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Die nenche ZMühme der ClnKoMenflener
der ptzflslhm MoiM m Reg.-Krirk und AM Miesdudkn.
Die im Aufträge des Finanzministers vom Königlichen Statistischen Bureau in Berlin bearbeitete und den gesetzgebenden Körperschaften unseres Landes vor kurzem in einem starken Foliobande übergebene Staftsftk her Preußischen Einkomensteuer-Beranlagung für das Jahr 1902 ergibt die erfreuliche Tatsache, daß die Einkommen- steuer-Beranlagung der physischen Personen unseres Regierungsbezirks und unserer Stadt Wiesbaden auch im Steuerjahre 1902 wieder ganz beträchtlich gesüegen ist. Das Ergebnis der Einkommensteuer-Veranlagung für 1902 verglichen mft demjenigen für 1901 ist nämlich folgendes:
Städte: Land:
1902 „ „ 11 254 976 Mk. 910 741 Mk.
1901 . . 10 896 164 „ 882 442 ,.
mithin 1902 mehr 358 822 Mk. 28 299 Mk.
und überhaupt
1902 . . 12 165 717 Mk.
1901 , > 11 7 78 596 „
mithin 1902 mehr . . 387 121 Mk.
Durchschnfttlich nahm die Einkommensteuer auf den Kopf der der jedesmaligen Veranlagung vorangehenden Ermittelung des Personenstandes gegenüber dem Vorjahre zu:
in den Städten von 20,70 auf 20,93, also um 0,23 Mk. aus dem Lande von 1,83 auf 1,87, also um 0,04 Mk. überhaupt von . 11,69 auf 11,86, also um 6,17 Mk.
Besonders erfreulich mutet hierbei an, daß an der Zunahme auch das Land beteiligt ist, eine Tatsache, mit dk"- unter Reaierungsbezirk Wiesbaden von einer großen
Im weißen Kleide.
Roman von M. Böhme (£>. Sanöor).
(18. Fortsetzung.)
„Damit hätte es auch noch Zeit", meinte Edel. „Um Bälle, Gesellschaften, überhaupt um solche Vergnügungen, auf denen eine Masse Menschen zusammenkommt, reiße ich mich nicht. Ich möchte am liebsten immer bei dir sein, Väterchen. Ich habe schrecklich viel Heimweh nach dir gehabt. Ich bin nämlich so furchtbar stolz auf dich — o du —" und sie umschlang wieder seinen Kopf mit beiden Armen und drückte ihre weiche Wange an sein Gesicht, „nicht wahr, ein paar Wochen bleiben wir noch allein? Der telegraphierst also nicht, gelt, Vater?"
„Wenn du es durchaus nicht habe,: willst, die erste Bitte darf ich meinem heimgekehrten Schmeichelkätzchen doch nicht abschlagen —"
„Ich wußte es doch, du bist zu gut —"
„Leider", sagte Gottburgsen lachend. „Wo hast du übrigens die Dame, die mit dir gekommen ist?"
„Sie ist noch auf ihrem Zimmer. Ich will sie gleich holen."
Nach einer Weile kehrte sie mit der Lehrerin zurück und stellte sie ihrem Vater vor.
Fräulein Anna Reischig, eine feine stille Dame in mittleren Jahren, besuchte zum ersten Male die deutsche Reichshauptstadt, und da sie ihre Stellung in Norwegen erst am 12. Mai airzutreten hatte, ließ sie sich durch Edels und des Professors gemeinsame Bitten gern zu dem Versprechen bewegen, ihren nur auf wenige Tage berechneten Berliner Aufenthalt auf zwei Wochen auszudehnen. Gott- burgsen war dies Arrangement um so lieber, weil da- durch Fräulein Sontheims Kommen vor der Hand wirk- sich überflüssig wurde.
Am Spätnachmittage machte Gottburgsen mit beiden Damen eine Spazierfahrt nach Charlottenburg, und abends soupierten sie in heiterer Stimmung zusammen im Ausstellungspark. Der Abend war lau, beinahe schwül wie im Juli, daß man bis spät draußen bleiben konnte. Die Klänge der Militärkapelle, die abwechselnd fröhliche und schivermütige Weisen spielte, vermischten sich mit dein
Mittwoch» de« 3. Juni.
Redaktions-Fernsprecher No. 82.
1903.
Zahl der übrigen preußischen Bezirke sich vorteilhaft abhebt. In der Zahl der Städte ist auch unserWiesbaden mit enthalten. Es wird nicht uninteressant sein, _ hier vor Augen zu führen, wie sich die gedachten Verhältnisse in unserer Stadt seither gestaltet haben, und zwar vom ersten Jahre ab, in welches die staaüiche Einkommen- steuerstatisftk seit dem Inkrafttreten der neuen Ein- kommensteuergesetzgebung einen Einblick gestattet, das ist seit 1892. Das Einkommensteuersoll der physischen Personen, sowie der von demselben durchschnittlich auf den Kopf des Personenstandes entfallende Betrag gestalteten sich seitdem in unserer Stadt wie folgt:
1892
1 202 375
Mk. und
18,70 Mk.
1893
1 219 637
„
„
17,96
„
1894
V
1 234 830
„
„
17,83
„
1895
...
1 271 330
„
„
17,72
„
1896
1 340 282
,,
„
18,34
„
1897
w
1 440 341
„
„
19,19
„
1898
.
1 584 722
„
„
20,25
„
1899
>
1 697 775
„
„
21,28
„
1900
..
1 802 398
„
21,91
„
1901
..
1 945 668
„
23,15
„
1902
2 019 439
„
„
23,45
„
Das Einkommensteuersoll der physischen Personen unserer Stadt hat sich in diesem Dezennium mithin um nicht weniger als 817 064 Mk. erhöht, und hat damit mit der Zunahme der Einwohnerzahl in erfreulicher Weise Schritt gehalten. Ein höheres Einkommensteuersoll haben im preußischen Staate im Jahre 1902 nur 2 Städte auszuweisen, nämlich Berlin (25,8) und Essen (21,1 Millionen Mark), so daß die Stadt Wiesbaden mithin unter den 86 preußischen Stadtkreisen in dieser Beziehung an dritter Stelle steht. Auch hinsichtlich der Höhe des durchschnittlich auf einen Kopf des Einwohnerstandes entfallenden Betrags an Einkommensteuersoll steht unsere Stadt unter den 86 preußischen Stadtkreisen an dritter Stelle, denn es überholen uns in dieser Beziehung nur Charlottenburg (25,48) und Frankfurt am Main (27,19 Mk.). Die Stadt Berlin weist nur die Ziffer 13,92 auf, und der Durchschnitt der sämtlichen Stadtkreise stellt sich gar auf nur 11,10 Mk. auf den Kopf.
Auf den Kopf eines der im Jahre 1902 in unserer Stadt zur Einkommensteuer herangezogenen 18 608 Personen entfallen 108,53 Mk. Einkommensteuersoll. Auch in dieser Beziehung nimmt Wiesbaden eine außerordentlich bevorzugte Stellung ein, nämlich wiederum den dritten Platz unter den 86 Stadtkreisen. Voran gehen uns nämlich in dieser Hinsicht nur Frankfurt a. M. mit 111,95 und Bonn mit 128,48 Mk. Berlin hat in dieser Beziehung nur die Ziffer 59,76 aufzuweisen, und der Durchschnitt sämtlicher 86 Stadtkreise stellt sich auf nur 61,04 Mk.
Deutsches Deich.
* Rttndscha« im Reiche. Das „Münchener Tagbl." veröffentlicht einen Geheimerlaß der Lokalschulkommission, der es als grobe Ungehörigteit und disziplinwidrig bezeichnet, daß Lehrerinnen die Schulvorgesetzten nicht zuerst grüßen und Strafe androht.
Im Fürstentum Reuß ä. L. gab es bis jetzt noch zu Ostern, Pfingsten und Weihnachten drei offizielle Feiertage. Dieser alte Zopf ist nunmehr aufgehoben worden.
Das Medizinalkollegium in Hamburg legt den Empfängern der von Typhuskranken benutzten Decken aus dem südafrikanischen Kriege die Meldepflicht auf und warnt vor Vertrieb und Ankauf dieser Decken.
Ein schier unglaubliches Stückchen krassester „Gewissensfreiheit" wird aus Eberhardzell im württembergischen Oberland berichtet, ohne daß bisher irgend welcher Widerspruch erfolgte. Dort hatte sich vor einiger Zeit ein Arzt, Dr. Knöpfte, niedergelassen, der eines Tages amtlich vor das Schultheißenamt zitiert wurde, wo ihm der Pfarrer eröffnete, daß er, Dr. Knöpfte, seiner Stelle als Orts- und Armenarzt enthoben werden müsse, wenn er sich nicht entschließen könne, jeden Sonntag in die Kirche zu gehen und samt seiner Familie ein erbauliches Beispiel zu geben. Als Dr. Knöpfte sich dagegen wehrte, griff der Pfarrer im Gesamtgemeindekollegium auch noch die berufliche Tättgkeit des Arztes an, dem daraufhin am 29. Dezember 1802 ein Schriftstück übersandt wurde, worin ihm aufgegcben war, sich mit dem Königl. Pfarramt spätestens bis 1. Januar 1903 hinsichtlich befriedigender Regelung seiner und seiner Familie religiöser Angelegenheiten ins Benehmen zu setzen. Da Dr. Knöpfte sich darauf nicht einließ, wurde ihm zum 1. Mai 1903 gekündigt .und die Gemeinde sucht jetzt in Chiffre-Annoncen einen Doktor, der in die Kirche gehen muß, wenn er die Stelle erhalten will!
Ausland.
Eine traurige Statistik
veröffentlicht der „Lancet" über das Wüten der Pest in Indien während der letzten sechs Jahre. Es zeigt sich in der wiedergegebenen Zahl deutlich das stetige Anwachsen der Epidemie. Im Jahre 1897 wurden aus ganz Indien 56 000 Todesfälle an Pest verzeichnet. Im Jahre 1900 waren es schon 93 000, und dann erfolgte eine jähe Steigerung, die im Jahre 1901 die Ziffer von 274 000 und 1902 von 577 000 hervorbrachte. Für das laufende Jahr ist wieder noch eine sehr erhebliche Zu- nähme zu erwarten, denn in den ersten drei Monaten hat die Sterblichkeit an Pest bereits die ungeheure Summe von 334 000 erreicht, wovon 136 000 allein auf
halblauten Plaudern und Lachen der geputzten Menschenmenge, die vor der Restauration auf- und abwogte. Auf dem freien Platze vor dem Gebäude waren alle Tische besetzt, Gottburgsen hatte einen versteckten Tisch seitwärts ausfindig gemacht, von dem aus man das bunte Gewühl der speisenden, trinkenden, schwatzenden Menschen beobachten konnte, ohne selbst gesehen zu werden.
Edel war in ausgelassen fröhlicher Laune. Sie gab eine Anzahl Erlebnisse aus ihrer Pensionszeit zum Besten, zu denen Fräulein Reischig mit liebenswürdigem Humor schalkhafte Kommentare lieferte. Gottburgsen selber war aufgeräumt wie lange schon nicht mehr. Seit Jahr und Tag konnte er sich keines so angenehm verbrachten Tages mehr entsinnen; seiner Freude über Edels Heimkehr teilte sich plötzlich eine leise Regung von Dankbarkeit mit; die froh vorahnende Empfindung einer Wendung zum Guten für ihn, die durch seinen frohsinnigen Liebling herbeigeführt werden konnte, beherrschte seine Stimmung.
Es war schon zehn Uhr vorbei, als Fräulein Reischig, bei der sich doch die Ermüdung der Reise geltend machte, an den Aufbruch mahnte und die drei den Heimweg cm- tratcn. Noch lange nachdem sich die beiden Damen in ihr Zimmer zurückgezogen hatten, standGottburgsen, seine Cigarette rauchend, noch am offenen Fenster und blickte nachdenklich in den im festlichen Grün prangenden und von dm silbern schimmernden Schleiern der Baumblüte duftig umhülltm Garten hinunter. Durch sein Empfinden war heute ein frischer Luftstrom gegangen, unter dessen Einwirkung sich die schweren Nebel allmählich zu heben begannm. Die Lusekoff hatte wieder einmal recht behalten: der gute Hausgeist hatte ihm gefehlt, nun war er da und brachte Sonnenschein und Wärme, neuen Lebensmut und neue Lebensfreude mit. _ Gottburgsen blies ein paar feine blaue Rauchwolken in die fülle weiche Nachtlust hinaus. Wie schön ist die Welt, dachte er, Herrgott, wie schön — und dabei machen sich die Menschen das bischen Leben auf dieser schönen grünen, blühenden, jubilierendm Erde so furchtbar schwer!
Und warum quäle ich mich nur, dachte er weiter, gegm was kämpfe ich eigentlich? Gegen ein Phantom, gegen ein Nichts, ein Truggespinst meiner erhitzten Phantasie, eine Faselei meiner überreizten Nerven. Was habe ich
eigentlich getan? Worin besteht mein Verbrechen? Habe ich meine Hände mit Blut besudelt? Habe ich jemand um sein Eigentum betrogm oder sonst irgmd eine Schurkerei begangen? Nichts, nichts von allem. Meine Schuld ist menschlich entschuldbar. Ich war zu feige, zu lässig, zu bequem, mit einem scharfen Schnitte meine Vergangenheit von meiner Zukunft abzutrennen, mein Widerwillen gegen jene Menschen und Verhältnisse, unter denen ich einst gelitten, war so groß, daß ich mich vor jeder Berührung, jedem Aufwirbeln des alten Staubes krankhaft fürchtete. Vielleicht hatte sich jene verhaßte Kette schon längst von selber gelöst, als ich Thyra heiratete, vielleicht.
--Doch was peinige ich nüch überhaupt mit diesen
Reminiszenzen. Meine Schuld bestand nur, so lange Thyra lebte. Wer bin ich? Wer will mir etwas? Bin ich nicht Meister Gottburgsen, Sohn von Pieter Gottburg, sen in Cincinnati im Staate Ohio? — Sind meine Papiere nicht vollgültig und in Ordnung? — Tor, der ich bin, nüch uin ein Nichts zu Grunde zu richten. Ich will nicht zu Grunde gehen, ich will leben, ich will arbeiten, ich will für meine Kunst leben, für Edel, für mich selber.-
Draußen ging ein leichter Wind durch die Baumkronen und warf dem Professor eine Hand voll Blütenschnee ins Gesicht. Einige der zarten weißen Blättchen blieben ihm im Bart und Haar hängen, ohne daß er sie entfernte. Mit lächelnden: Behagen atmete er den duftenden Odem der verjüngten Schöpfung, und zum ersten Male seit langer Zeit freute er sich wieder über dm Früh, ling.
6. Kapitel.
Gottburgsens Annahme, daß er Maud Dirkm und sein ihr gegebenes Versprechen schon ' nach einigm Stundm vergessen haben würde, bestätigte sich nicht. Mehrere Vormittage hintereinander blieb er ihretwegen zu Haus und erwartete sie, und als sie nach einigen Tagm dann wirklich kam, spürte er zu seiner eigenen Ver- wunderung darüber eine innere Befriedigung, die beinah jmer Freude, die mau bei der Erfüllung eines geheimen Wunsches empfindet, ans ein Haar ähnelte. Edel war an diesem Morgen mit Fräulein Reischig ausgegangen, Be- suche sollten nicht vorgelassen werden.
