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Teile 4. 4. Juni 1903. Wiesbadener Tagblatt (Abend-Ausgabe). Verlag: Langgasse 27.51. Jahrgang. No. aao,

Stille und den Frieden, den man hier gewöhnt ist. Nur vom Schloß her hallten ununterbrochen die Schritte der auf- und abmarschierenüen Schildwachen. ü.

o. Vom kaiserlichen Hofe. In der kaiserlichen Familie beginnt der Morgen früh, auch wenn demselben, wie gestern, ein langer Tag mit mancherlei Anstreng­ungen vorausgegangen ist. Heute wurde auch schon vor 7 Uhr das erste Frühstück eingenommen, und Punkt 7 Uhr ritt der Kaiser mit den Prinzen Eitel Friedrich und Adalbert, dem Herzog von Sachsen- Koburg und mehreren Herren seines Gefolges aus dem Schlosse heraus. Der Kaiser, Prinz Eitel Friedrich und mehrere Herren des Gefolges hatten die neue Litewka von der Farbe der grauen Mäntel, mit hohem Armelaufschlag, Umlegekragen und zwei Reihen Knöpfen angelegt. Der Kaiser trug dazu eine weiße Mutze. Prinz Adalbert befand sich in Marineuniform und der Herzog von Sachsen-Koburg in der Uniform der Bonner Königshusaren, bei welchem Regiment er als Leutnant & la suite geführt wird. Der Spazierritt ging durch das Nerotal, den Wolkenbruch, über die Platterstraße, den „Kisselbornweg" hinauf, bis unterhalb der Platte und durch den herrlichen „Nabengrund", der bekanntlich von dem Kaiser mit Vorliebe ausgesucht wird, nach der Leichtweishöhle und durch das Nerotal re. zurück zum Schlosse, woselbst die Kavalkade um 8% Uhr wieder ein­traf. Bald nach dem Kaiser hatte auch die Kaiserin mit einer Dame und einem Herrn ihres Gefolges im Wagen das Schloß verlassen. Sie fuhr durch die Wilhelm-, Taunus- und Elisabethenstraße und das Nerotal, verließ am Eingänge der Lanzstratze den Wagen und machte einen Spaziergang durch die letztere bis zur griechischen Kapelle, besichtigte dieselbe von außen sehr eingehend, genoß auch die Aussicht auf die Stadt und ging dann über die Nerobergstrahe bis zur Lanzstraße, um hier wieder den Wagen zu besteigen und zu dem Schlöffe zurückzufahren, woselbst sie kurze Zeit vor dem Kaiser wieder eintraf. Die Abfahrt nach Frank­furt erfolgte um 8.85 Uhr. Die Kaiserin trug ein orangefarbenes Brokatkleid, der Kaiser kleine Generals­uniform mit weißen Hosen, welche auch Prinz Eitel Friedrich und die Herren des militärischen Gefolges an­gelegt hatten. Wie der Kaiser, so sahen auch die Kaiserin und die Prinzen sehr wohl aus, die beiden letzteren sind überhaupt von sehr stattlicher Figur, Prinz Eitel Fried­rich namentlich von ungewöhnlicher Größe. Daß die Regierungsgeschäfte auch in dem Getriebe eines so großen Festes, wie des Frankfurter Sängerwettstreites, nicht still stehen, beweist die Tatsache, daß auch dorthin mehrere Beamte und Akten mitgingen. Bekanntlich arbeitet der Kaiser auch während der Eisenbahnfahrten. Die Rückkehr des Kaiserpaares, der Prinzen, des Her­zogs von Sachsen-Koburg, der am 19. Juli 19 Jahre alt wirb, erfolgt heute nachmittag um 6.10 Uhr. — Dem Vernehmen nach findet am Sonntag, nach dem Haupt­gottesdienst, auf dem Kursaalplatz eine Parade statt. Eine Vorübung dazu wurde daselbst von den beiden hiesigen Bataillonen des Regiments v. Gersdorff, der Artillerie und der Biebricher Unteroffizierschule ab- gehalten.

o. Sc. Majestät der König von Dänemark empfing gestern nachmittag den Besuch I. Durchlaucht der Frau Fürstin von Schaumburg-Lippe, welche um 4 Uhr 31 Min. nach­mittags von Langenschwalbach hier eintraf und von dem König auf dem Bahnhof empfangen wurde. Die Rückreise der Frau Fürstin nach Langenschwalbach erfolgte um 6 Uhr 41 Min. vom Rheinbahnhofe aus. bis wohin ihr der König wieder das Geleite gegeben hatte. — Anläßlich des Hinscheidens des Fürsten Julius von Schleswig-Holstein ging dem König von Dänemark vom Kaiser ein in sehr warmen Worten gehaltenes Beileids­telegramm zu.

— Prinz Nikolaus von Nafla« und Gemahlin trafen gestern in Kreuznach zum Besuche der im Kurhaus wohnenden Enkel­kinder des Großfürsten Michael von Rußland ein.

— Kurhaus. Wir machen nochmals ans den morgen Freitag im Kurgarten stattfindenden außerordentlich reichen I l l u m i - chations - Abend aufmerksam. Auch die Weiherkähne wer- I

den illuminiertes Takelwerk tragen. Alle Kurhauskartcn sind

ausnahmslos vorzuzeigen. — Am Samstag dieser Woche findet Reunion dansantein den kleinen Sälen des Kur­hauses statt. Eintritt gegen Jahresfremden-, Saison- und Abonnementskarten oder Einzelkarten zu 4 Mk.

— Die Festspiele führten, wie immer, auch diesmal wieder eine Reihe künstlerischer und journalistischer Per­sönlichkeiten hierher. So traf u. a. Graf S e e b a ch, der Generalintendant der sächsischen Hofbühne, hier ein, sowie von musikalischen Größen Lola B e e t h und Kienzl. Unter den Journalisten finden wir den Altmeister der Feuilleton-Berichterstatter, Herrn Professor Ludwig Pietsch von der „Boss. Ztg.", ferner den beliebten Feuilletonisten des „Verl. Lok.-Anzeigers", Alfred Holz- bock, weiter die Herren Leop. Schmidt vom „Verl. Tagebl.", Dr. Leipziger vom „Kleinen Journal", Otto N e i tz e l, den ausgezeichneten Musikreferenten der

„Köln. Ztg." u. a. m.

— Residenz-Theater. „Madame Sherry" erwirbt sich mit jeder Aufführung mehr und mehr Freunde, morgen Freitag und nächsten Sonntag wird diese lustige Operette den Spielplan be­herrschen. Samstag wird „Der lustige Krieg" mit seiner schönen Straußschen Musik wiederholt. Die Proben für „Das Modell sind in flottem Gange, und wird diese, hier zuletzt 1895 mit größtem Beifall aufgcnommene Operette sicher wieder seine An­hänger ins Theater locken. Dutzenbillets sind im Theaterbureau und im Rcisebureau Ludwig Engel zu haben. Dieselben haben auch Sonntags und zu Gastspielen Gültigkeit.

o. Kurhaus-Neubau. Die Kurhaus-Neubau-Depu- tation hielt gestern eine Sitzung ab, in welcher Herr Professor v. T h i e r s ch aus München das zur Ausfüh­rung fertige Projekt des Kurhaus-Neubaues nebst Kosten- ansckilaa vorleate und des näheren erläuterte.

— Walhalla-Theater. Donnerstag und Freitag finden noch Wiederholungen der so außerordentlich beifällig aufgenommenen Operette „Das süße Mädel" statt, während Samstag und Sonn­tag „Die schöne Helena" zur Aufführung gelangen soll.

— Einen kühne« Sprung in die Tiefe machte gestern gegen Abend ein unsicherer Heerespflichtiger bei seinem Transport von Kastei nach Mainz. Auf der Rheinbrücke huschte er plötzlich zwischen den ihn transportierenden Begleitmannschaften heraus und setzte über das Brücken­geländer in die hochaufspritzenden Fluten des Rheins. Hier schwamm er trotz seiner Kleider flott stromabwärts, doch sollte er sich seiner Freiheit nicht lange erfreuen, denn mehrere Nachen verfolgten ihn sofort und brachten ihn bald wieder an das Ufer, wo er der Patrouille übergeben

wurde.

— Ein herbes Mißgeschick widerfuhr gestern in Bieb­rich einem Radfahrer, als er in der Armenruhstraße an einem Biehtreiber mit einem Ochsen vorbeikam. Es sei dahingestellt, ob der Radfahrer mit seinem Vehikel dem Tier zu nahe gekormnen oder dasselbe scheu geworden war, kurz, plötzlich und unerwartet schlug das Ochslein kräftig nach binten aus und der Radler flog samt seinem Rad in unsanftester Weise auf das Trottoir. Arg zer- schunden lud er sein Gefährt auf die Schulter und machte sich hinkend auf den Weg.

— Eine Karambolage fand gestern nachmittag zwischen einem Waldmann-Boot und einem Schleppschiffe auf dem Rhein statt, nach Angabe von Sachverständigen dadurch hervorgerufen, daß der Kapitän des letzteren plötzlich seinen Kurs änderte, ohne das übliche Zeichen zu geben. Die durch den Zwischenfall entstandene Beschädigung der Fahrzeuge ist unbedeutend und Verletzungen von Men­schen sind nicht vorgekommen.

o. Vergeben würben von der städtischen Baudcputation a. die Herstellung der neuen Entlüftungsanlage für den Ratskeller an die Firma Nikol. Kölsch hier, b. die Ausführung der für die städtischen Gebäude im Laufe des Jahres notwendigen Stein­metzarbeiten an die Herren Emil Dormann, Lehna und G ö t t e r t und Häuser u. Kiesewetter hier zu gleichen

Teilen.

o. Besitzwechsel. Herr Wilhelm F r o h n hat sein Hotel „Union" nebst Restaurant „Zauberflöte", Neugasse 7, an Herrn

f r. Bester hier und letzterer sein Haus Luxemburgplatz 5 an errn W. Frohn verkauft. — Die Villa Schöne Aussicht 1 u. Geis-

bcrgstr. 21, mit 122OuadratrutenGarten, ging durch Kauf aus dem

Besitz des Herrn Staatsanwaltes Or. Weismann in den­jenigen der Frau Rittmeister Gräfin Lilly S ch c n ck zu Kastei über. Der Kaufpreis beträgt 150 000 Mk. Das Geschäft wurde vermittelt und abgeschlossen durch die Jmmobilicnagentur I. Ehr. Glücklich, Wilhelwstraße 80, dahier.

— Kleine Notizen. Die Vakanzenlistc für Militär­anwärter Nr. 22 liegt in unserer Expedition unentgeltlich zur Einsicht offen.

* Hana«, 3. Juni. Von allen Seiten der hiesigen Gegend kommen Meldungen über Schäden, die das gestern nachnnttag über dem Maintal und unteren Kinzigtal wütende Gewitter verursacht hat. Besonders zahlreich sind die Verheerungen durch Blitzschlag an Bäumen. Im Nachbardorf Rückingen setzte em Blitzstrahl das Haus des Bauern G. Heß in Brand, so dag diese» größtenteils zerstört wurde- einem Landwirt in Niederissighenu tötete der Blitz eine Kuh und ein Pferd, während in Bruchköbel ein Blitzstrahl in den Stall des Landwirts Weber fuhr und eine Kuh tötete. Stark beschädigt wurde durch einen sogenannten „kalten Schlag" das Haus des Wagnermeisters Giesel in Mtttel- bucken. In Gelnhausen ging ein mit Hagelkörnern untermischter wolkenbruchartiger Regen nieder, der namentlich an den Obst­bäumen beträchtlichen Schaden anrichtete.

* Mainz, 3. Juni. Die Berichte, die über das gestrige U n - weiter aus der Provinz einlaufen, lauten sehr betrübend. Die berühmten Weirwrte Nackenheim und Nierstein sind schwer geschädigt. Ganze Straßen waren unter Wasser gesetzt, Mauern wurden umgcrissen rc. In Nieder-Olm wurden zwei Gebäude durch den Blitz cingeäschert. In Vlödcsheim wurden dre, Häuser durch den Blitz zerstört, in Lampertheim sStarkenburgi wurden in einem Hause 3 Personen vom Blitz getrosten.

* Mainz, 4. Juni. R h e i n p e g e l: Im 10 cm gegen 1 m 10 cm am gestrigen Vormittag.

Sport.

* Fußball. Der „Wiesbadener Fußball: Klub" spielte am 2 Pfingstseiertage auf dem hiesigen Exerzierplatz mit zwei Mann­schaften gegen den Bockenheimer Fußball-Klub „Germania" und konnte über beide Mannschaften einen Sieg erringen. Die zweite Mannschaft des „W. F.-K." siegte mit 4 :2, während die erste mit 6 :1 einen überlegenen Sieg davontrug.

Gerichtssaal.

* Kiel, 3. Juni. Der Matrose Mcsserschmidt vom Schulschiff „Stein" wurde heute vom Kriegsgericht wegen Körperverletzung des Fähnrichs zur See v. Abel, begangen mittelst hinterlistigen Überfalls, zu 18 Monaten Gefängnis verurteilt. Bekanntlich nahm Fähnrich v. Abel sich am 3. Mai das Leben, weil er Tags zuvor von einem Matrosen, dessen Persönlichkeit er nicht fest- stcllcn konnte, Überfällen worden war. Messerschmidt wurde als Täter ermittelt. Strafmildernd kam in Betracht, daß er in der Dunkelheit den Fähnrich nicht als Vorgesetzten erkannt haben will, vielmehr glaubte, Eivilisten vor sich zu haben. Der Ver­treter der Anklage hatte drei Jahre Gefängnis beantragt.

Kleine Chronik.

Das Großfeuer in Köln-Ehrenfeld, dem ein umfang­reiches Holzlager, 4 Häuser und ein Fohlen zum Opfer fielen, ist, wie die Kriminalpolizei ermittelte, durch zwei achtjährige Knaben, welche ein Feuerchen ange­steckt hatten, verursacht worden.

Auf Grund des Obduktionsbefundes der ermordeten Schülerin Lina H o f f m a n n neigt die Kriminal-Polizei zu der Ansicht, daß das Verbrechen in Berlin verübt worden ist. Der Mörder hat das Mädchen vermutlich nach seiner Wohnung geschleppt, sie dort mißhandelt und dann getötet, die Leiche dann vielleicht mehrere Tage in seiner Wohnung verborgen gehalten und dann nachts in die Spree geworfen. Nach dem Charakter der Er­mordeten zu urteilen, ist das Verbrechen nur von einem Manne verübt worden, den das Kind gekannt hat und dem es daher auch ohne Bedenken folgte.

Ein Bulle, der auf dem ostpreußischen Gute Bom­ben bei Zinten von zwei Männern aus dem Stalle ge­leitet wurde, riß sich los und stürzte sich auf den Inspektor Neumann. Dieser wurde gegen einen Zaünpfosten ge-

warte, die damals unter der Leitung von Cassini stand. Picard war weitaus der hervorragendste Astronom seiner Zeit, aber unter der Regierung Ludwigs XIV. wurde er bei Seite geschoben und der Ausländer Cassini aus Bologna nach Paris berufen. Diese Tat hat die Entwick­lung der Himmelskunde in Frankreich für viele Jahre geschädigt. Römers Zusammenarbeiten mit Picard war jein großes Glück für die Wissenschaft, da es Ersterem die jbesten Anschauungen jener Zeit vermittelte, obgleich der Genius Römers jedenfalls viel bedeutender war als der ivon Picard, der allerdings einen unvergänglichen Ruhm Lurch die Messung des Meridianbogens erworben hat, wodurch im Jahre 1686 Newton einen Beweis für seine Theorie der im ganzen Weltall wirkenden Schwerkraft erbrachte. Nach einem noch in der Königlichen Stern- warte zu Kopenhagen befindlichen Bilde hatte Olaf Römer übrigens eine auffallende Ähnlichkeit mit seinem großen Zeitgenossen Newton.

* Ein »ntermeerisches Forschnngsboot. Die Phan­tasie ist immer an der Arbeit, auch in unserem Zeitalter, das mit einer gewiffen Vorliebe wegen seiner praktischen nüchternen Anschauungsweise gepriesen wird. So ist es Neuerdings aufgekommen, sich eine lockende Vorstellung von den Schätzen zu machen, die sich am Grunde der meist befahrenen Meere im Laufe der Jahrhunderte ange­lsammelt haben müssen. Wie manches Schiff mit reicher Ladung hat auf dem Meere Schiffbruch gelitten und ist mit seinen Schätzen an einer Stelle versunken, über deren Lage noch ziemlich bestimmte Überlieferungen Auskunft geben. Die Technik in ihrer modernen Entwicklung soll Pie Mittel zu einer Art von untermeerischer Schatz­gräberei liefern. Am bequemsten geschieht das Heranf- holen von Gegenständen aus dem Grunde des Meeres noch immer durch Taucher, aber wegen der schnellen und gewaltigen Steigerung des Wasserdrucks kann ein Taucher in Tiefen von mehr als 30 bis höchstens 85 Metern sich nicht mehr betätigen, und das gleiche Hindernis steht der Anwendung der klassischen Taucherglocke entgegen. Unter den italienischen Ingenieuren scheint man sich nun leb­haft dafür zu interessieren, diese Schwierigkeiten durch neue Erfindungen zu überwinden. Zunächst entstand die .I’ella nautica" des Ingenieurs Balsamello, die einige Versuche im Hafen von Civitst vecchia bestanden und an­geblich ihre Widerstandsfähigkeit bewiesen hat. Jedoch fand ihr Erfinder leine rechte Unterstützung. An zwei­

ter Stelle kam ein Franzose, Lemot, der eine Art von I untermeerischem Automobil erdachte, das gleichfalls dazu I dienen sollte, die auf dem Meeresgrund verlorenen Gegen- f stände aufzufischen und wieder an die Oberfläche zu schaffen. Mit mehr Energie noch scheint jetzt der Italie­ner Pino die Ausnutzung einer ähnlichen Erfindung zu betreiben, von der eine ausführliche Beschreibung vor­liegt. Es handelt sich um ein Unterseeboot von Eiform, das sich aus drei Teilen zusammensetzt, die nach Art der Fischfchuppen aufeinander übergreisen, so daß das Innere völlig luft- und wasserdicht abgeschlossen ist. Auf der Oberseite befindet sich eine gleichfalls fest verschließbare Öffnung, durch die zwei Personen ins Innere gelangen können. An den Seiten sind Ringe angebracht, um das Boot während seines Aufenthalts im Hafen daran auf­zuhängen. Zwei Schrauben, die eine hinten, die andere an der Seite, dienen zur Bewegung und Lenkung des sonderbaren Fahrzeugs. Außerdem ist an der Unterseite ein massives Rad angebracht, auf dem das Boot über den Meeresboden hinrollen soll. Verschiedene Fenster ge­währen einen Ausblick und eine Beleuchtung der Um­gebung nach allen Seiten. Zur Beschaffung der Licht­quelle und Triebkraft dient die Elektrizität, die von Accumulatoren im unteren Teil des Bootes geliefert wird. Außerdem kann auch von dem begleitenden Schiff aus elektrische Kraft durch Kabel vermittelt werden. Zwi­schen dem untermeerischen Boot und dem Hülfsschisf ist auch eine telephonische Verbindung vorgesehen. Elektrische Pumpen bewirken die Bedienung der verschiedenen Ab­teilungen für Wasserballast, deren Entleerung ein A»f- steigen und deren Füllung ein Absteigen veranlaßt. Da mau den Apparat immer möglichst genau an die zu unter­suchende Stelle hinunterlassen wird, so ist eine schnelle oder lange Fahrt nicht notwendig. Wesentliche Teile der Maschine und ferner noch allerhand Pieken und Haken, sollen dazu dienen, die verschiedensten Gegenstände vom Meeresboden aufzugreifen und festzuhalten. Einige der Haken hängen an Ketten herunter und sollen selbst­tätig als Angel wirken. Mit Bezug auf diesen Teil der Ausstattung können natürlich je nach dem verfolgten Zweck beliebige Änderungen und Ergänzungen vorge- nommen werden. Pino ist schon mehrmals mit seinem Boot auf den Meeresgrund hinabgestiegen und versichert nach seinen zahlreichen Versuchen, daß die Benutzung seines Apparats vollkommen gefahrlos und leicht sei. Es

soll auch bereits eine Verwertung der Erfindung durch Bildung einer Gesellschaft in Vorbereitung sein, die den Titel „Societä per i recuperi sottomarini" (Gesell­schaft für untermeerische Nachforschungen) führen wird. Der Zweck dieser Vereinigung soll darin bestehen, die Schauplätze der geschichtlich überlieferten Schiffbrüche abzusuchen, und namentlich derjenigen, bei denen wahr­scheinlich wertvolle Gegenstände verloren gegangen sind. Diesem Unternehmen möchte man die Devise: „Suchet, so rverdet ihr finden" empfehlen, nur glauben wir, daß das Suchen ein wenig langwierig und nicht sehr lohnend sein wird.

6. K. Wie das Leben auf der Vulkanasche beginnt.

Wieder meldet der Telegraph von einer neuen Tätigkeit des Mont Pel6e. Wie nach solchen Ausbrüchen, die auf das organische Leben der Umgebung verheerend wirken, neues Leben auf den Lavamassen erblüht, zeigt eine Be­obachtung der Verhältnisse ans der Insel Krakatoa. Der schreckliche vulkanische Ausbruch im Jahre 1888 zer­störte dort alles tierische und Pflanzenleben, und die Botaniker hatten Gelegenheit, zu beobachten, wie das Pflanzenleben allmählich von neuem beginnt. Die ersten Beobachtungen nmrden1886 gemacht. MikroskopischeAlgen, die die Oberfläche mit einer schlammigen Schicht bedeckt hatten, zersetzten den Bimsstein, die Lava und Asche zu einer unterliegenden Schicht, die für andere Pflanzen geeignet war; etwa ein Dutzend Arten Fairen waren schon reichlich vorhanden und daneben einige Einzel­exemplare von fünfzehn blühenden Pflanzen. 1897 wur­den nicht mehr Farrenarten bemerkt, aber im ganzen 62 Arten Zellenpflanzen, darunter 50 blühende Pflanzen, die 21 natürliche Ordnungen vertraten. Es waren acht Korbblütler, sechs Gräser und vier Orchideen vorhanden. Ein dem Wasser naher Gürtel war am reichsten an Arten; jenseits desselben gab es dichte Dickichte von Schilf und Zuckerrohr, und das dünner bedeckte Innere enthielt hauptsächlich Farren. Es schien sicher, daß 60 Prozent der blühenden Pflanzen durch das Meer cingcführt wur­den, 92 Prozent wahrscheinlich vom Winde und die an­deren möglichenfalls von Vögeln hergetragen wurden.

* Berufstätigkeit nnd Gchirngewicht. Pr. Mategka hat der Böhmischen Gesellschaft der Wissenschaften den ersten Teil seiner Untersuchungen über „das Gehirn­gewicht, die Schädelkapazität und die Kopfform, sowie deren Beziehungen zur psychischen Tätigkeit des Men­schen" vorgelegt und darin einige neue beachtenswerte