si. Jahrgang.
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AN« 284. Berlags^erusprecher No. 195*.
Montag» den 22. Inni.
NcdaktionS-Fcrnsprcckcr No. 61. 1903»
Abend-Ausgabe.
Der Kaiser in Hamburg.
red. Hamburg, 20. Juni. Um IIV 2 Uhr trafen der Kaiser, die Bürgermeister und das Gefolge auf dem Denkmolsplatze ein, während die Husareneskorte abschwenkte. Unter dem Kaiserzelt waren versammelt: Der Senat, die Vertreter der Bürgerschaft, die Staatssekretäre Freiherr v. Richthofen, v. Tirpitz und Krätke, Minister Möller, die Gesandten V.Tschirschky undBögendorff, sowie Senator Klügmann, die Bürgermeister von Srentett nnö Lübeck. Auf den angrezenden Tribünen saßen das diplomatische Korps, die Behörden, die Geistlichkeit, die Generalität. Der Schöpfer des Denkmals, Geheimer - Rat Professor Schilling, war anwesend. Nach einem Ge- sangsvortrage von 700 Sängern hielt Bürgermeister Dr. Burchard eine Ansprache, in welcher er dem Kaiser für sein Erscheinerl dankte, auf den Beginn der neuen großen Zeit vor drei Jahrzehnten hinwies, ebenso auf die Ausgestaltung der Rechtseinheit, des Weltverkehrs und des praktischen Christentums unter der Zeit des großen Kaisers. Während der Rede fiel die Hülle des Denkmals. Die Ehvenkompagnie präsentierte. Ter Kaiser besichtigte darauf eiirgeherrd das Denkmal. Bürgermeister l)r. Burchard legte einen Kranz iit den Farben Hamburgs nieder. Ein Vorbeimarsch der Ehrenkompagnie schloß die Feier. Der Kaiser begab sich nach der Feier zum Hafen, wo auf der „Hohenzollern" Frühstückstafel stattfand. Den Gesandten v. Tschirschky und Bögendorff wurde der Stern zum Roten Adlerorden 2. Klasse mit Eichenlaub, Professor Schilling der Rote Adlerorden 2. Klasse verliehen.
Das Schillingsche Kaiser Wilhelm-Denkmal, dessen Enthüllung der Besuch des Kaisers in erster Reihe gilt, erhebt sich auf dem Rathausmarkt, dem Rathaus gegenüber. Die erhöhte Denkmalsfläche nimmt 1800 Geviertmeter ein. Das Reiterstandbild erhebt sich fünf Meter hoch ans einem sechs Meter hohen Sockel. Die Vorderseite des Sockels trägt das Reichswappen mit Krone und Schwert, die Rückseite die Inschrift „Erbaut 1903". Die Seitenflächen sind mit Darstellungen geschmückt, die das Deutsche Reich 31 t Lande und auf dem Meere versinnbildlichen. Große Bronzeflachbilder tragen auch die granit- nen Brüstungen, die seitlich nach dem Hintergründe zu den Dmkmalsraum umgrenzen, und deren Steinbäntc den Beschauer zum Ausruhen einladen. Diese Flachbilder zeigen die Kaiserverkündigung vom 18. Januar 1871 und den Truppeneinmarsch in Hamburg vom 17. Juni 1871. Vor dem vorderen Ausläufer der
Brüstungen stehen vier stattliche Bronzegruppen, die darstellen: das einheitliche Recht, das Münz- Maß- und Gewichtswesen, dieWohlfahrtsgesetze und dasVerkehrswesen. Auch der Schmuck der das Denkmal umsäumenden Flaggen- und Beleuchtungsmasten weist auf die Macht des Reiches und die Bedeutung Hamburgs als Welthandcls- stadt hin.
Hamburg, 20. Juni. Kürz vor 7 1 / £ Uhr traf der Kaiser, begleitet von reitenden Schutzleuten, in: Rathause ein. Die den Landungsbrücken gegenüber liegenden Elbhügel waren von Tausenden besetzt, ebenso waren die Häuser in der Feststraße bis auf die Dächer voll besetzt; trotz des Regenwetters harrte das Publikum stundenlang aus. Ter Kaiser, durch, die Ovationen sichtlich erfreut, grüßte viel nach allen Seiten, Beim Mahl hielt nach dem ersten Gange Bürgermeister Dr. Burchard eine Ansprache an den Kaiser.
zvb. Hamburg, 20. Juni. Auf die Ansprache des Bürgermeisters Dr. Burchard beim Diner erwiderte der Kaiser mit folgendem Trinkspruch:
Es ist mir schon oft die Ausaabe geworden, großen Städten und ihren begeisterten Bürgern meinen Dank zu sagen. Nie fand ich die Aufgabe so schwer, für das, was ich fühle, was ich gesehen, erlebt habe, einen richtigen und passenden erschöpfenden Ausdruck zu finden. Wenn ich zunächst als Enkel des großen Kaisers, dessen ehernes Bildnis die Stadt Hamburg soeben enthüllt hat, sprechen darf, so möchte ich mit tiefbewegtem Herzen meinen Dank dafür abstatten, daß Hamburgs Bürgerschaft in so glänzender, großartiger, erhebender Weise den Ausdruck gefunden hat, um ihr Dcuischtum und ihre Dankbarkeit den alten Helden zu bezeugen. Das hat meinem Herzen als seinem Enkel wohlgetan und mich tief gerührt. Zum anderen aber kann ich nicht unterlassen, den mahrhast überwältigenden Empfang, den mir groß und klein, jung und alt, hoch und niedrig hier hat zu teil werden lassen, hervorzuheben. Die vielen Tausende von Gesichtern, die mir heut entgegengelcuchtet haben, sind Bürge dafür, daß der Grub mir aus tiefstem Herzen und bewegtem Gesüh! entgegen- schallte. Ich bitte den Senat und die Bürgerschaft, meinen herzlichsten, tiefgefühltesten und heißesten Dank entgegenzunehmcn und der Stadt Mitteilen zu wollen. Gewiß, die jnnge Generation, die heute mit uns das erzene Bild umstanden hat, für sie ist der große Kaiser schon eine geschichtliche Person und die Ereignisse, die um seine Persönlichkeit weben, und die Zeit, in der er gewirkt hat, werden schon in Büchern beschrieben. Ich glaube, daß ich wohl nicht zu viel sage, wenn ich der Vermutung Raum gebe, daß dereinst in künstigen Jahrhunderten die ehrsurchtgcbietenbe Gestalt meines Großvaters mindestens ebenso von Sagen umwoben, so gewaltig hochragend über alle Zeiten im deutschen Volke dastehen wird, wie einstens die Gestalt des Kaisers Barbarossa. Freilich, die jüngere Generation ist jetzt gewohnt, leichthin das, was wir Reich nennen, mit dem, was eS uns gebracht hat, als etwas Selbstverständliches anznsehen, ohne zu bedenken, was eS gekostet hat, bis es dazu gekommen ist, und ich glaube, wir erkennen auch hierin wieder den Finger der Vorsehung, wenn wir auf die ehrsurchtgebietende Gestalt Hinblicke», die dort in stiller Haltung vor dem Rathaus steht in der ernststillen Abgeklärtheit des hohen Alters, daß gerade ihn die Vorsehung ausersehen hatte, dieses, eines der schwierigsten Werke, auszuführen: die Einigung der Stämme der Deutschen,- denn
niemand konnte sich dem Zauber der Persönlichkeit, der einfachen Bescheidenheit und der das Herz gewinnenden Liebenswürdigkeit des hohen Herrn entziehen, und so war es ihm vergönnt, umgeben von gewaltigen Paladinen, die, ihm ergeben, mit ihm arbeiteten, auszugleichen, zn versöhnen und in harten, scharfen Lagen immer das Ziel im Auge zu behalten: die Einigung des Vaterlandes. In langer Friedensarbeit in stiller Werkstatt reiften die Gedanken. Fertig waren die Pläne des schon zum GreiS gewordenen Mannes, als die gewaltige Aufgabe an ihn herantrat, als er uns das Reich wieder erstehen ließ. Ich hoffe, daß die Hamburger Jugend, wenn sie au dem Denkmal vorbeigeht, nie die Zeit der Vorbereitung vergessen werde, die der hohe Herr durch- gcmacht hat. Mit Recht erwähnten Sie die Zeit Kaiser Wilhelms als einer großen, gewaltigen Zeit, gewaltig in den Impulsen, mächtig in der flammenden Begeisterung. Meine Herren, ich sollte denken, groß ist auch die Zeit, die uns noch Vorbehalten ist. Die Aufgaben, die dem großen Kaiser gestellt gewesen, sind erfüll:, doch wollen wir nicht vergessen, wenn es uns zuweilen dünkt, daß die Aufgaben, die uns gestellt, zn schwer seien, was der hohe Herr durchgcmacht hat. Bergessen wir nicht, daß er schon Nachdenkens und mitlebend Jena und Tilsit gesehen hat, und doch ist er an der Zukunft des Batcrlandes nicht verzweifelt. Bon Tilsit ist cs nach Versailles gegangen! Ebenso wird es auch in Zukunft bestellt sein. Auch unserer Zeit harren Aufgaben. Der große Kaiser mit seinen großen Mithelfern hat die Basts gelegt, den Grundstein zum Gebäude. An uns ist der Ausbau! Darum Lin ich der Ansicht und der festen Überzeugung, daß auch uns eine große Zukunft bevorsteht, wenn wir nur fest dazu entschlossen sind, sie dazu zn machen. Uns sind auch Aufgaben gestellt. Mögen sic nun schwer oder leicht sein, wir haben sie anzufasscn, so gut wir eben können, mit Darangabe unserer Kräfte. Dann werden wir sis lösen! Ich bin fest überzeugt, daß, wie damals, so auch heute dem Deutschen Reich und dem deutschen Bolke es nie an den richtigen Männern fehlen wird. Deswegen wende ich mich am heutigeit Tage an der Stelle, wo ich mich damals ans tiefstem Herzen an das deutsche Volk mit einem Notschrei wandte, auch heute wieder an dasselbe: „Möge es seinen Idealen und sich selber treu bleiben!" Dann wird cs ein Granitblock werden, der, wie er draußen den großen Kaiser trägt, so getreu seinen Traditionen, seine Aufgaben und Schöpfnugen, die an uns hcrantretcn, auf seinem Herzen mit seiner Kraft tragen wird. Möge es mit Entschlossenheit an die Aufgaben herantreten, die ihm der Himmel stellt, ohne zu fragen, ob sic schwer oder leicht sind, und ohne sich darum zu kümmern, wie es sie lösen soll, wenn es nur erst herangeht! Die Angen auf! Den Kopf in die Höfte! Den Blick nach oben, die Knice gebeugt vor dem großen Alliierte», der noch nie die Deutschen verlassen hat, und wenn er sie noch so schwer geprüft und gedemütigt hat, und der sie stets wieder aus dem Staub erhob. Die Hand aufs Herz, den Blick in die Weite aerichtet, uni» von Zeit zu Zeit einen Blick der Erinnerung zur Stärkung auf den alte» Kaiser und seine Zeit, und ich bin fest überzeugt, daß, wie Hamburg in der Welt vorneweg geht, so wird unser Vaterland vorangehcn ans der Bahn der Aufklärung, der Bahn der Erleuchtung, der Bahn des praktischen Christcntnms, ein Segen für die Menschheit, ein Hort des Friedens, eine Bewunderung für alle Länder, das spreche ich als feste Hoffnung und Zuversicht ans. Darauf leere ich mein Glas! Es lebe die Stadt Hamburg! Hurra! hurra! hurra!
wb. Hamburg, 21. Juni. Der Kaiser hörte gestern auf der Herfahrt im Sonderzuge den Vortrag des Chefs des Marinekabinetts. Heute morgen hielt der; Kaiser an Bord der „Hohenzollern" Gottesdienst ab, dem die Bürgermeister Di'. Burchard, Dr. Hachmann und dey
Im weißen Kleide.
Roman von M. Böhme (O. Sandor).
(33. Fortsetzung.)
„Entziehen Sie mir nicht Ihre Freundschaft, Maud", sagte er, „gehen Sie nicht für immer. Sagen Sie mir, daß Sie wiederkommen — wie bisher —"
„Genesen Sie von Ihrer Schwäche —" ,
Sie sprach so leise, daß ihre Stimme wie ein Hauch zu ihm hinüberwehte. Dann lvar er allein.
Wenige Minuten später siel draußen der Wagenschlag zu. Gottburgsen löschte die Kerzen aus und verließ den Salon.
Oben trat Edel ihm iin Treppenplatz entgegen. Ob er nicht noch ein wenig ins Wohnzimmer käme. Die Sontheim fürchte sich beim Gewitter und wolle nicht schlafen. Herr Arfst sei auch noch droben.
„Da habt Ihr ja männlichen Beistand", sagte Gottburgsen. „Wenn Ihr mich braucht, ruft mich. Ich bin in meinem Zimmer. Gute Nacht, Maus."
In dem kleinen Raume neben dem Atelier hatte Behrend alles für seinen Herrn vorbereitet. Die gelb- schirmige Säulenlanrpe brannte neben dem Schreibtische, und auf einem Tischchen stand eine Schale Eis, eine frischgefüllte Wasserflasche nebst Gläsern und ein Kistchen Cigarretten und Feuerzeug.
Gottburgsen trank ein Glas Eiswasser. Das kühlte. Seine Erregung begann sich zu legen. Vor allem beruhigte ihn die Überzeugung, daß er von Maud keinen Verrat zu befürchten brauchte.
„Wie kam ich nur dazu, vor ihr zu knieen?" fragte er sich verwundert, „nur vor drei Frauen kann ein Mann knieen, ohne sich etwas zu vergeben, vor seiner Mutter, vor einer Heiligen, oder vor der Frau, die er liebt ... Das ist seltsam. Und das Schlimmste ist dabei, das; sie denken wird, meine Furcht, die elendeste Feigheit hätte mich dazu veranlaßt. Darum wird sie mich noch mehr verachten." Die rote Blutfackel der Scham. schlug über seine Stirn. Im Hintergründe seines Empfindens stand aber noch etwas anderes, an das er nicht zu rühren wagte.
Aus einem Fache seines Schreibtisches nahm er zw« kleine unscheinbare Bücher. Eins derselben schlug er auf, es war das deutsche Strafgesetzbuch« und das, was er
suchte, der Paragraph 171, der das Verbrechen der Bigamie mit Zuchthaus bis zu fünf Jahren und, wenn mildernde Umstände vorliegen nicht unter fünf Monaten Gefängnis bestraft. Tausendmal hatte er die Stelle durchgelesen. Das Buch war gewissermaßen ein kleines raffiniertes Folterwerkzeug, dessen er sich mit Vorliebe in seiner Selbstmarter bediente. Bis zu fünf Jahren — — denn von mildernden Umständen konnte in seinem Falle nicht die Rede sein. Helle Angsttropfen perlten auf seiner Stirn. Schwer seufzend legte er das Buch fort und griff nach dem zweiten, in dem er wieder und wieder den Vers von dem weißen Kleide, das denjenigen, die überwinden, zuteil werden soll, las.
Seine Sehnsucht nach dem weißen Scelenkleide war groß, aber noch größer die Furcht vor der gesetzlichen Strafe seiner Schuld, vor der Schande, vor der Verachtung der Welt.
Nein! Tausendmal nein!
Plötzlich fiel sein Blick auf einen Brief, der auf dem Schreibtische lag. Ein schmales hellgelbes Couvert mit einem großen Monogramm auf der Rückseite und darüber die Fürstenkrone. Er brach es auf:
„Wann kommen Sie?" las er. „Haben Sie Ihr Versprechen vergessen, böser Meister? Darf ich Sie überhaupt noch erwarten? Antworten Sie bitte, bald!
Helene Lusekoff."
Stehenden Fußes schrieb er die Antwort:
„Wenn diese Zeilen in Ihre Hände gelangen, bin ich auf dem Wege zu Ihnen."-
9. Kapitel.
Maud Dirken fand in dieser Nacht keinen Schlaf. Stundenlang saß sie aufrecht in ihrem-Bett; den schmerzenden Kopf in die Hand gestützt, grübelte sie unaufhörlich über Gottburgseus Geschichte, und je länger sie darüber nachdachte, desto rätselhafter, unbegreiflicher wurde ihr das Verhalten des Mannes, dem sie bisher in unbegrenzter Verehrung zugetan gewesen war.
Von Kind an hatte man sie die Wahrhaftigkeit als das oberste Gesetz aller Moral achten gelehrt, über ihre Lippen war nie eine wissentliche Unwahrheit getreten; gerade weil sie selber die Lüge so verabscheute, erschien ihr die Tatsache, daß Gottburgsen, den sie bisher im Besitze aller männlichen Tugenden geglaubt hatte, jahrelang
schon unter dem Fluch einer großen Lüge litt und doch zu feige war, sich mit dem Akute der Wahrheit zu wappnen und sich frei zu machen, so ungeheuerlich, daß sie noch immer zu träumen glaubte. Das Geheimnis des.Professors bedrückte wie ein Alp ihre Seele, ihre eigene Ruhe war hin; ihr Ideal war von seinem Piedestal gestürzt und zertrümmert. Sie wußte nur zu gut, daß ihre Teilnahme für Gottburgsen verzweifelte Ähnlichkeit mit Verachtung hatte, aber diese Geringschätzung, die an Stetig ihrer früheren Hochachtung für den Meister getreten war« verursachte ihr selber eiu deutliches Gefühl des Schmerzest Eine tiefe Traurigkeit hatte in ihr Platz gegriffen und löste sich in einem Strom bitterer Tränen. Nach dem« was sie aus Gottburgseus Munde vernommen hatte, erschien ihr ein fernerer freundschaftlicher Verkehr unmöglich, sie fürchtete sich ordentlich, ihm gegenüberzutreten« aber wieder empfand sie, daß sie sich selbst am meisten! durch diesen förmlichen Verzicht auf den ihr beinahe unentbehrlich gewordenen Umgang mit dem Meister beraubte. Die Stunden, die sie in Gottburgseus Atelier! zubrachte, waren bis dahin die Glanzpunkte ihres Lebens gewesen, wie überhaupt der anregende Verkehr mit dem Künstler und seinem lieblichen Töchterchen ihrem Dasein« das sich gerade jetzt, wo sie allein war, einförmig genug gestaltete, in besonderer Weise Licht und Farbe aufgelegt hatte. Morgens beim Erwachen hatte sie sich schon auf. die Stunden der Arbeit unter den Augen des Meisters gefreut, und abends war sie an solchen Tagen meistens init dem Bewußtsein, etwas besonders Befriedigendes erlebt zu haben, emgeschlafen. Das war nun alles vorbei« und ihr war zu Mute, als sei aller Sonnenschein ihres Lebens ausgclöscht, alles Licht, das den grauen Nebel ihres Alltags hm und wieder siegreich durchbrochen hatte, verschwunden.
Sie bereute jetzt, daß sie ihren Vater nicht ans seiner Reise begleitet hatte. Nach einigem Überlegen entschloß sie sich, selbst auf einige Zeit zn verreisen. Auf diese Weise ersparte sie sich und Gottburgsen ein für beide Teile Pein- liches Begegnen, und sie selber hoffte, in den grünen Bergen ihrer mütterlichen Heimat — sie wollte ein paar Wochen oder Monate nach Thüringen gehen — ihr inneres Gleichgewicht, das durch die Enthüllungen des Professors erheblich erschüttert worden war, wieder zu er- langen. (Fortsetzung folgt.)
