Verlag Lauggaffe 21
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Mittwoch, I, September 1915.
Böeitfc »Ausgabe.
Nr. 406. » 63. Jahrgang.
Unsere dritte Kriegsanleihe.
Deutschlands goldene wehr.
Zum dritten Röale ergeht an das deutsche Volk de, Nus zur Zeichnung auf die neue Kriegsanleihe. Ei trifft die deutsche Volkswirtschaft, ldas deutsche Groß' kapital, die deutschen Sparer nicht unvorbereitet. Das Geld liegt bereit und wieder wivd es in Milliarden dem Reiche zuftrömen. Daran zweifeln auch unsere Feinde nach den ihnen bei der ersten und zweiten deutschen Kriegsanleihe gewordenen Offenbarungen deutscher Kapitalkraft und deutscher Vaterlandsliebe nicht mehr. Das Ergebnis der Zeichnung soll aber vor allem auch tm neutralen Ausland, in der ganzen Welt erneut mächtige Kunde geben von der imzerstörbarcn Gelidkraft der deutschen Kriegführung und dem eisernen Willen aller Schichten des deutschen Volkes, Liesen uns aufge- zwnngenen. furchtbarsten aller Kriege, dem wir nicht auäwerchen konnten, nun auch dnrchzuhaltsn mit Gut wie Mit Blut bis zum vollen Siege der deirtschen Waisen. Mit einer Gewalt, der nichts^Widerstand zu leisten vermag, zermalmen unsere Truppen im Osten die russische Hceresmacht. In drei Wochen ftslen 8 russische kfestuilgen in deutsche oder österreichisch-ungarische Hände. In u na u sh a l samem Siegeszuge geht es vorwärts hinter den fliehenden Russen her, und nur eine Sorge beherrscht unsere Truppen: die, daß der Fernd nicht gar zu schnell flüchten, daß' er sich vor der Schaffe unseres Schwertes nicht allzu eilig bergen werde. In schönen Worten feiert der Minister des Innern v. L o e b e l l in einem sooben herausgekom- menen Erlaß an die öffentlichen «Sparkassen zur Zeichnung der dritten Kriegsanleihe die bewundernswürdigen Taten unserer Heere im Wfften und Osten. Er sagt darin u. a.: „Als vor einem Jahre unsere herrlichen Truppen mit fliegenden Fahnen und unwider stohlichem Heldenmute den Sieg weit in Frarckreich- Grenzen hineintrugen, mußten wir es erleben, das russische Übermacht eine blühende Provinz mit Mord und Brand, niit Verwüstungen und Schandtaten aller Art gegen friedliche Bewohner und ihr Eigentum heim- iuchte. Heute schrrmen unsere Truppen im Westen aus feindlichem Boden wie eine eiserne Mauer fest und unerschütterlich das Errungene während die russischen Millionenheere, von unserer Grenze vertrieben, vor uns und unseren treuen Verbündeten weit ins Innere Rußlands zurückweichen und eine Festung nach der anderen in unierer Hand lassen. Aber noch ist der endliche Sieg nicht errungen. Ein neuer Winterfeldzug steht bevor, und gewaltiger Mittel bedarf es, um unsere Heere in Ost und West und unsere gegen eine gewaltige Übermacht heldenmütig kämpfende Flotte schlagfertig zu erhalten und mit allem Nötigen zu versorgen."
DaS soll ge'chchen, und nicht zu knanp! Das Ergebnis der dritten deutschen Kriegsanleihe soll dem schwindenden Vertrauen unserer Feinde den Rest gaben. Je wuchtiger der Stoß des deutschen Kapitals erfolgt, um so näher sind wir dom Frieden, der, wie Staatssekretär Helfferich in seiner Reichstagsrede betonte, unsere Feinde bezahlen lassen wivd all die Millionen, die sie für diesen Krieg aufzuwenden uns gezwungen haben. Nicht der deutsche Steuerzahler soll die ungeheuren Lasten dieses Krieges durch Jahrzehnte der Zukunft schleppen, sondern die, die den Krieg verschuldet haben, unsere Feinde. Dieses Kffegsende mit herbeisühren zu Helsen, wird jetzt noch einmal jedermann Gelegenheit geboten. Was unser Volk in allen seinen Schichten in der Form der Kriegsanleihen bisher aufbrachte, zeigt übersichtlich die nachstehende von der Reichsbank Ende März dieses Jahres herausgegebene Zusammenstellung über die Kriegsanleihenzeichnung. Darnach verhält sich die Größe der in der ersten und zweiten Kriegsanleihe getätigten Zeichnungen folgendermaßen: (Tie cingeklammerten Zahlen beziehen sich auf das Ergebnis der efften Kriegsanleihe.)
Zeichnungs-Betrag
Zahl
von
bis
200 Mk.
452113
(231112)
71
300
„
500
581470
(241804)
254
600
1000
660776,
(463143)
6041
1100
2000 „
418861s
733
2100
n
5000
36 l 459
(157591)
1354
6100
n
10000 „
130903
(56438)
1057
101«0
„
20000 „
46 105
(19313)
745
20100
„
50000 „
26407
(11584)
926
50100
„
1000 0 ..
7742
(3629)
648
100100
500000 „
4361
(2050)
1066
500000
1000000 „
638
(361)
440
über eine Million „
325
(210)
1162
Gesamtbetrag
(36)
( 111 )
(587)
(579)
(450)
(307)
(410,
(315)
(509)
(287)
Zusammen 2601060 (1177236)' 9060(4460)
Zahlen beweisen! Diese Ziffern aber bewerfen nicht nur das große Volksvermöqen in Deutschland, sie führen uns insbesondere sehr deutlich vor Augen, wie neben dem Großkapitalisten, wie überhaupt neben dem Vermögenden auch der kleine und kleinste Mann seine Er- 'parnisse in Kriegsanleihe anlegte. Anderhalb Millionen Deutsche haben nach dieser Tabelle bei der ersten und zweiten Kriegsanleihe Beträge bis zu 500 Mark gezeichnet; davon entfallen nicht weniger als 68 3225 Zeichnungen aus Einzellbeträge von unter 2 00 Mark! Eine innige Sprache großer Vaterlandsliebe kommt hier beredt zum Ausdruck. Man sieht im Geiste unter der großen Zahl der Hundertinark-Zeichner das alte Mütterchen, das, die Söhne im Felde wissend, seine Notgroschen in die goldene Wehr des Vaterlandes wirft, man sieht das Dienstmädchen, das seine Aussteuerersparnisse auf den Tisch des Vaterlandes legt, man sieht den Arbeiter, den .Handwerker, den Angestellten, den kleinen Mann in seiner tausendfachen Gestalt, die alle in denr festen Willen, zum Siege beizutragen, ihre Ersparnisse herbelbringen für die Verteidigung des Vaterlandes. An sie alle ergeht auch jetzt wieder der Ruf: Zeichnet die Kriegsauleihe! Das Reich gibt in den Schuldverschreibungen der dritten Kffegsanleihe wiederum ein mündelsicheres, vorzügliches Anlagepopier von 99 Prozent mit 5 Prozent verzinslich, unkündbar bis zum 1. Oktober 1924 in Stücken bis herab zu 100 Mark. Das Darlehen wird also gut verzinst und zur gegebenen Zeit voll zurückgezahlt. Überdies gehören unsere Kriegsanleihen, wie alle deutschen Rffchsanleihen zudenbestenWertpapieren. Wer heute Stücke der efften und zweiten Kffegsanleihe verkauft, bekommt. ganz abgesehen von den ihm inzwischen zugeflossenen Zinsen mehr Geld dafür, als er für das Papier dem Reiche gegeben hat, denn der Kurs der Anleihe ist aus 99 Prozent gestiegen, wahrend der Ausgabepreis der efften Kffegsanleihe bekanntlich 97,50 Prozent (bei Eingang der einjährigen Sperwerpflich- tung nur 97,30 Prozent) und bei der zweiten 98,50 Proz. (beziehungsweise 98,30 Prozent) betrug.
Säume also niemand auch bei der dffttsn Kffsgs- anleihe seine Pflicht zu tun. Es sind alle Einffchtungen getroffen, um die Anleihe zu einer wirklichen Volksen l e i h e zu -machen. Sogar die Post fungiert als Zeichnungsstelle. Wer hundert Mark erübrigen kann, trage sie auf die nächste Postanstalt und zeichne Kriegsanleihe. Mögen alle -deutschen Volksschichten, Männer und Frauen wieder den edlen Wetteifer bekunden, wie bei der ersten und zweiten Kriegsanleihe und Imäder ebenso einmütig in dem großen Ziel freudig der an sie crgchenden Zeichnungsaufforderung Folge leisten. Daun kann auch diesmal -der Erfolg nicht ausbleiben, dann wivd auch die dritte Kriegsanleihe zum Schrecken unserer Feinde sein: Ein Sieg auf dem Schlacht selbe der Finanzen! __ —tz.
von den östlichen Kriegsschauplätzen,
Die allgemeine Offensive südlich der priper-Sümpfe.
Kiew das nächste Ziel des österreichisch-deutsche» Vorgehens.
Br. Wie», 1. Sept. (Eig. Drahtbericht. Zens. Bin.) Die allgemeine Offensive südlich der P r i p e t- s ü m Pf e bis zum Tnjestr, die für die Rusien, wie sie sagen, überraschend kam, dürfte nicht nur die Befreiung O st g a l i z i e n s zur Folge haben, sondern auch wichtige Ereignisse in Wolhynien nach sich ziehen. Ter Widerstand des in seinen Anlagen schon veralteten wolhynischcn Festungsdreiecks kann gegen moderne Artillerie wohl nur Tage dauern, wenngleich »eine strategische Bedeutung für die Russen nachhaltige Gegenwehr erwarten ließ. Es beherrscht die Zugänge nach Lstgalizicn und die aus Kiew kommenden Maffch- linien. Dabei wird in russischen Kreisen der Fall von Wilna und die Eroberung der Bucht von Riga täglich erwartet. Oscnprstrr Blätter melden, die Russen hätten beschlossen, die Festung Stuf infolge des Durchbruchs der russischen Dnjestrfront zu räumen. Kiew wird von vielen Einwohnern verlassen, da man glaubt, das? das nächste Ziel der österreichisch-deutschen Offensive die Einnahine von Kiew sei. Auch die von russischer Seite getroffenen Vorbereitungen weisen darauf hin, daß der Kamp? nm Kiew beginnen wird.
Der Kampf um die Strypaübergäng«.
Wie», 1. Sept. (Jens. Bln.) Zu de» Kämpfen in Ost- znlizieu heißt es iu einem Telegramm aus dem Kriegs
pressequartier: Um die Strhpaübergänge wurde
heftig gekämpft. Die Russen leisteten hier energischen Widerstand und machten starke Gegenangriffe. Am nördlichen Teil der galizischen Front gelang es, die feindliches Front südlich Radzieffow zu durchbreche», wobei die Muffen einige Stellungen aufgeben mutzten. Weiter nördlich gewann die Armee Puhallo Raum. Oberösterreichische und salzdurgische Truppen stehen nahe vor Luck; östlich Brest- Litowsk nähern sich die verbündeten Truppen Pruzany.
Des Kaisers Dank an die Krmee v. Linsinge«;
W. T.-B. Breslau, 1. Sept. (Nichtamtlich.) Die „Schief. Ztg." veröffentlicht folgenden Dank des Kaisers an die deutsche Bugarmee: „Dem General v. Linsim.geir, Oberbefehlshaber der Bugarmee, ist von dem Kaiser nach der Einnahme von Brest-Litowsk durch diese Armee folgende Allerhöchste Order zugegangen: „Mit Dank für die hocher- freuliche Meldung von der Einnahme Brest-Litowsk effuche ich Sie, den braven Truppen der Bugarmee für ihre hm- gebende Tapferkeit und Ausdauer meine hoch st e Anerkennung und meinen königlichen Dank auszusprechen. Wilhelm, R." ,
Diese Order gab General v. Linsingen mit folgendem Zusatz seiner Armee bekannt: „Ich bringe diesen Ausdruck Allerhöchster Anerkennung zur Kenntnis der Armee in dein Vertrauen, daß die gewaltigen Marsch- und Gesechtsleistun- gen aller Truppenteile der Bugarmee, welche in Verbindung mit den nördlich vordringenden Armeen den Feind zur Ausgabe der Festung zwang, zur völligen Vernichtung des Gegners bertragen werden. (Gez.) v. Linsin gen."
Die russischen Barbaren gegen Juden- und Polenkiwder.
w. T.-B. Petersburg, 1 . Sept. (Nichtamtlich.) „Rjetsch" berichtet: In der Jnterpellatlons-Kommission der Duma erklärte der Kadett Alexandrow im Hinblick auf die Vertret- bung der Juden: Da sich als Grund für den militärischen Mißerfolg die Nachlässigkeit der Bureaukrati« ergeben habe, sei es Wahnsinn, sechs Millionen guter jüdischer Bürger als allein Schuldige hinzustellen. Mit Stimmen- Mehrheit wurde die Einkerkerung von russischen Juden als Geiseln als ungesetzliche und unmenschliche Handlungsweise der Regiornng verurlteilt. Die Bcruermyruppe Tvudowici brachte eine Anffage cm die Regierung ein, weshalb Tausende junger Leute, Pfadfinder und sogar Kinder von- 12 Jahren, ihren polnischen Eltern weggenommen ünd nach>verschiedenen Gefängnissen un Innern Rußlands verbracht worden seien, auf welcher gesetzlichen Grundlage dieses barbarische und unmenschliche Verfahren beruhe .und wie lange diese unglücklichen Kinder im Gefängnis schmachten sollen.
Tagung des Gberkriegsratsausfchuffes.
Nikolai Nikolajrwitsch der Diktator Rußlands. — Die Hof. partei kaltgestellt.
Br. Wien, 1. Sept. (Eig. Drahtbericht. Zens. Bln.) Das „B. T." meldet: In Petersburg tagt, der Korrespondenz „Rundschau" zufolge, ein Ausschuß des Oberkriegs- r a t s, der damit betraut ist, die Verfügung des KriegsralS im Hauptquartier unverzüglich durchzuführen. Die Mitglieder des Ausschusses rekrutieren sich aus Anhängern des Großfürsten Nikolai Nikolajewiffch, der gegenwärtig als Diktator Rußlands betrachtet werden kann. Man berichtet, daß die kleine Hofpartei, die im Sinne des Friedens wirkte, vollkommen kaltgestellt worden sei, und daß der Großfürst durchgesetzt hat, den Zaren lediglich über seine Ansichten über die zu ergreifenden Maßnahmen unterrichten zu lassen.
Tie Vergewaltigung der Duma.
W. T.-B. Kopenhagen, 1. Sept. (Nichtamtlich.) „Rjetsch" äußert Besorgnis, ob die in der Duma angekündigte Begnadigung Burzews und des finnischen Präsidenten sich überhaupt bewahrheitet. Bis jetzt liege keine amtliche Bestätigung vor. — „Rjetsch" zitiert das Blatt „Kokokol", das die Partei der Rechten auf das schärffte angreift. weil sie die Tätigkeit der Duma durch allerlei Umtriebe, durch ihre Entfernung aus Petersburg und durch das Verlangen nach Vertagung der Duma zu verhindern suche, und fragt, weshalb die Männer der Duma eigentlich gewählt seien, wenn sie im Moment großer Gefahr davon- laufen. „Rjetsch" stellt fest, daß seit der Eröffnung der Duma von den angekündigten Neuerungen nichts durchge- führt worden sei und alles sich nur zum Schlimmeren gewendet habe.
Eine ungarisch-kroatische .Huldignngsabordnnng in Wie«.
W. T.-B. Wien, 1. Sept. (Nichtamtlich. Drahtbericht.) Die Morgemülätter begrüßen die heute eimtveffende -ungarisch-kroatische Huldigungsabordnung mit überaus herzlichen Worten. Sie betonen, daß die Reichs- Hauptstadt Wien in gehobener Stimmung die ungarischen und kroatischen Gäste willkoinmen beißt, die in einem Augenblick welthistorischer Bedeutung die Huldigung darb ringer:.
