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Wiesbadener Tagblatt (Morgen-Ausgabe). Verlag: Langgasse 27.

9to. 229. 51. Jahrgang.

alte» Baterlande wieder angestedclt haben, sind mit dem

Tausche sehr zufrieden, und sie sehnen sich nicht nach Ruß­land zurück. Die Ursache der russischen Falschmeldungen dürfte, wie das „Pos. Tgbl." meint, darauf zurückzu, führen sein, daß verschiedene südrussische Kolonisten in die Hände von Schwindlern oder Gütcrschlächtern gefallen sind. _

Ausland.

* Frankreich. Derllbertritteinesganzen französischen Dorfes zum Protestantismus hat sich dem „Matin" zufolge in Frankreich im Departement Haute-Loire vollzogen. Ein von der Hauptstadt des Kantons Le Puy drei Kilometer entfernt gelegenes Dorf Malataverne wünschte seit Jahren, um sich den Weg nach der bischöflichen Kathedrale in Puy zu ersparen, im Besitz eines eigenen Gotteshauses zu sein. Man baute munter darauf los, und als die Kirche unter Dach und Fach ge­kommen war, bat eine Deputation des Fleckens den Bischof um die Anstellung eines Priesters. Der geist­liche Oberhirte wies das Gesuch ab,' erneute Versuche Mrten ebensowenig zum Ziele. So vergingen zehn Jahre. Endlich wurden es die Leute von Malataverne müde, noch länger auf einen katholischen Priester zu warten und wandten sich an das protestantische Kon­sistorium von Saint Etienne mit dem Gesuche um einen Geistlichen. Ihr einmütiger Wunsch ist nun erfüllt worden. Unlängst weihten drei protestantische Pfarrer die Kirche ein, und das ganze Dorf nahm an der Feier teil. Nur vier Personen sind katholisch geblieben,' die ganze übrige Bevölkerung von Malataverne ist unter ihrem neuen evangelischen Pfarrer zum Protestantismus übergetreten. — Aus Cherbourg wird berichtet: Eine große Erregung herrscht auf der Station der Untersee­boote in Cherbourg. Mehrere Matrosen, und besonders ein Bootsmann, haben einen Erstickungsanfall erlitten, als sie an Bord des Unterseebootes „Algerien" eine Übung mitmachten. Das Boot manüvericrte auf der Reede und war eben untergetaucht, als plötzlich die Mannschaft von einem allgemeinen Unwohlsein be­fallen wurde. Ein Bootsmann fiel erstickt um. Das Unterseeboot stieg schnell wieder zur Oberfläche empor, und der Kommandant machte der Schaluppe, die mit der Überwachung der Unterseeboote beauftragt ist, Zeichen. Das Fahrzeug legte an und der Bootsmann, der noch immer leblos war, wurde an Land gebracht und zum Arsenal geschafft. Fünf Arzte, die man herbeigerufen hatte, gaben sich die größte Mühe um den Verunglückten, aber erst nach zwei Stunden angestrengter Wieder­belebungsversuche kam er wieder zum Bewußtsein und wurde in das Marinehospital überführt. Die Umstände, unter denen dieser Unfall etngctreten ist, sind noch unbe­kannt,' die Unterseeboot-Station gibt sich große Mühe, die ganze Angelegenheit möglichst geheim zu halten.

* Bereinigte Staate». Aus Philadelphia wird be­richtet: Eine „Anti-Karikatur-Bill" des Senators Quay wurde am Dienstag vom Gouverneur Pennypacker unterzeichnet und ist nunmehr Gesetz geworden. Darnach ist es ein Vergehen, von jemand eine Karikatur zu machen, wenn dadurch „sein Geschäft oder seine Aus­sichten gestört werden." Die Zeitungen von Phila­delphia spotten über die Bill, und ihr erster Erfolg war, daß alle — sofort lächerliche Karikaturen und Leit­artikel zu diesem Thema brachten.

Aus Stadt und Land.

Wiesbaden, 17. Mai.

— Blumenkorso. Das allgemeine Interesse, welches neuer- dingS in so erfreulicher Weise namentlich seitens der hiesigen Einwohnerschaft den sportlichen Bestrebungen entgegengebracht wird, hat die Kurverwaltung veranlaßt, auch in diesem Jahre die Veranstaltung eines größeren Blumen-Korsos inS Auge zu fassen. Dieselbe rechnet dabei umso mehr aus eine recht zahlreiche Bc-

der Isar",- Hellmuth Raetzer: „Der Engstlensee": I. Saccaggi: „Verlassen": Jul. v. Klever: „Sonnenunter­gang".

6. K. Die Wunder vo» Abydos. Aus London wird berichtet: über seine letzten Ausgrabungen in Abydos berichtete Professor Flinders P e t r i e am Mitt­woch in der Gesellschaft für biblische Archäologie. Im vorigen Jahre war der Nil überraschend niedrig, so daß Petrie die Fundamente von zehn aufeinander folgenden Bauten feststellen konnte. Alle 800 Jahre etwa pflegte der jeweilige Herrscher alles fortnehmen und neue Bauten aufsühren zu lassen. Die verschiedenen Gebäude, deren Fundamente Schicht unter Schicht gefunden wurden, reichen bis zur ersten Dynastie oder bis zur neolithischen Zeit zurück. Petrie fand />abei viele Dinge, durch die bestehende Anschauungen korrigiert werden. Bis zur elften Dynastie zurück waren die Tempel aus Stein, die früheren aus Schlammziegeln mit steinernen Torwegen. Die Achsenlinien der Tempel aufeinanderfolgender Perio­den lagen nach allen Richtungen und zeigen, daß bei ihrem Entwurf in Abydos keine bestimmte „Orientierung" ein­gehalten wurde. Die hübschen Geschichten von dem Son­nenstrahl, der einmal jährlich beim Tagesgrauen in den heiligen Ort hineinschien, waren augenscheinlich damals noch nicht erfunden worden. Noch überraschender ist es, daß Osiris nicht die echte ursprüngliche Gottheit von Abydos gewesen ist, sondern nur eine verhältnismäßige neue Einführung, etwa zur Zeit der 18. Dynastie. Selbst dann aber wurde er als „Herr von Ankhtaui" bezeichnet — das war der Name für Memphis. In Abydos war er eine ganz exotische Erscheinung. Der „Herr von Abydos" war von der ersten Dynastie Upuat, der „Schakal-Gott", der „Offner der Wege". Man nahm in Egypten an, daß die Seelen der Verschiedenen nach Westen über die end­losen Sandwüsten gingen. Nun ist die Wüste aber trüge­risch. Obgleich sie eben aussieht, kann man nicht sehr weit wandern, ohne auf eine tiefe und fast unwegsame Schlucht zu stoßen. Man findet den Weg nur, wenn man den Spuren der Schakale folgt. Und das meinten vor Tau­senden von Jahren die Egypter bei der Verkörperung des Gottes, der in Gestalt eines Schakals der Seele den Weg zeigen sollte. In einer Art Tempelsenkgrube der früheren Dynastieen fand man tief unten inmitten des Schlammes eine dicke Masse aus. organischer Substanz.

tetligung, al» es voraussichtlich die letzte Veranstaltung dieser Art sein wird, welche sich wegen des bald beginnenden Kurhaus- Neubaues in dem hergebrachten klassischen Nahmen abspielcn kann. Wir hassen daher, daß diesen Bestrebungen der Kurverwaltung von allen Leiten die regste Unterstützung zu teil werden möge, damit der geplante Korso mit der Eleganz und Pracht in Scene gesetzt werben kann, wie er unserer Kurstadt würdig ist. Wie wir erfahren, werden schon in der nächsten Zeit in den hiesigen und arSmärtige» Blättern die Aufforderungen zur Beteiligung seitens der Kurverwaltung erlassen werden. Mögen alle Equtpagenbesstzer und alle, die dem Fahr- und Reitsport huldigen, sich de« Unter, nehmen anschlteßen und für dasselbe wirken. Den» nur mit ver­einten Kräften wird es möglich sein, ein sportliches Bild zu en«. falten, welches Anregung und Interesse bietet und den wohlge- lungcnen Korsos aus dem letzten Dezennium des vorigen Jahr­hunderts, besonders des Jahres 1900, wo die Sportwelt von ganz Deutschland durch ihre Hauptrepräseutantcu hier vertreten war, wenigstens annähernd gleichkommt.

— Lawn-TenuiS-Turnier. Wir wachen nochmals darauf auf­merksam, daß morgen Montag, den 18. Mai, das Lawn- Tcnniö-Turnier aus den Sportplätzen der Kurverwaltung, „Blumenwicsc" in den Kuranlagen, beginnt und sich an den folgenden Tage» sortsctzt. ZuschauertageSkarten zu 89 Pf., welche zum Betreten des reservierten inneren Spielplatzes und zur Be­nutzung der daselbst aufgestellten Bänke berechtigen, sind am Ein­gänge zum Spielplätze zu haben.

— Frankfurter Gesang-Wettstreit. Die Festordnung für den Gesangwettstreit deutscher Männergesangvereine ist nunmehr definitiv bestimmt. Am Mittwoch, den 3. Juni, ist Begrüßungskonzert in der Festhalle, Don­nerstagvormittag 10 Uhr beginnen die Wettsingen, sie werden nachmittags 2y 2 Uhr fortgesetzt (nachmittags singt der Sängerchor des „Wiesbadener Turnvereins" mit), Freitags sind vormittags und nachmittags ebenfalls Wett­singen (nachmittags singt der „Wiesbadener Männer- gesang-Vcrein" mit). Samstagvormittag schließen die Wettsingen, dabei ist die „Concordia"-Wiesbaöen beteiligt. Nachmittags ist die engere Konkurrenz und die Preis- verteilung. Abends ist Kommers. Die Festhalle selbst ist 110 Meter lang und 78 Meter breit und hat einen GrundflÜchengehalt von 8456 Quadratmeter. In dem von einem 35 Meter hohen Turm gekrönten Mittelbau liegen die Räume für das Kaiserpaar, Empsangssalon, Loge und Privatgemächer. Die Haupteingänge befinden sich an den Eckbauten, außerdem sind 14 Nebcneingänge und 4 Hauptportale vorhanden. Die Halle ist 22 Meter hoch und enthält insgesamt 7664 Sitzplätze. Davon ent­fallen auf das Parterre 4806, auf die Logen 544, auf die Galericen 2820. Von der Kaiserloge führt eine Treppe in den Saal hinab, die die Vorsitzenden und Dirigenten der preisgekrönten Vereine benützen, um die Preise in Empfang zu nehmen. Neben der Kaiserloge liegen die Logen für die Ehrengäste, Preisrichter u. s. w. Für Er­frischungshallen, Garderoben und Toiletten ist ausgiebig gesorgt. Die Ausschmückung ist mit Rücksicht auf die Akustik gering. Die Beleuchtung erfolgt am Tage durch Oberlicht, abends elektrisch. Mit dem Hippodrom ist die Festhalle durch eine Überbrückung der Forsthausstraße verbunden. DaS Hippodrom ist in einen Festsaal ver­wandelt. Sechs Gebäude auf dem Festplatz dienen dem Restaurationsbetrieb. Musikpavillons, Konditoreien rc. fehlen ebenfalls nicht. Operetten- und Schwankauffüh­rungen finden täglich mehrmals statt.

— Eine Offiziers-Litewka nener Art ist in dem Schaufenster des UiriformschneiderS Ehr. Fischer, Schwalbachcrstraße 4, au 3 - gestellt. Das jetzt zur Einführung gelangende Kleidungsstück ist aus demselben hellgrauen Stoffe wie die Paletots gearbeitet und hat zwei Reihen goldener, bezw. silberner Knöpfe. Aufschläge, Front- und Umlegekragen, aus welchem noch eine Patte in der Farbe der Schulterklappen siüt, sind mit Vorstößen/entsprechend der Farbe des WaffenrockbefatzeS, versehen. Die Litewka, zu welcher die gewöhnlichen OfsszierS-Achselstücke getragen werben, macht einen sehr gefälligen Eindruck und dürfte sich infolge ihres praktischen Schnittes schnell beliebt machen.

— Südivcstdentsche Konferenz für Innere Mission. Die 38. Jahresversammlung der südwestdcutscheu Kon­ferenz für Innere Mission wird am 17. und 18. Juni in Wiesbaden abgehalten werden. Vorträge haben zugesagt die Herren: Marine-Oberpsarrer Christian Rogge-Kiel über: „Die Stellung des Christentums in den geistigen

wahrscheinlich Blut von den Opfertieren, mit darin ein­gebetteten Stückchen aus Elfenbein und Töpferwaren. Das Elfenbein war aber weich wie Käse. Man grub also vorsichtig unter der Masse, stieß eine Mulde darunter und nahm sie zum Trocknen und Erhärten fort. Dann zerlegte Petrie die ganze Masse und fand viele schöne Gegenstände aus Elfenbein und anderen Stoffen. Da­runter war vor allem eine schöne Statuette von Khufu, dem ersten König der vierten Dynastie, vorzüglich ge­schnitzt mit einem feinen Gesicht, das dem JustinianS ähnelt: die Oberfläche war so glatt und zart, wie sie vor 6000 Jahren gemacht war. Khufus Kops war abgebrochen: aber dieses einzige authentische Porträt war so wichtig, daß Petrie drei Wochen lang einen Mann die ganze Erde durchsieben ließ und endlich den Schatz entdeckte, der kaum so groß wie eine Haselnuß ist. Eine Amphora, in der die Egypter Ol und Farbe aus Kreta einführten, Lotus- kapitelle aus der Zeit der ersten Dynastie, die diese archi­tektonische Ausschmückung um Tausende von Jahren zurückversetzen, farbige Emails, die auch nur späteren Perioden zugeschrieben wurden, der unterirdische, von Strabo erwähnte Altar gehören weiter zu den vielen interessanten Dingen, die Professor Petrie gesunden hat.

* Benutzten die Alten Vergrößernngsglöser? Im Berliner Museum befinden sich drei Linsen, die aus alten römischen Bädern stammen, und ihre Prüfung hat zu dem Schluß geführt, daß man im römischen Altertum die Herstellung von Vergrößerungsgläsern mit sehr großer Öffnung verstand. Diese Meinung wird jedoch von den Sachverständigen nicht überall geteilt, vielmehr wird nach anderen Untersuchungen angenommen, daß jene Linsen, wenn man sie auch als solche betrachten darf, niemals als Vergrößerungsgläser benutzt wurden, sondern zur Konzentration von Licht und möglicherweise auch von Wärme. Es ist denkbar, daß die Römer in ihrer außer­ordentlichen Vorliebe für warme Bäder sich zur Erwär­mung des Wassers oder der Luft gelegentlich solcher Gläser bedienten. Die erwähnten Linsen haben nämlich eine beträchtliche Größe, sie messen im Rechteck 27 zu 38 Ceutimeter und haben auf der einen Seite eine ebene, auf der anderen eine konvexe Fläche. Der Schluß würde nahe liegen, daß sie als Fensterscheiben benutzt wurden. Das Glas ist klar, aber bedeckt mit Schrammen und von gelblich-grüner Farbe. Die konvexe Seite ist nicht ganz

17. Mai Iv03. Seite 8.

Kämpfen der Gegenwart" und Herr Pfarrer Wahl- Langen über: „Stadt und Land, ihr gegenseitiger Dienst am Reich Gottes." Die Festpredigt wird Herr Hof- Prediger Keßler-Potsdam halten. In der Nachversamm. lung werden Vertreter der Inneren Mission aus ver. schicdenen Gegenden beS KonferenzgebieteS Ansprachen halten. — Die sübwestdeutsche Konferenz umfaßt jetzt den ganzen Südwesten Deutschlands, nachdem neuerdtngl auch Württemberg dem Verbände beigetreten ist, dem et in den ersten Jahren schon angehört hatte.

— Historische« Kostümfest aus der Ruine Sonnender« am

27. Mai. Die Arbeite» für das vielversprechende Fest sind t» vollem Gange und es herrscht rcgcS Treiben in der „Künstle» klai-se". Noch bis heute meldeten sich — trotz der vorgeschrittenen Zeit — Mitwirkende, und die Nachfrage nach Eintrittskarte«, deren Preis man sich im allgemeinen nach dem, was geboten wird, viel höher vorgcstcllt hatte, ist eine rege. Die Proben zu dem poetisch-geschichtlichen Festspiel des Herrn Hosrat Professor vr. Beyer leitet Herr Direktor Rauch, und so ist es wohl nicht falsch, wenn man dem Fest ein glänzendes Gelingen voraussagt, umso mehr, alS auch das Interesse des Publikums für diese, für Wiesbaden neue und anregend künstlerische Veranstaltung ein großes ist. Außer in den Buchhandlungen von Staadt, Nörter«- hauscr, Fellcr u. GeckS, Moritz u. Münzcl und in den Kunftt salonS von AktuaryuS und Bietor sind Eintrittskarten im Vor­verkauf und zu ermäßigtem Preis auch an der Kaffe deS Kurhauses und beim Portier der „Klause", Wilhelmstratze 24, zu habe»

Vereins-Nachrichten.

* Heute wird ciu Familien-Ausflug des „Pompiert E o r p i“ nach Bleidenstadt gemacht. Mmarsch 1 Uhr Sedanplatz. Fahrgelegenheit 2.19 Uhr, Retourbillet Hahn.

* „Turnvcrei n". Das Anturnen des „Turnverein«" findet, günstige Witterung vorausgesetzt, heute auf dem Turnplatz auf dem Atzelberg statt und seien hiermit die Freunde der Trrnerei nochmals darauf hingewiesen.

* Auf die heutige Unterhaltung mit Tanz des Klubs „Rhein, g o l d" im Saalbau Goßmann in Bicrstadt sei nochmals hin» gewiesen.

* Die Gesellschaft „Gemütlichkeit" veranstaltet heute Sountag, nachmittags 4 Uhr, bei jeder Witterung einen Ausflug nach dem „Burggrafen" an der Waldstraße

-st Sonnenberg, 1(3. Mai. In der Frage unseres evangelischen Kirchenbaues haben wir einen weiteren Forsschritt zu ver­zeichnen. Es hat sich aus den Gemeinde-Körperschaften unter dem Borsitz des Ortsgeistlichcn, Herrn Pfarrer Schupp, ein sechs, gliedriges Comite gebildet, in welches von seiten deS Kirchen- vorstandcs die Herren Kapitän v. Alten, Hauptlehrer Schneider und Landwirt Wintermeyer, und seitens der Vertretung dis Herren Bürgermeister Schmidt, Direktor Schulze und Maure» mctster Hch. Seelgen delegiert wurden. Hoffentlich gelingt e« feinen energischen Bemühungen, der Kirchemrot dahier recht bald ein Ziel zu setzen.

z Frankfurt a. M., IS. Mai. Ei» interessante« sportliches Schauspiel versammelte gestern abend di« Frankfurter Sportwelt im Circus Corty-Althofs. Professor Smith bändigte das Rcnnpserd „Hans Thoma" aus dem Wein- bergfchen Stall, das ursprünglich 12 900 Mk. wert, wegen seiner Bösartigkeit und nachdem es einen Jockei schwer verletzt hatte» an einen Niederräder Gastwirt für 189 Mk. hatte verkauft werden müssen. Smith machte das Tier völlig zahm und spannte e« sogar in einen leichten Wagen. DaZ Publikum war begeistert.

* AuS der Umgebung. Der mit der kommissarischen Ver­waltung des Landratsamtcs des Dillkreises betraute Re4 gierungSrat v. Wussow wurde zum königlichen Landrat ernannt.

In S ch l a n g c n b a ü hat der langjährige Gemeinde- und evangelische Kirchenrechner, Herr W. Schäscr, wegen hohen Aller« seine Ämter niedergelegt. Zum Gemeinderechner wurde Herr Friedrich und zum evangelischen Kirchenrechncr Herr K. Schmidt gewählt.

In Frankfurt starb dieser Tage nach langer Krankheit vr. Eugen Lucius in seiner Wohnung, Mainzerlandstraße 42. Er war am 15. April 1834 zu Erfurt geboren, promovierte t» Heidelberg und übernahm in jungen Jahren eine chemische Fabrik in Höchst, aus der sich dann im Laufe der Zeit das große Untevi nehmen der Höchster Farbwerke entwickelte, vr. Lucius war »otz 187z bis 1879 Abgeordneter Frankfurts für den preußischen Land, tag. Die Höchster Farbwerke haben halbmast geflaggt.

In Siegen fanden Schnlkinber in einem Hauberge ein« Kiste mit Dynamit. Die Umhüllung der Patronen trägt die Im» schrift „Dynamitfabrik Opladen". Die Polizei stellte fest, baß die Kiste schon längere Zeit vergraben sein mußte und traf alle So» sichtSmaßregcln.

genau sphärisch, sondern in der Mitte abgeplattet. Wahr­scheinlich wurde dem Glasfluß zunächst durch eine Form annähernd die gewünschte Gestalt gegeben, und dann er­folgte die Politur. Daß die Gläser mit groben un­feinen Poliermitteln behandelt worden sind, ist noch jetzt an den Rändern deutlich erkennbar. Die von solchen Linsen gegebenen Bilder würden für das Auge von sehr geringem Wert sein, und wenn der Überlieferung zufolge Nero die Zirkusspiele durch einen konkaven Smaragd betrachtet haben soll, so scheint es doch schwerlich begrün­det, anzunehmen, daß die Römer, die einen Smaragd zu einem Vergrößerungsglas umzubilden verstanden, sich mit so rohen Linsen für optische Zwecke sollten begnügt haben.

vr. T. Eine Krankheit der Nasenflügel. Mit vollem Recht wird immer wieder darauf hingewiesen, daß die Atmung möglichst durch die Nase und nicht durch den Mund erfolgen soll. Beim Durchgang durch die Nase wird die Luft nicht nur zur Aufnahme in die Lunge in geeigneter Weise vorgewärmt, sondern es bleibt auch in der Nase viel von den Unreinlichkeiten der Luft, sowohl Staub, als etwatgenfalls schädliche Bakterien, zurück. Es ist daher nicht unbedenklich, wenn die Nase für die Atmung unbenutzbar wird. Das kann selbstverständlich durch verschiedene Arten von Nasenverstopfung eintreten, aber auch durch eine krankhafte Veränderung der Nasen­flügel, die garnicht selten vorkommt. Manche Menschen haben schon an sich enge Nasenlöcher, und sie sind dieser Erkrankung, wenn man sie so nennen soll, am ehesten aus- gesetzt, die darin besteht, daß bei jeder Atmung die Nasen­flügel so angcsangt werden, daß die Luft nur sehr schwer oder überhaupt garnicht in die Nase eintreten kann. Bei leichteren Graden des Leidens macht sich die unangenehme Erscheinung nur bei stärkerer körperlicher Anstrengung bemerkbar, z. B. beim Treppen- und Bergsteigen: es kann aber auch bis zu einer vollständigen Unmöglichkeit der Nasenatmung fortschrciten. vr. Menzel ans Wien be­spricht in der „Münchener Medizinischen Wochenschrift" die „Nasenflügelansaugnng" und gleichzeitig auch ihre Behandlung. Man wußte bisher mit diesem Leiden wenig anzufangen und beschränkt sich gewöhnlich darauf, durch Anwendung eines kleinen Instruments die Nasenflügel zwangsweise offen zu Halte», was jedoch für den Patien­ten höchst lästig ist, einmal wegen der unangenehmen