Einzelbild herunterladen
 

Verlag Langgasse 21

„Tagdlatt-Haus".

Echalter-Halle geöffnet von 8 llhr morgeuj b» 7 Uhr abend«.

Wöchentlich

ÄWÄ'ttfflÄ'iSK*,*“*

^B^efteüen und in den benachbarten Landorlen und im Rheingau die betreffenden Tagdlat?-Träger.

Auzeigen.Annahme: Für dieAbenü-AuSg.bis l2Uhr ^

«Mags: für vre Morgen-Ausg. bis 3 Uhr nachmittags. Berliner Schriftleituug des Wiesbadener Tagblatts

12 Ausgaben.

Fernrul:

„Tagblatt-H-us" Nr. 6650-53.

Bon 8 Uhr morgen« bi« 8 llhr abend«, außer Sonntag«.

«nzeigrn.Preis für dir Zeile: IS Big. für örtliche Anzeigen im ..Arbettzmarkt" nnd „Kleiner Anz-iaer" in emhettllcher Satzsorm:. A>P,g. in davon abweichender Satzanssiihrung. sowie für alle übrigen örtlüben Anzeigen: -o üifß- für alle auswärtigen Anzeigen: l Mr. für örtliche Reklamen: 2 MI. für auswättige Rcklainen. Ganze, halbe, drittel und oicnel Seiten, durchlauscnv. nach besonderer Berechnung Be, wiederholter Ausnahme unveränderter Anzeigen in kurzen Zwischenräumen entsprechender Nachlaß.

Berlin-Wilmersdorf Güutzelstr. 66. Fernspr.: AmtUhland 450 u. 451.

Dienstag. 31. Slugust 1915.

Kbend-ktusgabe.

Nr. 404. * 63. Jahrgang.

Die Westfront vor Grodno emicht!

Oer Gstrand des Waldes von Sialostok vom Feinde aufgegeben!

Vordringen gegen die von Grodno nach Wilna führende Eisenbahn. — Der MucharoieeabschniLt erreicht. — 3700 Gefangene. — Ein russischer Gegenstoß an der Strqpa.

Der Tagesbericht vom 31. Kugust.

W- T.-B. OiroßcS Hauptquarlier, 31. Lug. (Arrrtlich.)

westlicher Kriegsschauplatz.

Keine besonderen Ereignisse.

Gestlicher Kriegsschauplatz. Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls von kjindenburg.

Der stampf »m den Diückcnkops südlich von Friedrich­stadt ist noch im Gange. Östlich des N j e m e n dringen unsere Truppen gegen die von Grodno nach Wilna führende Eisenbahn vor. Sic milchten 260V Gefangene.

Auf der Wrstsront der Festung Grodno wurde die Gegend von Nowp-Lwvr und Kusnica erreicht. Bei Gorodck gab der Feind vor unseren Angriffen seine Stellungen am Ostrandc des Forstes von Bialostol ans.

Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls Prinz Leopold von Bayern,

Der Übergang über den o b e r c n R a r c w ist stellen­weise bereits erkämpft. Ter rechte Flügel der Heeresgruppe ist im Vorgehen aus Piuzuua.

Heeresgruppe des Generalfeldmarschalls von Machensen.

Die Verfolgung erreichte den Muchawiec-Ab- schnitt. Feindliche Nachhuten wurden geworfen. 3700 Ge­fangene fielen in unsere Hand.

Südöstlicher Kriegsschauplatz.

Die Verfolgung der nördlich von Brzezany durch­gebrochenen deutschen nnd österreichisch-ungarischen Truppen wurde an der Strypa stellenweise durch einen Gegenstost stärkerer russischer Kräfte aufgehalten.

Oberste Heeresleitung.

«

vas Gesamtergebnis der großen Offensive gegen Rußland.

W. T.-B. Berlin, 81. Aug. (Nichtcrurtlich.) Aus dem Großen Hauptquartier wird uns geichrirbcn:

Im gegenwärtige» Zeitpunkt, in dem durch den Fall der inneren russischen BenridigungSlinie ein gewisser Abschnitt in den fortlaufenden Operationen erreicht wurde, ist cs lehr­reich, kurz das bisherige Elgcbnis der Offensive sich zu ver­gegenwärtigen, die am 2 Mai mir dem Durchbruch bei Gorlice begann.

Tie Stärke der russischen Verbünde, auf die der eigent­liche Stoß nach nnd nach traf, wird gering mit etwa 1400 000 Mann beziffert werden können. I» de» Kumpfen sind rund 1100060 Mann gefangen genommen und min­dest eit S 300 0 3 0 M ann gefallen oder verwen.- d e t worden, wenn man die Zahl der so Ausgeschiedenen lohne Kranke^ sehr niedrig ans rund 30 Prozent der Gefangenen pecan schlag». Sie ist sicher höher. Seikdrm der Feind, um den Rest seiner Artillerie zu retten, seinen eiligen Rückzug, ohne jede Rücksicht auf Menschenleben, in der Hauptsache durch Infanterie zu sichern persuchle, hat er natürlich ungeheure blutige Ve, lu stc erlitten. Man kann also sagen, daß die Heere, aus dre unsere OfscusiUc gestoßen ist, einmal ganz vernichtet worden sind.

Wenn der Gegner trobdcm noch Trvvpcn im Felde stehen hat. ko ist dies dadurch zu erklären, daß er für die Offensive gegen die Türkei iu Südrußland bereitgcstellte Divisionen heranzog, daß er e h r viel halb a u S g e b i l d e t e E r - s a tz m a n n f ch a f t e n aus dem Innern Rußlands schleunigst heransührte und daß er endlich aus jenen Fronten, an denen der Druck weniger kühlbar war, zahlreiche Mannschaften ein­zeln und tu kleinen Verbänden nach Norde» »orschob.

Alle diese Maßnahmen aber haben das Verhängnis nicht „ikhalten können. Ans Galizien, Pelen, Kurland und Litauen ist der Feind vertrieben. Seine geschlossene Front ist zerrissen und seine Heere flutrn in zwei völlig getrennten Gruppen zurück. Nicht weniger als zwölf Festungen, darunter vier große und ganz modern ausgrbaute, fielen in die Hunde unserer tapferen treuen Streiter und damit die äußere sowie die innere Sicherungslinie des ruffischen Reiches.

Aus den Tagen der Russengreuel in) Ostpreußen

24 Städte, 600 Dörfer, 300 Güter, 30 000 Gebäude zerstört.

» ,».1*1' 3L ' lui 3- (Zeus. »In.) Zn der parlamentarischen ^ch Ostpreußcn wird berichtet, daß die Rnffen 2 | beinahe 600 Dörfer, ungefähr 300 Güter und über

, !nw.^^uudc zerstörten sowie mehr ais 100 000 Wohnungen

Welche ungeheuren Verwüstungen die Russen bei ihrer zweimaligen Invasion angerichtet haben, das ergibt sich fer­ner aus dem den Kominissfonsmitgliedern zugänglich gemach­ten, amtlichen Material. Hiernach beläuft sich die Zahl der n- Ostpreußen schwerverletzten Personen ans rricht weniger als 20 0 0, die Zahl derer, die die Ruffen verschleppt haben, sogar auf 10 700. Und was besonders typisch ist für den Barbarismus unserer östlichen Feinde, das ist die Tatsache, dah sie sich bei ihren Greueltaten nicht auf Männer be- schränkten, sondern daß auch Frauen, Kinder und Greise rhren Attentaten zum Opfer gefallen sind. Be­finden sich doch unter den Verschleppten zahllose Greise, und besteht doch die Hälfte von ihnen aus Frauen und Kindern. Roch gewaltig größer aber ist die Zahl derer, die nur durch schleunige Flucht der ihnen angedrohten Abschiebung nach Rußland entgehen konnten. 3ö0000 bis 400000 ostpreu­ßische Einwohner sind von Haus und Hof vertrieben, Tau­sende von ihnen irren auch heute noch umher, und von denen, die inzwischen zurückgekehrt find, hat manch einer vergebens sich nach Haus und Hof umgeblickt, sein karger Besitz war der feindlichen Brandfackel zum Opfer gefallen.

Die große Kriegsbeute von hototto.

Außer beit zahlreichen Geschützen Lebensmittel für eine ganze Armee. — 70 000 Liter Benzin.

Er. Berlin, 81. Aug. (Erg. Drahtbericht. Jens. Bln.) Die Beute von Kowno schildert der Sonderberichterstatter des „B. T." heute wie folgt: Unter den in Kowno erbeuteten Geschützen sind die verschiedendjten Formen und Grö­ßen, von der Revolverkanonc bis znm W-Zrntnneter- Geschütz, vertreten. Bleies ist veraltri und kommt nur noch nach seinem Materialwerte in Betracht. Es sind aber auch funkelnagelneue Geschütze darunter; auch französische Geschütze. Sobald die deutschen Truppen bis auf tausend Meter heran waren, haben die Russen angefangen, die beweg­lichen Geschütze fortzuschaffcn, kamen aber mit dieser Arbeit nicht zu Ende, da der deutsche Angriff zu rasch zum Erfolg führte. Die große Masse der erbeuteten Gewehre, unter denen sich auch zahlreiche japanischer Herkunft befinden, die verschiedensten Arten Munition der Maschinengewehre. Die Ausriistungsgegenstände aller Art läßt sich noch nicht über­sehen. An Lebensmitteln, Konserven, Tee, Zucker, Mehl nnd dergleichen, ist so viel vorhanden, daß eine Armee von Kowno aus auf Monate hinaus verpflegt werden könnte. Dazu wurde ein Lager ganz neuer Automobile gefun­den, wozu noch 70000 Liter Benzin kamen.

Aufgabe der Festung Grodno?

_ Rotterdam, 31. Aug. (Zeus. Bln.) Ter „Temps" will wissen, daß laut einem amtlichen Telegramm aus Petersburg die Festung Grodno, nachdem sie ibre Ausgabe als Stütz­punkt der dort stehenden russischen Armeen erfüllt hat, gleich­falls aufgcgebcn werden soll.

Oie Säuberung GstgaNziens von den Russen»

Der deutsche Sturm auf die Zlota-Lipa- und Dnjrstr-Front.

Br. Berlin, 31 Ang. (Eig. Drahtbericht. Jens. Bin.) Der Berichterstatter der „B. Z." im Kriegspressequartier matzet: Obwohl die Ruffen lange Zeit hatten, die Stellungen der Zlota-Lipa und am Dnjcstr nach allen Regeln ihrer so hochentwickelten FcldbefestigungSkunst auszubauen, brach ihre Aufstellung schon beim ersten jähen B o r b r e ch e n der Verbündeten zusammen, während andererseits die aus der galizischen Nordosteckc vorgestoßencu Kräfte des Feld- zeugmcistrrs Pnhallo, die zuletzt in den Kämpfen um de» Bugübergang bei Lokal ihre Angriffskraft erwiesen, gegen dre Nordwestccke des woll,>,nischen FestungSdreircks Vorgehen. Gegen die Festung L u ck sind sie auch noch von einer anderen Seite kräftig im Anmarsch. Die ursprünglich in nördliche« Richtung nach Wladimir-Wolynski vorgedrungenen Kräfte, deren ein Teil weiter über Kowel gegen Kobrtfl operiert, haben auch in östlicher Richtung Raum gewonnen. Die Säuberung Ostgaliziens von den 'Russen haben die Ar­meen Boehm-Ermolli, B-thmer und Pflanzer-Baltin trotz schweren Widerstandes erfolgreich begonnen. Bon Weste» und Süden wird auf die ins Wanken geratene russische, Stellung ein starker Druck auSgeübt. Verlieren die Russen Tarnopol, dann ist ihnen die letzte große Stadt entrissen, die sie als Pfand im Besitze haben.'

Das rvolhynische $efhiitgs6retec&.

Von einem höheren Offizier.

Die Operationen, die sich in Len letzten Lagen auf dem südöstlichen Kriegsschauplatz abgespielt haben tm besonderen das Vorgehen der Armee Pnhallo in öst­licher Richtung, haben das Wolhyni icheF e st u n g s- d rer eck in den Bereich der Truppenbewegungen 'ge­rückt. Es wird bei >dcn nächsten Operationen der Ver­

bündeten von entscheidender Bedeutung sein. Es besteht ans der ständigen Befestigung Dubno und aus den zwei mehr rn behelfsmäßiger Weise ausgeMrten An­lagen bei L u ck und R o w n o.

Luck liegt am Styr, der aus südlicher Richtung käm­mend, der Polesie und damit dem Flußgebiet des Pripet zuströmt. Er bildet einen 'nichtigen Abschnitt, dessen tfront nach Westen gerichtet ist, und sich einem Vor­marsche zwischen der Polesie und der Nordgrenze von Galizren srontal entgegenstellt. Diese Lage macht es begreiflich, daß die Russen ihn zur Basis ihres Be- festrgungssystems gemacht. haben. Die Stadt Luck selbst ist unbefestigt, hat etwa 1ö 000 Einwohner und war rm Altertum Sitz eines russischen Teilfünstentums, das erst zu Litauen, später zu Polen. 1791 zu Rußland kam. Die Befestigungen bestehen aus kleineren Erdwerken, die uunnttelbar an den Brückenstellen liegen. Ferner ans einem Kranze von vier vorgeschobenen Werken, die --firn fünf Kilometer von der Stadt nach Westen vorgeschoben sind. Der Umfang der Werke beträgt 14% Kilometer. Die Südfront ist wegen des vorliegenden übevfichtlichen Geläridcs und nasser Niederungen von Natur aus stark während auf der Westfront ausgedehnte Waldungen die Annäherung des Angreifers begünstigen. Das Ge­lände zwischen den Werken ist durch umfangreiche Armierungsarbeiten ausgebaut und befestigt worden. Im Norden befinden sich ans einer Entfernung von etwa zwölf Kilometer zwei isoliert gelegene kleinere Sperrsorts, die den Übergang der Bahnlinie Brest- Lfiowsk-Kowel-Nowno über den Styr decken.

Im Süden wurde nicht der Oberlauf der Styr sondern ein rechter Nebenfluß die Jkwa, zur Anlage von Befestigungen benutzt. Es sind dies die Sperrforts von Dubno. Durch die Zurücknahme des südlichen Flügels erhielt die Front Luck-Dubno eine bessere Lage gegen die galizische Grenze. Dubno hat etwa 8000 Ein­wohner, meist Israeliten, und liegt auf einer Halbinsel, die durch die Jlwa gebildet ist. von Wasser und Siünip- sen umgeben. Die Befesfigungeu liegen 8 Kilometer sudwö)tlich der Stadt nnd sperren den Übergang der Straße Brody-Rawno und der Eisenbahn Lemberg- Rowno. Sie bestehen aus einem Einheitsfort, das durch einen großen Aufzug weithin sichtbar ist. Es ist Ende der neunziger Jahre erbaut und zeigt einen Doppe^wall, dessen höherer Aufzug für die Artillerie ein­gerichtet ist, während der Niederwall lediglich zur Jn- fanterieverteldögiing dient. Das Werk enthält zahl­reiche bombensichere Hohlbauten und umfangreiche Hin- oermsgrüben. Das zweite Werk ist lediglich eine Ju- fanterreschanze mit flankierender Befestigung. Me Werke beherrschen die ganze Jkwaniederung und bilden emen starken Stützpunkt für die Flußverteidigung. Noch weiter nach Westen soll auf dem Ostabhang des dorti- gen Hohengelandes eine ausgedehnte FeLbefesfiaung vorbereitet sein. Die Geschützansrüstung wurde vor Beginn >des Krieges aut etwa 100 Geschütze angegeben. ^;n der Stadt Dubno befinden sich eine große Baracken­anlage, Verpflegungsdepots und eine Militända-mpf- muhle.

R o w n o ist die am meisten nach Osten zurückge- wgene Festung. Sie liegt von Luck 55 Kilometer, von Dubno 40 Kilometer entfernt, an dem kleinen Flüßchen U st i o, hat etwa 9000 Einwohner nnd treibt einen leb­haften Handel mit Getreide, Bauholz und Vieh. Me <L>tadt selbst ist unbefestigt, die Anlagen bestehen aus steioen Außenwerken, van .denen sich fünf airf dem West- und zwei aus dem Ostufer des Flusses befinden, es steut also einen doppelseitigen Brückenkopf dar. • Me Ent fern an« der Werke von den Brücken beträgt 6 bis < J /2 Kilometer, der Umfang 41 Kilometer. Die Werke umschlingen zahlreiche und bedeutende militärische An­stalten. Die Stadt ist besonders wichtig als Eisenbaihn- knotenpnnkt. Von ihr aus gehen Linien über KowÄ nctci) *6tefi s Sttt>Ju3f, nach 9Zoi*iben öte ctugtöe SuetiDcr 3 bindung durch die Polesie nach Wilna, ferner eine Linie nach dem Süden Rußlands und eine nach Lemberg.

,2k militärische Bedeutung des eben geschildertM Feitungs-dreiecks ist zweifach. Es sperrt zunächst den Vormarsch eines von Westen kommenden Gegners zwi­schen der Polesie und der galizischen Grenze nach Osten sichert die hier laufenden Konrninnikationen, narnentlich dre wichtigen Eisenbahnlinien: in zweiter Linie deckt es die liicke Flanke der Polesie, deren Ausläufer -dicht bis an Luck und Rowno heranreichen,.