagerbaum noch hinaus, welcher in zwei Brillen (Eisenringe) verschiebbar am Klüverbaum ruht. Am äußeren Ende des Bugspriets befindet sich der Stammstock, welcher durch die Stamm­stagen und Stammstockborduns (seitlich gehende Draht­enden) gehalten wird. Im Stammstock sind einige Gatts (Löcher) eingeschnitten, welche mit Scheiben versehen sind und über die nun das fahrende Gut (laufende Tauenden, als Schoten, Niederholer, Gornings, Falle re.) geht. Außerdem sind auch noch am Klüverbaum die blinden Rahen befestigt, welche nach den Seiten zu horizontal zum Wasserspiegel liegen und von Toppnanten, die den Rahen einen Halt nach unten geben, getragen werden. An diesen Rahen sind nach der Nock (äußerste Spitze) des Klüverbaumes zu Netze gespannt, damit die niederge­holten Segel nicht ins Wasser fallen. Nun setzt mau auf die Masten die Marsen (Mastkörbe) auf, und die Mars-

stcnge (mittelste Mastverlüngerung) wird aufgebracht. Auch diese Stengen werden ebenso wie die Untermasten mit einem Want, dem Stengewant, nach den Seiten zu gehalten, welche ebenso wie dort, jedoch in den Marsen und auf Taljen gesetzt werden. Nach vorne zu laufen hier, von der Vormarsstenge (Fockmast) nach dem Klüver­baum, von der Großmarsstcnge (Grvßtopp) nach dem Vormars, von der Kreuzmarsstenge (Kreuztvpp) nach dem Großmars, die Stengestagen. Auch die Stengewanten sind ausgewebt. Hierauf setzt man die sogenannten Bramsalings, aus mehreren Hölzern zusammengebaute Gerüste, welche erstens für die nötige Sprettze der Bor- duns (an Stelle der Wanten die Bramstengen seitlich haltende, in den Rüsten auf Talje gesetzte Drahttaue) zu sorgen haben; und zweitens für die Aufnahme der die Segel bedienenden Mannschaften, welch selbem Zwecke auch die Marsen dienen. Nun werden die Bramstengen aufgebracht. Diese sind, wie schon gesagt, seitlich durch die Bramborduns und nach vorne zu wieder von Stagen gestützt, welche den unteren Stagen entsprechende Rich­tungen erhalten. Mars- wie Bramstcngen werden nach unten zu von einem sogenannten Schlvtzholz, bei der Marsstenge aus Eisen gefertigt, gehalten. — Jetzt wer­den die Rahen aufgebracht. Am Fockmast heißen diese, von unten nach oben benannt, Fockrahe, Bormarsrahc, Vor-Bram- und Vor-Oberbramrahe, am Großtopp: Großrahe, Großmarsrahe, Groß-Bram- und Groß-, Oberbramrahe, am Kreuztopp: Bachinerahe, Kreuz-

Marsrahe, Kreuz-Bram- und Kreuz-Oberbramrahe. Die Rahen werden von Topnanteu gehalten und sind in der Mitte durch das Rack am Maste befestigr, damit sie sich nicht seitlich hin- und herbewegen und nach vorn wegfliegen können. Die Uuterrahen und Marsrahen haben außer dem Rack noch zur Verhinderung der seit­lichen Bewegung Stoßtaljcn. Zu ihrer Stellung nach dem jeweiligen Winde sind auf den Nocken (äußerste Enden) der Nahen die Brassen angebracht. Dieses sind Tauenden, welche durch Blöcke (Holzstücke mit einge- schnitteneni Gatt, in welchem eine Scheibe läuft sScheibe- gatts», laufen und an Kasilgennägeln (lauge, in den Nägelbänken, welche an den Negelingssttttzcu befestigt sind, steckende Hvlzuügel», belegt (befestigt) werden. Das Stellen der Rahen nach dem Winde nennt man Brassen. Man braßt, wenn der Wind halb von vorn kommt, „beim Winde" oder auch „hart an", bei raumem Winde (direkt