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51. Jahrgang.

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Verlag: Langgaffe 27.

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M«. 381. verlagS-Fernfprecher R«. 28W.

Samstag» den 30. Juni.

RedaktionS-FeruspreLer No. 52. 1903«

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Der Verlag des Wiesbadener Tagblatts.

Mednngen ?n KiinjlierWr ftneljnng in Frankreich.

a. br. Die Forderung nach künstlerischer Erziehung, die bei uns in Deutschland bereits seit Jahren eine über- aus emsige praktische Tätigkeit ins Leben gerufen hat —• wir erinnern nur an die Veröffentlichungen des Kunst­worts, an die Gründung des Dürerbundes und an alles, was in dieser Hinsicht für die Schule getan wird —, ist nun auch in Frankreich laut geworden. Machten' schon die Vertreter der „Union pour l’action morale" Ver­suche, das ästhetische Empfinden des Volkes durch bild­nerische Ausschmückung der von ihr geschaffenen Räume zu heben und Meisterwerke billig zu verbreiten, so ist es setzt der Buchhandlung Hachette gelungen, ein dm „Mei­sterbildern" des Kunstwacts ähnelndes Unternehmm zu stände zu bringen. Die von ihr veröffentlichten Serien pon Bildern sind etwas kleiner ini Forrnat, stehen aber yn Vortrefflichkeit der Reproduktion nicht hinter den Müffchen Nachbildungen zurück. Sie kosten 1 Frc. 50 Cent, pro Serie zu 4 Stück.

In dm letzten beiden Jahren nun habm sich zwei grofje Bereinigungen zur Förderung künsüerischer Er­ziehung im Volke gebildet: die Art pour tous und die Art pour le peuple.

Wie die Begründung der ersten Pariser Volksuniver- sität (im Faubourg St. Antoine) dem Schriftsetzer Georges Deherme zu verdanken ist, so gab gleichfalls ein Arbeiter, der Maschinenschlosser Massimx, dm Anstoß zum Zustandekommen der „Art pour tous". Massimx, ein eifriger Museenbesucher, regte auch seine Kameraden zu solchen Besuchen an. Bald jedoch fühlten sie, daß sie ohne helfendes Wort nicht anskommm konnten und Massimx, der aus Abhilfe sann, wandte sich an dm Redakteur eines Volksblattes. Er fand das liebens-

FemUeLon.

Are Laube.

EtneJdylleau sK leinleben u. Groß st adt.

Von Alexius Becker.

Die Laube . . . wie einfach sie im Grunde ist, ge­wissermaßen von der Natur selber gelehrt — und gleich­wohl eine der prächtigsten, angenehmsten und am meisten praktischen von säuittichen Einrichtungen, die dem echten Freunde der Natur zu Gebote stehen, damit er diese in allen ihren Wonnen zu durchkosten im stände sei! Aller­dings verdient der Garten jedwede Würdigung, sei es, daß er sich als Park mit alten, schönen Riesenbäumen über große Flächen dahinzieht oder auch nur bei engbe­messener Grenze in wenige knappe Beete zerlegt ist, wo, unbeeinflußt von jeder Mode, noch die trauten Blumen unserer Großmutter gedeihen: Federnelken und Lev- kvien, ein duftender -Fliederbusch und die so dankbar blühende Bancrnrose mit ihrem lachenden, leuchtenden Antlitz Allein den höchsten Triumph aller Gartenkunst bildet doch wohl erst die Laube — diese so glückliche Ver­einigung von Vegetation und Architektur, oftmals die sin­nigste Vermählung zwischen beiden, immer anwendbar und sich lohnend, wenn der Raum auch noch so wrnzig ist und die Mittel, über die man verfügt, das denkbar strengste Haushalten zur Pflicht machen. Hierher flüch­ten wir uns vor den sengenden Sonnenstrahlen, um an dem kühlen Plätzchen Ruhe und Erholung zu suchen,- hier genießen wir mit vollen Lungen die Segnungen der Vege­tation, wenn Regenwetter es nicht gestattet, daß wir an unbedachter Stelle weilen, auf- und niedergehend in den sauber gehaltenen Wegen oder selber werktätig uns mit der Pflege unserer Lieblinge, der Kinder Florens, be­fassend. Es gibt deshalb schwerlich einen Gartenbesitzer, der nicht auch danach trachten wird, sich eine Laube her­zurichten. Stellt sic doch gewissermaßen unser Heim vor, wie es, losgelöst von dem Zwange, den die rauhe Jahres­zeit bis jetzt notwendig machte, nunmehr mitten in die Natur hinein verlegt ist. Diese hat uns zurückgenommcn jn ihre Arme; wir atmen aus: wir sind wie neugeboren!

würdigste Entgegenkommen, und der Verein, dessen Not­wendigkeit man längst erkannt hatte, erstand und erstarkte binnen kurzer Zeit. Neben dem Leiter Louis Lumet, der sich ganz besonders die ästhetische Erziehung des Volkes zur Aufgabe gemacht hat, wirken dafür, zusammen mit ehrsamen Handwerkern, vorwiegend diejenigen unter den Künstlern und Kunstschriftstellern, die von der Kunst ein Streben nach tiefem Erfassen des seelischen Lebens begehren, allen voran der Maler Eugäne Carrirte. Namhafte Gelehrte, Schriftsteller und Künstler stellen sich zu Vorträgen zur Verfügung. Unter den Vortragen­den finden wir den ausgezeichneten Plakettenkünstler Alexandre Charpentier, den berühmten Schöpfer von Kunstgläsern, Emile Galls (Nancy) und Jules Ehrtet, den Meister des flotten Pariser Plakats. Die praktische Täffgkeit des Vereins besteht in Führungen durch die großartigen Museen von Paris, durch die Staatsmanu- fakturen (Le8 Gobelins und Sbvres), verbunden mit erläuternden Vorträgen. Die Künsller selbst zeigten durch die Erlaubnis von Besuchen in ihren Ateliers oas dankenswerteste Entgegenkommen. Die allzu große und verwirrende Vielseitigkeit des Gebotenen soll durch Vor- tragscyklen in den Volksuniversitäten eine planmäßige Ergänzung finden. So veranstaltete die Art pour tous im vergangenen Jahre bereits eine Folge von 50 Vor­trägen über literarische Themen und beginnt nun auch künstlerische ins Auge zu fassen. Praktisch sucht sie ferner zu wirken durch Einrichtung von Läden zum Vertrieb guter Volkskunst und durch genossenschaftliche Unter­nehmen zur Verbreitung billiger Meisterwerke im Volke. Jn richtiger Erkennung des großen erzieherischen Ein­flusses der Kunst durch ihr stilles Wirken ans Auge und Seele ist der Verein immer eifriger auf Ausschmückung der zahlreich gegründeten Erholungsräume für Arbeiter bedacht. Die „Art pour tous" besitzt keine festen Satzungen. Sie will sich den zwanglosen Charakter, „eine Vereinigung zu brüderlicher Erziehung" wahren und ruft den Beistand aller auf. Wer ihr beitreten will, hat einen kleinen, seinem Ermessen entsprechenden, freiwilligen Beitrag zu entrichten.

Auf fortgesetzte Anregung des Schriftstellers Jean Lahor hin hat sich nun auch vor kurzem die Vereinigung „I'art pour le peuple" zusainmengeschlossen, die ihre Ziele viel weiter steckt. Sie will vor allen Dingen inter­national sein und macht es sich zunächst zur Aufgabe, in Versammlungen, Kongressen uttb Ausstellungen alle in­teressanten, ' die Volkskunst betreffenden Fragen zu studieren. Praktisch aber beabsichtigt sie zu wirken, indem sie sich mit allen Vereinigungen für Gründung gesunder Wohnstätten des Volkes in Verbindung setzt und auf deren geschmackvolle Ausstattung hinarbeitet. Möbel­fabriken sollen von der Gesellschaft trefflich, zweckmäßige Modelle zur Verfügung gestellt bekommen, damit in Zukunft ein schlichter, praktisch schöner Gebrauchsstil das

Dabei ist nichts einfacher, als sich eine Laube dieser Art zu bauen. Wer auch nur ein wenig mit Axt, Hammer und Winkelmaß umzugehcn weiß, bringt das schlichte Ge­füge ohne jede Hülfe und große Mühe zu stände. Natur­holz eignet sich am besten dazu. Womöglich noch mit der Rinde geschmückt, nimmt es sich umso ansprechender aus, denn cs gemahnt direkt an den Wald und erzeugt somit die holde Vorstellung, als ob wir uns inmitten seines Zaubers aufhalten. Einige Pfosten, recht tief in die Erde gerammt, zwischen ihnen wagrccht zierliche Aste genagelt, das ganze überdacht mit einem Schutz wider Regen und Sturm — und mit der Architektur sind wir fertig, um nun unser Augenmerk umso entscheidender der ans der Vege­tation entnommenen Umkleiöung und Dekorierung zu­zuwenden. Bei dieser muß man vor allem einen Unter­schied machen zwischen Pflanzen, die perennieren, und sol­chen, die alljährlich zu erneuern sind. Bei der betreffen­den Wahl wird immer der Geschmack des einzelnen oder die Rücksicht darauf entscheiden, ob man Zeit und Lust hat, sich stets wieder mit der Kultur der letzteren zu befassen. Übrigens behagt es ja nicht jedem, daß er seine Laube all­jährlich, wenn der Lenz kommt, in dem gleichen Kleide ergrünen oder mit den gleichen Blütenaugen ausge- schmückt sieht. Er will Abwechselung haben, neue Farben, neue Formen — ganz abgesehen davon, daß ja Schling­pflanzen bald hier besser gedeihen, bald wieder an einer anderen Stelle.

Die Bedeutung des Wortes „Laube" hat rm Laufe der Jahrhunderte eine mannigfache Wandlung erfahren. Jn der mittelalterlichen Architektur verstand man darunter vorwiegend eine Halle von oft beträchtlichem Umfange und besonders einen offenen, nicht vorspringenden Bogengang, angebracht am Erdgeschoß der Häuser und also einen Teil desselben bildend. Die sogenannten „Gerichtslauben" alter Rathausbauten veranschaulichen noch auf das deutlichste die erstere Bestimmung: ebenso erfreut sich unser Auge in manchen Städten, zumal des deutschen Südens und des nördlichen Italiens, gern an den gar schmucken Lauben- gängen, von denen hier ganze Straßenzüge begleitet sind: sie bilden gewissermaßen die Bazare im Kulturleben un­serer Altvordern: Waren in bunter Mannigfaltigkeit waren ausgelept, und die Menge der Kaufenden oder

Mobiliar verdränge, das sich heute, ein Produkt seelen­loser Fabrikarbeit, seiner Billigkeit wegen auszwingfl Das Interesse soll der Einzelwohnung in ebenso ein­gehender Weise zngewendet werden, wie den in iranBC größerer Anzahl zu schaffenden Heim- und Erholungs- stätten für das Volk (Maisons du peuple). Diese reformatorische Tätigkeit soll sich ferner ans alle großen öffentlichen Gebäude für das Volk, die Rathäuser, Kasernen, Bahnhöfe, Hospitäler rc. erstrecken.

Da der Wahlspruch der Gesellschaft lautet: „I'art pour le peuple et par le peuple", so ist es ihre ferneres Aufgabe, Anregung zu geben, damit die für das Bote bestimmte Kunst auch zum Tefl wie in früheren Glanz­zeiten des Kunstgewerbes durch das Volk selbst, unmittel­bar aus seinen Gewohnheiten und praktischen Bedürf­nissen heraus, geschaffen werde. Deshalb' ist die Grün­dung eines großen internationalen Museums für Volks- kuirst zunächst in Paris ins Auge gefaßt worden, dem sich später Museen für volkstümliche Kunst in jeder Hauptstadt der alten französischen Provinzen anschließen sollen.

Das erste öffentliche Manifest der neuen Gesellschaft wird eine große internationale Ausstellung für Kunst und Hygiene sein, deren Mittelpunkt die billige, geschmack­voll ausgestattete Wohnung bilden soll.

Die Dorgange in Serbien.

Das letzte Interview mit König Alexander.

Der Redakteur des Kopenhagencr Blattes „Nationak- tidcnde", Herr Franz v. Jessen, der letzte Nichtserbe, mit dem König Alexander gesprochen hat, ist gestern auf der Durchreise von Belgrad nach Kopenhagen in Wien ein­getroffen. König Alexander gewährte Herrn v. Jessen am Vormittag des vorigen Mittwoch, also an dem Tage, an dem er ermordet wurde, eine Audienz, die fünf Vier­telstunden dauerte: er äußerte sich dabei mit einem Frei­mut über verschiedene Balkansragen, die Herrn v. Jessen erstaunen machte und entwickelte Ansichten, die der däni­sche Journalist in dem Bericht an sein Blatt nur an­deutungsweise wiederzugeben dachte, „um nicht vielleicht doch dementiert zu werden". Manche Worte, die der König im Gespräche hinwarf, haben durch die bald darauf folgenden Ereignisse furchtbare Bedeutung gewonnen. Herr rk. Jessen war aus Macedonieu vorigen Montag, zwei Tage vor dem Massakre, nach Belgrad gekommen. Es war das der Pfingstmontag der Serben: vormittags war die Stadt ruhig, nachmittags aber konzentrierten sich dichte Menschenmassen um den Konak. Herr v. Jessen mischte sich unter die Menge und erfuhr, daß das Publi- kum die Abfahrt des Königspaares zu einem Sängerfest erwarte. Bald darauf erschien auch der königliche Wagen, so dicht von Gendarmen zu Pferde flankiert, daß fast nichts von ihm zu bemerken war. „Ich habe schon viele

Feilschenden wogte auf und nieder. Die Übertragung

des Wortes auf eine leichtgefügte, überdachte und von grünem Laubschmuck umranlte Stelle im Park oder Garten lag dann nahe, wie von selber geboten. Schon in Goethes „Hermann und Dorothea" geschieht der schattigen „Geißblattlaube" Erwähnung, wie überhaupt die gärtne­rische Kultur jener Zeit sich gern der mannigfachsten Hülf- und Ziermittcl bediente. Je inniger die Beziehung zu der Natur und je leichter sie gestattet war, umso häufiger baute man Lauben oder suchte die Einrichtung plastisch und dekorativ zun vervollkommnen. Wer je Italien be­suchte, dem sind Bilder von großartigster Wirkung be­stimmt in der Erinnerung haften geblieben. Und die „Veranda", also eine architektonisch mit dem Wohnhaus direkt verbundene Laube, stammt aus dem glücklichen Süden mit seinem milden Klima und dem stets heiteren Himmel: sie ist bei uns gewissermaßen die „Laube ohne Garten": wenigstens ist es nicht nötig, daß dieser sich an sie schließe. „Balkon" und „Loggia" dagegen werden erst durch die nachhelfeude Hand des Blumenfreundes mehr oder weniger geschickt in Lauben umgewandelt, indem man sic mit Schlingpflanzen umspinnt und überdacht, oder doch zum mindesten einen Vorhang aus ihnen webt. Auch sie ersetzen dem nach der Vegetation oftmals so sehr lech­zenden Großstadtbewohner auf das glücklichste die Laube im Garten: deshalb kann man der modernen Architektur garnicht genug Dank dafür wissen, daß sic, wo es irgend­wie tunlich, den Wohnungen Balkone und Loggien ansügt.

Allein die Hauptsorgc wird doch immer sein, wie man die von anderer Hand bereits gebotene oder durch unsere eigene Anordnung zu stände gekommene Vorrichtung durch vegetativen Schmuck erst zur Laube fertig gestaltet. Sehr dankbar erweist sich wilder Wein. Er ist dauerhaft, wetterhart und stellt bezüglich der Raumverhältnisse nur bescheidene Ansprüche an den Boden. Da er bequem in Kästen gedeiht, bewährt er sich vorzüglich, wofern es sich darum bandelt, Balkone und Loggien in Lauben zu ver- wandeln. Die großen, sattgrüncn Blätter bieten hin­reichenden Schutz gegen das Sonnenlicht: sic trotzen auch dem ersten Anprall des Herbstes und nehmen sich vielleicht gerade dann in ihren tiefroten Farbentönen besonders schön aus. Geißblatt, das im Frühling und Sommer