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**• Jahrgang.

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|ll>' 248. verlag«4hernsprecher R». AU.

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Freitag» den 29. Mai.

Seekrankheit unk Schlagfertigkeit der französischen Marine.

Die französische Monatsschrift „Le Journal du Mal de Mer" schreibt in ihrer letzten Nummer: „Wir er- fahren aus durchaus zuverlässiger Quelle, daß bei den vierundzwanzigstündigen Probefahrten, welche die „Jeanne ü'Arc" ausführte, eine große Anzahl Heizer sich seekrank und unpäßlich gefühlt hat, als das Meer hoch ging. Nach Verlauf einiger Stunden mußte aus diesem Grunde das Fahrzeug nach Toulon zurückkehren, weil die Feuer nicht mehr sicher genug brannten. Wir wissen wohl, daß die meisten dieser Leute Arsenalarbeiter waren, wenig an die See gewöhnt, das ist richtig,- aber wir bemerken dazu, daß es bei einer Mobilmachung ebenso mit dem in aller Eile zusammengezogenen Maschinenpersonal gehen würde,- da es sich nur zu ge­ringem Teil aus der Küstenbevölkerung rekrutiert, würde es durch langen Aufenthalt an Land jede See- festlgkeit verloren haben. Die Marinebeamten haben also alle Veranlasiung, sich mit der Frage der Seekrank- hert zu beschäftigen. Wir erinnern bei dieser Gelegen­heit daran, daß die „Jeanne d'Arc" der Kreuzer ist, der seiner Zeit dazu ansersehen wurde, den Präsidenten Loubet nach Algier und Tunis zu führen."

Schon früher einmal hatte das gleiche Journal die Befürchtung einer französischen Niederlage zur See da­mit begründet, die deutsche Kriegsflotte würde schneller marschbereit sein, ihre Mannschaften würden schon in der Nordsee die Seekrankheit überwinden und wieder frisch sein, wenn dicht vor den französischen Kricgshäfen die feindlichen Panzer sich ihnen gegenüberstellten. Die französischen Mannschaften würden dagegen, sobald sie aus den Häfen liefen, von dem „grünen Gespenst" ge­packt werden und könnten sich dann gegen die Angreifer nicht wehren.

Man kann sehr wohl die Bestrebungen der in Frank­reich begründeten „Liga gegen die Seekrankheit" zur Erforschung und Bekämpfung der Seekrankheit billigen und unterstützen, und doch dabei die Gebarung der Franzosen, als ob dies fatale Unwohlsein „der schreck­lichste der Schrecken" sei, komisch und verblüffend finden. In Frankreich aber wird die Sache offenbar bitter ernst genommen. Der Chef der „Ligue contre le Mal du Mer^ ist zum Offizier der Akademie ernannt worden. Daß dre Kriegsschiffe, die den Präsidenten Loubet über das Mittelmeer gefahren und begleitet haben, alle die neuesten Schriften über die Seekrankheit an Bord führten, wird uns als wichtiger Fortschritt gerühmt. Schon früher wurde die Gründung der Liga damit be- gründet, die böse Seekrankheit verhindere die befrie­digende Kolonisierung und Gallisierung Algiers, denn

Im weißen Kleide.

Roman von M. Böhme (O. Sandor).

(16. Fortsetzung.)

Trotz seiner Untätigkeit entbehrte er kaum die zer­streuende Gesellschaft seiner Freunde und Bekannten. Das Ausruhen tat ihm doch gut. Er schlief besser; seine Ge- danken konzentrierten sich nicht mehr ausschließlich wie vordem auf den wunden Punkt seiner Seele. Tagsüber las er viel. _ Aus seiner reichhaltigen, bis jetzt wenig be­nutzten Bibliothek holte er sich Bücher ernsten, religiösen oder philosophischen Inhaltes, die er langsam und auf- merksam durchnahm. Besonders Nietzsche, den er vordem nur dem Namen nach kannte, fesselte ihn mächtig. Eines der größten und schönsten Werke des unglücklichen Denkers: „Jenseits von Gut und Böse", war ihm gerade m die Hand gekommen; nun ließ er es nicht mehr los. Stundenlang vertiefte er sich in eine Seite, indem er sie Mieder und wieder durchlas und an einzelne Stellen, die chm wie ein Widerhall seiner eigenen Empfindungen schienen, lange Betrachtungen knüpfte.

Beim Aufräumen seiner Papiere fand er eines Tages me Skizzenmappe des jungen Malers, die dieser an lenem Abend, als er. Gottburgsen, bei Exzellenz Gröden tvar, zurückgelassen hatte. Gottburgsen hatte nicht wieder daran gedacht, obgleich die Zeichnungen ihn schon beim fluchtigen Durchblättern interessierten. Es war nicht nur der echt künstlerische Geist, der aus den Blättern wehte, als vielmehr etwas Vertrautes, Bekanntes, das ihn in den markigen, genial hingeworfenen Scenerieen an- Mutete. Die uralte, knorrige Eiche mit ihrer wild und kraus verwachsenen Krone, Gottburgsen hätte schwören Mögen, daß er den Baum schon irgendwo in Wirklichkeit stesehen hätte. Ein anderes Blatt zeigte eine halbver- fallene Kate, das windschiefe Dach überschirmt von der Krone eines blühenden Baumes, die niedrige Mauer mit Efeu tapeziert, auf dem Schornsteine ein Storchnest — auch die glaubte er zu kennen, wenigstens erinnerte sie >hn an eine ähnliche Hiitte, die er in ferner Zeit einmal oeschen, und eine dritte, leicht mit Aquarellfarben über-

dre dafür in Betracht kommenden französischen Kultur- pronrere hätten eine unüberwindliche Furcht, auf schau­kelndem Schiff das Mittelmeer zu kreuzen. Im „Jour- nai du Mal de Mer" werden erfahrene Spezialisten für Seekrankheit als Reisebegleiter von Seereisenöen empfohlen. Ob die Vorliebe der Franzosen für die Unterseeboote damit zusammenhängt, daß diese als frei von Seekrankheit befunden wurden, war nicht zu er­sehen- Es drängt sich aber unwillkürlich die Frage auf, ob diese nervöse Scheu vor den auf modernen Dampfern ohnehin größtenteils beseitigten, kleinen Unbequemlich- kelten der Seefahrt nicht unter den Momenten zu nennen w'wenig günstige Entwickelung der-französischen Schiffahrt verschulden.

Deutsches Deich.

Zum Falle Arenberg.

.... Jß^nnutung, daß bei den bisherigen Meldungen über dav Schicksal des Prinzen Prosper Arenberg Falsches und Schiefes mit unterlaufen sein müsse, wird durch die inzwischen erfolgte offiziöse Aufklärung über die Sach- bestätigt. Mit Genugtuung erfährt man, daß die Überführung des Prinzen in die Maison de Sant6 zu Schoneberg niemals beabsichtigt gewesen ist, daß vielmehr uur seme Internierung m einer geschlossenen staatlichen •yjJr“* r tn . Frage kommen kann. Ferner wird über das Schicksal des Antrags auf Wiederaufnahme des Pro­zesses eme formal befriedigende Auskunft gegeben, näm- lich durch die Mitteilung, daß dies Verfahren noch Ab^be. Leider muß mau aber auch die halbamtliche Darstellung zugeben, daß ohne Wissen der Gefängnis­verwaltung Verfehlungen mehrerer llnterbeamten gegen die Gefängnisordnung vorgekommen sind, die durch Ein- witung der Tisziplinarunterfuchung gegen die schuldigen Beamten ihre selbstverständliche Ahndung finden werden Daß die Gefangnisverwaltung von diesen Dingen nichts gewußt hat, kann Wohl nicht bezweifelt werden, aber darum blerbt es doch bedauerlich, daß sie nicht in der 7 -vge gewesen ist, rechtzeitig von den vorgekommenen Unregelmäßigkeiten Kenntnis zu erhalten.

*

dck. Berlin, 28. Mat. Die „Nordd. Allg. Ztg." be­stätigt, daß der in Hannover seine Gefängnisstrafe ver­büßende Prinz Prosper Arenberg durch Beschluß des dortigen Amtsgerichtes vom 20. März d. I. wegen Geistesschwäche entmündigt wurde, und daß schon lange Zeit vorher für den Prinzen beim Reichs-Militärgericht ein Antrag auf Wiederaufnahme des Verfahrens einae- bracht worden ist. Derselbe ist auf die Behauptung ge­stützt, daß der Prinz bereits bei Begehung der Tat. wegen der er verurteilt worden ist, geisteskrank gewesen sei Das Verfahren ist noch nicht abgesch lossen. Auch sei von der

malte Skizze, die ein Stück Moorland mit vereinzelten Buden, wie sie die Torfgräber zum Übernachten und zum Aufbewahren chrer Gerätschaften benutzen, darstellte, er- grrsf ihn ordentlich, so daß er plötzlich den lebhaften Wunsch empfand, den jungen Künstler kennen zu lernen. Der Treuer wurde gerufen.

„Ist der junge Mann, der diese Mappe neulich brachte, nrcht wieder hier gewesen?"

„Nein, Herr Professor."

„Hat auch seinen Namen nicht genannt?"

„Nein. Er wollte am anderer! Morgen wieder­kommen."

„Und ist nicht gekommen. Merkwürdig."

„Er sah sehr erbärmlich aus", sagte Behrend nach, denkllch, „ganz verhungert und verkommen, er konnte sich kaum auf den Beinen halten. Ich dachte erst, er wäre betrunken. Vielleicht ist er krank geworden."

„Können Sie sich nicht besinnen, wie er aussah, was er an hatte?" fragte Gottburgsen hastig.

iJ u . n ' anständig' war er ja. Blasses, mageres Gesicht, kleiner Schnurrbart. Genau erinnere ich mich nicht mehr."

„Gut, gut!" Die Bemerkung des Dieners rief Gott­burgsen die nächtlicheBegegnung mit dem armenSchlucker, den auch er für betrunken gehalten hatte, ins Gedächtnis. Vielleicht war jener sogar mit dem jungen Künstler identisch. Wer konnte es wissen; sobald er Doktor Grüner einmal sah, wollte er sich doch erkundigen, ob dieser viel­leicht noch unterwegs über Namen und Wohnung des Menschen erfahren hatte. Mit dem festen Vorsatze, dem jungen Maler nachzuforschen, und sein Talent nach Kräften zu fördern, schloß er die Mappe einstweilen wieder fort, aber schon nach wenigen Stunden hatte er Skizzen, Zeichner und den hungrigen Unbekannten von der Straße wieder völlig vergessen.

Seine Interessen gipfelten vorläufig nur in dem brennenden Wunsch, einen passenden Modeüropf für sein Bild zu finden. Als er nach vierzehn Tagen der Ein­samkeit müde war, begab er sich sofort wieder auf die Suche.

Gefängnisdirektion am 8. April der Antrag gestellt worden, die Strafvollstreckung wegen Geisteskrankheit zu unterbrechen, nachdem der Vormund des Prinzen sich be­reit erklärt hatte, dessen Überführung in die öffentliche Irrenanstalt Uchtspringe zu bewerkstelligen. Die Über­führung in die Maison de Sant6 sei überhaupt nicht in Frage gekommen. Uber den Antrag auf Strafunter­brechung ist eine Entscheidung der Justizverwaltung noch nrcht getroffen. Infolge der Gerüchte über die vorschrifts­widrige Bevorzugung des Prinzen im Gefängnis sei eine amtliche Untersuchung eingeleitet worden, die bisher er­geben habe, daß ohne Wissen der Gefängnisverwaltung mehrere Unterbeamte gegen die Gefäng­nis orbnung sich Verfehlungen haben zu Schulden kommen lassen. Diese Verfehlungen werden durch Einleitung der Disziplinar-Untersuchung gegen die schuldigen Beamten ihre völlige Aufklärung und Ahndung finden. Der größere und erheblichere Teil der erhobenen Vorwürfe sei bisher nicht bestätigt worden.

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Die Geschichte von der „Interne" der Sozialdemokratie

wird nun doch wohl irgend wie aufgeklärt werden. Max Lorenz, der frühere sozialdemokratische Redakteur, jetzt Redakteur an den „Preußischen Jahrbüchern", ein Mann, der dre verlassene Partei noch wütender zu hassen scheint als sie ihn, erklärt in der von ihm jetzt herausgegebenm „Antisozialdemokratischen Korrespondenz", daß die Sache stimme. Zugleich fordert Herr Lorenz vier mit Namen genannte Mitglieder der Sozialdemokratie auf, sich ehren­wörtlich darüber zu äußern, ob die Interne bestehe oder nicht. Da darf man wirklich ein bischen neugierig sein. Einstweilen halten wir an der Meinung fest, daß es sich ber dieser grell illustrierten Verschwörergeschichte um eine Organisation handelt, wie sie in der Tat jede Partei ge- schaffen hat. Aber darüber werden ja die weiteren Er- klärungen Auskunft geben.

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* Hof« Personal-Nachrichten. Oberrcgicrungsrrt Bake aus Wiesbaden ist zum Regierungspräsidenten von Trier ernannt worden.

Die Leiche des Milttärbischofs Dr. Aßmann wird, der „Germania zufolge, im Laufe des heutigen Tages in Berlin enttreffen und in der Garnisonskirche in der Hasenheibe aufge- bahrt werden. Am Samstag findet ein feierlicher Trauergottcs- dienst statt. Die Beisetzung erfolgt in der Heimat des Ver­storbenen, zu Branitz in Schlesien.

* Deutsche Kolonieen. — Deutsch-Ostafrika. Haupt- mann v. Beringe berichtet im Kolonialblatt über eine Expedition, die er im Herbst v. I. von Usambara nach Ruanda (Deutsch-Ostafrika) ausführte. Der Zweck der Reste war, die deutschen Posten in Tschiwitoke und Jschangi zu besuchen, die Häuptlinge in Fühlung mit der deutschen Regierung zu erhalten und die guten Be­ziehungen mit dem Sultan von Ruanda weiter zu festigen. Dem Bericht ist in aller Kürze zu ent-

Zuerst machte Gottburgsen der Fürssin Lusekoff den versprochenen Besuch. Sie empfing ihn mit einigen scherzhaften Vorwürfen wegen seines langen Fortbleibens „Sind Sie wirklich krank gewesen?" fragte sie, chm be- sorgt m das blasse Gesicht blickend, „ich glaubte, offen gestanden, Ihr Unwohlsein sei nur ein Vorwand, unlieb- same Besuche und Störungen abzuhalten."

. .Gottburgsen schüttelte ernst den Kopf. „Sie sagten doch, daß ich krank sei, müde. Eigentlich glaubte ich es Nicht, aber wie ich mich innerlich hinterher selber ein wenig besah, fand ich, daß Sie recht hatten — haben Und da habe ich halt angefangen, ein bischen an mir herum zukurreren. Ganz in der Stille. Ganz nach Ihrem Rat."

Die braunen Augen der Fürstin leiichteten auf. Nach einer Weile sagte sie: „Das macht mich glücklich Sie haben demnach doch gefunden, daß ich es gut mit Ihnen meine; Sie wissen jetzt, daß ich Ihre Freundin bin."

„Als ob ich das nicht lange gewußt hätte. Aber Sie sehen setzt auch, wie hoch ich Ihre Freundschaft schätze. Bon keinemd anderen hätte ich es angenommen, daß ich krank und müde wäre, obwohl es wahr ist."

Eine kurze Pause entstand. Draußen feierte der Früh- Iing sein Auferstehen. Die Fenster des kleinen Salons in dem Helene Lusekoff ihre Intimsten empfing, standen wert offen. Heller Sonnenglanz, warmer Lenzodem flutetc-ii auf weichen Lustwellen herein, und ein sanfter Goldschimmcr lag stellenweise wie hingehaucht auf Teppichen und Möbeln. Aus einer wundervollen Jardrnldre verbreiteten Veilchen, Maiglöckchen und Hyazinthen die rechte Frühlingsatmosphäre in dem trau- lich eleganten Raum.

Gottburgsen fühlte sich immer wohl bei der Fürstin Sie hatte sich in der verhältnismäßig kurzen Zeit, die sie einander kannten, in einem Maße sein Vertrauen er- worben, wie er es keinein seiner anderen Bekannten schenkte. Zil ihr sprach er rückhaltlos von den Zweifeln und Bedenken, die ihn vor Wochen plötzlich befallen hatten, ihr teilte er auch seinen Vorsatz, die Welt dem nächst wieder mit einer großen Arbeit zu überraschen, niit