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Das UerWnis der Zahl der ClnKoMenheaer- Wüjligen jur KeMKerungsrUer in Wiesbaden.
Der Finanzminister hat dem> Abgeordnetenhause vor kurzem eine vergleichende Übersicht der Ergebnisse der Einkommensteuer-Veranlagungen für 1901, und 1902 zugestellt, welche des Interessanten diel bietet. Da dieselbe nur für beschränkte Kreise bestimmt ist, und also nicht in die Öffentlichkeit dringt, so wird es sich um so mehr rechtfertigen lassen, ans den umfangreichen Mitteilungen an dieser Stelle einiges über unsere Stadt Wiesbaden zu bringen, und dabei hier und da auch die Verhältnisse der früheren Jahre, wie sich dieselben aus den betreffenden alteren Quellen dieser Art ergeben, vergleichend heranzuziehen. Zunächst sei da ein kurzer Überblick über die Seelenzahl, die in den einzelnen Steuerjahren bei uns der Einkommensteuer-Veranlagung zu Grunde lag, und über die Anzahl der in derselben enthaltenen Einkommenstenerpstichtigen gegeben. Eine Zusammenstellung dieser beiden Ziffern für die Zeit vom Jahre 1892/93 ab, dem ersten Jahre, in
welchem Mitteilungen
dieser
Art erschienen, liefert
folgendes Blld:
Seclenzahl
Einkommensteuerpflichtige
1892 > .. .
66 053
9 799
1893 . . .
67 915
10 604
1894 . . .
69 238
11 302
1895 . . .
71 765
12 169
1896 . . .
73 067
12 149
1897 . . .
75 062
12 996
1898 . . .
78 271
13 056
11899 . . .
79 769
13 407
1900 . . .
82 252
13 794
1901 . . .
84 029
17 327
1902 . . .
86123
18 608
FemUetorr.
Lieber Blutsverwandtschaft
Von Adolf Bickel.
In den letzten Jahren sind mehrere Untersuchungen vekannt gegeben worden, welche unsere Kenntnisse über die Blutsverwandtschaft der verschiedenen Organismen unter einander wesentlich bereicherten, und die geeignet waren, auch neue Gesichtspunkte für die Beurteilung der Stellung des Menschen in der Entwickelungsreihe uns an die Hand zu geben. Diese Arbeiten, welche sich auf rein physiologischem Boden bewegen, sind nicht nur dem Fachgelehrten bedeutungsvoll, sondern sie dürften auch einem weiteren Leserkreise Interesse abnötigen.
Die Untersuchungen, von denen hier gehandelt werden soll, setzen zu ihrem Verständnis voraus, daß wir uns zunächst kurz über die allgemeinen morphologischen Eigenschaften des Blutes unterrichten.
Das Blut besteht bekanntlich aus einer hellgelblichen klaren Flüssigkeit, dem Blutserum, in dem die Blutzellen suspendiert sind. Die Blutzellen zerfallen in zwei Gruppen, die weißen und die roten Blutkörperchen. In einem Kubikmillimeter menschlichen Blutes findet man an solchen weißen Blutzellen 6- bis 8000, während man davon an roten Blutkörperchen 4- bis 5 000 000 antrifft. Letztere haben für die in Frage stehenden Untersuchungen ausschließliche Wichtigkeit. Die roten Blutkörperchen sind rundliche Zellen, die in ihrem, ein Maschenwerk bildenden Leibe den roten Blutfarbstoff, das Hämoglobin bergen. Dieser Körper ist es, der dem Blute seine Farbe verleiht.
Entnimmt man der lebenden Ader Blut und läßt es tn einem Gefäße kurze Zeit stehen, so bemerkt man, wie sich in der Mitte des Gesäßes eine Gallerte bildet,' das Blut gerinnt,' die Gallerte oder der Blutkuchen enthält neben dem obengenannten Faserstoff, der sich bei der Gerinnung ausscheidet, die Blutkörperchen und um ihn hat sich das meist wasscrklare Serum abgesetzt, das keinen roten Blutsarbstosf besitzt. Man kann nun dieses Serum
Die Zunahme war hiernach im Laufe dieser 11 Jahre bei uns nach beiden Richtungen hin eine steffge und namentlich in den letzten Jahren auch recht beträchtliche. Denn der im Jahre 1869 eingetretene unbedeutende Rückgang in der Zahl der Steuerpflichtigen ist nicht zu rechnen.
Prozentualiter aber stieg die in der Seelenzahl unserer Stadt enthaltene Ziffer der Einkommensteuerpflichtigen in den hier in Betracht stehenden 11 Jahren von 14,84 auf 21,61 %, also um die ansehnliche Ziffer von 6,77 %. In den einzelnen 11 hier in Betracht gezogenen Jahren stellte sich dieser prozentuale Antellssatz wie folgt, und zwar:
1892 .
. 14,84%
1897 . .
17,31 %
1893 .
. 15,47%
1898 . .
16,68 %
1894 .
. 16,32%
1899 . .
16,81 %
1895 .
. 16,96 %
1900 . .
16,77 %
1896 .
. 16,63 % 1902 . .
1901 . . 21,61 %.
20,62 %
Die Zunahme war hiernach allerdings von Schwankungen nicht frei, doch bürgt das Auffteigcn der Ziffer in den letzten Jahren Wohl §enügend für dementsprechen- dm weiteren Fortgang.
Von den übrigen 88 preußischen Stadtkreisen haben im Jahre 1902 nur 14 einen höheren Prozentualanteil der Einkommensteuerpflichsigen an der Seelenzahl aufzuweisen als wir, so daß unsere Stadt, an Einwohnerzahl die 26. unter 86, in dieser Hinsicht unter ihnen die 15. Stelle einnimmt. Die Durchschnittsziffer der 86 preußischen Stadsireise beträgt nur 18,18% und bleibt also wesentlich hinter unserer Wiesbadener Ziffer zurück.
Eine Zusammenstellung der Prozentualzifser derjenigen je 5 Städte, welche im Jahre 1892 im preußischen Staate unmfftelbar vor bezw. unmittelbar hinter uns standen, für die Jahre 1892 und 1902 aber liefert folgendes Bild, und zwar:
1892. 1902. Zunahme.
Eharlottenburg 18,35% 23,81% +5,46%
Kassel .... 14,68% 16,82% +2,14%
Erfurt . . . 13,36% 19,35% +5,99%
Posen . . . 11,25% 9,93% —1,32 %
Kiel ... . 15,60% 17,16% +1,55%
Wiesbaden 14,84% 21,61% +5,77%
Görlitz . . . 10,18% 14,49% +4,21%
Duisburg . . 13,27% 16,85% +3,58%
Frankfurt a. O. 10,34% 11,01% +0,67%
' Potsdam . . 13,01 % 16,53 % + 3,52 %
M.-Gladbach . 9,84% 13,96% +4,12%.
Nächst Erfurt ist die Zahl der in der Seelerrzahl enthaltenen Einkommensteuerpflichsigen sonach in unserem Wiesbaden am meisten gestiegen, eine Tatsache, die uns unbedingt nur mit Genugtuung erfüllen kann. Zurückgegangen ist von allen elf Städten auf diesem Gebiete allein die Stadt Posen.
Deutsches Deich.
Gegen die Dcnkmalsncht
wendet sich Rektor A. Gild-Kassel in der trefflichen Zefl- schrift „Der Volkserzieher" wie folgt: „Die preußische
Lehrerschaft beabsichtigt, den Ministern Falk und Bosse wegen chrer Verdienste um den Lehrerstand würdige Denkmäler in Erz zu errichten. Wohin diese zu sichen kommen sollen, ist noch nicht entschieden. Gegenwärtig sammelt man die Beiträge. Noch ist es hoffentlich nicht zu späff um eine . andere Zweckbestimmung der Geld« zu veranlassen; wenigstens will ich meiner und gewiß vieler Kollegen Ansicht über die Angelegenheit Ausdruck geben. Nehmen wir an, wir setzten in der Reichshauptstadt diese Denkmäler: würden sie nicht durch viele andere in den Schatten gestellt werden? Wie viele preußische Lehrer werden die Denkmäler in Berlin oder auch in Hagen, Orredlinburg, Schreiberhau jemals zu sehen bekommen? Wissen wir Lehrer denn unserem siefgefühlten Danke gegen die von uns so hoch geschätzten Männer keinen entsprechenderen Ausdruck zu geben, als daß wir ihnen Denkmäler aus Erz setzen? Falk hat sich um die geissige, Bosse hauptsächlich um die wirtschaftliche Hebung des Lehrerstandes unschätzbare Verdienste erworben: das wird kein Preußischer Lehrer bestreiten. Würden diese Männer aber, wenn wir sie noch einmal ins Leben rufen könnten, unser Vorhaben, ihnen Denkmäler aus Erz zu setzen, billigen? Ich glaube nicht. Die Lehrer sind durch diese hochverdienten Männer aus den dürftigsten Verhältnissen herausgchoben worden; noch aber steht es nicht so, daß der Lehrer anderen Beamten, denen er sich vergleichen kann, nur annähernd gleichgestellt wäre. Die Minister Falk und Bosse haben zu ihrer Zeit getan, was möglich war. Daß die Lehrer an höheren Schulen und die Lehrerinnen ungleich größere Fortschritte gemacht haben, das haben sie auch den Ministern zu danken; aber diese hatten in der Sache der Volksschullehrer größere Widerstände zu überwinden. Das erkennen wir an; darum ist unsere Dankbarkeit so groß. Wie aber die Minister weder von den Lehrern an höheren Schulen und den Lehrerinnen Denkmäler aus Erz erwartet haben, so wenig würden sie solche von den noch vielfach in drückenden Verhältnissen lebenden Volksschnllehrern haben wollen. Sie würden zu ihnen sagen: „Helft euch weiter; seid dankbar für das, was wir an euch getan haben; behaltet aber eure Groschen für nötigere Dinge." Insbesondere Minister Bosse würde uns sagen: „Denkt vor allem einnml an die Tausende von unversorgten Lehrerstöchtern! Mir ist gesagt worden, daß ihr eure Söhne studieren laßt; eure Töchter aber müssen sich vielfach in den Städten als Dienstmädchen vermieten!" So würde der Minister sagen, der auch ab und zu die Annoncen in den Zeitungen gelesen hat. Folgen wir dem Rate und begründen wir mit dem Ergebnis der Sammlung eine Nnterstützungskasse zur Ausbildung von Lehrerstöchtern und nennen diese Stiftung: „Falk-Bosse-
von dem Blutkuchen abgteßen, um es rein zu erhalten. Fügt man jetzt zu einer Probe dieses so gewonnenen Serums einen Tropfen frischen Blutes desselben Jndi- vidiums, von dem das Serum stammt, hinzu, so mischt sich dieser mit dem Serum, aber letzteres nimmt auch jetzt keinen Blutfarbstoff von den roten Blutzellen des frisch zugesetzten Blutstropfens auf. Das Serum bleibt klar, wie man sich überzeugen kann, wenn man die ihm zugefügten Blutzellen sich zum Boden des Gefäßes senken läßt.
Stellt man diesen Versuch aber derart an, daß man zu dem frischen klaren Serum einen Blutstropfen fügt, der von einem dem Individuum, das das Serum lieferte, fremdarsigen Organismus stammt, so beobachtet man im allgemeinen, daß aus den zugesetzten roten Blutkörperchen der Farbstoff austritt, sich in dem Serum löst und dieses schön rot färbt. Das Serum nsird „lackfarben". Der Vorgang des Sichauflösens des Blutfarbstoffes in dem Serum wird „Haemolyse" genannt.
Es hat sich nun herausgestellt, daß die Blutarten von Tieren, die in derEntwicklungSreihe einander nahe stehen, in ihrem gegenseitigen Verhalten keine Haemolyse zeigen. So z. B. löst Kaninchenserum nicht die roten Blutkörperchen anderer Kaninchen auf; dasselbe gilt auch für das Serum und die Blutkörperchen verschiedener Menschen. Setzt man aber z. B. zu Kaninchenserum einen Tropfen Hunöeblut oder einen Tropfen Menschenblut, so tritt der Blutfarbstoff aus den roten Blutzellen des Hundes, bezw. des Menschen auö und löst sich kn dem Kaninchenserum auf. Es findet also eine Haemolyse statt, wie wir diesen Vorgang nannten.
Alles das gilt vor der Hand nur für die Klasse der Wirbeltiere.
Zu dem Studium dieser Verhältnisse war man gedrängt worden durch die Mißerfolge, welche die Medizin bei der Bluttransfusion zu verzeichnen hatte. Bet gewissen Blutkrankheiten und Vergiftungszuständen hatte man früher Menschen Tierblnt eingcspritzt, indem man glaubte, auf diese Art das kranke Blut durch gesundes ersetzen zu können (Transfusion). Derartige Versuche gehen bis in die Zeit vor C a r d a n u s (1550) zurück;
sie gerieten später in Vergessenheit und wurden erst wieder nach der Entdeckung des Blutkreislaufes durch H a r v e y (1628) ausgenommen. Jean Denis führte dann im Jahre 1667 zu Paris die erste Bluttransfusion an einem Menschen aus und verwandte dabei Lammblut.
Es zeigte sich jedoch bald, daß diese Einspritzung von fremdartigem Blute keinen gleichgültigen Eingriff für den Körper bedeutete. Nicht nur gingen die roten Blutkörperchen des eingeführten Blutes zu Grunde, sondern cs lösten sich auch noch obendrein häufig die eigenen Blutzellen des Individuums auf, das dem Eingriff unterzogen worden war. Der Blutfarbstoff trat aus den Zellen in das Serum. Er gelangte dann mit dem Harn zur Ausscheidung und färbte diesen rot, eine Erscheinung, die man als Haemoglobinurie bezeichnet.
So haben wir in dem Auftreten von Bluffarbstoff im Harn, also in der Haemoglobinurie, ein Kriterium, ein Zeichen dafür, ob in den Körper eingespritztes Blut von dem betreffenden Individuum vertragen wird oder nicht, ö. h. ob eine Haemolyse stattfindct.
Diese Auflösung der roten Blutscheiben durch die Sera fremder Tiere war zuerst von C r e i t e unter dem Mikroskop beobachtet worden. Indessen blieb es Lands i s Vorbehalten, in einer systematischen Weise die Erfolge der Bluttransfusion bei verschiedenen Tierarten genauer zu untersuchen. Bei seinen Experimenten fand er, daß nach der Einführung fremden Blutes bei den Tieren nicht nur Blutfarbstoff im Harn auftrat, sondern daß die Tiere unter Temperatursteigernng erkrankten und häufig sehr bald nach der Blutcinspritzung zu Grunde gingen.
Somit war die Giftigkeit fremdartigen. Blutes für den Organismus in eklatanter Weise dargetan worden. Nun konnte aber L a n d o i s des Weiteren fesfftellen, daß ein Blutaustausch zwischen nahe verwandten Ticr- spezies, insonderheit zwischen solchen, welche sich gegenseitig fruchtbar begatten können, keine der üblen Folgen nach sich zieht, die dieser Eingriff nach unseren obigen Ausführungen bei unter sich fremden Tierarten erzeugt. Nach Bluttransfusionen zwischen Hase und Kaninchen, zwischen Hund und Wolt
