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Wiksbsdemr iagblatt.

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Grfchrim m »wei AuSzadr». — V«»«g»-Vrr»r durch den Drrlag BO Pfa. monaüus, durch btc Post a 381. SO Pf,. v!trt«l,Shrlich fttt beide Ausgaben zusamnien.

Verlag: Langgaffe 27.

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verlagS-Fernsprecher Ro. 2S».

Donnerstag, de« 11. Juni.

Redaktions-Fernsprecher No. SL.

Borgen-Ausgabe.

f^** Wegen des Fronleichnwmtngs erscheint die nnchsi eAusgabe erst am FreitagnachmMag.

Dreh- und GelreideMe.

Man schreibt uns: Hört man den Bund der Land- wirte, so hat der deutsche Landwirt nur Interesse für hohe Getreidezölle und hohe Getreide-reife. Und wenn es wohl auch allgemein bekannt ist, dag für die hiesige Gegend die Viehzucht mindestens die gleiche, wenn nicht üne größere Bedeutung hat als der Getreidebau, so mögen doch nachfolgende Zahlen, die amtlichen Mate, nalien entnommen sind, nochmals in Erinnerung gebracht werden. Der Viehstand im deutschen Reiche ist gewachsen Rindvieh Schweine

1883 . 15 786 000 9 206 000 Mk.

1900 . 18 939 000 16 807 000 Mk.

Der gesamte Viehbestand im deutschen Reiche hatte einen Deäausswert:

1883 . . 5676 Millionen Mk.

1900 . . 7698 Millionen Mk.

Me wenig die Viehzucht Sache der Großgrundbesitzer ist, ergibt sich daraus, daß die Kleinbesitzer unter 2 Hektar (8 Morgen) im Verhältnis fast zehnmal so viel Rindvreh und 45-mal soviel Schweine als der Großgrundbesitz halten. Auf 100 Hektar (400 Morgen) werden in Nassau 120 Stück Großvieh gehalten, in Ostelbien nur 20 Stück

Die Viehzucht ist der Vorteil der kleinen landwirt­schaftlichen Betriebe, da überragen sie die Großgrund­besitzer/ die auf Viehzucht nicht so großen Wert legen können. So spielt daher das Futtermittel eine große Rolle für den kleineren und mittleren Landwirt — eine größere als für den Großgrundbesitzer, der in der, Regel von den Rückständen der Branntwein- und Spiritus- fabrikatton (Schlempe), die ihm an und für sich eine Liebesgabe von 43 Millionen jährlich einbringen, ein sehr billiges und nährstoffreiches Futtermittel besitzt. So konnte es denn auch nicht überraschen, daß die Zoll­tarifvorlage hohe Futtermittelzölle brachte und nur dem energischen Eingreifen der freisinnigen Volkspartei ist es zu verdanken, daß der kleinere und mittlere Landwirt von dieser schweren Belastung wenigstens teilweise be­wahrt geblieben ist, auch heute noch kann insbesondere in futterarmen Jahren der in Aussicht genommene Futter- mittelzoll schwer genug empfunden werden. We liegt es nun mit den Viehzöllen? Die Milchwirtschaft spielt in unserer Gegend eine Hauptrolle. Viehzölle, die Zolle auf frischmelkendes Vieh hindern eine rentable Dttlch--

wirtschaft außerordentlich, weil das, frischmelkende Vieh meist aus Holland und der Schwerz eingeführt wird, außerdem kommt noch hinzu, daß wenn das frischmelkende Vieh abgemolken ist, für den Landwirt ein bedeutender Verlust entsteht. wenn er wieder frisches Vieh einstellen will. Dieser Verlust ist so bedeutend, daß er ungefähr pro Stück 100 Mk. beträgt. Nehmen,wir z. B. den Fall an, daß ein Landwirt drei Stück Vieh hat. so ist der Erlös aus seinem Getreide ca. 3—400 Mk., Zukauf an Kraft-Futtermitteln beträgt auch 3—400 Mk. und beim Verkauf des abgemolkenen Viehs beträgt der Ver­lust auch ungefähr 300 Mk. Jeder Landwirt kann sich daher leicht herausrechnen, welchen Vorteil er an den höheren Getreidezöllen hat und welche Nachteile auf der andern Seite die höheren Futtermittel- und Viehzölle bringen. Wenn der Bund der Landwirte immer und immer wieder erklärt, die Interessen von Großgrund­besitzer und Kleinbesitzer sind die gleichen, so kennen seme bezahlten Agitatoren eben nicht die nassauischen Ver- hältnisse, für unsere Landwirte ist von größter Wichtig- feit die Viehzucht und Milchwirtschaft und in den Tarif- Positionen, die sich auf diese Betriebe beziehen, bedeutet die neue Zolltarifvorlage eine schwere Schädi­gung für den Landwirt.

Deutsches Deich.

Sozialpolitische Kongresse.

Die vergangene Woche stand in hervorragendem Maß im Zeichen der Sozialpolitik. Es wurden eine ganze Reihe von Kongressen und Generalversammlungen abge­halten, die für die sozialpolitisch Interessierten von hohem Interesse sind. Die größte Bedeutung kommt dem internationalen Kongreß der Verg­är b e i t e r i n B r ü s s e l zu. Er war von 77 Dele­gierten besucht, die insgesamt mehr als \V\ Million Bergarbeiter vertreten. Beteiligt waren alle Haupt- länder des Bergbaus mit Ausnahme der Vereinigten Staaten von Nordamerika. Die nordamerikanischen Bergarbeiter hielten sich bisher abseits der internationalen Kongresse. Wie der Vorstand der amerikanischen Berg­arbeiterunion aber mitteilte, ist alle Aussicht vorhanden, daß der nächste Kongreß der nordamerikanischen Berg­leute die Beteiligung an den internationalen Kongressen beschließen wird. Der Kongreß beschäfttgte sich mit ver­schiedenen Themen, die augenblicklich im Vordergründe des Interesses stehen, in erster Linie mit der Wurm­krankheit, die in der letzten Zeit einen so erschreckenden Umfang angenommen hat. Er forderte eine energische Überwachung der bestehenden Schutzvorschriften, die jetzt vielfach nur auf dem Papier bestehen und stellte eme größere Anzahl Forderungen auf. welche geeignet sind, eine Wiedergesundung der verseuchten Gruben herbeizu-

FeuiUrLon.

Berliner Rezession 1903.

Jede neue Ausstellung der Sezession illustriert im Beispiel, was die Vorworte ihrer Kataloge programma­tisch verkünden: sie stellt keine einseitige Richtung in Auf­fassung und Technik dar, sondern sie will Freistatt künst­lerischer Temperamente sein, in der sich jeder in seiner Sprache und Handschrift ausdrücken kann, vorausgesetzt, daß diese Sprache und Handschrift persönliche Eigenart hat Und der zweite Lebensgrundsatz dieser Vereinigung ist Kultur in die Form des Ausstellens zu bringen. Aus der Scheu, der abschreckenden Furcht vor den Landpartieen durch die riesig gähnende Flucht offizieller Ausstcllungs- Palastsäle, vor den deckan sich drängenden in Rerh und Glied hängenden Leinewandserien erwuchs der Wunsch der Geschmackvollen: das öffentliche Ansehen von Bildern wieder zu anregenden Eindrücken zu gestalten.

Statt in der Art der Jahrmärkte und Bazare sollte für die Darbietung die Illusion einer kleinen gewählten Galerie aus dem Besitz eines modernen Amateurs er­weckt werden. Also intime Räume, einfach, ohne dekora- ttven Prunk, sachlich im Gegensatz zu den schmuck ana- tischen Wienern: wenig, aber besondere Stücke, geschickt vlattert dah nicht eins das andere drängt, mit dem Takt künstlerischen Raumgefühls disponiert: eine Akademie

von Physiognomieen, Phantasten, Gegenwartsbmlner, ornamentale Stilisierer, Menschcncharakterrstrker, Grüb­ler elegante Causeure, Satiriker und grrmmige Lebeus- ironiker. Welch bunter Garten der Erkenntnis!

Solch Schauspiel voll reichen mannigfachen LtchtS be­gibt sich auch in dieses Kunstjahrs Frühling.

Datz nicht mehr revolutionierender Sturm und Drang/kein gewaltsam verblüffendes Neuerertum, son­dern aeiammelte sichere Erkenntnis vom Wesen des Künstlerischen hier den Ausschlag gibt, das berührt den Galt schon in der Vorhalle. Von ihren Kunstwerken geht N Km »net Seiet»«!-» -«»- ,-de- aus. Drei nachgelassene Schöpfungen des großen toten italienischen Meisters Giovanni Segantinr oe>'">

dem Raum die Weihe. Leben, Natur und Tod sind ihre Weise. Aber nicht in mitteilsamer Allegorie lassen sic diese Mottve klingen. Sie bilden nur bedeutungsvoll Scenen aus der Riesenwelt der Hochalpen, Ausschnitte gewaltig elementarer Kraft, aus denen wie Mythenton die Melodie des Werdens, Vergehens und der Wieder­neuerung strömt. Und unter die Kolossalmaße dieser Berge und der abgrundtiefen Täler stellt Segantini den Menschen im mühseligen Kleintagewcrk dumpfer be­schränkter Existenz, den Hirten und den Sämann auf den Alpen-Hochweiden und die Frauen mit den Kindern: Ge­burt und Grab, ein ewiges Meer. Treu und sinnend, mit tiefem Menschheitsblick erfaßte Bilder sind es.

Zu ihren Vorstellungen paßt gut die Plastik ihrer Nach­barschaft. Zwei Marmorskulpttrren R o d i n s geben starkes Nachgefühl für die Fülle der Gesichte dieses visio­nären Bildners. „Mond und Erde" ist die eine, „Die Hand Gottes" die andere. Zeiger jener schöpferischen Phantasie sind sie beide, die im Marmorblock das Werk gleichsam verborgen wirksam fühlt und es mit dem Hammerschlag an das Licht bringt.

Aus dem Stein heraus quellen seine Geschöpfe und ein wundersames Fluidum von Genesis und Werdekraft geht von ihnen aus.

Die Ekstase schaffender Herrlichkeit berauscht diesen Meister. So lockte es ihn, einmal schaffend daS Schaffen selber zu verdichten. Und ihm ging die mächtige Inspi­ration der Hand Gottes auf. Aus dem Felsen ragt sie, gebietend, wnchttg und dabei geistig belebt, die Gliederung der Finger von göttlichem Odem durchpulst.

Goethe-Verse fühlt man dabei:

Wenn der uralte Heilige Vater Mit gelassener Hand Aus rollenden Wolken Segnende Blitze Uber die Erde sät . . .

Und ans der hoheitsvollen Rechten wachsen tu ver­schlungener Einheit, schövfungötraumumfangcn die ersten Menschen.

tthren. Ferner wurde eine Resolutton angenommen zun Herbeiführung des gesetzlichen Achtstundentags im Berg­bau. Weiter wurde verhandelt über die Frage deK Minimallohnes und seine gesetzliche Festlegung. , In England arbeiten schon jetzt mehr als 80% sämtlicher! Bergarbeiter zu einem Minimallohn, welcher den Arbei- tern durch eine Art Tarifvertrag mit den Unternehmern garanttert wird. Dieser Vertrag, der nächstes Jahr aö- läuft. wird voraussichtlich von neuem abgeschlossen werden. Besondere Bedeutung Verdiener: auch die Ver- Handlungen über die Frage der reinen Arbeiterkandidaten- Zumal für Englands innere politische Entwickelung kann es von weitreichenden Folgen sein, wenn die Arbeiter sich von den beiden dort bestehenden großen Parteien lossagen und eigene Parlamentarier in den gesetzgebenden Körper schicken. — Auch der Kongreß für angewandte Chemie, der in Berlin tagte, beansprucht eine soziale Be­deutung von erheblichem Interesse. Diese Vereinigung ist ni<K rein sachwissenschaftliäien Charakters, sondern ihr Wirken geht auch aus das Gebiet der Sozialpolittk hinüber durch Verbreitung von Kenntnissen über die Hygiene und über die Zusammensetzung der Nahrungs­mittel sowohl, als auch durch Verbesserungen der Arbeits- Methoden und durch Aufstellung von Schutzmaßregela für die in der chemischen Industrie tätigen Arbeiter.

Eine neue Schatzgrnbe in Deutsch-Südwestafrika.

Schätze — ich meine Mineralschätze — sind meist licht, scheu, verbergen sich vor den Augen der Leute und müssen oft tief aus dem Schoße der Erde ans Licht gezogen werden. So verhalten sie sich bisher auch im deutschen Schutzgebiet Südafrikas, wv im nördlichen Teil desselben das Verkommen von Kupfer und Blei bei Ottavi längst bekannt war, aber nach jahrelanger Schürfung erst in einer Tiefe von 50 Metern abbauwürdig gefunden wuHe und jetzt durch den Bau einer Bahn nach Swakopuründ exportfähig gemacht werden soll. — Ebenso zurückhaltend erweist sich im Süden dieses Schutzgebiets bei Gibeon und Bersaba, wv an letztercmOrt ein wertvoller Diamant gefunden worden ist, der sogenannte Blaugrund, daS Muttergestein des Diamanten, dessen Identität mit dem Diamanten führenden Boden Kimberleys schon vor Jahren festgestellt ist, der aber in letzterer Fundstelle erst bei einer Tiefe von 100 und 150 Metern in einem ben Abbau lohnenden Gehalt sich vorfand, so zwar, haß die Quantität wie Qualität der Diamanten nach der Tiefe zu besser wird. Das gleiche Verhalten ist bei Gibeon vor- auszusetzen, denn das einzige uns bekannte echte Mutter» gestein des Diamanten tritt außer im englischen Südafrika nach dem heutigen Stande unseres Wissens auf dem ganzen Erdenrund nur noch in Dcutsch-Südwcstafrika im Bezirk Gibeon-Bersaba auf und das glutflüssige Magma, das den Kohlenstoff, den chemischen Bestandteil des Diamanten, gelöst enthielt, muß von einem einzigen vulkanischen Herde im Erdinnern aus einerseits im Bezirk von Kim»

I Auch die belgischePlasttk dieses Saals (einTotenmal) hat Ewigkeits- und Feierlichkeitszug. Der Bildhauer Minne schuf es für George Rodenbach, den Dichter des „toten B r ü g g e". Aus den verhüllten Gedankengängen die­ses Buches ist das Denkmal hervorgegangen. Vom lang­gestreckten Marmorlager hebt sich lang und langsam aus Schleiern und faltigen Bahrtüchern eine Frauengestalt, wiedererwcckt, — aber gebietend legt sie den schmalen Finger an die Lippen, — ein Symbol für Maeterlincks „Silence".

Französische Kunst ist gut und charakteristisch auch im Bild vertreten. Und nicht nur „Theater der Lebenden" wird hier gespielt, die Sezession denkt auch ihrer Toten und ihrer Ahnen.

Einer ihrer vielverehrten Väter ist Manet, dev Veginner moderner Technik, der Freilicht- und Luft­maler, der mit hellen angespannten Sinnen um die Probleme des Atmosphärischen rang, der die Dinge, die er schilderte, nicht als Botanisier-Objektc trocken isolierte, sondern sie umflutct von den Wellen des Lichts und der Luft, umspielt von den Reflexen des Pleinair in Gürten, Feldern und unter den Bäumen des Waldes darstellte. Verlacht und verhöhnt ward sein lebendig sprechender Impressionismus: Zola spiegelte seinen Kampf und seine Sehnsucht in I'oeuvre, und in seinen kritischen Schriften setzte er sich energisch und heftig für den Geschmähten ein, der gleich ihm ein Wahrhcitssuchcr war.

Heute werden Manets Bilder mit Gold ausgewogen. Eine ganze Wand leuchtet hier von dieser Kunst, die nichts von Frische verloren hat. An einem kleinen Bild läßt sich gut ihre Art erläutern. „Ein Bund Spargel" ist sein Thema. Es kam aber bei diesem appetitlichen Motiv dem Maler nicht auf ein gastronomisches Still- leben an, ihn interessiert der speziell,; Stoff garnicht so sehr, als überhaupt das Stück Natur, das sich in diesem Spargelbündel darstellt, die Fülle koloristischer Töne, mit Grün, Gelb bis zum tiefen Violett der Spitzen, die hier ineinander spielen, sich changierend mischen.

Er hat das absolut malerische Auge, das nicht am Stofflichen, Erzählenden haftet, sondern in allen Er­scheinungen nur das eigentlich Malerische, nämlich das