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*m. Jahrgang.

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Verlag: Langgafse 27.

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Att^eigen - Annahme krscheinendm'Au^abk^ wie für die Anzeigen-Slüfnahme an bestimmt vorgeschriebenen Tagen wird keine Gewähr übernommen, irdoch nach Dtoglichkett Sorge getragen.

Ap. 871. «erlagS-Fernfprecher No. 2951.

Sonntag, den 14. Inm.

RebaktionA-Fernsprecker No. 51.

1903.

Reise - Abomementr

auf das

„Wiesbadener Tagblatt"

kSnnen täglich begonnen werden und kosten wöchentlich bei froier Zustellung in's Haus

nach Srtrn in Drntfchlmd und Vellmeich-Ungarn 60 M.

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Der Verlag des Wiesbadener Tagblatts.

Politische Übersicht.

Wenn das Wort, wer die Wahl hat, der hat die Qual, in allen Fällen zutreffend wäre, dann wurde dle nächste Woche für uns eine qualvolle sein, denn am Dienstag findet die große Wahlschlacht statt, zu der die Borbereitungen in den letzten Wochen mit steigendem Eifer seitens aller Parteien betrieben worden sind. Elne Qual ist uns bis zu der großen Entscheidimg jedenfalls noch beschieden, die Qual der Erwartung. Wer wer will wissen, „was uns der Morgen bringt, ob er uns Sorgen bringt, Freud' oder Leid'". In „des Geschrck's geheimnisvoller Urne" ruhen für uns am Dienstag „die schwarzen und die heitern Lose".

Ein schwarzes Los war es, das den österreichischen Arzt traf, der zwar als ein Opfer der Wissenschaft, aber doch auch als ein Opfer seiner Unvorsichtigkeit in Berlin an der Pestansteckung zu Grunde ging. Der be­dauerliche Vorfall, der lebhaft an frühere ähnliche Vor­kommnisse in Wien erinnert, hat begreiflicher Weise eine lebhafte Beunruhigung hervorgerufen, die sich erfreu- licher Weise als unbegründet herausgestellt hat. Hoffent- lich wird der Vorfall dazu dienen, daß diese Wissenschaft- lichm Forschungen, deren Notwendigkeit an sich nicht ge- leugnet werden soll, mit noch peinlicherer Vorsicht als bisher betrieben werden, damit nicht durch das Be­streben, Leib und Leben zu schützen, Leib und Leben ge- fährdet werde.

„Mitten wir im Leben sind vom Tod umgeben." Dies Wort bewahrheitete sich in seiner ganzen furcht­baren Bedeutung auch bei der schweren Katastrophe, welche das französische Passagierschiff „Lieban" dem feuchten, unheilbringenden Element opferte und weit über hundert blühende Menschenleben vernichtete.

„Rasch tritt der Tod dm Mmschm an", und er der- schont weder die Niedrigen noch die Hohen, weder dm Bettler noch dm König. Er hat auch . dem Leben des Königs Alexander von Serbien und seiner

Gemahlin D r a g a ein jähes Ziel gesetzt. Von blusiger Mörderhand ist der letzte Fürst vom Stamme, der Obrmowitsch dem tragischen Geschick zum Opfer gefallm, welches den meistm Fürsten auf dem serbischen Königs­thron beschieden gewesen ist. Nach dm zahlreichen Staatsstreichen, von bereit die Regierung des Königs Alexander erfüllt war, ist er selbst dem furchtbarsten, blusigstm Staatsstreich zum Opfer gefallm. Dem Staatsstreich von obm hat die serbische Militärpartei dm Staatsstreich von unten mtgegmgesetzt und dm alten Thronbewerber Peter Karageorgiewitsch aus ihrm Schild erhoben. Noch ist es völlig ungewiß, wie sich die Dinge in Serbim weiter mtwickeln, aber die Frage muß schon hmte aufgeworfen werdm, ob aus so blusiger Saat eine gesegnete Ernte erwachsm kann!

Die blusige Umwälzung in Serbim, welche das österreichisch-russische Balkan-Übereinkommm einer sehr starkm Belastungsprobe anssetzt, kommt dm Mächten um so ungelegmer, als die Situation auf dem Balkan ohnehin noch immer eine schr gespannte ist, und die Wirrm in Macedonien von ihrer befriedigenden Beilegung noch immer weit mtfemt sind. Die mropäische Diplomatie wird einer starkm Dosis Kaltblüsigkeit und Geschicklichkeit bedürfm, um als eine Art intemasionaler Feuerwehr dafür zu sorgen, daß der Balkanbrand auf seinen Herd beschränkt bleibt.

Diese Aufgabe ist um so schwerer, da die Dimste der diplomaüschm Feuerwehr auch an anderm Orten zu mancher „Spritztour" in Anspruch gmommen werdm. Ganz besonders in M a r o k k o , wo der Bürgerkrieg noch mit unveränderter Kraft und mit wechselndem Er­folge fortdauert. Obwohl nun die Mächte von dem bestm Willen beseelt sind, der marokkanischen Frage ihrm lokalen Charakter zu erhalten, so haben doch die neuesten Reibungen an der marokkanisch-algerischen Grmze die Sorge wachgerusm. daß durch jme Rechnung der Mächte ein dicker Strich gemacht werden könnte. Indessen hat die französische Regierung bisher eine aner­kennenswerte Mäßigung an dm Tag gelegt, wobei sie vielleicht weniger dem eigmm Triebe, als der Rot der internationalm Konstellasion und der innerpolisischm Schwierigkeiten im eigmm Lande folgte.

Diese inner-politischen Schwierigkeitm haben sich in England bis zu jmem Grade gesteigert, der eine weitere Komparation nicht mehr zuläßt. Das konser- vasive Kabinett Balfour bietet ungefähr das Bild vom Ochsm und vom Flügelpferd am Pfluge. Der MinisterpräsidmtBalfour selbst scheint noch unmtschlossm zu sein, ob er sich auf die Seite des freihändlerischm Schatzsckretärs schlagen soll, der in diesem Falle die Mehrheit des Landes hinter sich hat, oder auf die Seite des schntzzöllnerischm Chamberlain. Wenn, um bei unserem Bilde zu bleiben, in diesem Falle der frei- händlerische Schatzsekretär Ritschte die Rolle des Flügelpferdes spielt, so verbietet uns die Höflichkeft, zu verraten, wem bei diesem Spiel mit verteilten Rollm die des — Ochsm zufällt!

Kandidatenliste unserer Promn; für die Keichstagswahl 1903.

Erläuterungen: Die erste Zahl hinter jedem Wahlkreis be? deutet die Gesamtzahl der bei der letzten Wahl wahlberechtigt Ge­wesenen, die zweie Zahl die Summe derjenigen, die dieses Wahl« recht ausgeübt haben. Es folgt die Jahreszahl der zuletzt statr- gehabten Wahl oder Nachwahl. Dahinter stehen die Namen der Kandidaten, die bei dieser Wahl mehr als 1000 Stimmen erhalten haben. Kandidaten, die erst in der Stichwahl gewählt sind, sind fettgedruckt. Die hinter dem * aufgeführten Namen sind die­jenigen der Kandidaten für die bevorstehende Wahl. Bon den Abkürzungen bedeutet: kons. — konservativ, Rpt. — Reichs­

partei, Rfpt. — Reformpartei, Bdl. — Bund der Landwirte, Bbd. — Bauernbund, Zentr. — Zentrum, natlib. — national- liberal, Litt. — Ltttauer, Fr. Bpt. — Freisinnige Bolkspartet, Fr. Bgg. — Freisinnige Vereinigung, D. Bpt. — Deutsche Bolkspartet, soz. — Sozialdemokrat, natsoz. — nationalsoz« christlsoz. — christlichsozial, Els. — Elsässer.

Regierungsbezirk Wiesbaden:

1. Obertannns-Höchst: 36 112—25 177. 1898: Müller.

(Fnlda), Zentr., 7120, Brühne, soz., 9868, Wester« macher, natlib., 5418, Münch, Fr. Bpt., 2567. * Landrichter Jtschert, Zentr., Dr. Lotichius, natlib., Generalmajor v. Kloeden, Bdl., Schuhmachermeister Brühne, soz.

2. Wiesbaden-Untertannus: 46 824—28128. 1961: Dr.

Criiger, Fr. Bpt., 6400, Bartling, natlib., 5452, Fuchs, Zentr., 5826, Dr. Quarck, soz., 9560. * Ober- landesgerichtsrat Im Walle, Zentr., Kommerzienrat Bartling, natlib., Genosscnschaftsanwalt Dr. Crüger, Fr. Bpt., Buchhalter Lehmann, soz.

8. St. Goarshansen - Unterlahnkreis: 24 451—18 569.

1902: Dr. Dahlem, Zentr., 10 631, Krawinkel, nat.- lib., 3755, Brand, Bdl., 3454. * Rechtsanwalt Dr. Dahlem, Zentr., Fabrikbesitzer Krawinkel, natlib., Hofbesitzer Brand, Bdl., Vetters, soz.

4. Oberlahnkreis - Limburg: 21931—16 026. 1898:

Cahensly, Zentr., 5931, Hatzmann, natlib., 4645, Münch, Fr. Bpt., 1686, Knoop, soz., 1839. * Kauf- mann Cahensly, Zentr., Rentamtmann Vuchsieb, natlib., Ingenieur Münch, Fr. Vpt., Schreiner Habicht, soz.

5 Dillkrcis: 22 008—14 315. 1898: Hofmann, natlib.,

7343, Dr. Wirth, Zentr., 3477, v. Oertzen, christlsoz., 2061. * Dr. Wirth-Höhr, Zentr., Amtsgerkchtsral

Hofmann, natlib., Justizrat Dr. Alberti, Fr. Bpt., Krumm, soz., Dr. Burkhardt, christlsoz.

6 Frankfurt a. M.: 59 891—39 893. 1898: Schmidt,

soz., 20 019, Flinsch, Fr. Bpt., 12128, Roeren, Zentr., 2391, Naitmann, natsoz., 8295, Liebermann von Sonnenberg, Rfpt., 1561. * Dr. med. Heyder,

Zentr., Justizrat Dr. Oswalt, natlib., Rechtsanwalt Dr. Bruck, D. Bpt., Lithograph Schmidts soz., Gast- wirth Laasz, Antis.

Regierungsbezirk Kassel.

1. Rinteln-Hofgeismar: 21 715—8533. 1900: Vogel,

Rfpt., 2353, Lippoldes, kons., 2636, Garbe, soz., 1655, Wittje, natlib., 1467. * Rentier Müller (Fulda),

Zentr., Handclskammersyndikus Dr. Röcke, natlib.,

Feuilleton.

Der Mord an FUrstenhöfen.

Von C. V. Gall.

König Alexander und Königin Draga sind durch eme Palastrevolution ermordet worden; die Zahl der Opfer, die durch ein Verbrechen um Thron und Pupurmantcl gekommen sind, ist jäh, über Nacht um zwei weitere per- mehrt worden. Ä ,

Das neue Jahrhundert, dem schon König Humbert von Italien zur Beute geworden, hat also etwa in dem­selben Zeichen begonnen, durch das sich das eben zum Abschluß gelangte in so wenig erfreulicher Weise charak- terisieren läßt; man darf nämlich sagen: es war dasjenige der Attentate, weil Mordwaffen aller Art, gelenkt von verbrecherischen Händen, den Lebenssaden derer jäh abzu- schneiden trachteten, die mit Krone und Purpur bekleidet sind Schon das erste Jahr des neunzehnten Säkulums sah den Thron eines Herrschers durch das gewaltsame Ende dessäben mit Blut bespritzt. Es war im Jahre 1801, als Zar Paul I. durch eine Palastrevolusion ums Leben kam. Der Monarch schlief in seinem Schlosse. Wachen standen in voller Rüstung vor den Toren; lein Mensch wäre auf deii Glauben gekommen, daß dem „Herrscher aller Reußen" auch nur ein Haar gekrümmt werden könne. Nichtsdestoweniger drangen die Ver- schworenen in das Schlafzimmer. Fürst Jtschwell, ein geborener Tartar, zerschmetterte deni Zaren durch rohen Schlag — die Faust führte den massiv goldenen Degen- griff — die Hirnschale. Allein der Zar atmete noch; er hatte ein zähes Leben. Da geriet der Oberstallmeister Graf Nikolaus Zubow in namenlosen Zorn. Er entriß einem der Offiziere, die den trügerischen Wachtdienst aus- führten, die aus Goldfäden gewirkte Schärpe, schlang sic um den Hals des Herrschers, dem- er dm Eid der Treue geleistet, und erdrosselte ihn.

Nun regnete es Attmtate auf Aümtate. Man weiß, daß Kaiser Wilhelms I. Dasein viermal durch Mörder­hand bedroht worden ist. Den ersten Anschlag gegm ihn unternahm am 12. Juni 1849 der Freischärler Adam Schneider bei Nieder-Jngelheim. Prinz Wilhelm war damals Oberbefehlshaber der sogmannten Operasions- armee in Baden. Er blieb unverletzt. Dann folgte das Attentat des Studenten Oskar Becker am 14. Juni 1861 zu Baden-Baden, wobei König Wilhelm leicht durch einen Pistolenschuß verwundet wurde. Am 11. Mai 1878 ver­übte der Klempnergeselle Max Hödel zu Berlin seine ver­brecherische Tat; sie mißlang vollkommen. Von umso schlimmeren Folgen war das Attentat begleitet, . dessen Urheber Dr. Karl Eduard Nobiling dm 2. Juni 1878 zu Berlin gewesen. Als der Kaiser, wie gewöhnlich im offenen Wagen, langsam durch die grüßende Menge die Straße „Unter den Linden" fuhr, schoß der Verbrecher aus dem zweitem Stockwerk eines Hauses auf ihn. Es war ein Flintenschuß mit Schrotkörnern und Rehposten. Ter Kaiser wurde mehrfach am ganzen Körper, zumal im Gesicht und an dm Armen, verwundet und mußte Monate hindurch das Lager hüten. Auch Friedrich Wilhelm IV. von Preußen wäre bei einein Haare das Opfer eines Attentats geworden, als am 26. Juli 1844 der ehemalige Bürgermeister Tschech im Schloßhofe zu Berlin gerade in dem Augenblicke, wo der König und seine Gemahlin den Wagen bestiegen, um eine Reise nach Ischl anzutreten, aus einem Doppelpistol zwei schnell aufeinander folgende Schüsse auf ihn abfeuerte. Ter Monarch war bis zu dem Augenblicke, wo an Tschech das Todesurteil vollstreckt werden sollte, durchaus geneigt, jmem Gnade zu ge­währen. Allein der Fanatiker hielt es für erniedrigend, durch eine solche Bitte sein Leben zu erkaufen; so wurde er denn am Morgm des 14. Dezember 1844 ans der Richtstätte zu Spandau zum Tode gefördert. Das Attentat selber ist in einem Liede, das damals in Berlin i viel gesungen wurde, folgendermaßen geschildert'

„Wer war jemals wohl so ftech Als Ser Bürgermeister Tschech,

Denn der traf bet einem Haar Unser teures Königspaar,

Der verruchte Hochverräter,

KöMgsmörder, Attentäter,

Er schoh unsre Landesmutter Durch bas gnäü'ge Unterfutter."

Als das Land der Attmtate ist eigmtlich Rußland zu betrachten. Wenn nicht die Mordwasfe hier ihres grausigen Amtes waltete, so übte das Gift seine ver­heerende Wirkung aus. Der Tod Iwans des Schreck- lichm entsprach dem Beinamen, dm er führt. Nachdem er sich zwölf Tage hindurch in den entsetzlichsten Qrialm gewundm, löste sich endlich die Seele am 18. März 1584 von der sterblichen Hülle. Nach seinein Tode nahm dev falsche Demetrius auf knappe Zeit den Zurmthron ein- Ter rasmdePöbel hat dmUsurpator buchstäblich in Stücke! gerissen, als er auf der Flucht aus dem Kreml zum Fenster hiriaussprang iirrd dabei in die Hände der Auf­ständischen geriet. Das Geheimnis, das über dem Tode des Cäsarewitsch Alexis, des Sohnes Peters des Großen, ruht, ist noch hmte nicht vollkommen gelichtet. In jedem Falle behauptete man, er sei an den Folgen eines Giftes gestorben, damit das Todesurteil, das bereits gegm ihn ausgesprochen war, nicht vollführt zu werden brauchte. Daß arich Peter der Große keineswegs frei- willig ans dem Leben geschieden sei, mag auf Vermnsimg beruhen. Dagegen ist es sicher, daß Katharina I., seine Gemahlin, durch Mentschikow vergiftet wurde. Der all- mächtige Favorit der Zarin fürchtete dm Aiigmblick, wo sie seiner überdrüssig sein könne, während er im Raum des Kindes, das seiner Obhiit anvertraut worden — es war dies der spätere Peter II. — in bisheriger Willkür zu schalten hoffte. Gräßlich war femer der Tod Peters HI. In einem Landhanse, das dmi Hetman der Kosaken Razumowsky gehörte, wurde er von ver- schwormm Offizieren ermordet! „Orlow hatte den Kaiser zu Boden geworfen und ihm sein Knie ans die