Einzelbild herunterladen
 

Beilage zum Wiesbaüener Tagblalt.

K». 239. Morgen-Ausgabe.

Samstag, den 6. Juni.

51. Jahrgang. 1903.

Das Unmögliche wollen.

Das Undenkbare denken,

Und das Unsägliche sagen.

Hat stets gleiche Frucht getragen;

Da mußt, wenn die Träume sich scheiden, Zuletzt das Unleidliche leiden. Grillparzer.

(40. Fortsetzung.)

Spate Erkenntnis.

Roman von Alexander Römer.

lch^lt sah ec aus und tote vornehm, aber doch ^r verändert — tote hätte ich je zu ihm passen können, rvcern Herz tat so weh, als müßte es zerbrechen. Da u? U tj!r* e t( ? r l ^ er die Straße den anderen nach. Ich wußte garnrcht, toas ich tat, und es wurde da gezecht und gesungen, auch mir füllten sie immer das Glas mit Champagner. Ich sah zuletzt alles wie durch einen Nebel. M fand mich plötzlich im Arm eines Menschen, der mich rüßte, und das^ brachte mich zu Besinming. Ein furcht- barer Ekel erfaßte mich, ich stieß den Zudringlichen zurück und lief fort. Ern lautes Lachen schallte hinter mir her, K«M.d°b -r mich verfolge. Ich weiß nicht, woher >§ nahm, ich lies und lief — wohin, das wußte

ich nicht. Aber richtig, den See sah ich schimmern und bei dem glutroten Schein, der vor meinen Augen flimmerte, rch, daß ich verloren sei, so wie so, und daß das kühle Wasser da schon und still sein müsse. Dann bin ich gejturzt und habe lange nichts mehr von mir gewußt."

Sie schwieg, sichtlich sehr erschöpft, und Ellen blickte schlugen""^ ™ ^ 0irai9en Dicken, wo die Nachügallen

»Hier hast du Stille und Schönheit", sagte sie leise, »und lebst doch noch und siehst die Sonne."

Ein paar Tränen perlten langsam über ihre Wangen. Susi, seufzte tief auf. „Ach ja! hier ist es schr schön, tme im Himmel, gerade so, wie ich es immer haben jochte. Schwester Cordula und die anderen Schwestern beneide ich, die allezeit in diesem Frieden sind, die Kranken pflegen und Gutes tun."

Ellm fuhr aus ihrer Versunkenheit auf. „Du hast Recht, die sind auch zu beneiden, — indes, wenn du wieder^ gesund bist — Diakonissinnen werden sehr begehrt Du wurdest eine liebreiche Pflegerin abgeben "

Susis matte Augen leuchteten auf. „O!" sagte sie atemlos, „wenn das möglich wäre!"

„jedenfalls darfst du dir von jetzt ab kerne Sorgen öwpe machen wegen deiner Zukunft", sagte Ellen freund- Nch. dre wird sich nach deinen Wünschen gestalten lassen. Ich bin und bleibe deine Schwester."

Sie beugte sich über sie und küßte sie innig.

Susi hielt ihre Hand fest und sah scheu zu ihr auf. „Willst du mrr noch das eine sagen — er ist schr glücklich, Nicht wahr? Cilly sprach davon, daß ihm eine große Erb- jchast zusalle, und er hat die schöne vornehme Braut. Ich k — ich gönne es ihm von Herzen."

Über Ellens Züge flog eine finstere Wolke. „Kind' frage Mich nicht darnach. Nicht alles, was die Welt redet, lst Wahrheit — eure Wege gingen weit auseinander, ich

fürchtete das schon, als ich euch zuerst beisammen sah, aber er war sehender als du, und er hat nicht recht an dir ge handelt. Er ist mein Bruder, und ich will deinen ver­söhnlichen Sinn nicht aufreizen, aber auch du mußt Recht und Unrecht von einander scheiden lernen. Wir alle ernten, was wir säen."

Susi blieb die Rede dunkel, das sah Ellen wohl, sie hatte aber nicht anders zu sprechen vermocht.

Draußen verweilte sie noch bei Schwester Cordula. Der Gedanke, daß Susi sich zur Diakonissin ausbilden könne, erschien ihr wie ein erlösender.

Auch Schwester Cordula stimmte ihr zu.

Einstweflen hatte Herr Welcord angeordnet, daß die Patientin in ihrem Zimmer bleiben solle, bis sie ganz gekrästigt sei. Er hatte für Wochen im voraus gezahlt. „ _ In Ellens Seele sah es stürmisch aus auf diesem Heimweg. Susis Reden hatten ihr ja nicht erst die Gewiß- hert gegeben, die sie schon lange besaß, daß ihr Bruder in Adinens Banden lag. So also war die Freundin ihrer Kindheit geworden, und das tat sie ihr und den Ihren an. Wie furchtbar mochte Leopolds Erwachen aus diesem Traume sein.

Wir ernten, was wir säen, murmelte sie. An ihm lag es nicht, wenn das Kind, diese Susi, nicht verdorben war und wenig fehlte, so lag sie in jener Nacht im kühlen See und ihr Ende auf Leopolds Gewissen. Sie schauerte.

Dann flogen ihre Gedanken wieder zu Welcord.

Er reiste, schrie es in ihr. Wider alle Vernunft be­hielt sie das Gefühl, daß er allein ihr Retter sein könne in der kommenden, schweren Zeit. Wenn er ging, erlahmte ihre Kraft, sie fühlte sich schon beim Gedanken an sein Scheiden wie zerbrochen. Sie hatte entsagt und ge- opfert immer und immer, und nun, wo alles vergebens und diese wilde Sehnsucht nach Glück in ihr aufgeflammt war, dieses greifbare Bild, was Glück sei — nun kam der Zusammenbruch und sie stand allein.

Sie ging rasch, ohne rechts und links zu sehen, in einem Tauniel und Wirrsal von Empfindungen. Plötz- lich stand sie füll. Sie mußte sich zur Wirklichkeit zurück- finden, sie hatte Frau Rose versprochen, bei der Stickerin, welche die Wäsche für Angelika anfertigte, eine Bestellung auszurichten. Sie besann sich auf einmal darauf und kehrte um. Die Stickerin wohnte in einer Seitenstraße und sie war schon weit daran vorübergegangen.

Sie gelangte auf einem Umwege an das Haus, stieg die drei Treppen hinan und stand Atem schöpfend, vor der Tür, an der der Name „Lucie Brandt" zu lesen war.

Drinnen wurde gesprochen. Sie fuhr zusammen. Waren ihre Gedanken so von der einen Person erfüllt, daß sie ihre Stimme überall zu hören vermeinte?

Sie flopfte und trat auf das von drtnnen tönende „Herein" rasch ein.

Neben der schmächtigen Gestalt der Stickerin erblickte sie eine zweite — Ad ine.

Es entstand eine kurze, schwüle Pause, vor Ellens Augen schwamm ein Nebel, sie mußte sich am Türpfosten halten, es dauerte eine Welle, bis sie wieder klar sah.

Adine war einen Schritt zurückgetreten, auch ihre Mienen hatten deutlich ein Erschrecken verraten, jetzt sprach sie, aber Ellen begriff noch nicht, was.

Die Stickerin fragte höflich nach ihrem Begehr.

Ellen machte eine gewaltsame Anstrengung, um sich zu fassen, sie redete mit dem Mädchen, richtete chren Auf­trag aus, aber das Blut siedete noch immer in ihren Adern. Sie war sich nicht mehr bewußt, ob Adine noch im Zimmer sei, und fuhr zusammen, als ihre Stimme aus der Ecke vom Sofa her tönte.

„Lucie! wollen Sie mich ein paar Minuten mit dieser Dame allein lassen?"

Ellen wandte sich um. Adine saß auf dem Sofa, nachlässig zurückgelehnt, und spielte mit oen Münzen an ihrem Armband.

Die Sflckerin verließ geräuschlos das Zimmer.

„Sie ist meine ehemalige Jungfer", sagte Adine in ruhigem. natürlichem Ton, und an allerlei Launen bei mir gewöhnt. Sie findet nichts darin, wenn ich sie fort- schicke."

„Es ist mir nämlich lieb, daß der Zufall dich mir in den Weg führt, ich möchte dir noch allerlei sagen."

Ellen hatte sich gesetzt, ihr Kopf war noch immer schwindlig, sie wußte nicht, ob sie Adine überhaupt be­grüßt, jedenfalls mußte der doch wohl ihr verändertes Benehmen ausfallen und sie sich also sagen, daß die Schwester um des Bruders Geheimnis wisse.

Ein wilder Zorn stieg in chr herauf, sie vermochte noch kein Wort zu sprechen. Sie blickte jetzt erst Adine an.

Sie trug ein einfaches schwarzes Kleid und einen Hut mit grauen Federn. Sie blickte angelegentlich auf das Muster des kleinen Sofateppichs und beschrieb mit ihrem Sonnenschirm Figuren darauf.

„Ich reise nämlich heute Nacht", sagte sie beinahe eintönig, „und zwar direkt nach Babenhausen", — so hieß ein Gut ihres Paters — „wo meine Hochzeit mit meinem Vetter Waldemar von Saldern in aller Sülle gefeiert werden soll."

Ellen sprang von ihrem Sitze empor, ihre Augen sprühten.

„Ha! Fräulein v. Rodenfels — und das wollten sie mir sagen, damfl ich — —"

Adine legte ihre Hand auf den Arm der Aufgeregten.

„Da ich dich so im Harnisch sehe, muß ick annehmen, daß Leopold geplaudert hat", sagte sie gelassen. „Das würde ein Kavalier nicht getan haben. Ich muß dich aber bitten, mich noch ein Weilchen ruhig anzuhören. Daß ich den Mann, den meine Eltern mir besümmten, und der schon lange um mich geworben, nickt liebe, wirst du mir glauben, ohne daß ich es dich weiter, versichere. In unfern Kreisen sind solche Konvenier.zen an der Tagesordnung, und wer in der Luft groß wird und sich keinen blauen Dunst Vormacht, richtet sich von vorn­herein daraus ein. Die harte Sitte hat aber an der Natur und Anlage der unter ihr Erwachsenden nichts zu ändern vermocht. Glückshunger, heißes Blut, Be- gehren blieben ungebrochen und da neben der Sklaven- rette ein gewisses Maß von Freiheit gewährt wird, so benutzt man diese, lebt, wie Jugend ein Recht hat zu leben, kostet die gegebene Zeit aus, und macht dann seinen dicken Strich. Für mich war es jetzt nötig, den Strich zu ziehen."

Sie schwieg.

lFortsetzung folgt.)

Ein Vornrtheil

Jst die Annahme, nor die in K61n fabrizirte Eau de Cologne Bei wirklich gut. Machen Sie, bitte, einen Versuch mit meinem Fabrikat und Sie werden finden, dass dasselbe ebenso gut ober viel billiger ist, als die beste Kölner Marke, deren Duft so schnei] verfliegt, während der erfrischende Wohlgenieh meiner Eau de Cologne lagelang anhält.

Vorräthig in den bekannten Eau de Cologne-Flaschen: V» Fl. 0.60, >/, Fl. - 1.—, *h Fl. Mk. 1.76, Liter Mk. 6.—, Korbflasoho ä Mk. 1.6~

Drachenquelle.

Erste and einzige Mineralquelle des Siebengebirges

zu Honnef a/Rh.

Hervorragendes Kur- und Tafelwasser.

Generalvertreter für Wiesbaden und Umgegend: Oeorgf Faust, Wiesbaden, Oranf enstr. 83 .

Telephon 3002. Telephon 3002.

Der Preis ist einschl. Gefäss für die Flasche ('/, Ltr. Inhalt) 26 Pf. Bei Rück­gabe wird das Glas mit 10 Pf. vergütet. (Ka. 1717g) F130

Mk,

Kiste mit 6 fein verpackten Fl. Mk. 5. Mk. 4.—.

50 und Mk. 3.—, Eau de Gelegne zum Baden: Liter

Für die leeren Flaschen werden 5, 10 resp. 20 Pf. zurück vergütet.

Zerstäuber (Rafraichissenrs) in den neuesten Mustern und mannig­faltigsten Formen von Mk. 0.60 bis Mk. 50.—.

Eau de Colope-Seife.

Die Herstellung dieser Seife geschah auf Anregung meiner verehrten Kund­schaft in Folge des grossen Beifalls, welchen meine Eau de Gelegne fand. Meine Eau d*- Cologne-Seife ist eine der beliebtesten Seifen des Handels. Sie macht die Haut zart und weich und wirkt wegen ihres grossen Gehaltes an Eau de Gelegne anregend auf die Nerventhätigkoit. Der angenehme und erfrischende Geruch dieser Seife verliert sich nicht während des Gebrauchs, sondern hält sich, bis dieselbe vollständig verwaschen ist. 1516

St. 0.50, Carton 1.26.

Dr. M. Albersheim, S*

Wiesbaden, ^»r^mY^sV Frankfurt a. M., .S£:ri.

Lager amerikan., deutscher, englischer und französ. Specialitftten, sowie sttmmtlicher Toilette-Artikel.

Versand gegen Nachnahme. — Hlustr. Katalog kostenlos.

AI« Rabatt

auf ca. 150 Stück Anhänge- und Ketten - Leder-Täschchen,

Muster einet OfTenbntlier Fabrikanten,

in allen Farben, nur Neuheiten in gediegener tadelloser Ausführung. Verkauf nur gegen ISnfir mit 20°/o nur bis Ende dieser Woche.

W. ßeichelt,

Gr. Burgstrasse 6.

wm

Man fahrt am besten mit

„Veritas“.

Nur zu haben bei:

1451

Becker, Moritzstrasse 2.

Billige u. gute Reisekoffer,

Rtis-Urt»«! u. «Schulranzen kaufen Ei« »ur Neugasse 82. 1 Dt., früher Ärabenstrahe.

Vetectio-dnstitut „Erfolg",

Frankfurt a. M.,

Fahrgasse 148, Ecke Zeih Tel. 8868, beforfit die beste» Auskünfte, BeobadUung. und Ermittln., ioiv. Beweise zu alle» Civil- und Strafprozessen. Neueste arönte Erfolge.

VERWERTUNG

ALLEN LÄNOERN.

GRÜNDUNG voF SYND1CATEN.

DfWnxMORRisaCo^ ^

UONDON E.C. 7ElyPl«ci -- . BERLIN. S.W.207 Friedrich StrI

| Wiesbaden, Sohillerplatz 1.1

SeidenmHll,

doppelbreit, woiss, schwer», ordme, blau, rase, -»vorige, kostet von jetzt ab nur noch

W. Hnumnul, Rheinstresse 87.

FM. A'... Al . —