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Verlag Langgaffe 21

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Donnerstag» 2. September 1915.

Morgen - Ausgabe.

Nr. 407. ♦ 63. Jahrgang.

Die Heftung Luzk erobert!

)m Monat August von drn Verbündeten zusammen 325328 Rüsten gefangen,

2234 Geschütze und 683 Maschinengewehre erbeutet.

Die Deutschen vor der Festung Grodno. — Fortgesetzte Verfolgung der Russen am vialo- wiesKa-Forsr. -- Der Dberlauf des Narew überschritten. — Line wichtige Höhe am öst­lichen Strqpa-Ufer erstürmt. - Bisher 271 83V Gefangene, 2200 Geschütze und 360 Maschinengewehre erobert.

Der Tagesbericht vom 1. September.

W.T.-B. Großes Hauptquartier, 1. Sept. (Amtlich.)

westlicher Kriegsschauplatz.

Die Lage ist unverändert. Nordwestlich von Da- paume wurde ein englisches Flugzeug von einem unserer Flieger heruntergeschossen.

Gestlicher Rriegsschauplatz.

Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls von Hindenburg.

Östlich des Njemen nehmen die Kämpfe ihren

Fortgang. ,, , f

Ans der Westfront von Grodno stehen uusere Truppen vor der äußeren Fortslinie.

Zwischen Odelsk (östlich von Sokolka) und dem Bialo-Wieska-Forst wurde weiter verfolgt.

Heeresgruppe des Generalfeldmarfchalls Prinz Leopold von Bayern

Der Oberlauf des Rarew ist überschritten. Nördlich von Pruzana ist der Feind ans das Sumpf- gcbiet znrückgcdrängt.

Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls von Mackensen.

Die Verfolgung blieb im Gange. Wo der Feind sich stellte, wurde er geworfen.

Südöstlicher Kriegsschauplatz.

Tie Truppen des Generals Grasen Bothmer stürmten gegen hartnäckigen feindlichen Widerstand die Höhe des ö st l i ch e n Strhpa-Ufers bei und nörd­lich von Zboro. Der vorübergehende Aufenthalt durch russische Gegenstöße ist nach Abwehr derselbe« über­wunden.

*

Die Höhe der im Monat August von deutschen Truppe« aus dem östlichen und südöstlichen Kriegsschau­platz gemachten Gefangenen und des erbeuteten Kriegs­materials beläuft sich aus

über 2090 Offiziere, 269 839 Mann an Gefangenen, über 2200 Geschütze, weit über 560 Maschinen­gewehre.

Hiervon entfallen auf K o w n o rund 20 000 Gefangene und 827 Geschütze,

aus Nowogeorgijewsk rund 90 000 Gefangene, darunter 15 Generale und über 1000 andere Offiziere,

1200 Geschütze, 150 Maschinengewehre.

Die Zählung der Ges chütze und Maschinen­gewehre in Nowogeorgijewsk ist jedoch noch nicht ab­geschlossen, die der Maschinengewehre in Kowno hat noch nicht begonnen. Dir als Gesamtsumme ange­gebenen Zahle» werden sich daher noch wesentlich er­höhen.

Die Vorräte an Munition, Lebensmittel und Hafer in beiden Festungen sind vorläufig nicht zu übersehen.

Die Zahl der Gefangenen, die von deutschen und österreichisch-ungarischen Truppen seit dem 2. Mai, dem Beginn des Frühjahrseidzuges in Galizien, ge­macht wurden, ist nunmehr auf weit über eine Million gestiegen. Oberste Heeresleitung.

»

Auch in Frankreich bereitet man auf die Räumung von Grodno vor.

Haaq, 1. Sept. Nachdem bereits die „Morning Post" die Räumung von Grodno als bevorstehend gemeldet hatte, berich­tet seht auch „Havas': Nach der Räumung von Brest-Litowsk bleibt von der ganzen russischen Verteidigungslinie, die nach den Plänen von 1910 erbaut war. nur noch Grodno übrig, das jetzt auch geräumt werden soll, nachdem es die Neubildung der hinter Grodno wirkenden russischen Streitkräfte ermöglicht hat.

Salzburgische Infanterie dringt mit dem Bajonett in Luzk ein. — Rückzug der Russen hinter den Styr. — Siegreicher Flankenstotz an der Strqpa. — Ueber 53 000 Mann, 34 Geschütze und 123 Maschinengewehre von den österreichisch- ungarischen Truppen im Rugust erobert.

Der österreichisch-ungarische Tagesbericht.

W. T.-B. Wien, 1. "Sept. (Nichtamtlich.) Amtlich wird verlautet vom 1. September, mittags:

Russischer Kriegsschauplatz.

Die Festung Luzk ist seit gestern in unserer Hand. Das altbewährte s a l z b u r g i s ch e österreichische In­fanterieregiment Erzherzog Rainer Nr. 59 warf die Russen mit dem Bajonett aus dem Bahnhof und dem verschanzten Barackenlager nördlich des Platzes und drang zugleich mit den flüchtenden Feind in die Stadt ein, die bis in die Abendstunden gesäubert war. Der geschlagene Gegner wich gegen Süden und Südosten zurück. Bei Lialy-Kamien in Nordostgalizien durch­brach die Armee des Generals v. Boehm-Ermolli in einer Ausdehnung von 20 Kilometer die feindliche Linie. Die solcher Art erlittene doppelte Niederlage zwang alle noch westlich des Styr kämpfenden russischen Kräfte zum Rückzug hinter diese» Fluß. Die rück­gängige Bewegung des Feindes dehnte sich im Laufe des heutigen Morgens auch ans die Front Z b o r o w aus, das gestern von der Armee des Generals Grafen Both­mer genommen wurde. An der Strhpa wird noch ge­kämpft. Einer der russische» Gegenangriffe hatte gestern in der Gegend von Kozowa eine deutsche und eine öster­reichisch-ungarische Brigade auf einige Kilometer zurück­gedrängt. Der von unseren Truppen zur Vertreibung des Feindes eingesetzte Flanken stoß veranlaßte die Russen, noch ehe er znr Wirkung kam, zum schleu­nigsten Rückzug auf das O st u f e r der Strhpa. Auch nördlich Bucracz wurden mehrere feindliche Angriffe abgewiesen, wobei der Gegner schwere Verluste erlitt.

Die Zahl der in den letzten Tagen in Ostgalizien und östlich Wladimir-Wolhnski eingebrachten Gefange­nen stieg auf 36 Offiziere, 15 250 Mann. Insgesamt wurden im Monat August von den unter österreichisch- ungarischen Oberbefehl kämpfenden verbündeten Trup­pen 190 Offiziere und 53299 Mann gefangen, 34 Ge­schütze, 123 Maschinengewehre erbeutet.

Die Gesamtzahl der von diesen Strcitkräftrn seit An­fang Mai eingebrachten Gefangenen beläuft sich auf 2100 Offiziere und 642 500 Man», die Zahl der bei die­sen Operationen erbeuteten Geschütze stellt sich auf 394, die der Maschinengewehre auf 1275.

Italienischer Kriegsschauplatz.

Aus dem italienischen Kriegsschauplatz blieb die Lage unverändert.

Der Stellvertreter des Chefs des Generalstabs: v. Hofer, Feldmarschalleutnant.

•

Nun ist auch Lnzk gefallen! Mit der gleichen Energie, mit der der bayerische Heerführer Graf Bothmer am 26. August mit dem Auftakt in Ost­galizien begann und die Russen zum Rückzug zwang, trieben die österreichisch-ungarischen Truppen die I e tz- ten Reste >des Feindes auf das südpolnische F e st u n g s d r e i e ck. Von Westen nutz Süden wurde der Gegner gggen die Außenwerke von Luzk. dem west­lichsten der drei Festungen, geworfen: ein erfolgreicher Angriff, der in dem Augenblick beginnen konnte, als die Truppen der Verbündeten die brückenkopsartrge Stellung bei Wladimir-Wolynski behauptet und so stark erweitert hatten, daß eine Unternehmung genügens Aussicht aus Erfolg besaß. Luzk liegt an der Mün­dung der Gishiza in >den Styr, an der Zweigbahn Kiwerzy-Luzk, der Linie Kaichin-Brest, und ist eine dop­pelte Brückenkopfstellung. Sie bildet einen wichtigen Abschnitt, dessen Front nach Westen gerichtet ist, und sich einen: Vormärsche zwischen der Polesie und der Norv- grenze von Galizien frontal entgegenstellt. Diese Lage macht es begreiflich, daß die Russen ihn zur Basis ihres

Befestigungssystems gemacht hatten. Die Stadt LuS selbst ist unbefestigt, hat etwa 15 000 Einwohner und war im Altertum Sitz eines russischen Teilfürstentums, das erst zu Litauen, später zu Polen, 1791 zu Rußland kam. Die Befestigungen bestehen aus kleineren Erd­werken, die unmittelbar an den Brückenstellen liegen. Ferner aus einem Kranze von vier vorgeschobenen Wer­ken, die etwa fünf Kilometer von der Stadt noch Westen vorgeschoben sind. Der Umfang der Werke beträgt 14% Kilometer. Die Südfront ist wegen des erliegenden übersichtlichen Geländes und nasser Niederungen von Natur aus stark, während auf der Westfront cmisge- dchnte Waldungen die Annäherung des Angreifers be­günstigen. Das Gelände zwischen den Werken ist 'durch umfangreiche Armierungsarbeiten ausgebaut und be­festigt worden. Im Norden befinden sich auf einer Ent­fernung von etwa 12 Kilometer zwei isoliert gelegene kleinere Sperrsorts, die den Übergang der Bahnlinie Brest-Litowsk-KowelMowno über den Styr decken.) Wenn nun auch Luzk, wie den beiden anderen Festun­gen nn Wolhynischen Festungsdreieck, Rvwno und Dubno, nachdem es durch die nach Osten weiter vordringende Armee 'des GeneraWD-ma-rschaW Mackensen bereits im Rücken bedroht war, keine be­sondere strategische Bedeutung beigemessen wenden kann, so bedeutet der Fall der Festung doch immerhin die Beschleunigung des russischen Zusa.M" m e n b r u ch e s, der vor kurzem mit dem Durchbruch an der Zlota-Lipa auch nn Südosten so verheHurrgs- doll begonnen hat. ^

Bange Sorgen um den Rückzug in Rußland.

Br. Stockholm, 1. Sept. (Eig. Drahtbericht. Zens Mn.) „R u tz k i Invalid" begründet in einem b em er k e n swerte n Aufsatz die Aufgabe der zweite« Verteidigung«link« mit Waffenwangel und dem Einsetzen überlegener fe in t ck ichrr Kräfte. DirS offizielle Organ fährt dann fort: Ans allen Livpen ist die bange Frage, wie weit wir znrückgehen werden. So lange bis das Gleichgewicht an Kraft und Mitteln hergestellt sein wirb. „Rjetsch" bemerkt dazu: Diese Ant- wrrt stellt dir neue Frage, welche Städte werden «och ge­räumt werden, bis wir den Feind bis znr nördlichen Haupt- siadt lassen? Auf diese Frage ist sofort eine e n t s che id ende Antwort nötig. Uns scheint Widerstand nördlich ders Düna geboten zn sein, wo schon jetzt der Herbst e ing etrrt eu ist. I» Wilna wird Tag und Nacht Kanonendonner gehört. Die letzten Einwohner flüchteten ans Mietwagen, die Lebensmittel sind fast vollständig verschwunden. In Riga sind 300 000 Einwohner zurückgeblieben; Arbeitslosigkeit, Plünde­rungen und Diebstahl sind an der Tagesordnung.

Tine Danksagung General Litzmanns.

Genera! Litzmamn, der sich, seitdem er ins Feld zog.

Lösern noch so viel tiefer in ihr Herz geschrieben hat, schickt folgende Danksagung:

„Aus Anlaß von Kowno gehen mir so unerwartet viele Glückwunschschreiben zu, daß ich zu meinem auifrichtigen Be­dauern gänMch außerstande bin, sie auch nur zum geringeren Teil zu beantworten. Ich bitte alle, die so freundlich und herzlich meiner gedacht haben, meinen innigen Dank aus diesem Wege enjtgogenzuiuehmen und sich zn vergegenwärtigen, daß ein verantwortlicher Truppenführer seine ganze Zeit und Arbeitskraft dem Dienste des Bateclanbes widmen muß, bis der Feind vollends am Boden liegt. Nochmals tausend Dank allen den liebenswürdigen Verfasserinnen und Verfassern von Gedichten, Briefen und Karten, die mich so herzlich erfreut haben. Im übrigen wollen wir bei all unseren Wcrffenei- folgen Gott die Ehre geben und dessen eingedenk bleiben, daß ohne tüchtige Gehilfen und Unlterführer und ohne die Tapfer­keit der Truppen kein kommandiervuder General etwas aus­zurichten vermag. Der Dank sollte niemals dem einzelnen gelten. Mit deutschem Gruß Li tz mann.

Rußland, 27. August 1915."

*

Bürgermeister Weißkirchncr bei Kaiser Franz Joseph.

W. T.-B. Wien, 1. Sept. (Nichtamtlich. Drahtbericht.) Ter Kaiser empfing heute vormittag in Schönbrunn den Wiener Bürgermeister Dr. Weitzkirchner und den Ofenpestec Bürgermeister B a r c z h in gemeinsamer Audienz. Beide Bürgermeister dankten für die ihnen verlieherienGhven» zeichen des Roten Kreuzes mit der Kriegsdekoration,