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Nr. 200 .

Samstag. 28. Nuguft.

1915.

morgen.Beilage des Wiesbadener Tagblatts. i est-'" « i

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(1. Fortsetzung' StlCÖClS CtCbß. tNachdruck verboten.,

Roman von Anny von PanhuyS.

Der Oberst, der auch an diesem Ausritt teilnahm, mußte all seine Aufmerksamkeit einer neuen Stute, die er einritt, zuwendcn, da konnte er sich nicht viel um Tochter und Neffen kümmern. Die brannten mit ihren Pferden los, voran Friede!, dem Artilleristen ein neckendes: „Fang' mich!" zurnsend. A-ls er die Fliehende endlich einholte und die beiden Pferde Seite an Seite hielten, da hatte Hans übermütig.seinen Arm um Friedels Hals geschlungen und ihren Kopf m sich her­überziehend, küßte er sie schnell und lachte: „Diesen

Kuß zur Strafe für deine Wildheit." Ein süßer Schauer war über ihren Körper geglitten und sie machte keine Miene, sich dem umwindenden Arm zu entziehen, bis plötzlich ein lautes „Donnerwetter!" an ihr Ohr schlug. Da riß sie sich los. Oberst Sorhagen parierte sein Pferd und meinte vergnügt: „Na, Kinder, seid Ihr end­lich einig, denn das; aus euch beiden ein Paar werden mußte, das wußte ich schon damals, als ihr noch kleine Krabben wart. Bist mir als Schwiegersohn will­kommen, Hans." Er reichte dem jungen Offizier die Hand, die dieser wie unter einem Banne nahm. „Mach' das Dtädchen glücklich, Hans, — sonst kriegst du's mit mir zu tun, verstanden'?"

„Zu Befehl, Herr Oberst!" Hans saß kerzengerade.

„Quatsch! Wir sind doch hier nicht im Dienst, Junge. Na, da ihr beide nun glücklich verlobt seid, kann ich mich wieder mit dem bockbeinigen Schinder beschäftigen. Dir, Friede!, gratuliere ich zu Hause, mußt noch en bißchen warten, momentan habe ich die väterlichen Arme nicht frei."

Hans und Friede! sahen sich beide an. Das Gesicht des Mädchens strahlte, doch Hans Buckenbach sah ein bißchen erstaunt drein. Merkwürdig! seine Verlobung, die hatte er sich doch eigentlich bedeutend anders vor­gestellt'. An der Verlobung trug der kleine Kuß die Schuld, bei dein er sich wahrhaftig nichts Besonderes gedacht. Friede!, sein Freund, sein Kamerad, Nun seine Braut.

Warum nicht? Das Erstaunen in seinem Gesicht verlor sich. Schließlich paßten sie doch sehr gut für einander und hübsch war Friede! auch — also was wollte er denn weiter!

Langsam ritten sie heim, ab und zu lächelte er Friede! an und dabei redeten sie von Pfevden und Reiten und von dem Dalnratinerhund, den er sich neu­lich gekauft.

, Das war Komtesse Friedel Sorhagens Verlobung mit dem Grafen Hans Buckenbach.

War das ein herrliches Wetter heute, der Rennklub konnte wahrhaftig zufrieden sein, denn eine unzählige Menschenmenge hatte dem Rennen beigewohnt. Iln- aülässig rollten die Wagen die schöne Forsthausstraße entlang, eine schier endlos lange Kette aller möglichen Gefährte. Privatautos schossen dahin, ab und zu ein Warnungssignal hören lassend, das klang gleich dem

Todesschrei eines häßlichen unheimlichen exotischen Tieres, schöne Landauer und Equipagen der ver­schiedensten Bauarten folgten. Keck und übermütig wanden sich ein paar Dogcarts hindurch. Nun ein Viererzug mit prächtigen ungarischen Schimmeln be­spannt, Kutscher und Diener in einfacher, schicker, grauer Livree. Weiter hinten reihte sich breit und massig die Mailcoach eines bekannten Fahr- und Reit­instituts ein, und dazwischen viele, viele gemietete Automobile und Droschken. Kaleidoskopartig glitt das Getriebe auf der. breiten Fahrstraße an den Menschen vorüber, die die Wege besetzten und mit neugierigen Augen die Vorüberfahrenden kritisierten. Uniformen leuchteten auf und lange teure Straußenfedern wehten wre bunte Siegesfahnen von den Hüten schöner ver­wöhnter Frauen.

Oberst Sorhagens Equipage war eine der ersten gewesen, die den HeinUveg angetreten hatte. Haps Buckenbach saß neben seiner Braut und er konnte sich des Lobes über „Laufbengel" noch nnmer nicht ge­nug tun.

„Morgen früh will ich nach Niederrad und „Lauf­bengel" einmal besuchen", meinte er, und zuversichtlich fügte er hinzu, „ich bin überzeugt, mein Schimmel wird noch eine Berühmtheit. Der kleine Ulan, der Finken- fcom, der ja bekanntlich einen feinen Riecher für so was hat, bot mir, als ich nach meinem Rennen kaum von der Wage runter gehüpft war. fünftausend Mark. Und dreie kostet mich „Laufbengel" bloß. Aber natürlich gebe ich den Wallach nicht her."

Gräfin Sorhagen machte ein mokantes Gesicht. „Ihr seid ja die reinsten Pferdehändler."

Haus lachte: „Weißt du, liebe Tante, Pferdehandel ist nach meiner Ansicht ein höchst ehrenwerter Beruf und so'n bißchen Pserdeschacher unter Kameraden ist überhaupt icas Feinste, was man hat", er schnitt eine spitzbübische. Grimasse, Friedel wäre ihm am liebsten um den Hals gefallen, so drollig und hübsch sah er aus.

„Ach. Kinder, laßt mal die Pferde einen Augenblick beiseite, mich speziell interessiert augenblicklich die Magenfrage bedeutend mehr", schnitt der Oberst seiner Frau das Wort ab, die ilirom Neffen etwas erwidern wollte. „Wo nehmen wir unsere Wendatzung ein? Wir essen doch znsinnmen, was Hans?"

„Natürlich, Onkel, eigentlich hätte ich ja im Renn­klub „Laufbengel" ein bißchen feiern müssen, ich habe aber meinen Kameraden, die mir anvertrauten, daß sie heute abend Durst auf Sekt haben, schon gesagt, sie sollten sich den man verkneifen, ich müßte es auch, da ich in Gesellschaft meiner Braut und meiner Schwieger­eltern soupieren würde, und die brauchten vor der Hoch­zeit nicht zu erfahren, daß ich ein Schlemmer bin." Er blickte bei diesen Worten richtig jungenhaft vergnügt drein.

„Ich trinke auch gerne Sekt, namentlich wenn er mich nichts kostet", sagte der Oberst lakonisch und schmunzelte