Einzelbild herunterladen
 

Wiesbaum Tsgblstt.

„ __ 97 Anzeigen-PreiSr

si. Jahrgang.

Erscheint in zwei Ansgabe«. — Bezug! durch den Verlag 50 Pfg. monatlich, i -- - • jährlich f

Post 9 Mk. 50 Pfg. Viertels

Ausgaben zusammen.

,S-Prei»r durch die für beide

Verlag: Langgaffe 27.

LS.OOO Abonnenten.

für auswärts 1 Mk.

Amrige« - Annahme

^0. 265+ Berlags-Fernsprecher No. 2958.

Mittwoch, den 10. Inrri.

Rebaktio«S»Fer«Iprecher No. 58.

ISO».

Worgen-flusflahe.

Helfe - Abonnements

auf das

„Wiesbadener Tagblatt"

rsnnen täglich begonnen werden und kosten wöchentlich bei freier Zustellung in's Haus

nach Orten in DkMianü nnd Oeßmeily-Marn 60 W.

.. .. inl AnstllNö.90 ..

Bestellungen beliebe man genaue wohnungsadreffe beizufügen.

Der Verlag des Wiesbadener Tagblatts.

Kr Rmstyrt des MjieOWss Sohn.

bä. Rom, 9. Juni. Der hier eingetrofsene Erzbischof Vr. Kohn wird heute vom Papst empfangen werden. Zur Prüfung der Angelegenheit vr. Kohns wurde eine aus drei Kardinalen bestehende Kommission ernannt.

*

Von verschiedenen Seiten wurde die Regierung auf­gefordert, dahin zu wirken, daß die Kurie den Fürsterz. bischof zum Kardinal ernenne und mit einem hohen Amte in Rom bekleide, so daß er nach Olmütz, wo er sich gründlich verhaßt machte, nicht mehr zurückkehren könne. Er bliebe wohl auch fernerhin FürsterzLischof von Olmütz, in Olmütz müßte aber ein Generalvikar seine Funktionen und Geschäfte besorgen, womit sich seine vielfachen Wider- sacher zufriedengeben möchten. Die Regierung hat dieser Aufforderung wohl nicht Folge geleistet. Wenn solche Schritte bei der Kurie erfolgten, so gingen sie von einer anderen sehr einflußreichen Seite aus, die in Rom in hvbmu Ansehen steht, vr. Kohn hat nun seine Romfahrt unternommm, die einer Berufung verzweifelt ähnlich tmmx. eine solche auch in Rom entschieden in Abrede gÄKttt wird. Dort wie in Olmütz wurde erklärt, die Romfahrt des Fürsterzbischofs sei eine durchaus frei- willige. Von seiner hohen Stellung kann vr. Kohn durch die Kurie nicht verdrängt werden. Me in Salz- bürg, wird auch in Olmütz der Fürsterzblschof durch die freie Wahl der Kapitulare zu seiner Würde erhoben. Er könnte nur wirklich durch die Kurie, wie es von seinen Gegnern gewünscht wird, zum Kardinal ernannt ulld durch ein hohes römisches Amt von Olmütz ferngehaltm werden. Wahrscheinlicher ist, daß er sich lm Vatikan,

wie ja das oft in ähnlichen Fällen geschieht, „glänzend

rechtfertigt" und in aller Glorie in das Erzblstum zurückkehrt.

Peter Rosegger, der berühmte österreichische Volksschriftsteller, zählt in seinem „Heimgarten" dle Sünden des Herrn Kohn wie folgt auf:

„Vor ungefähr zehn Jahren ist in Mähren ein Prester namens Kohn, Kind armer jüdischer Eltern, zum Erzbischof von Olmütz gewählt worden. Man freute sich dieser Wahl und glaubte, der Mann, der wider alle Erwartung gewählt wurde, müßte be- sondere Vorzüge haben und sich der Annen und Unterdrückten annehmcn, aus deren Kreisen er hervorgegangen. Nun, der Erz­bischof Kohn hat seine Wähler, seine Diözese, seine Kirche und alle Welt nicht schlecht enttäuscht. Er beging solche Dinge, Laß sogar seine eigene Geistlichkeit gegen ihn auftrat und von Priestern gegen ihn vorwurfsvolle und anschuldigcnde Artikel veröffentncht wurden. Natürlich mußte das anonym geschehen; doch der Erz­bischof ließ nachforschen, verging sich sogar gegen das Telegraphcn- geheimnis, wodurch er bei einem bestimmten Fall den Verfasser mehrerer gegen ihn geschriebener scharfer Artikel entdeckt zu haben glaubte. Das war ein Pfarrer P. Ocasek, den er sofort vor ein geistliches Gericht stellen, durch dieses verurteilen und einsperren ließ. Bald zeigte cs sich aber, daß Ocasek nicht der richtige war; denn, um den Unschuldigen zu befreien, nannte sich nun em anderer Pfarrer, P. Hofer, dem Bischof als der Bertafler der Artikel. Der unschuldig Verurteilte erhielt keinerlei Genug­tuung. Nun erhob sich in der Geistlichkeit der ganzen Diözese ein Sturm gegen den Bischof Kohn, und unzählige Priester wagten sich hervor mit Anklagen über Ungerechtigkeiten und Gewalttätig- ketten, die sie und andere von ihrem Oberhirten seit Jahren zu leiden hatten. Die Geschichte kam vor Len Reichsrat, und h,er wurden über den Erzbischof Kohn unglaubliche Tatsachen ans Licht geführt. So erinnerte einer der Redner an das Vorgehen des Bischofs gegen den Bauer Dnbiak, dem er ein Stück Grund, für welches der Bauer jahrelang Steuer gezahlt hatte, wegnahm. Der Bischof war so brutal, diesen armen Bauer wegen der Prozeß- kosten von 200 sl. psänden zn lassen und von HauS und Hof zu ver­treiben. Später mußte der Erzbischof sein Unrecht einsehen und dem Bauer alles ersetzen. Dnbiak war aber inzwischen ins Irren­haus gekommen. Er hat einmal mit der Sturmglocke Sturm ge­läutet, und als die Leute zusammenlicfen, ausgerufen: „Die Ge­rechtigkeit ist gestorben!" — Der Erzbischof erstattete einmal gegen seinen Schloßwächter Hodny eine Diebstahlsanzeige. Bet der Ver­handlung stellte sich dessen Schuldlosigkeit heraus, worauf Hodny Ersatzansprüche erhob. Ebenso ließ sich der Erzbischof von zwei Pächtern wegen angcsprochencr Entschädianngsbetrage verklagen. Einmal wurde er zur Zahlung von 90 GertchtSkosten verurteiü. ließ sich aber »fänden und leistete die Zahlung erst, nachdem die Psändungskommission auf seinen Gütern erschienen war. Der ErzSischos verweigerte sogar die Zahlung e,ner Kirchenbeitrags- leistung von 816 K, trotzdem er 1600 000 K jährliches ffitn-

fÜttl ®e? der Fütterung der Personaleinkommensteuer in Olmütz hat der Erzbischof ein so lächerlich geringes Einkommen satten, daß ihm die Behörde den Fatierungsbogen m,t dem Bemerken zurückschickte, er möge wahrheitsgemäß satteren. E,n Geistlicher, P Kracmar» wurde durch den Erzbischof direkt dem Irrsinn in di- Arme getrieben. Wegen eines ANikels gegen den Erzbischof wurde er als zweifelhafter Priester ,n ein Kloster der Redemptoristen zu Exerzitien geschickt. P. Kracmar kehrte trüb­sinnig zurück und verfiel in Tobsucht. Trotzdem der Erzbischof über ein so großes Einkommen verfügt und so reich ist, sind die Verurteilungen über Klagen des Erzbischofs zahllos. Er laßt alle

Leute, auch Greise und säugende Mütter, welche in seinen Waldungen betroffen werden, einsperrcn. Auch ein 60-jähriger Krüppel wurde deshalb eingesperrt. Ein solches Benehmen würde nicht einem Heiden zur Ehre gereichen, geschweige denn einem Fürsterzbischof. Von ihm kann man ruhig behaupten, daß uttte# seinem Bischofskleide kein warmfühlendes Herz für Menschen schlägt, sondern daß er ein kalter, berechnender Geizhals ist, wie er nur selten gefunden wird. Die Beamten des Fürsterzbtschoss haben eine Gehaltserhöhung bekommen; dafür wurde ihnen aber die Neujahrs-Remuneration entzogen, die allein viel mehr aus, gemacht hat als die Gehaltsaufbesserung.

Als fein Kammerdiener Spacil, der jahrelang bei ihm be: dienstet war, gelähmt wurde, warf der Bischof ihn unbarmherzig auf die Straße und gab ihn der Not preis. Vor der rechtlich denkenden Öffentlichkeit steht der Bischof als Ausbeuter und Schmutzian da. Er ist auch einArbeitgeber recht zwerselhafter Güte. Bor dem Vrünner Gerichte ist erwiesen worden, daß der Fürst- erzbischof Löhne im Betrage von 20 und 10 ft zahle. Er erklärte wohl, es seien dies keine Löhne, sondern Almosen. Wenn aber jemand ein Almosen gibt, so öars er dafür keine Arbeotsleistung verlangen; es widerspricht dies jeder MensSlichkett. Es ist das das Ausbeutertum in der höchsten Potenz. Der Erzbischof selbst arbeitet nicht so billig: er läßt sich, wenn er am Gründonnerstag die Fußwaschung vornimmt, ein Entreegeld von 40 ft pro Person bezahlen! • t _

Anläßlich seines zehnjährigen Jubiläums forderte der Erz, bischof die Priester seiner Diözese auf, Gelbsammlungen unter der Bevölkerung zu veranstalten, um das Jubiläum würdig begehen zu können. An dem Tage des Jubiläums sollten an den Mittels schulen Akabemieen veranstaltet und Volksversammlungen! Me- halten werden, in denen er verherrlicht zu werden verlangte. Der Erzbischof sandte einmal einem bejahrten Priester ein Schreiben folgenden Inhaltes: „Da deine Pfarrckinder mit dir nicht zu­frieden sind, so verzichte auf deine Stelle und gehe m Pension.. Der Geistliche sandte dem Erzbischof folgende Bemerkung zurück: „Da deine Herde mit dir nicht zufrieden ist, so verzichte du eben- falls auf deine Stelle."

Man sieht, daß Terrorismus nicht zur Disziplin erzieht. Nun, das ist nur ein Auszug aus dem Sündenregister des Fürst- crzbischofs Kohn. ES heißt auch, daß er — um den „Schuldigen", 6er gegen ihn Artikel schrieb, herauszubringen, euien Priester zum Bruche des Beichtgeheimnisses verführen wollte. — Wenn nun auch manches bei dieser Gelegenheit übertrieben dargestellt wird, das eine sieht man wohl: viel wert ist der Mann nicht, der auf dem Olmützer Bischofsthron sitzt. Der Papst hat sehr triftige Gründe, daß er den Bischof Kohn nicht zum Kardinal machen will und der Kaiser von Österreich nicht minder triftige, daß er ihm die Audienzen verweigert. Erfreulich ist diesmal nur das eine, daß der katholische Klerus sich offen gegen den Erzbischof stellt und unter wenigen Ausnahmen nicht Miene macht, ihn rein zu waschet«. Nun, es wäre schlechterdings auch nicht möglich: die wenigen Entschulbigungsversuche, die unternommen wurden, sind erbärmlich ausgefallen; denn das sind nicht gewöhnliche Bei- sehlungen, die untergeordnete Priester schon ,n Gefahr bringen, das sind himmelschreiende Sünden! Ich glaube, daß die Kirche unter allen Umständen recht und klug tut, wenn sie solche Er, scheinungen. wie diesen Kohn, ausscheidet oder mindestens so sehr in den Hintergrund rückt, daß seine Ärgernisse nicht von aller Welt gesehen werden können. Ob ähnliches geschehen wird, ober ob der Mann, den man öfsentlich Ausbeuter, Geizhals, Berlciter zu Telegraphcngeheimnis-, Beichtsiegelbruch re. nennen durste, noch auf dem Olmützer Bischofssitz belassen wird - das kann zur Stunde, als diese Zeilen in die Presse gehen, Nicht gesagt werden.

Zu bemerken ist, daß Roseggers .Heimgarten" kein« Lftronique scandaleuse führt. _

Feuilleton.

Der Frankfurter Sängerkrieg?)

Aus der Blütezeit des Mittelalters wird uns von den großen Sängerkriegen an deutschen Höfen berichtet. Dle adeligen Sänger zogen zu Pferde mit Knappen und Reisigen oder im Gefolge ihres eigenen Herrn zu der Feste, deren Herr sie entbot, zu singen und zu sagen, was ihr dichterisches Empfinden bewegte. Die Fragen der Zeit, die Kriege, die Stellung der Frau, der Tugenden Gefahr und Lohn, das war der Inhalt ihrer Wettgesange. Minnesang nennen wir diese. ^ , p , r

Der Minnesang wurde später zum Meistersang, der Handwerker bemächtigte sich seiner, das ganze Volk wollte schließlich teilnehmen an den geistigen Gütern der Mensch- heit Und heute sind wir darin noch viel weiter ge- gangen Wir wollen jedem Arbeiter die Freiheit des Wissens und des Empfindens, das Gefühl für Kunst geben, und Abertausende strecken die Hände danach aus. Unser Kaiser hat in dein Frankfurter Sängerstrert einen Weg von den vielen beschritten, die Kunst dem Volke nahe zu bringen. Das ganze Volk muß es ihm danken Meder wallten die Sänger znm Kampfplatz. Es sind nicht adelige Herren, Knappen haben sie auch nicht und Saumtiere für herrliche Stoffe und Geschenke, wie jene sie bei sich fuhr- ten. Sie reiten nicht durch dunkle Wälder und kehren nicht auf dieser und dann auf jener gastlichen Burg zur Nacht ein. Moderne Verkehrsmittel befördeni die deut- schm Lehrer, Kaufleute. Handwerker und Arbeiterin die größte Stadt Westdeutschlands, und die Bahnzuge laufen hier strahlmförmig ein. Aus ym fernen Osten des Vaterlandes selbst kommen sie innerhalb 12 Stunden an ihr Ziel. Wimpel empfangen sie, und geschmückte Straßm rufm ihnen dm Willkommgruß zu, dm früher der Herold von der Schloßzinne blies. Wer es sind auch nicht jme Meistcrsänger mit Merktafel und vielen klein­lichen Vorschriftm, es sind ganze Gesangvereine mit ihrer großen Mitgliederzahl, innerhalb derer niemand etwas

Auch nach nt Frankfurter Sängcrtagen und der aus «iebta-n Trichters.,Utting darüber dürfte dieses St>-unungsbilü noch Interesse finden.

Besonderes bedmtm will, die sich zusammengetan haben, gemeinsam den Gesang zu iibm, anstatt hmter Bier­tischen das bißchm Verstand zu vertrinken. Es sind arbeitmde Männer, die ihre Feierstunden auszusparen wissen und darin weiser und klüger handeln als mancher reiche Geldherr. 34 solcher Vereine mit durchschnittlich etwa 150 Mitgliedern beherbergte die alte Kaiserstadt m diesen Tagen, und sie wurde von Anfang bis Ende chrer Gastfreundsckioft nicht müde. . _ ..

Der sie aber hierher berief, war der dmtsche Kaiser selbst, der ihnen dm Preis setzte imd die Satzungen stellte, wie einst bei Turnieren die Regel ausgegeben wurde, und die Ordnung über Kampfplatz, Zeit und Kampsweise, das war ebenfalls unser deutscher Kaiser. Er rief, und alle, alle kamen: dieser Eifer zur guten Sache machte dm Wett­streit zii einem großeii deutschen Sängerfest, Ebenso un- ermüdlich war der Kaiser aber auch im Ausharren. Drei Tage widmete er fast ausschließlich dm Frankfurtern, und jeder der 34 Vereine hat den Siegesgesang der Varus­schlacht, von Dahn gedichtet und von G. Meßner kom­poniert, vor dem hohm Herrn singen dürfen. Zudem brachte jeder Verein noch einen selbstgewähltm Chor mit, der oft allein durch seine Länge aussiel. Bei manchen konnten selbst die sechs Wochen nicht gmügen für die sehr schwierige Aufgabe, die der Preischor stellte. Viele aber zeigten damit, lvas der Männergesang in Deutschland zu leisten vermag, indem sie ihn kunstgerecht zuni Vortrag brachtm. Kein Wunder, daß dabei die Lehrervereine durchaus im Vorteil warm, denn für die Auffassung wie für die schwierigen Stellen brachten sie das beste Material mit Für die anderen aber, die hilflos dem Chor gegen- überstandm; ist für sie etwa gesagt, sie gehörten nicht m d«l Wettstreit? Durchaus nicht. Es Ware traurig und würde vom Kaiser selbst am allermeisten bedauert, wenn sie der Mißerfolg zu solcher Auffassung verleiten würde. Vielmehr muß hier allein dem Choc selbst die Schuld ge- geben werdm, wie es von allm Seiten und ebenfalls zu- erst wieder vom Kaiser ausgesprochen wurde. Schade, daß gerade in dieser Hinsicht zwischen dem Grafeii von Hochberg und Professor Zöllner Differenzen entstanden, die das Ausscheiden Professor Zöllners veranlaßten.

Am Samstag erreichte natürlich das Treiben auf dem Festplatz und in der schönen hellen Sängerhalle seinen

Höhepunkt. Wiederholt sah man dm Kaiser sich mit dm Preisrichtern unterhalten. Nach 11 Uhr zog sich das Preisrichtercomitä zur Beratirng zurück. Viele verließen die Halle, aber alle, die irgendwie Interesse am Urteil hatten, standen lebhaft diskutierend in dm Gangm und aus dem Sängerpodium. Gegen 1 Uhr endlich wurde das Resultat durch Ausrufen und Plakate verkündet. Hoch- rufe ersticktm die Stinrme des betreffenden Herrn, und jedesmal eilte eine kleine wilde Horde zum Ausgang,, ihren Vereinsbrüdern die Siegesbotschaft zu bringen- Zwölf Vereine kämm jetzt in einm engeren Wettbewerb und erhielten als Aufgabe einen Stundmchor, der litten ganz fremd war, und den sie unter Aufsicht von Comitä- mitgliedern jeder während einer Stunde in bereit ge- haltenen Sälen des nahm Sachsenhausen einüben durs- ten Nun konnte man auf allen Straßm den sangesfrohen Truppm begegnen. Um V 2 i Uhr hieß es wieder an Ort und Stelle sein znm letzten Gang. .....

In dem mächtigen Rauni aber jenseits der Wil- hclmsbrücke konnte um diese Zeit keine Stecknadel zur Erde fallen. Alles wollte die Auserwählten mit anhören- Ein Volkslied „Ein wandernder Geselle", Komposition von Kienzl lautete die Aufgabe. Es war ein Genuß, den verschiedenm Dirigenten in ihrem Übereifer zn folgen., Professor Felix Schmidt war seiner Sache und seiner 224 Sänger sicher, aber dennoch beinühte er sich, auch nicht das Pünktchen auf dem i zu übersehen. Den Kopf etwas schräg zu Seite schiebend, das Kinn vor, und mit ge- spanntem Auge in die Seinen bineinschanend; der Ober­lehrer auf dem Dirigeirtenpult, so führte er sie zum Sieg- Der Kaiserpreis wurde den Berlinern zu teil. Die Kölner hatten das Nachsehen. Ja, sie warm vielleicht zu sicher. Aus ihrer Mitte soll ja der Vorschlag gemacht mordm sein, inan sollte dm zweiten Preischor direkt vom Blatte singen lassen. Jedenfalls kain Professor I. Schwach diesmal init seinm 231 Mann zu sehr in die Höhe. Sie erhielten doch immer noch den zweiten Platz. Nachdem sie geendet, kämpfte Zischm und Klatschen im Publikum miteinander. Man wußte, sie hatten ihrm Wanderpreis verscherzt. Auch die Berliner Liedertafel, die unter Adolf Zanders Leitung den vierten Preis er­rang, brachte das Stundenlied herrlich heraus. Hier mischte sich eine liebenswürdige Gediegenheit in die Auf-